13. Deutsches Kinofestival von Buenos Aires

Vom 12. bis 18. September wird das Neueste und Beste des deutschen Filmschaffens gezeigt

Von Susanne Franz


“Wir haben wieder ein tolles Programm mit vielen schönen Filmen!”, freut sich Gustav Wilhelmi. Der Chef der deutschen Verleihers “German Films” in Argentinien ist mittendrin in den letzten Vorbereitungen für das 13. Deutsche Kinofestival von Buenos Aires, das vom 12. bis 18. September im Kinokomplex Village Recoleta über die Bühne geht. Auch in diesem Jahr setzt Wilhelmi wieder stark auf die sozialen Netzwerke wie Facebook, um “sein” Festival zu promoten.

Unterstützt von der deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut Buenos Aires, wird dem kinobegeisterten Publikum der argentinischen Hauptstadt das Neueste und Feinste des deutschen Filmschaffens geboten. Auf dem Programm stehen 11 Langspielfilme, 13 Kurzfilme (zusammengefasst in einem Kurzfilmprogramm) mit Werken junger, aufstrebender Regisseure und ein Stummfilm mit Live-Musik des beliebten Orchesters “Mudos por el Celuloide” von Marcelo Katz als Abschlussfilm.

Die Premiere von “Hannah Arendt” der berühmten Regisseurin Margarethe von Trotta wird eines der Highlights des diesjährigen Festivals sein. Aber man kann sich auch auf den “Lynchesken” Film “Finsterworld” von Frauke Finsterwalder freuen, der soeben auf dem Filmfest München seine Uraufführung hatte, oder die Komödie “Schlussmacher” von und mit Matthias Schweighöfer, das DDR-Drama “Wir wollten aufs Meer” von Toke Constantin Hebbeln und den Jugendfilm “Die Vampirschwestern” von Wolfgang Groos.

Mit großer Spannung kann man auch den Dokumentarfilm “Speed” von Florian Opitz erwarten, in dem der Regisseur der Frage nachgeht, warum die Menschen heute immer weniger Zeit haben.

Details erfährt man in Kürze auf der Webseite des Festivals. Die Eintrittskarten kosten 50 Pesos für die Einzelkarte (mit Ausnahme des Stummfilms, 62 Pesos), für Filmfreaks gibt es auch die Varianten 6×5 und 10×8 (sechs Karten für den Preis von fünf bzw. zehn für den Preis von acht).

Foto:
Sandra Hüller in “Finsterworld”.

Von der großen in die kleine Welt

Neues Programm des “Ballet Contemporáneo del Teatro San Martín”

Von Maren van Treel


Mit Einbruch der Dunkelheit erwachen die Straßen von Buenos Aires zum Leben. Am Obelisken strömen Sinneseindrücke auf den kleinen Passanten, die denen des New Yorker Times Square gleichkommen: ein Meer von Autos, Lichtern, Menschen.
Nicht unweit des Obelisken befindet sich der nächste Superlativ, das Teatro San Martín. Mit dem Öffnen der Tür tritt man jedoch von der großen Welt vor der Tür in die kleine Welt für sich.

Am Freitagabend vergangener Woche fand hier die Aufführung dreier verschiedener Werke statt, getanzt vom “Ballet Contemporáneo” unter der Leitung Mauricio Wainrots. Uraufgeführt wurden das Werk “Galaxia” mit Choreographie und Videoinstallationen von Margarita Bali und “Oscuras golondrinas” unter der Leitung Daniel Goldins, wieder aufgenommen wurde das bekannte Werk “La consagración de la primavera” mit einer Choreographie von Mauricio Wainrot.

Auch hier wurde der Zuschauer von der großen in die kleine Welt geführt, denn begonnen wurde mit dem Stück “Galaxias”, inszeniert von Margarita Bali zur Musik von Gabriel Gendín. Mit dem Erscheinen des Universums auf der Leinwand an der Rückwand der Bühne wurde der Zuschauer mitgenommen in eine Welt, die unbegreiflich größer ist als die große Stadt vor der Tür des Theaters.

Die Videoinstallationen und die Miniaturtänzer auf der Leinwand wurden von ihren menschlichen Vorbildern begleitet, die jeweils mit einer weißen Kugel in der Hand auf die Bühne eilten.

Was dann folgte, waren tanzende Galaxien, jeder der Tänzer ein Stern oder ein Planet. Die Zuschauer sahen die unterschiedlichsten Phänomene des Universums. Im Mittelpunkt stand dabei die immerwährende Bewegung des Kosmos. So wie die Planeten sich um ihre eigene Achse drehen, drehten sich auch die Tänzer in Pirouetten um sich selbst. Unterbrochen wurden die einzelnen Sequenzen von einem Mann im schwarzen Frack, der einen Astronomen darstellte und die Ereignisse sorgfältig studierte.

Das zweite Stück trug den Namen “Oscuras golondrinas” und wurde unter der Leitung Daniel Goldins zu der Musik von Dimitri Schostakowitsch aufgeführt. Vom Universum zurück zum Planeten Erde, der Schauplatz: die Stadt. Straßenlaternen, beschmierte graue Wände, eine Bushaltestelle, ein Haus. Die Handlung sponn sich um das Leben der Menschen in der Metropole. Oft tanzten die Tänzer parallel zueinander, liefen aneinander vorbei, hektisch und schnell. Selten schenkten sie sich innige Gesten. Parallel zueinander und dem Publikum zugewandt, fassten sie sich allesamt wie verzweifelt an den Kopf oder bewegten die Lippen wie im Gespräch zu einem unsichtbaren Gegenüber – dem Publikum, oder gar sich selbst? Das Ganze hatte fast etwas Zombiehaftes. Leben in der großen Stadt: Anonymität, ein Nebeneinander, selten ein Miteinander, und ein ewiges Überschneiden der Lebenswege an den immer gleichen Orten des Alltags. Ihren Ausdruck fand diese Melancholie auch darin, dass alle Tänzer zum Schluss schwarze Mäntel trugen. Einsamkeit und Isolation mitten in der Menschenmasse.

Das dritte und letzte Stück des Abends war das bekannte Ballett “La consagración de la primavera”. Das Stück wurde neu inszeniert von Mauricio Wainrot, dem Leiter des “Ballet Contemporáneo”. Es spielt im heidnischen Russland und handelt von einer Frühlingsopferung zur Beschwichtigung des Frühlingsgottes.

In Pastelltönen gekleidet, boten die Tänzer dem Publikum ein Spektakel der Gruppendynamik. Besonders eindrucksvoll war der rivalisierende Tanz der Geschlechter, bei dem die Männer auf dem rechten und die Frauen zeitgleich auf dem linken Teil der Bühne tanzten. Im Laufe des Stücks wurde die Jungfrau bestimmt, die geopfert werden sollte. Vergeblich flehte sie um Gnade, fügte sich dann jedoch in ihr Schicksal. Gekrönt wurde das Ganze mit einem spektakulären Schlussbild.

Mit dieser letzten Szene schloss sich der Vorhang, es gab “Bravo”-Rufe, und das Publikum strömte aus dem Saal. Hinaus aus der kleinen Welt, zurück in die große.

Die Aufführung der drei Werke ist noch bis zum 25. August donnerstags um 14.30 Uhr, freitags und samstags jeweils um 20.30 Uhr und sonntags um 19 Uhr im Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530) zu sehen. Sie dauert insgesamt 130 Minuten und beinhaltet zwei Pausen von je einer halben Stunde. Der Eintritt kostet 70 Pesos für Sitzplätze im Pullman und 90 Pesos für Sitzplätze im Parterre. Donnerstags kann man sich die drei Stücke für nur 30 Pesos ansehen.

Foto:
Tanzende Galaxien: Choreographie von Margarita Bali.
(Carlos Flynn)

Yayoi Kusama @ Malba

Yayoi Kusama @ Malba

Kunst in Argentinien – Yayoi Kusama from Paula Bonnet on Vimeo.

Produktion: Paula Bonnet
Video: Santiago Shinsato/Noviembre Films

Buenos Aires punktet

Werke der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama zum ersten Mal in Lateinamerika

Von Carlo-Johannes Schmid


Nur ein Punkt unter vielen – so fühlt man sich, wenn man dieser Tage in der langen Schlange steht, die seit dem 29. Juni fast täglich vor dem Malba – Museum für Lateinamerikanische Kunst in Buenos Aires zu sehen ist. Am Abend der Eröffnung reichte die Menschenkette gar um den kompletten Block, und das Museum musste wegen des großen Andrangs seine Öffnungszeit bis 1 Uhr morgens verlängern.

Der Grund des Ansturms kündigt sich schon rund um das Museum an. Entlang der Avenida Figueroa Alcorta sind einige Bäume und Bushaltestellen in ein rotes Gewand mit weißen Flecken gehüllt. Die Punkte oder “Polka Dots” sind das Markenzeichen der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerin Japans: Yayoi Kusama, die mit “Yayoi Kusama. Obsesión infinita” ihre erste Retrospektive in Lateinamerika präsentiert. Noch bis zum 16. September kann man die Werke der Künstlerin im Malba sehen.

“Yayoi Kusama. Obsesión infinita” wurde in Zusammenarbeit mit dem Studio der Künstlerin und dem Malba realisiert und nimmt die Besucher mit auf einen umfassenden Rundgang ihrer Werke zwischen 1950 und 2013. Die Ausstellung beinhaltet die wichtigsten Objekte ihres fast sechs Jahrzehnte andauernden Schaffens. Zu sehen gibt es Gemälde, Werke auf Papier, Skulpturen, Videos, Slideshows und Installationen. Und, natürlich, jede Menge Punkte.

Diese markierten auch den Beginn ihres künstlerischen Schaffens. Als Kind litt Yayoi Kusama unter Halluzinationen und Angstzuständen. Als sie von der weiß gepunkteten Tischdecke in ihrem Elternhaus aufblickte, habe sie gesehen, wie sich das Muster überall ausbreitete: An den Wänden, an ihrem Körper, an der Decke. Damals hätte sie sich gefühlt, als würde sie sich selbst in dem Muster auflösen. Seitdem sollten die “Polka Dots”, wie die Künstlerin selbst die Punkte nennt, Inhalt ihrer Kunst werden und es bis heute bleiben.

Geboren in eine bürgerliche Familie im Jahre 1929 in der japanischen Stadt Matsumoto, war Yayoi Kusamas Kindheit von der strengen Erziehung der Eltern geprägt. Bis sie 1948 an die Kyoto School of Arts and Crafts ging und in den folgenden Jahren neun Ausstellungen hatte. Dadurch gelangte sie zu landesweiter Bekanntheit, die Anerkennung blieb jedoch aus. Erst als es sie 1955 nach New York zog und ihre dort entstandenen Skulpturen und Installationen neben Größen wie Andy Warhol, Claes Oldenburg und George Segal in den frühen 1960er Jahren ausgestellt wurden, gelangte sie zu Berühmtheit, jedoch nicht zu Reichtum. Deshalb kehrte sie nach Japan zurück. Dort ließ sie sich wegen ihrer Angstzustände freiwillig in eine Nervenheilanstalt einliefern, in der sie bis heute lebt und arbeitet.

Heute gilt Yayoi Kusama als bedeutendste lebende Künstlerin Japans. Ihre Werke wurden in den wichtigsten Museen weltweit ausgestellt. Im Rahmen ihrer Lateinamerika-Tour wird die Retrospektive “Yayoi Kusama. Obsesión infinita” dieses Jahr noch in Rio de Janeiro, Brasilia, Sao Paulo und Mexiko-Stadt zu sehen sein.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören sicherlich ihre berühmten Werke aus den 50er Jahren sowie die sich durch ihr ganzes Schaffen ziehenden “Infinity Nets” und ihre berühmten phallischen Skulpturen. Um diese zu fertigen, überzog Kusama Möbel und andere Haushaltsgegenstände mit Stoffwülsten. Viele Experten vermuten darin den Versuch der Künstlerin, ihre sexuellen Ängste aufzuarbeiten. Auch eine Sammlung von Skulpturen und Bildern ihrer Happenings und Performances aus der New Yorker Zeit sind zu sehen, genauso wie einige ihrer neuesten Gemälde und Installationen.

Wenn man wieder herauskommt aus dem Bad in den Bällen, ist die Schlange vor dem Malba immer noch nicht kleiner geworden. Fast könnte man sich der Künstlerin dann emotional nah fühlen: Sie beschreibt ihr Leben als einen Punkt von vielen im Universum.

Vom Surrealismus zum Informel

Die Kunsthalle Bremen zeigt eine umfassende Retrospektive zum Werk des 1932 nach Paris emigrierten Deutschen Wols

Von Nicole Büsing & Heiko Klaas


“Wols ist ein furchtbarer Künstler, weil er uns Mühe macht”, sagt der Frankfurter Kunsthistoriker und Wols-Experte Ewald Rathke. “Doch wenn man sich die Mühe macht, hat man ein Vergnügen, und man gewinnt Einsichten.” Erwald Rathke hat zusammen mit Toby Kamps von der Menil Collection in Houston, Texas, zum 100. Geburtstag von Wols eine umfangreiche Retrospektive mit über 200 Werken in der Kunsthalle Bremen zusammengestellt. Es ist die umfangreichste Wols-Präsentation seit 25 Jahren. Gezeigt werden 32 Fotografien, 126 Arbeiten auf Papier, 36 Gemälde, 19 illustrierte Bücher, aber auch der Malkasten und das Banjo des Künstlers.

Frühe Schwarz-Weiß-Fotografien aus den 1930er und 1940er Jahren bilden den Auftakt der sehenswerten Schau. Surreale Arrangements weisen bereits hier in die Richtung, die der 1913 in Berlin als Alfred Otto Wolfgang Schulze geborene Wols einschlagen wird. 1932 verließ er Deutschland und ließ sich in Paris nieder. Hier erlebte er im Kreis der Surrealisten um Max Ernst, Yves Tanguy und Alberto Giacometti seine künstlerische Erweckung. Es entstehen frühe Aquarelle und Federzeichnungen: Traumsequenzen und noch der Realität verhaftete kleine Szenen. “Alles Zeichnen ist von Anfang an eine artifizielle Veranstaltung”, erläutert Kurator Ewald Rathke.

Die chronologisch aufgebaute Bremer Schau hangelt sich nicht, wie so oft bei Wols, entlang seiner tragischen Biografie, die geprägt ist von Aufenthalten in Internierungslagern, Alkoholsucht und dem frühen Tod im Jahr 1951 nach einer Lebensmittelvergiftung. Vielmehr zeichnet die Schau anhand seines künstlerischen Œuvres die Entwicklung vom Surrrealismus zum Informel nach, zur malerischen Abstraktion. “Da wird das Gegenständliche aufgegeben und in Strukturen überführt”, bringt es Ewald Rathke auf den Punkt.

So lässt sich an dem 1947 entstandenen Gemälde “Vert cache rouge” gut erkennen, dass alles, was wie zufällig entstanden aussieht, einer wohlüberlegten Ordnung entspricht. Eine imaginäre Achse teilt das abstrakte Gemälde in eine rechte und eine linke Bildhälfte, unterschiedlich dichte Bewegungsstrukturen geben einen Rhythmus vor. Wols hat mehrere Farbschichten aufgetragen und mit dem Pinselstiel noch ins feuchte Rot geritzt. “Man muss das Bild begreifen als etwas, das keine Realität ist und doch der Realität nahe kommt”, erläutert Ewald Rathke.

Wols’ informelle Bilder thematisieren Leiden und Freude, Verzweiflung, Ängste und erlittene Traumata. Zu seinen Lebzeiten wurde Wols erst spät entdeckt. Der Pariser Galerist René Drouin richtete ihm im Jahr 1947 eine Ausstellung aus. Doch wirklich geschätzt wurde Wols’ prägnantes Werk erst nach seinem Tod. So war er auf den ersten drei Documenta-Ausstellungen vertreten. 1958 wurde er auf der Biennale Venedig ausgestellt.

Wols’ malerisches Œuvre ist schmal geblieben. Die wenigen Gemälde befinden sich in Museen und im Privatbesitz. Die Bremer Schau konnte jetzt 36 Gemälde zusammentragen. Das entspricht fast der Hälfte seines aus insgesamt nur 80 Gemälden bestehendem malerischen Werks.

  • Ausstellung: Wols: Die Retrospektive
  • Ort: Kunsthalle Bremen
  • Zeit: bis 11. August 2013
  • Di 10-21 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr
  • Katalog: Hirmer Verlag, 300 S., 165 Farbtafeln, 60 Farbabb., 224 Miniaturabb., 29,00 Euro (Museum), 45,00 Euro (Buchhandel)
  • Internet

Fotos von oben nach unten:

Wols: Deux sous le baldaquin rayé, um 1938/39. Tuschpinsel und Aquarell auf Aquarellpapier, auf Ingres-Bütten aufgezogen, 31,5 x 42 cm. Privatbesitz, Deutschland.
(Joachim Fliegner, Bremen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

Wols: Selbstporträt, Paris 1938. Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.
(© VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

Wols: Ohne Titel, 1942/43. Tuschfeder und Aquarell auf Papier, 19,9 x 12,8 cm. Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Bremen.
(Joachim Fliegner)

“Unsere Accessoires sind Protagonisten”

Click aquí para leer la versión en castellano.

“Los Vados del Isen” – Top-Adresse für Modeschmuck in Argentinien

Von Paula Bonnet


Im Jahr 2001 arbeitete Federico Estrella noch als Grafikdesigner in einer Firma. Es war eine schwierige Zeit in Argentinien: Vor Jahresende verlor er seinen Job. Doch er hatte Glück im Unglück: Mit einem Geschenk seiner Tante und viel Ideenreichtum hob er “Los Vados del Isen” aus der Taufe, heute eine der Top-Adressen für Modeschmuck in Argentinien. Zusammen mit seinen Partnern – seiner Frau Vero und seinem Schwager Víctor Esnaola – hat er einen Laden im Buenos Aires-Stadtteil “Barrio Norte” (Aráoz 2918). Die Firma hat sich einen treuen Kundenstamm in Argentinien aufgebaut, exportiert ins Ausland und arbeitet mit berühmten Modemarken zusammen.

PB: Wie habt ihr angefangen?

Víctor (V): An den Wochenenden verkauften Fede und Vero Schmuck auf den Designermärkten, die in den Jahren 2002/2003 so beliebt waren. Dann wollten sie einen Laden in “Las Cañitas” eröffnen, und sie luden mich ein, mit ins Boot zu kommen. Seitdem sind wir ein Team. Schon vorher hatte ich unseren Schmuck in Restaurants und Bars verkauft.

Als wir das Geschäft eröffnet hatten, gingen wir nicht mehr auf Märkte. Wir konzentrierten uns darauf, viel Ware herzustellen und uns einen Kundenstamm aufzubauen. 2004 sind wir in den Laden in der Straße Aráoz umgezogen. Von da an wurde unsere Marke bekannter, in den Zeitschriften erschienen Artikel über uns, und viele Leute empfahlen uns weiter.

Wir entwarfen dann verstärkt Schmuck für den Abend und schufen Herbst/Winter- und Frühling/Sommer-Kollektionen. Wir produzierten auch bald für andere Marken. Es ist super, wie sehr sich unser Geschäft entwickelt hat und wie gut es uns heute geht.

PB: Wie war das, im Krisenjahr 2001 ein neues Projekt voranzubringen?

Federico (F): Meine Tante hat mir sehr geholfen, denn am Anfang wusste ich nicht viel über Schmuck. Als ich meinen Job als Grafikdesigner verloren hatte, wollte ich mich selbstständig machen. In dem Moment schenkte meine Tante mir sehr schöne, antike Steine. Ich machte Ketten daraus, gute Sachen, die die Kunden haben wollten.

PB: Wie habt ihr gelernt, Schmuck herzustellen?

V: Wir haben keine spezielle Ausbildung im Schmuckdesign, aber wir haben einen eigenen Stil, den unsere Kunden schätzen. Die Inspiration dazu kommt während der Arbeit in unserer Werkstatt. Ich sage immer, dass das Ergebnis aus 20% Inspiration und 80% Schweiß besteht! Wir machen Qualität, weil wir sehr viel arbeiten.

PB: Was ist das Geheimnis eurer Kreationen?

V: Unsere Accessoires sind keine Anhängsel, sondern selbst die Protagonisten: Das ist unsere Essenz. Sie sind prächtig, nicht ein Anhängerchen an einer dünnen Kette. Aus genau diesem Grund kaufen viele unserer Kundinnen auch zuerst ihren Schmuck bei uns – und dann kaufen sie Kleider und Schuhe, die dazu passen.

PB: Macht ihr alles alleine?

F: Ja, wir sind ein Familienbetrieb. Wir haben unser Geschäft aus eigener Kraft aufgebaut.

V: Fede und ich stellen jedes einzelne Schmuckstück selbst her. Wir sind keine große Firma. Wir wollen auch nur dieses eine Geschäft haben und hier alle unsere Projekte verwirklichen.

PB: Wie entwerft ihr eine Kollektion?

V: Wie die meisten Designer: Wir versuchen, neue Trends aufzuspüren und stellen uns vor, wie sie sich in fünf Monaten verändern werden. Das besondere Merkmal kann ein Tier, ein Symbol oder eine Farbe sein. Wir arbeiten viel mit Türkis und Fuchsia: zeitlose Farben, die fest zu unserer Marke gehören.

PB: “Los Vados del Isen” ist ein Ort aus dem “Herrn der Ringe”. Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

F: Als ich mit dem Schmuckdesign angefangen habe, hat Vero gerade die Trilogie gelesen. Sie hat den Namen vorgeschlagen. Am Anfang war es schwer, ihn durchzusetzen: er ist lang und kompliziert. Heutzutage werden wir meist nur “Los Vados” genannt.

PB: Mit wem arbeitet ihr im Moment zusammen?

V: 2014 werden wir mit Rapsodia zusammenarbeiten. Das Vorhaben ist ganz neu. Wir machen auch Schmuck für Tucci und Ginebra, eine neue Marke, die uns gut ergänzt.

PB: Kümmert ihr euch auch um die kommerzielle Seite des Geschäfts?

V: Ja, wir machen den Schmuck selbst und treffen auch alle Entscheidungen. Vero und meine Freundin arbeiten mit den Grossisten, machen die Pressearbeit und die Werbung. Fede und ich versuchen, uns auf unsere Produkte zu konzentrieren.

PB: Was wird in eurem Blog veröffentlicht?

V: Das macht Vero. Sie stellt Produktionen, die wir machen, und auch Fotos von unserer Freundin Tefi in den Blog. Sie ist auch für Facebook und Twitter verantwortlich.

PB: Euer Laden ist nicht in Palermo, sondern in einem Villenviertel. Warum?

F: Unsere Marke ist exklusiv und das wirkt sich auch auf den Laden aus. Wir waren nie in einer Gegend mit vielen Geschäften, wo viel Laufkundschaft hinkommt. Wir wollen, dass unsere Kundinnen und Nachbarinnen sich bei uns wohl fühlen. Früher war unser Laden ein Friseursalon. Wir sahen das “Zu vermieten”-Schild, und die Gegend hat uns gefallen. Wir sind ganz in der Nähe der Straßen Salguero und Cabello, aber zahlen hier viel weniger Miete.

V: Seit dem Jahr 2004 sind wir bekannter und haben mehr Kunden. Wir überlegten damals, ob wir umziehen sollten, aber unsere Kundinnen haben uns gesagt, dass sie sich hier sehr wohl fühlten. Hier können sie mit uns reden, und manchmal machen wir etwas Exklusives für sie. Wir genießen diesen direkten Kontakt, und unsere Kundinnen lieben es, wenn wir etwas ganz allein für sie produzieren.

PB: Die Kundinnen kommen also extra zu euch, um etwas ganz Spezifisches zu kaufen?

V: Ja, fast immer. Niemand kommt und geht dann einfach wieder, wie in anderen Läden. Die meisten Kundinnen suchen etwas Besonderes für eine Wochenendparty.

PB: Warum ist eure Marke 2004 berühmter geworden? Was habt ihr in jenem Jahr anders gemacht?

V: Wir hatten Glück: Viele wichtige Persönlichkeiten aus der Modebranche kamen bei uns vorbei und haben uns dann weiterempfohlen, und es sprach sich herum, dass wir tollen Schmuck herstellen. Im selben Jahr verstärkten wir auch den Handel mit dem Inland.

PB: Warum zeigt ihr eure Produkte nicht auf der Modewoche BAFWeek oder bei PuroDiseño?

V: Vielleicht in ein paar Jahren… Im Moment haben wir keine Zeit für Messen, weil man dafür eine große Infrastruktur braucht. Wir arbeiten lieber für das Tagesgeschäft. Wir legen Wert auf Qualität und wollen etwas Besonderes machen, es genügt uns nicht, wenn unsere Produkte einfach nur präsent sind.

PB: Wo verkauft ihr im Ausland?

F: Beim Online-Portal Anthropology und in Chile, Peru und Paraguay.

V: Wir haben Kunden, die dort wohnen oder ständig dorthin reisen und dann auch den Verkauf übernehmen.

PB: Macht ihr auch Lampen?

F: Ja, ich stelle sie mit einer Künstlerin zusammen her. Unsere Kinder gehen zusammen in den Kindergarten. Ich habe Lampen für mein Haus designt, so ist die Idee entstanden. Es ist nicht ganz mein Ding, aber sie macht Inneneinrichtungen für Häuser, und manchmal bietet sie einige unserer Lampen im Los-Vados-Stil an.

PB: Und Kleidung?

F: Vero und ich haben vor ein paar Jahren in Zusammenarbeit mit einer Weberin Pullover gemacht. Sie hatten entweder Vogelmuster oder waren mit besonderen Knöpfen versehen, die wie Ohrringe aussahen. Wir wollten keine gewöhnliche Kleidung produzieren, sondern etwas Besonderes entwerfen. Letztes Jahr hatten wir keine Zeit dazu und haben jetzt im Laden nur noch ein paar Einzelstücke, aber keine Kollektion mehr. Die Idee war gut, aber die Verwirklichung war kompliziert.

PB: Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Infos im Blog von “Los Vados del Isen”.

Fotos von oben nach unten:

Qualität und Exklusivität: Der Erfolg der Schmuckmarke spricht für sich.

Auffallend und prächtig: Die Schmuckstücke von “Los Vados” sind kein Beiwerk, sondern spielen die eigentliche Hauptrolle bei einem Outfit.

Panorama Sur, Internationale Plattform für Darstellende Kunst, Vierte Ausgabe

Autorenwerkstatt, Workshops, Vortragsreihe und Aufführungen vom 15. Juli bis 2. August 2013 in Buenos Aires

Bereits zum vierten Mal findet Panorama Sur in Buenos Aires statt. Nach drei erfolgreichen Ausgaben hat sich die internationale Arbeitsplattform für darstellende Kunst in Südamerika etabliert und erweitert mit jeder Edition ihren Radius. Die temporäre Akademie wurde 2010 von der Siemens Stiftung und THE – Asociación para el Teatro Latinoamericano ins Leben gerufen und wird seit 2012 durch eine Exzellenzinitiative des Goethe-Instituts ergänzt, die unter anderem ein Stipendienprogramm für Autoren lateinamerikanischen Ländern enthält. Die diesjährige Ausgabe wird, wie auch im letzten Jahr, durch den Complejo Teatral de Buenos Aires-Teatro San Martín unterstützt. Außerdem beteiligen sich die Institutionen Iberescena und Centro de Experimentación del Teatro Argentino de La Plata (TACEC).

Ziel dieses internationalen Forums ist es, den Dialog zwischen Künstlern aus lateinamerikanischen Ländern mit ihren strukturell sehr unterschiedlichen Kulturszenen zu intensivieren und die Vernetzung mit dem internationalen Theatergeschehen voranzutreiben. Im direkten persönlichen Austausch mit der Kulturszene vor Ort können die Teilnehmer des Autorenseminars von Alejandro Tantanian und Cynthia Edul über drei Wochen hinweg an geplanten Projekten arbeiten, neue Ideen entwickeln und nachhaltige Arbeitskontakte aufbauen. Das Stipendienprogramm ermöglicht den Teilnehmern, ihre erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen anschließend als Multiplikatoren in die Kulturszenen ihrer Heimatländer einzubringen.

Das Programm 2013 bietet unter anderem eine dreiwöchige, intensive Autorenwerkstatt, internationale Workshops, eine Vortragsreihe und drei argentinische Uraufführungen: Zwei Vorstellungen der kolumbianischen Theatergruppe Mapa Teatro (Discurso de un hombre decente und Testigo de las ruinas) sowie The croquis reloaded der spanischen Künstlerin Cuqui Jerez.

Seit der ersten Ausgabe nimmt Panorama Sur die Wirklichkeit jenseits der Repräsentation in den Blick. Die aktuelle Ausgabe setzt sich zum Ziel, über das zu reflektieren, was wir normalerweise “theatralen Raum” nennen und dessen Verankerung in der Gesellschaft. Im Zentrum des Programms steht dieses Jahr das kolumbianische Künstlerlabor Mapa Teatro, das in phantastischem Dokumentartheater und Videoinstallationen lokale und globale Probleme aus einer transdisziplinären Perspektive heraus konfrontiert.

Das Vorstellungsprogramm eröffnet Mapa Teatro im Teatro Argentino (TACEC) in La Plata mit dem Stück Discurso de un hombre decente. Danach wird im Teatro San Martín in Buenos Aires Testigo de las ruinas, ein weiteres Stück von Mapa Teatro zu sehen sein. Gleichzeitig präsentiert die spanische Konzeptkünstlerin Cuqui Jerez, deren Arbeiten zwischen den Grenzen der Gattungen Theater, Tanz und Visual Arts entstehen, ihre bekannte Performance The croquis reloaded im Espacio Callejón in Buenos Aires.

Besonders innovativ ist dieses Jahr die Präsentation der Arbeiten junger argentinischer Künstler, die sich mit den Themen beschäftigen, die Panorama Sur von Beginn an promoviert. So bietet Panorama Sur 2013 die Uraufführung des argentinischen Stücks Yo te vi caer von Santiago Loza unter der Regie und Bühnenkonzeption von Maricel Alvarez, gespielt von Diana Szeinblum und Santiago Loza im Teatro Argentino (TACEC) in La Plata.

Im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe werden sich unter dem Motto “Beyond Representation” Christiane Jatahy (Brasilien), Mariana Percovich (Uruguay), Santiago Loza (Argentinien), Mapa Teatro (Kolumbien) und Cuqui Jerez (Spanien) mit neuen künstlerischen Praktiken auseinandersetzen. Die Workshops von Mapa Teatro, Cuqui Jerez und Christiane Jatahy erforschen die Grenzen zwischen Theater, Tanz und Visual Arts.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Veranstaltung Aproximaciones a Distancia, eine Vorschau des neuen Stücks von Matías Umpierrez Distancia im Malba – Fundación Costantini. Diese Arbeit entstand im Rahmen der Autorenwerkstatt Panorama Sur 2012 und wird im September 2013 uraufgeführt. Es ist eine Kopruduktion von El Cultural San Martín und dem Goethe-Institut, mit der Unterstützung von Panorama Sur und der Französischen Botschaft in Argentinien. Die Teilnehmer der Autorenwerkstatt werden außerdem die Film-Installation des Spielfilms Un viajero atrapado en un proyectil von Luigi Voglino sehen können.

Eine weitere Besonderheit der Ausgabe Panorama Sur 2013 ist die Einbindung der virtuellen Auslegung des Produktionsablaufs der gesamten Plattform. Der in Chile ansässige, mexikanische Autor Fernando Ocampo, Teilnehmer und Stipendiat der Panorama Sur-Autorenwerkstatt 2012, begleitet die diesjährige Ausgabe als Social Media Korrespondent und wird über die Veranstaltungen und das Randgeschehen im Internet berichten.

Panorama Sur konsolidiert durch dieses Programm, über die Förderung der Vernetzung mit dem internationalen Theatergeschehen hinaus, sein Ziel, den innerlateinamerikanischen Dialog zu stärken, hatte man doch festgestellt, dass der Blick nach Europa in Lateinamerika stark ausgeprägt ist, während das Geschehen in den Nachbarländern kaum zur Kenntnis genommen wird. Panorama Sur leistet in diesem Sinne einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der Kulturszenen innerhalb Lateinamerikas.

Facebookseite hier.

Ausstellung des Goethe-Instituts Rio rund um den Fußball

Wanderausstellung “FÚTBOL: O jogo só acaba quando termina” wird im MUNTREF in Caseros eröffnet

Am Mittwoch, dem 10. Juli, wird um 13 Uhr im Museum der Universidad Tres de Febrero (UNTREF, Valentín Gómez 4838, Caseros, Buenos Aires) die Ausstellung “FÚTBOL: O jogo só acaba quando termina” eröffnet. Organisiert vom Goethe-Institut Rio de Janeiro und kuratiert von dessen Direktor Alfons Hug, umfasst die Wanderausstellung, die durch Südamerika tourt, Werke von Künstlern aus 10 Ländern. Eine aktueller Blick auf den so beliebten Sport und seine sozialen und kulturellen Auswirkungen wird in Fotos, Videos und Klangkunst zum Ausdruck gebracht.

Aus Deutschland nehmen Lukas Ligeti, Michael Wesely und Lela Ahmadzai teil; aus Brasilien Dias&Riedweg, Marina Camargo und Pablo Lobato; aus Uruguay, Luciano Supervielle, Santiago Tavella und Grupo Bajofondo; aus Argentinien, Gabriel Orge, Sebastián Gordín, Martín Weber, Paula Delgado und Ezequiel Suranyi; aus Chile, Gianfranco Foschino; aus China, Zhang Qing; aus Bolivien, Álvaro Olmos; aus Peru, Fernando Gutiérrez; aus Venezuela, Muu Blanco; und aus Südafrika, Zwelethu Mthethwa&Matthew Hindley.

Die Ausstellung kann bis zum 22. September montags bis sonntags von 11-20 Uhr bei freiem Eintritt besucht werden.

Infos auf Spanisch hier; auf Portugiesisch hier.

Traumdeutung mit feministischem Unterton

“Grete Stern: Los sueños” noch bis zum 1. Juli im Malba

Von Philip Norten


Im Malba-Museum sind noch bis zum 1. Juli unter dem Titel “Los sueños / Die Träume 1948–1951” Fotomontagen der deutsch-argentinischen Künstlerin Grete Stern zu sehen. Ausgestellt werden Originale, sogenannte Vintage-Abzüge, aus der Sammlung Costantini.

Die Montagen erschienen unter dem Titel “El psicoanálisis le ayudará” in der Zeitschrift “Idilio”, einer populären Frauenzeitschrift. Deren Leserinnen konnten in Form von Leserbriefen der Zeitschrift von ihren Träumen berichten, worauf diese vom Herausgeber der Zeitschrift Gino Germani, unter dem Pseudonym Richard Rest, gedeutet wurden. Diese Traumanalysen wurden schließlich, ergänzt von den Fotomontagen Sterns, veröffentlicht. Im Verlauf von drei Jahren entstanden so annähernd 150 Collagen.

Stern verwendete die Technik der Fotocollage – die Zusammensetzung von verschiedenen bereits vorhandenen Fotos –, die von Avantgardekünstlern der surrealistischen und der Dada-Bewegung in den 1920er Jahren entwickelt worden war. In ihren “Los sueños”-Collagen zeigt sie Frauen in unterschiedlichen, aber immer absurden Situationen, die einen Einblick in eine surreale Traumwelt zu geben scheinen. Sterns Frauen wirken dabei manchmal verängstigt oder bedroht, andere friedlich, wie die eingeschlossene Frau in der Flasche, oder einfach nur verwirrt, wie die Frau, die durch ein Zwitterwesen aus Schildkröte und Zug bedroht wird.

Doch wie auch bei anderen surrealistischen Kunstwerken steckt hinter der absurd komischen Fassade der Collagen eine wahre Botschaft. Denn die Traumwelten der Leserinnen decken ein Frauenbild auf, das sich damals in einem fundamentalen Wandel befand. Das Bild der modernen Frau entstand und bedrohte das traditionelle Familienmodell und Rollenverständnis. Grete Sterns eigene Biografie ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung: 1904 in Wuppertal geboren, studierte sie 1923-1925 an der Kunstgewerbeschule Stuttgart und arbeitete anschließend als Grafikerin und Fotografin in Berlin, wo sie auch Kurse am Bauhaus belegte.

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft musste sie schließlich nach England emigrieren, wo sie den bekannten argentinischen Fotografen Horacio Coppola heiratete. Mit diesem kam sie nach Argentinien, wo sie als Fotografin für Zeitschriften arbeitete und schnell Anschluss an die lokale Kunstszene fand. So arbeite sie u.a. für das Magazin “Sur” von Victoria Ocampo. Später war sie auch als Professorin tätig, und sie entwickelte eine berühmt gewordene Fotoserie über die Ureinwohner des Gran Chaco. Grete Stern starb 1999 in Buenos Aires.

  • Bis zum 1.7. einschließlich.
  • Malba, Av. Figueroa Alcorta 3415, Buenos Aires.
  • Do-Mo und feiertags 12-20, Mi bis 21 Uhr, dienstags geschlossen.
  • Eintritt 32 Pesos; Studenten, Lehrer, Rentner oder über 65-Jährige mit gültigem Ausweis 16 Pesos. Behinderte: gratis; Kinder unter 5: gratis. Mi: Eintritt 16 Pesos; Studenten, Lehrer und Rentner mit gültigem Ausweis: gratis. Behinderte: gratis.

Foto:
Grete Stern: “Botella al mar”, Fotomontage, 1950.

“Nuestra esencia es hacer accesorios que toman protagonismo”

Klicken Sie hier, um die deutsche Version zu lesen.

Los Vados del Isen es una de las marcas de bijouterie más originales del país

Por Paula Bonnet


En 2001 Federico Estrella trabajaba en una empresa como diseñador gráfico. Una época difícil en Argentina: antes de fin de año se quedó sin empleo. Lo que para muchos fue una desgracia, a él le trajo suerte. Un regalo de una tía y mucha imaginación resultaron en Los Vados del Isen, una de las marcas de bijouterie más originales del país. Al proyecto se sumó su esposa Vero y más tarde Víctor Esnaola, su cuñado. Hoy cuentan con un local en Barrio Norte (Aráoz 2918), venden en el exterior y colaboran con prestigiosas empresas de moda.

¿Cómo comenzaron a trabajar juntos?

Víctor (V): Fede y Vero empezaron a vender en ferias de diseño que se hacían los fines de semana. En ese momento se habían puesto de moda. Después decidieron abrir un local en Las Cañitas. Ahí me llamaron porque yo sabía de qué se trataba, sabía hacer cosas. Desde ahí trabajamos juntos. Antes de eso yo ayudaba a vender en bares y restoranes.
Dejamos de ir a las ferias cuando abrió el negocio. Focalizamos en llenarlo de accesorios y fomentar la clientela. En el 2004 nos mudamos a la calle Aráoz. Ahí se amplió la marca: empezamos a salir en un montón en revistas y con el boca a boca empezamos a crecer.

Nos centramos en hacer bijou para la noche y a diferenciar campañas de otoño/invierno y primavera/verano. Nos convertimos en una marca más comercial y a diseñar para otros. Fuimos creciendo hasta hoy, que es como mejor estamos.

¿Cómo fue empezar un proyecto nuevo en la difícil situación del 2001?

Federico (F): Me ayudó mucho mi tía porque yo no sabía de qué se trataba la bijouterie. Cuando cerró el estudio en el que trabajaba, algunos empezaron a hacer ropa. En diseño gráfico echaban gente en vez de tomarla entonces lo que me quedaba era hacer algo por mi cuenta. Justo surgió el regalo de mi tía: tenía muchas piedras que eran lindas y antiguas. Era sólo enhebrar, nada más, pero el collar estaba bueno porque no era una mostacillita cualquiera. Eran cosas copadas que le gustaban a la gente. Entonces empecé a ir al Once, que no tenía ni idea de qué se trataba.

¿Cómo aprendieron a hacer más accesorios?

V: No tenemos formación profesional de bijouterie, pero ponemos nuestra firma. La gente se da cuenta cuando ve un collar o un aro nuestro porque tiene el estilo propio.

¿Cuál es la esencia de la marca?

V: Hacer accesorios que tomen protagonismo. No acompañan un vestido. Son recargadas, no es simplemente una cadenita con un dije. Por eso también vienen muchas clientas, se llevan un collar y se arman el resto de su outfit en base a eso, no al revés. Salimos de esa costumbre de complementar el atuendo con un arito.

¿Cómo les nació el ojo para el diseño?

V: Pasamos mucho tiempo en nuestro taller haciendo cosas. Al estar ahí se nos abre la cabeza. Yo digo que es un veinte por ciento transpiración y un ochenta por ciento inspiración. De tanto estar en el local surgen cosas copadas. Si no trabajáramos tanto tiempo en la mesa con las pinzas quizás no saldría.

Entonces es todo a pulmón…

F: Sí, es de familia. Empezamos con esto y así fue, no es que estudiamos.

V: Hacemos todo nosotros dos. No es una mega empresa. Tratamos de tener sólo este local y unificar todo acá.

¿Ahora cómo conceptualizan cada colección? ¿Qué trabajo previo hacen?

V: Como la mayoría de los diseñadores: miramos las tendencias y lo que está por venir y tratamos de proyectar eso a cuatro o cinco meses para adelantarnos a la temporada siguiente. Pueden ser animales, determinada figura geométrica o colores particulares… Nosotros usamos el turquesa y el fucsia que son atemporales y propios de nuestra marca. A eso le agregamos algo de invierno o verano.

Los Vados del Isen es un lugar del universo del Señor de los Anillos. ¿Cómo eligieron ese nombre?

F: Vero estaba leyendo el libro y yo estaba en la computadora viendo cómo crear la marca, qué ponerle a los collares. Ella me dijo el nombre y así quedó. Al principio costó porque no es muy comercial. Era re difícil, nos decían cualquier cosa, como “las hadas del cine”… Pero ya está. Ahora nos conocen también como Los Vados, más corto.

¿Cómo es su trabajo con otras empresas?

V: Hacemos desarrollo de producto en base a las necesidades de clientes de otras marcas. Elaboramos y confeccionamos según las campañas.

¿Cómo es la relación con el diseñador Benito Fernández?

V: Con él tenemos libertad: vemos qué tipo de vestidos va a hacer para la temporada y en base a eso podemos diseñar y mostrarle directamente la pieza terminada que hacemos. Por lo general tiene que ver la onda que tiene él con nuestro estilo y la esencia de nuestra marca, así que no hay tanto choque.

¿Con quién están trabajando en este momento?

V: Para esta temporada de verano del 2014 estamos viendo de hacer cosas con Rapsodia, está todo bastante fresco. Trabajamos para Tucci y para Ginebra, una marca nueva con la que trabajamos la temporada anterior y nos complementamos bastante bien. Tal vez se suma otro cliente.

F: Benito quizás, casi siempre lo ayudamos en los veranos. A él y a nosotros nos cuesta más el invierno. Hacemos collares grandotes… Esa parte nosotros no la tenemos. No es lo nuestro.

¿Ustedes se encargan de la parte comercial?

V: Sí, la empresa consiste en nosotros dos que somos los que hacemos las cosas y tomamos las decisiones. Después está mi hermana Vero y mi novia que nos ayudan en la parte de por mayor, de prensa, de enviar placas a programas, préstamos a figuras. De eso tratamos de desligarnos y enfocarnos en el producto en sí.

¿Cómo deciden qué publicar en su blog?

V: De eso se ocupa Vero que hace las fotos de nuestra amiga Tefi para subirlas. Ella se fija en las tendencias que se vienen en Europa y también se ocupa de Facebook y Twitter. Por ahí nos pide alguna cosa para hacer cierta foto y la sube. Está bueno el ida y vuelta que trae.

El local está en una zona distinta, no es Palermo. ¿Cómo fue la idea de instalarse en Barrio Norte?

F: Al ser una marca de tipo exclusiva se limita dónde poner el local. Nunca estuvimos en lugares comerciales, no somos tan masivos como para que entren mil personas por día. La idea es que vengan clientas que conocen Los Vados y también vecinas.

Antes esto era una peluquería, pasamos y vimos un cartelito chiquitito que decía “Se alquila”. Me gustó porque está de pasada: uno va por la calle Aráoz para llegar a Salguero. Está cerca de Cabello pero no está metido ahí, donde en 2004 el precio del alquiler estaba carísimo en comparación al de acá.

V: En ese momento además nos hicimos más conocidos en las revistas y empezó a venir un montón de gente. Nos preguntamos si nos teníamos que mudar pero las clientas nos decían que acá están más tranquilas. También tienen la ventaja de encontrarse con nosotros y diseñar algo exclusivo. Apuntamos para ese lado en vez de intentar hacer mucho stock de cosas. Tener un ida y vuelta con el cliente está bueno y a las personas les gusta que les hagamos algo especial, más allá de que tenemos el local lleno de cosas.

¿Las clientas vienen directamente a buscar lo que ustedes ofrecen?

V: Sí, casi el cien por ciento. Nadie viene, pasa, mira, da una vuelta y se va, como pasa en otros lugares. La mayoría de la gente viene porque necesita algo puntual para una fiesta en el fin de semana.

¿Por qué se hizo conocida la marca en 2004? ¿Qué cambió en ese año?

V: Quizás tuvimos la suerte de que varios productores de moda vengan al local y conocieran la marca por el boca a boca. Se llevaron varias cosas para que la gente del mundo de la moda la conozca y por ese ámbito repercutió bastante. En ese momento también crecieron las ventas al interior.

¿Por qué no muestran sus cosas en la Buenos Aires Fashion Week o en la Feria PuroDiseño?

V: No surgió el planteo de estar en ese tipo de eventos. Quizás más adelante se pueda hacer. No tenemos tanto tiempo para dedicarle porque se necesita armar una estructura bastante grande. En el transcurso de los días preferimos pasar el rato con cosas que surgen en el momento. Queremos entrar con buena presencia, no solamente para que esté la marca y nada más.

¿Dónde venden en el exterior?

F: En Anthropology y en Chile, Perú y Paraguay.

V: Siempre bajo la modalidad de clientes que viven allá o tienen un ida y vuelta con esos países. Tenemos nuestra marca en esos lugares pero no somos los responsables sino que son de los clientes que nosotros conocemos.

¿Están haciendo lámparas también?

F: Sí, las hago yo con una mamá del jardín de mi hijo que es artista plástica. Hice para mi casa y surgió algo. No me dedico a eso pero ella está haciendo remodelaciones de casas y si puede pone algo nuestro. Ella las pinta y yo le doy una veta que tenga que ver con Los Vados. No diseño la lámpara pero le doy una impronta de lo que me gusta a mí.

¿Y ropa?

F: En un momento hicimos sweaters con Vero. Conocimos a una señora que tejía y tenía una fábrica. Nos gustó y nos pusimos a diseñar. Siempre teniendo en cuenta que cuando alguien se compre un sweater se dé cuenta de que es de Los Vados porque tiene un pájaro o unos botones que son parecidos a unos aros. No son comunes, la marca no da para que colguemos cualquier cosa. Está todo diseñado y pensado. Pero el año pasado no tuve tiempo para dedicarme a eso y ahora lo que queda es lo que hay, no hay una colección. Estaba bueno y sumaba pero es todo un tema.

Wolle, Wachs und andere Wunderlichkeiten

Verschiedene Ausstellungen wurden Anfang Juni im Museo de Arte Moderno von Buenos Aires eröffnet

Von Jana Münkel

Bereits beim Bezahlen der Eintrittskarte im Foyer des Museums, das alle “Mamba” nennen und das mit vollem Namen “Museo de Arte Moderno de Buenos Aires” heißt, vernimmt man unregelmäßige Glockenspieltöne aus dem oberen Stockwerk. Neugierige steigen direkt hinauf, um der Klangquelle im “Raum für spezielle Projekte” auf den Grund zu gehen. In dem abgedunkelten Saal wird der Besucher selbst Teil der interessanten Installation “Círculos en movimiento”. Schöpferin ist die Argentinierin Florencia Rodríguez Giles, die ihre Kunst selbst irgendwo zwischen Theater, Philosophie, Tanz, Mythologie und Musik einordnet.

Je ein Besucher ist der “Klangerzeuger”, er wird angewiesen, die Schuhe auszuziehen, einen Stoffumhang umzulegen und, in kleine Kästchen tretend, den Weg zu einem Podest anzutreten. Dort angelangt, wartet eine komplexe Konstruktion, in deren Mitte ein Stuhl steht. Zwei lange Stäbe sind mit Xylophonschlägeln verbunden. Durch eine Drehbewegung seitens des Besuchers werden diese über Fahrradketten auf die Instrumente geschlagen, von denen eines jeweils rechts und links angebracht ist. So entstehen, je nach Schnelligkeit des Drehens, sehr laute Töne verschiedener Höhe, die sich knallend ins Trommelfell bohren. Es ist spannend zu beobachten, wie unterschiedlich die musikmachenden Besucher mit der Situation umgehen. Der eine genießt es sichtlich, so unverhofft im Mittelpunkt zu stehen, der anderen ist es eher unangenehm, von den anderen Besuchern beäugt zu werden. Bedingt durch diese Spannung zwischen produzierenden und zuschauenden Besuchern entsteht eine eigenartige, schwer beschreibbare Atmosphäre im Raum.


Reichlich verwundert betritt so Mancher den Ausstellungsraum im Erdgeschoss. Die bunten runden Kreise der Subte-Schilder, die einem Jeden durch die tägliche U-Bahn-Fahrt so vertraut sind, stechen zuerst ins Auge. “Diseñá tu mundo”, “Design’ dir deine Welt”, nennt sich diese Ausstellung, welche die Arbeit von “Diseño Shakespear”, einer vor 50 Jahren gegründeten Designagentur, zeigt. Man kommt sich ein bisschen so vor wie beim Spiel der beliebten Handy-App “Logo Quiz”, bei der ein Firmenlogo erscheint und man den richtigen Namen finden muss, um Punkte zu sammeln: Die Wände des Saales sind übersät mit Schildern, Bank- und Firmenlogos – auch die berühmten gelb-blauen Farben des Kultfußballclubs La Boca kann man entdecken. Der urbane Raum ist voll von solchen Zeichen, die uns auf etwas hinweisen, jede Stadt hat ihren eigenen “Code”. Wenn diese Schilder nun plötzlich im Museum ausgestellt werden, mutet das zunächst seltsam an, in etwa so, wie wenn Streetart von der Straße an weiße Museumswände verfrachtet wird. Doch dieser andere Kontext bietet eine spannende Perspektive auf die Frage, welchen Einfluss Designtes auf unsere Wahrnehmung der Öffentlichkeit, des “public space”, hat.

Ein Leitspruch von Diseño Shakespear, das von dem mittlerweile über 70-jährigen Roberto Shakespear gegründet und heute von ihm und seinem Sohn Juan geleitet wird, lautet: “In der Theorie decken sich Theorie und Praxis. In der Praxis nicht.” Und genau deshalb wird alles bis ins letzte Detail durchdesignt, sogar der U-Bahn-Plan.

“Grupo Mondongo” ist ein Kollektiv, das für seine Arbeiten mit unkonventionellen Materialien bekannt ist. Kekse oder Kaugummis kamen bei ihnen schon zum Einsatz, im Mamba sind es vornehmlich Wolle, Wachs und Knete. Nach fünf Jahren stellt die Gruppe erstmals wieder aus und bekam dafür sogar gleich zwei neue Säle des Museums zur Verfügung gestellt. Die Werke sind wirklich verblüffend und lohnen einen Besuch. Sie zeichnen sich vor allem durch Größe, Genauigkeit und Ideenreichtum aus. Im ersten Saal hängen überlebensgroße Porträts aus Wolle und Wachs. Das Gesicht der etwa achtjährigen “Francisca” schaut aus großen, braunen Augen nachdenklich auf die Besucher herab. Von weitem sieht das Porträt täuschend echt aus, geht man näher heran, kann man an den einzelnen Wollfäden die unvorstellbare Arbeit erkennen, die hinter diesem und den weiteren Porträts gesteckt haben muss. Die Besucher scheinen mit den riesigen Gesichtern in einen Dialog treten zu können, viele verweilen lange, schauen und staunen.

Im dritten Stock sind die Wände rundherum mit insgesamt 15 Werken behängt, jedes davon ist viereinhalb Meter lang und zwei Meter hoch. Alle Kunstwerke bilden gemeinsam eine fortlaufende, dichte Unterholzlandschaft, die sich langsam lichtet und schließlich den Blick freigibt auf ein Seeufer. Die Bilder bestehen aus kneteartigem Material und sind mit einer unvorstellbaren Präzision modelliert. Man kann sich in die Mitte setzen und die Arbeit auf sich wirken lassen. Das Lichtspiel und die Genauigkeit, mit der Äste, kleine Tümpel und die Grün- und Braunfarben getroffen sind, lassen fast vergessen, dass man sich im Museum und nicht in einem dichten Wald befindet. Unvorstellbar, wie groß der Arbeitsaufwand für dieses Werk gewesen sein muss.

Knete in einem ganz anderen Sinne gibt es ebenfalls im ersten Ausstellungsraum des Künstlerkollektivs zu betrachten: Ein Gerippe aus mehr als 100.000 Centavos wird von LED-Lampen erleuchtet und trägt den Namen “Argentina”. Die Anspielung auf die ökonomische Situation des Landes spricht dabei für sich.

Wenn man nach diesen drei Ausstellungen noch aufnahmefähig ist, lohnt es sich, einen Blick – oder besser: ein Ohr – ins zweite Untergeschoss des Museums zu werfen. Dort können Klanginstallationen des erfolgreichen italienischen Künstlers Piero Mottola erhört werden.

Einige halb leere Säle im dritten Stock zeigen, dass sich das Mamba derzeit im (Wieder-)Aufbau befindet. Man darf gespannt sein, was noch so kommt. Und vor allem, aus welchem Material es besteht.

Fotos von oben nach unten:

Mythisch-theatralisch-musikalische Installation.

Ich versteh’ nur Bahnhof: Subte im Museum?

Dialog zwischen Kind und Bild.

Knetiges Unterholz.
(Fotos: Jana Münkel)

Infos:

  • Museo de Arte Moderno de Buenos Aires (MAMba), San Juan 350, Buenos Aires.
  • Di-Fr 11-19, Sa, So und feiertags 11-20 Uhr. Montags geschlossen, außer an Feiertagen.
  • Eintritt 5 Pesos, dienstags gratis.
  • Führungen: Sa, So und feiertags 16 und 18 Uhr. Infos/Reservierungen für Gruppen: mamba.visitasguiadas@gmail.com.
  • 2.6.-31.7.