Götter, Rituale und Professionen

Eine Zeitreise durch Mexiko in der Fundación Proa

Von Maike Pricelius

Bis zum 21. Februar ist in der Fundación Proa, Buenos Aires, mit ihrem Programm für zeitgenössische und moderne Kunst eine für den Ort ungewöhnliche Ausstellung zu sehen. 150 Stücke aus archäologischen Sammlungen unterschiedlicher Kulturen, die am Golf von Mexiko beheimatet waren, sind in den vier Sälen zum ersten Mal außerhalb ihrer Heimat zu besichtigen.

Die künstlerischen Erzeugnisse, wie Götterstatuen, Werkzeuge, Schalen, Schmuck und Musikinstrumente aus der Gegend um Veracruz erwecken das Imaginäre einer anderen Welt zum Leben. Die Rituale und ihre künstlerischen Erzeugnisse, die Götter und ihre Repräsentationen haben das Leben der Menschen damals in einer Weise bestimmt, wie sie heute nur noch schwer nachvollziehbar ist. Einen ungewöhnlichen Einblick gibt die Ausstellung “Dioses, Ritos y Oficios del México Prehispánico”, die Stücke aus 14 Museen Institutionen, zwei Kulturzentren und einer archäologischen Fundstätte zeigt. Sie spannt einen Bogen zwischen den profanen Aktivitäten, wie die des Töpfers, des Steinmetzes oder der Landwirtschaft, und dem von Göttern geprägten Weltbild dieser Zeit.

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Auf der Suche

“Die Probe” von Lukas Bärfuss, inszeniert von Sergio Grimblat

Von Anna Weber

Am Anfang sind da keine Worte. Da ist ein Mann, der barfuß auf dem Küchentisch sitzt und im Takt der Musik seinen Unterarm streichelt. Es folgen Beschimpfungen, Flüstern, Schreie, Weinen, Gelächter, Worte und Schweigen. Und am Ende stehen da ein Mann mit versengten Füßen in Lederpantoffeln und eine Frau, die ihr Kind alleine im Wagen lässt, um Bäume anzuschreien.

Was sich in Lukas Bärfuss‘ Stück “Die Probe” zwischen Anfang und Ende sonst noch ereignet, lässt sich mit Worten lediglich skizzieren. Da ist eine Familie, ein Vaterschaftstest und ein falscher Vater. Da ist Peter, der nun plötzlich seine Identität als glücklicher Vater verliert. Ana, die ihn liebt, betrügt und wieder liebt. Großvater Simon, ein Mann leerer Reden, der über einem aussichtslosen Wahlkampf seine Familie vergisst. Seine Frau Elena, die aus Indien eingeflogen wird und die Familienkrise mit spirituellem Rat zu lösen versucht. Und da ist Peña, Simons glatzköpfiger Assistent, der sich in die Rolle des Ersatzsohns zu schleimen versucht.

Bei Bärfuss wird die Familie zum Mikrokosmos, alle sind sie vertreten: Der Verzweifelte, die Schöne, der Gewissenlose, die Sanfte und der Verräter. Da sind Liebe, Hass, Verdrängung und Eifersucht, Macht, Trauer, Ehrgeiz und Zweifel. Alles findet Platz bei Bärfuss, ohne dass das Stück überladen wirkt.

Schlicht ist auch das Bühnenbild und trotz Schreien und Weinen ist Sergio Grimblats Inszenierung einfach und authentisch. Gesten, Blicke und Mimik sind stets lauter als die Stimmen. Da wird nichts anderes als der Mensch gezeigt, in seiner ganzen Komplexität und Einfachheit.

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Zu Ehren des Barden

Shakespeare-Festival in Buenos Aires

Von Susanne Franz

Bereit sein ist alles: Vom 11. bis 19. Februar findet in Buenos Aires ein Shakespeare-Festival mit Theaterstücken argentinischer und internationaler Gruppen auf acht Bühnen statt. Dazu kommen Workshops und Meisterklassen rund um den berühmten englischen Barden sowie eher ungewöhnliche Veranstaltungen wie eine Mittelalter-Kirmes und eine Hamlet-Radtour. Am Valentinstag (14. Februar) wird der Kinofilm “Shakespeare in Love” im Amphitheater des Paque Centenario gezeigt. Das Festival ist gratis. Infos hier.

Performance-Theater aus der Schweiz

“CMMN SNS PRJCT” im Theater La Carpintería

Willkommen in der Welt von “Common Sense”! Willkommen unter all den geheimen Vereinbarungen, all den Kriterien, die das menschliche Handeln und Denken bestimmen, all den Entscheidungen, die sich zu Gewohnheiten entwickeln, all den Dingen, die als “normal” und “selbstverständlich” erscheinen und nicht mehr in Frage gestellt werden. Das Theaterstück “CMMN SNS PRJCT” beschäftigt sich mit Zwischenräumen im sozialen Beziehungsnetz, mit Räumen, die entstehen, wenn wir uns unabhängig von ökonomischen Profitgedanken bewegen.

Das Werk der Performance-Künstler Martin Schick aus der Schweiz und Laura Kalauz, in der Schweiz lebende Argentinierin, das im März 2011 in Berlin uraufgeführt und im Oktober/November 2011 bereits in Buenos Aires gezeigt wurde, wird an den Freitagen 10., 17. und 24. Februar und 2. und 9. März 2012 jeweils um 23 Uhr im Theater La Carpintería, Jean Jaures 858, aufgeführt. Eintritt 50 Pesos, Studenten und Rentner 40 Pesos. In den fünf Aufführungen schlüpft der argentinische Schauspieler Ignacio Sánchez Mestre (“Ulises no sabe contar”) in die Rolle von Schick.

Mit Musik gegen den Wahnsinn

Tomás Lipgots Film “Moacir” erzählt die Geschichte eines ganz besonderen Protagonisten

Von Laura Wagener

Moacir Dos Santos ist der Held des nach ihm benannten Films “Moacir” von Tomás Lipgot. Derjenige, der das argentinische Kino mit Interesse verfolgt, wird nicht lange brauchen, bis er den charismatischen Brasilianer mit dem breiten Lächeln auf den Kinoplakaten wiedererkennt, denn bereits im letzten Jahr erschien Moacir auf den Kinoleinwänden.

Lipgots letzter Film “Fortalezas” porträtierte verschiedene Personen, die auf verschiedenste Weisen in verschlossenen Institutionen um ihre Identität und Integrität kämpfen. Den Brasilianer Moacir lernte er auf der Suche nach Charakteren im psychiatrischen Krankenhaus Borda kennen, in dem dieser bereits seit mehr als einem Jahrzehnt interniert war.

Moacir Dos Santos war ursprünglich auf der Flucht vor Armut, psychologischen Problemen, dem Tod seiner Mutter und auf der Suche nach einer Musikkarriere, gelockt vom Tango, nach Argentinien gekommen. Wie Lipgot erzählt, hatte Moacir in Brasilien bereits erste musikalische Erfolge erzielt. Sein Metier seien Karnevalsmusik und Samba seiner Kindheit, also etwa der 50er Jahre, vor dem Boom des Bossanova. 1984 bestand sein erster Behördengang in Buenos Aires dann darin, die 12 von ihm geschriebenen Lieder in der Sociedad Argentina de Autores y Compositores de Música (SADAIC) registrieren zu lassen.

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Führung durch Andalusischen Garten

Das schönste Stück Natur der Stadt

Von Susanne Franz


Am heutigen Samstag findet um 15 und 17 Uhr die monatliche Führung durch den Andalusischen Garten des Museums Larreta (Juramento 2291) statt, die vom langjährigen Gärtner Antonio Sturla durchgeführt wird, der am 28. Dezember 2011 für seine Arbeit mit dem Preis “Artífices del Patrimonio” (etwa: Erhalter des Kulturerbes) ausgezeichnet wurde.

Sommerspielzeit und Schauspielkurse

Im San Martín-Theater starten drei Stücke – und man kann sich für Schauspielkurse anmelden

Von Susanne Franz

Am heutigen Freitag startet das Sommerprogramm im Theater San Martín (Av. Corrientes 1530). Drei Stücke der Spielzeit 2011 werden wieder aufgenommen: “Los hijos se han dormido” von Daniel Veronese (Foto), eine Adaptation von Tschechows “Die Möwe”, ist ab heute im Casacuberta-Saal zu sehen (mittwochs bis sonntags um 21 Uhr; Eintritt 60 Pesos, mittwochs ermäßigt 30 Pesos). Auch “Salomé de chacra” von Mauricio Kartun kommt heute abend erneut auf die Bühne, das Stück wird mittwochs bis sonntags um 21 Uhr im Cunill-Cabanellas-Saal aufgeführt. Eintritt 45 Pesos, mittwochs 25 Pesos.

Das dritte Werk, “El burgués gentilhombre” von Molière mit Enrique Pinti, wird ab 8. Februar mittwochs bis sonntags um 20.30 Uhr im Martín-Coronado-Saal zu sehen sein. Eintritt 60/40 Pesos, mittwochs 30 Pesos. Infos hier.

Darüber hinaus bietet das Theater San Martín diesen Sommer Intensivkurse (jeweils acht Klassen) für Schauspieler, die am 22. Februar beginnen. Der Unkostenbeitrag für jeden Kurs liegt bei 300 Pesos. Anmeldegebühren werden nicht erhoben. Das gilt auch für ein Seminar über Schauspielkunst (vier Klassen), das 150 Pesos kostet. Einschreiben kann man sich noch bis zum 15.2., montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, im Büro für Kurse des San Martín (Av. Corrientes 1530, 7. Stock). Die Kurse sind ab 18, müssen bei Einschreibung bezahlt werden, die Vorlage eines Lebenslaufs ist erbeten. Infos hier bzw. bei der Mailanschrift cursos@complejoteatral.gob.ar.

Mehr als nur ein Klick

Die Internationale Fotografie-Biennale im Centro Cultural Borges zeigt große Vielfalt

Von Sebastian Loschert

310 Fotografien von 220 Künstlern aus 40 Ländern werden momentan in der Internationalen Fotografie-Biennale im Centro Cultural Borges ausgestellt. Diese Superlative sprechen nicht eben für die Bescheidenheit der Kuratoren von den “Worldwide Photography Gala Awards”. Ebensowenig kleckern die Ausstellungsstücke: “Wenn es etwas gibt, das diese Fotos gemeinsam haben, ist es ihre deutliche Absicht, Aufmerksamkeit zu erzeugen”, schreibt die Zeitung “Clarín” über die Schau, die alle zwei Jahre stattfindet, beim letzten Mal in Madrid allerdings nur halb so viele Bilder aufbot.

Tatsächlich erwartet den Besucher in drei Räumen des Kulturzentrums ein buntes Allerlei, das einen starken Eindruck von den Möglichkeiten von Fotografie im Photoshop-Zeitalter bietet. Ohne ein vorgegebenes Thema, haben sich die Künstler nicht zuletzt durch digitale Nachbearbeitungen und Collagen alle stilistischen Freiheiten genommen. Die Bandbreite der Bilder reicht von künstlerischer bis zu dokumentarischer Fotografie, und der globale Fokus der Ausstellung sorgt auch, was die Motivwahl betrifft, für eine große Vielfalt. Doch neben ihrer Eindringlichkeit haben die Bilder natürlich noch etwas gemeinsam: Alle wurden durch namhafte Juroren preisgekrönt. Sie sind Gewinner entweder des Pollux-Wettbewerbes für Fotokünstler, des Jacob Riis-Preises für Dokumentarfotografie oder des Julia Margaret Cameron-Preises für Fotografinnen.

Auch wenn die Bilder am 14. Februar im Malba zugunsten von Save the Children und der Stiftung FLENI versteigert werden, sind sie noch bis zum 27. Februar ausgestellt (montags bis samstags von 10 bis 21 Uhr, sonntags von 12 bis 21 Uhr). Der Eintritt kostet regulär 15 Pesos.

Bild:
Adam Balcerek aus Polen ist einer, der die Möglichkeiten des Mediums Fotografie zeigt.

Vorhang auf, Licht aus

“Ojos Cerrados” im Theater La Comedia

Von Sebastian Loschert

“Eine Vorführung, in der man die Schauspieler nicht zu Gesicht bekommt – welch neue Infamie soll das wieder sein?”, könnte der Theaterfreund befürchten, bevor er die Vorführung von “Ojos Cerrados” im Theater La Comedia betritt. “Die erste sinnliche Theatervorstellung der Welt”, verspricht die Ankündigung: “Das Stück der Gruppe AviTantes ist eine liebevolle und intime Begegnung mit sich selbst. Es lädt Dich dazu ein, das zu sehen, was man sehend nicht sieht.”

Nun, keine Sorge, es handelt sich bei dem Werk mit den geschlossenen Augen also keinesfalls um eine avantgardistische Veranstaltung, der die Zuschauer grübelnd und ratlos gegenüberstehen. Eher neugierig und etwas aufgeregt wie vor einer Achterbahnfahrt harren die Gäste zu Beginn der Vorstellung in einem dunklen Vorraum der Dinge, die da kommen mögen. Eine Augenbinde sorgt für komplettes Verschwinden des ersten Sinnes, eine beschwörende Stimme verlangt, man solle sich mit Leib und Seele auf das Unsichtbare einlassen.

Das Getuschel der Menge verstummt, als man von sanften Händen an einen unbekannten Ort geführt wird. Jeder Besucher wird nun in der kommenden Stunde alleine sein, mit sich und seinen verbleibenden Sinnen. Hören, Riechen, Schmecken und Tasten werden ausreichen müssen. Gleichzeitig befindet er sich ausgeliefert an die wundersamen Einfälle der “AviTantes”, jener eigenartigen und äußerst wandelbaren Bewohner, die La Comedia an diesem Abend bevölkern.

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Das Ampelmännchen in Buenos Aires

Mónica Viñao inszeniert im Theater SHA eine kurzweilige Komödie von Victor Winer

Von Mirka Borchardt

Das ostdeutsche Ampelmännchen ist Kult: Jedes Jahr werden in Deutschland massenweise Taschen, Aufkleber, Postkarten, Buttons, Tassen und alle möglichen anderen Souvenirs mit dem Bild des roten beziehungsweise grünen Männchens verkauft.

Was bisher wenig bekannt war, aber dank Victor Winer nun endlich ans Licht der Öffentlichkeit kommt: Allein Miguel (gespielt von Eduardo Cutuli) ist es zu verdanken, dass es das Ampelmännchen immer noch gibt. Denn nach dem Fall der Mauer sollten eigentlich auch im Osten die langweiligen westdeutschen Ampelzeichen eingeführt werden. Ein Verrat am sozialistischen Erbe! Die revolutionären “Internationalen Brigaden” machen sich Anfang der Neunziger auf, das Ampelmännchen vor dem Vergessen zu retten. In einer wahrhaft heldenhaften Aktion schließt Miguel sich ihnen an. Denn das Ampelmännchen, sagt er, “ist das Zeichen dafür, dass man gehen darf!”

Nach zwei Jahren kehrt er erfolgreich wieder heim nach Argentinien, stolz auf seinen ruhmreichen Verdienst, das Ampelmännchen gerettet zu haben, und voller Vorfreude auf Frau und Sohn. Doch sind die nicht gerade begeistert: Immerhin wussten sie die letzten zwei Jahre nichts von seinem Verbleib. Da hilft es auch nicht, dass er seiner Frau Marta (Marcela Ferradás) versichert, sie sei in Deutschland mittlerweile bekannt als die zweite Evita. Davon will sie nichts wissen, und eigentlich will sie auch nichts mehr von ihm wissen. Es ist viel passiert, während er weg war: Marta hat einen neuen Freund. Ausgerechnet mit Álvaro (Alfredo Castellani), Miguels altem Erzfeind, tröstete sie sich über den Verlust hinweg.

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Vuelve el Centro Cultural Nómade

Talleres de Arte para grandes y chicos en la vereda de la Fundación Proa

El Centro Cultural Nómade vuelve a La Boca con nuevas propuestas durante todo el verano. En la vereda de Fundación Proa y de la mano de un equipo de artistas jóvenes y educadores, sus talleres se orientan al cuidado del medioambiente y la integración social, a través de propuestas artísticas que invitan a crear y experimentar. Las actividades gratuitas para todas las edades arrancan este fin de semana: el sábado, 21 de enero, y el domingo, 22 de enero, a las 15 hs, y después, todos los sábados y domingos de 11:30 a 13 hs y de 15 a 19 hs.

Diseñado por el estudio de arquitectura a77, el Centro Cultural cuenta con una estructura flexible y móvil, que funciona en un contenedor reciclado, con mobiliario especialmente diseñado.

Durante el 2011, el Centro Cultural Nómade viajó por la zona sur de la ciudad: primero estuvo en Proa, luego en el Centro Hipermediático Experimental Latinoamericano (cheLA) y más tarde en el Centro Metropolitano de Diseño. Ahora, vuelve a La Boca, invitando a participar a instituciones, grupos de amigos y grupos de adultos con chicos.

Para mayor información: educacion@proa.org / 4104 1041.