Mit Musik durchs ehemalige Brauhaus “Munich”

Führung “La vieja música de la Munich” jeden Sonntag im Sommer

Seit dem 8. Januar wird jeden Sonntag bis Ende Februar, jeweils um 18 Uhr, ein mit Liedern aus den 1920ern bis 1950ern untermalter Rundgang durch die ehemalige Brauerei “Munich”, heute Sitz der Direktion der Museen von Buenos Aires, durchgeführt. Adresse: Av. de los Italianos 851. Eintritt: 1 Peso. Mehr Infos hier.

Aus der Stille

“Las acacias” von Pablo Giorgelli

Von Anna Weber

Musik darf im Film niemals die Bilder stützen, sondern muss für sich alleine wirken, schrieb einst Robert Bresson. Bilder, welche der Musik als Gehhilfe bedürfen, gehören nicht auf die Leinwand. Pablo Giorgellis Film “Las acacias” kommt ohne Musik aus. Und Worte braucht er eigentlich auch fast keine.

Aufregungslos, ganz ohne Lärm, hebt der Film seinen ersten Protagonisten Rubén (Germán da Silva) aus der Stille. Rubén ist kein Mann vieler Worte. Seit Jahren transportiert er als Lastwagenfahrer Holz von Asunción in Paraguay nach Buenos Aires, und da sitzt niemand auf dem Beifahrersitz, mit dem er sprechen könnte. Auch eine Familie hat Rubén nicht. An den Sohn, den er seit acht Jahren nicht mehr gesehen hat, erinnert lediglich ein Foto, sorgsam aufbewahrt im Handschuhfach. Doch davon weiß man zu Beginn des Films noch nichts. Man vermutet es höchstens, wenn Rubén in routinierter Einsamkeit im Halbdunkel einer Raststätte sein Mittagessen hinunterschlingt.

An der Einsamkeit und Stille ändert auch Jacinta (Hebe Duarte) nichts, die kurz vor der Grenze mit ihrem Baby Anahí (Nayra Calle Mamani) auf den Beifahrersitz klettert, um nach Buenos Aires zu gelangen. Es dauert Stunden, bis endlich der erste Mate angeboten wird, bis rücksichtsvoll eine Zigarette ausgedrückt wird, um den Säugling vom Weinen abzuhalten, bis ein Lächeln getauscht wird und ein “Gracias” in der Luft der Führerkabine hängt. Und erst viele Kilometer später folgen die Worte.

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Sommer in der City

“Verano en la Ciudad”: Gratis-Sommerprogramm der Stadt Buenos Aires startet heute

Von Susanne Franz

Mehr als 100 Veranstaltungen, und alle bei freiem Eintritt: Vom 14. Januar bis zum 18. Februar steigt das von der Stadt Buenos Aires veranstaltete Programm “Verano en la Ciudad” für alle Daheimgebliebenen oder für diejenigen, die sich zwar zwei Wochen am Strand genehmigen konnten, aber auch nach der Rückkehr noch vom Urlaubsgefühl zehren möchten. Kino, Rock-, Reggae- und Tangokonzerte sowie Tanzvorführungen sind ebenso im Angebot wie Theateraufführungen, Veranstaltungen mit Dichtung und Musik, und ein Sonderprogramm für Familien mit Kindern.

Der Startschuss in die Sommersaison der Stadt fällt am heutigen 14. Januar um 21 Uhr im Autokino des Rosengartens im Palermo-Park. Kinofreunden wird hier der argentinische Film “Los Marziano” von Ana Katz vorgeführt, eine Geschichte über zwei Brüder, die sich nach einer langen Sendepause wieder annähern. Ausnahmsweise gibt es heute um 22.45 Uhr eine weitere Vorstellung. Am Sonntag um 21 Uhr kommen Fans der schrillen Komödie auf ihre Kosten: “Torrente 4” des Spaniers Santiago Segura ist ein neues Abenteuer des politisch äußerst unkorrekten Polizeibeamten.

Das Autokino im Rosengarten erweckt ein kultiges Filmerlebnis aus einer vergangenen Epoche wieder zum Leben. Für viele junge Leute ist es ein Spaß, mal auf so altertümliche Art Kino zu genießen. Mit dem Wagen hat man ab 19.30 Uhr Zufahrt an der Einmündung der Avenida Iraola in die Avenidas Sarmiento und Libertador, wo man von Parkhelfern an den Standort vor der Großleinwand gelotst wird. Raus fährt man nach dem Film über die Av. Infanta Isabel. Man darf auch ohne Auto kommen – Fußgänger können auf einer Freitreppe Platz nehmen, die mit einem eigenen Audiosystem ausgestattet ist.

Insgesamt stehen bis zum 5. Februar acht Filme auf dem Programm, die samstags und sonntags jeweils um 21 Uhr gezeigt werden. Nach “Los Marziano” und “Torrente 4” an diesem Wochenende folgen “El estudiante” von Santiago Mitre (21.1.), “Amateur” von Néstor Frenkel (22.1.), “Medianeras” von Gustavo Taretto (28.1.), “Vaquero” von Juan Minujín (29.1.), “Balada triste de trompeta” von Alex de la Iglesia (4.2.) und “Las acacias” von Pablo Giorgelli (5.2.).

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“Tage des Friedens und der Würde”

Festival im Rahmen der “Jornadas de Paz y Dignidad”

Von Mirka Borchardt

Am Mittwoch, dem 11. Januar, findet im Teatro SHA in der Sarmiento 2255 im Rahmen der “Jornadas de Paz y Dignidad” ein buntes Festival statt, mit Tanz, Musik, Künstlern und traditionellen Gebeten. Auch die über Argentinien hinaus bekannten Bands “Arbolito” und “Karamelo Santo”.sind eingeladen und versprechen einen bewegungsreichen, unvergesslichen Abend. Das Festival beginnt um 20 Uhr, der Eintritt kostet 70 Pesos.

Die “Tage des Friedens und der Würde” sind ein weltweit einmaliges Ereignis: In Erinnerung an die Prophezeiungen der indigenen Völker Amerikas sollen sie die Einigung des Nordens und des Südens vorantreiben, in einem symbolischen Lauf, der gleichzeitig im Norden Nordamerikas und im Süden Lateinamerikas startet und über tausende von Kilometer führt, bis sich die Läufer in Teotihuacán in Zentralmexiko treffen. Das Festival wie die “Jornadas” feiern die Verbindung des Menschen mit der Natur und wollen an die kulturelle Herkunft der Einwohner Amerikas erinnern. Am 5. März werden die Läufer in Argentinien eintreffen. Mehr Informationen hier.

Eine Stadt erwacht zum Leben

Omar Panosettis Ausstellung “Territorio” im Centro Cultural Borges

Von Susanne Franz


Vieläugige, verschachtelte Hochhäuser, aus denen seitlich Gebäudeteile wie Nasen herauswachsen, Fabrikanlagen, aus deren Schornsteinen schwarzer Rauch in den Himmel steigt – die monumentalen Gebäudekomplexe, die in den Werken des argentinischen Künstlers Omar Panosetti allgegenwärtig sind, sind auf beeindruckende Weise düster und bedrohlich – und zugleich wirken sie wie drollige und rührende Steinchen in Bauklötzchenwelten. Das liegt an dem Umfeld, in das ihr Schöpfer Pano – so nennt sich der 1960 geborene Künstler selbst – sie gestellt hat. In dem Werk “La División de Poder” (Die Aufteilung der Macht) beispielsweise stehen die Häuserschluchten wie in so vielen Bildern Panosettis auf einem Berg, nur ist der in diesem Fall der Kopf eines Monsters. Links und rechts von den Häusern stehen sich zwei große Hunde gegenüber, von denen einer im Begriff ist, einen der nasenartigen Gebäudeflügel abzubeißen. Oder vielleicht will er die Häuser festhalten, denn sie scheinen über die Stirn des Monsters nach unten abzustürzen. Ein Schriftband zieht sich unterhalb der Häuser über den Monsterkopf, der Titel des Werks in Großbuchstaben und verkehrt herum geschrieben. Auch dieses Element findet sich in vielen der verspielt-ironischen, aber immer sozialen Zündstoff und kritische Betrachtungen enthaltenden Werke Omar Panosettis.

Wer kämpft hier um die Macht? Karikaturistisch sind die Hunde mit weiblichen bzw. männlichen Geschlechtsmerkmalen ausgestattet – ist es ein Kampf der Männer gegen die Frauen? Stellen die Häuser Institutionen der (staatlichen) Macht dar, die solide Fundamente zu haben scheinen, die jedoch von dem zwielichtigen Grund, auf dem sie gebaut sind, verschlungen zu werden drohen?

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Götter, Rituale und Professionen

Eine Zeitreise durch Mexiko in der Fundación Proa

Von Maike Pricelius

Bis zum 21. Februar ist in der Fundación Proa, Buenos Aires, mit ihrem Programm für zeitgenössische und moderne Kunst eine für den Ort ungewöhnliche Ausstellung zu sehen. 150 Stücke aus archäologischen Sammlungen unterschiedlicher Kulturen, die am Golf von Mexiko beheimatet waren, sind in den vier Sälen zum ersten Mal außerhalb ihrer Heimat zu besichtigen.

Die künstlerischen Erzeugnisse, wie Götterstatuen, Werkzeuge, Schalen, Schmuck und Musikinstrumente aus der Gegend um Veracruz erwecken das Imaginäre einer anderen Welt zum Leben. Die Rituale und ihre künstlerischen Erzeugnisse, die Götter und ihre Repräsentationen haben das Leben der Menschen damals in einer Weise bestimmt, wie sie heute nur noch schwer nachvollziehbar ist. Einen ungewöhnlichen Einblick gibt die Ausstellung “Dioses, Ritos y Oficios del México Prehispánico”, die Stücke aus 14 Museen Institutionen, zwei Kulturzentren und einer archäologischen Fundstätte zeigt. Sie spannt einen Bogen zwischen den profanen Aktivitäten, wie die des Töpfers, des Steinmetzes oder der Landwirtschaft, und dem von Göttern geprägten Weltbild dieser Zeit.

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Berlín en RED Verano

Salió RED Verano


Salió RED Verano, la edición número 9 de la revista virtual de RedGalería, con dos foto ensayos sobre Berlín de Marula Di Como y Maria Martha Pichel.

Recomendamos también “Advenimiento Agro Pop”, nota poética de Ernesto Arellano sobre la obra de Marcela Mouján, con fotos de Ezequiel Suranyi; y el foto ensayo de Suranyi “¿Fútbol para todos?”.

Fassaden der Krise

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Videoinstallation “Fachadas en Crisis” im Club Cultural Matienzo


Ein deutsch-argentinisch-norwegisches Gemeinschaftsprojekt wird vom 13. bis 20. Dezember im Club Cultural Matienzo (Matienzo 2424) zu sehen sein: Die von Veronika S. Bökelmann und Anett Vietzke konzipierte und realisierte Videoinstallation “Fachadas en Crisis” (Fassaden der Krise) reflektiert die argentinische Wirtschaftskrise 2001, indem sie die Sicherheits-Architektur der Metropole wie Gitter und Zäune den Wahrnehmungen einiger Bewohner der Stadt gegenüberstellt, die von Vertrauen und Argwohn, Träumen und Ängsten sprechen. Die Menschen, die hier zu Wort kommen, stammen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. “Fachadas en Crisis” wird u.a. vom Berliner Senat und dem Institut für Auslandsbeziehungen ifa unterstützt.

Die Eröffnung findet am 13. Dezember um 19 Uhr im Club Cultural Matienzo, Matienzo 2424, statt. Zu sehen ist die Installation bis zum 20.12. täglich von 18 bis 24 Uhr. Weitere Infos auf der Webseite des Club Cultural Matienzo oder im Blog des Projekts.

“Fachadas en crisis”

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Videoinstalación en el Club Cultural Matienzo


La instalación espacial y audiovisual “Fachadas en crisis” (Alemania/Noruega/Argentina, 2010) se presenta por primera vez en Argentina en coincidencia con el décimo aniversario del 20/12/2001.

“Fachadas en crisis” investiga las medidas de seguridad arquitectónicas y su significado para la vida social en la metrópolis Buenos Aires. La instalación articula y confronta las rígidas construcciones de rejas de la ciudad con las percepciones de diez de sus habitantes sobre los acontecimientos de la crisis económica en 2001 y las consecuencias para la vida en la ciudad. Éstos hablan de la confianza y la desconfianza, de sus utopías y sueños. La instalación conecta a personas que debido a la creciente reclusión y segmentación social entran cada vez menos en contacto. Las entrevistas reflejan la frágil relación entre los proyectos de vida individuales y las categorías del capitalismo global.

Personas entrevistadas: Teresa Petrana Alaguibe (empleada doméstica, vivió en una casa ocupada por mucho tiempo), Marta Bodo (notaria y abogada), Walter Christian Citzenmaier (vive en la calle, frente a la Casa Rosada), Lic. Eduardo Grimoldi (psicólogo, especialista en angustia y crisis), Claudia Rosenberg (socióloga y actriz), Néstor Piquero (arquitecto y diseñador), María Graciela Ponce (kiosquera), César Saldaña (herrero), José Saphir (ingeniero e inventor) y Florencia Arbós (estudiante, nació en 2001).

“Fachadas en crisis” profundiza la performance teatral (IM)POTENCIA (A/NO/ARG, 2010) realizada con el apoyo de Residencias del Sur (Buenos Aires), Sophiensaele (Berlín), Black Box Teater (Oslo), Hauptstadtkulturfond (Berlín), Fond Fritt Ord (Noruega), Norsk Kulturråd, Norsk Kulturråd Scenetekst (Noruega) y el Goethe-Institut de Múnich y Oslo.

La instalación cuenta con el apoyo de Senado de la Ciudad de Berlín/Internationaler Kulturaustausch y el ifa (Instituto para las Relaciones con el Extranjero/Stuttgart).

  • “Fachadas en crisis”
  • Concepto y realización: Veronika S. Bökelmann y Anett Vietzke, Volumen Express y amigos
  • Club Cultural Matienzo, Matienzo 2424
  • Lunes a domingo 18 a 24 hs
  • Del 13 al 20 de diciembre 2011
  • Inauguración: 13.12., 19 hs

Sommerfest im San Martín-Theater

Mit Gratis-Vorstellungen am Wochenende läutet der CTBA die Sommerpause ein

Von Susanne Franz

Musik, Theater, Puppenspiel, Kino und Foto-Ausstellungen bei freiem Eintritt: Am Samstag, dem 10., und Sonntag, dem 11. Dezember, feiert der Complejo Teatral de Buenos Aires (CTBA) das Ende der Saison 2011. Eintrittskarten (je 2 pro Person) können an den jeweiligen Vorstellungsorten zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn abgeholt werden.

Theaterfreunde können am 10.12. um 21 Uhr und am 11.12. um 20 Uhr im Cunill Cabanellas-Saal des San Martín-Theaters (Av. Corrientes 1530) Mauricio Kartuns “Salomé de chacra” sehen; im Teatro Sarmiento neben dem Zoo von Buenos Aires (Av. Sarmiento 2715) bringt die Compañía Vilma Diamante noch zweimal Ariel Faraces “Ulises no sabe contar” auf die Bühne (10. und 11.12., 21 Uhr).

Kinder und Erwachsene können sich über Sondervorstellungen der Puppenspiele freuen, die die Puppenspielertruppe “Grupo de Titiriteros” des San Martín-Theaters unter Adelaida Mangani in den letzten Wochen im Programm hatte: “El gran circo” von Ariel Bufano wird am 10. und 11.12. um 16 Uhr im Teatro Regio (Av. Córdoba 6056) gezeigt, “El caballero de la mano de fuego…la opereta” von Javier Villafañe kommt am 10.12. um 15.30 Uhr und am 11.12. um 13 Uhr im Teatro de la Ribera (Av. Pedro de Mendoza 1821) auf die Bühne.

Drei erfolgreiche Filme werden im Programmkino Leopoldo Lugones (Av. Corrientes 1530) gezeigt: “Los labios” (Argentinien 2010, Regie: Santiago Loza; 10.12., 14.30 Uhr; 11.12., 21 Uhr), “El estudiante” (Argentinien 2011, Buch und Regie: Santiago Mitre; 10.12., 18 Uhr; 11.12., 14.30 Uhr) und “La vida útil” (Uruguay/Spanien 2011, Regie: Federico Veiroj; 10.12., 21 Uhr; 11.12., 18 Uhr).

Auch der Gratis-Zyklus “Música en el Hall” hält einige besondere Leckerbissen bereit: Start ist am 10.12. um 19.30 Uhr mit “34 Puñaladas” (Tango), um 22.30 Uhr spielen die “Cuatro Vientos”. Am 11.12. sorgt die Gesangsgruppe “Cabernet” ab 18.30 Uhr für Stimmung, und um 21.30 Uhr spielt “Babel Orkesta” auf.

Bis zum 11.12. kann man auch noch die Fotoausstellungen “El transporte en la Argentina. Fotografías 1860-1960” und “Criaturas” von Cecilia Lutufyan in der FotoGalería des San Martín-Theaters sowie “Esta Boca es mía” von Lucía Baragli, Tomás Linch und Adrián Simeone im EspacioFotográfico des Teatro de la Ribera bewundern, die dann erst im Januar nach der Sommerpause wieder zugänglich sind.
Weitere Infos auf der Webseite des San Martín-Theaters.

Bild:

Szene aus “Ulises no sabe contar”.
(Foto: Carlos Furman)

Vom Kriegerischen über das Poetische zum Schönen

Die Ausstellung “Bellico” des argentinischen Künstlers Martín Bonadeo

Von Maike Pricelius

Über den Stufen zum Eingangsbereich des “Espacio Fundación Telefónica”, passend zum Ort, hängt ein “Langohr”. So jedenfalls könnte man den Titel “Largaoídos” der Intervention von Martín Bonadeo ins Deutsche übersetzen. Ein 3,20 m langes, metallenes Horn ist unter der Decke angebracht, an dessen Ende ein Kopfhörer baumelt, den der Besucher aufsetzt, noch bevor er die Ausstellung wirklich betreten hat. Das offene Ende ist auf den gegenüberliegenden Park gerichtet und verstärkt die Geräusche, die aus dem öffentlichen Raum in den Zwischenbereich des Eingangs fallen. Die Parkbesucher, Spaziergänger mit Hunden, alle ziehen sonst meist ungehört vorbei. Der Apparat aber, der für das Hören von Flugzeugen entwickelt wurde, überträgt die Stimmen und Geräusche bis auf die andere Straßenseite, bis zur Ausstellung “Bellico”. So eingestimmt, nach angestrengtem Hören ganz Ohr, betritt der Besucher den Ausstellungsraum.

Der Titel “Bellico” setzt sich aus zwei Wörtern zusammen, die die zwei Achsen, welche die Ausstellung durchziehen, widerspiegeln. Alexander Graham Bell meldete 1876 das Patent für das Telefon an. Sein Name steht damit für die Möglichkeit der Kommunikation in Echtzeit über große Distanzen hinweg. Der zweite Teil des Titels steht für “bélico”, kriegerisch. Aber ist die Kommunikation nicht die Antithese zum Krieg? In den Installationen und Interventionen im “Espacio Fundación Telefónica” kommen diese beiden auf den ersten Blick disparaten Konzepte zusammen. Verschiedene Konnotationen des Begriffes “Krieg” werden in den Kunstwerken beleuchtet, von der Entwicklung der ersten Kommunikationsapparate, wie Walkie Talkies, für die Kriegsindustrie, bis hin zum alltäglichen Kampf mit sich selbst, welcher die Anforderung, jederzeit und überall erreichbar zu sein, auslöst. Die Wissenschaft, das System, die Welt zu erklären, und die Entwicklung der Technik, sowie ihre Effekte auf unser Leben, bilden den Ausgangspunkt für die Überlegungen des Künstlers.

Eine Sinfonie der Telefone begegnet dem Besucher (Telemonólogos), sobald er die Eingangstür durchschritten hat. 150 Telefonhörer hängen an ihren Kabeln von der Decke und laden dazu ein, sich unter sie zu mischen und ihrem Sound zu lauschen. Unterschiedliche Aufnahmen, von Anrufen auf Faxgeräte, Besetztzeichen, bis zu Falsch-Verbunden-Ansagen lassen sich immer wieder neu kombinieren, je nachdem, wo man sich gerade aufhält und nach welchen Hörern man greift und sich an die beiden Ohren hält.

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