Agenda / Kalender

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Agenda de Muestras 22/04/06-29/04/06

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“Los caminos de Kiarostami”, 1978-2003, 50,3 x 77,8 cm. En el MALBA.

Centros de exposiciones

  • MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), Av. Figueroa Alcorta 3415 (martes cerrado; entrada 10 pesos): Fabián Marcaccio, “Ezeiza Paintant”, intervención (Terraza). Hasta Mayo 06. / “Gego, entre la transparencia y lo invisible”; Curadora: Mari Carmen Ramírez. 14.3.-22.6. / Francis Alÿs, “A Story of Deception”, Patagonia 2003-2006, video, dibujos, fotos. 14.4.-12.6. / Abbas Kiarostami, “Los caminos”, fotos, y “10 Minutes Older”, video. 14.4.-12.6.
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Ein neuer Geist

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Synagogen-Ausstellung

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Die Synagoge von Aachen.

Die Synagogen, die der Architekt Prof. Dr. Alfred Jacoby (geb. 1950) in Deutschland für die wachsende jüdische Gemeinde errichtet hat, kann man im Rahmen der dokumentarischen Ausstellung “En un espíritu nuevo” sehen, die am Montagabend in Buenos Aires eröffnet wird.

Jacobys neuartige Entwürfe und Bauten (“Hätte ich die gleichen Synagogen gebaut wie die, die von den Nazis zerstört worden waren, hätte das so ausgesehen, als sei nie etwas geschehen”) sind vom 25.4. bis 7.5. im Museo de Arquitectura, Av. del Libertador 999 (Ecke Callao), täglich 14-20 Uhr, und vom 10.5. bis 31.5. im Seminario Rabínico Latinoamericano “Marshall T. Meyer“, José Hernández 1750, Mo-Do 14-21 Uhr, zu besichtigen.

Un espíritu nuevo

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Muestra documental de sinagogas

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La Sinagoga de Aquisgrán.

En el marco de la muestra documental “En un espíritu nuevo”, se pueden ver las nuevas sinagogas construidas por el arquitecto Prof. Dr. Alfred Jacoby (nacido 1950) en Alemania, para la creciente comunidad judía. La exposición abre en Buenos Aires el lunes a las 19 horas.

Los novedosos edificios de Jacoby (“No construyo sinagogas como réplicas de modelos históricos, destruidos por los nazis. De ser así, se estaría haciendo de cuenta que no sucedió nada”) se pueden apreciar a partir del 25 de abril hasta el 7 de mayo en el Museo de Arquitectura, Av. del Libertador 999 (esquina Callao), todos los días de 14 a 20 hs, y del 10 de mayo hasta el 31 de mayo en el Seminario Rabínico Latinoamericano “Marshall T. Meyer”, José Hernández 1750, de lunes a jueves de 14 a 21 hs.

Filmkünstler auf DVD

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Martín Rejtman-Pack in der “colección malba.cine”

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Die Abteilung Kino des “Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires”, malba.cine, lanciert am morgigen Mittwoch, dem 19. April, um 20 Uhr bei freiem Eintritt den DVD-Pack “Martín Rejtman”, den ersten in der neuen Reihe argentinischer und lateinamerikanischer Filme auf DVD, die das Malba unter dem Label “colección malba.cine” herausgeben wird.

Mart.JPGDer DVD-Pack enthält das gesamte filmische Werk Rejtmans, der sich mit so unvergesslichen Streifen wie “Silvia Prieto” oder “Los guantes mágicos” einen Namen gemacht hat, und noch einiges an Überraschungen. Anlässlich der Präsentation im Malba (Av. Figueroa Alcorta 3415) wird die Dokumentation “13 años y medio” über den Film “Rapado”, die Entstehungsgeschichte von “Los guantes mágicos” und mehr Interviewmaterial aus dem Film “Silvia Prieto” zu sehen sein.

Arte fílmico en DVD

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Películas de Martín Rejtman en nueva “colección malba.cine”

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La sección Cine del “Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires”, malba.cine, presenta mañana, miércoles, 19 de abril, a las 20 horas, con entrada libre, el pack de DVDs “Martín Rejtman”, el primero en toda una colección de películas argentinas y latinoamericanas en DVD que van a salir bajo el nuevo sello “colección malba.cine”.

Mart.JPGEl pack de DVDs contiene toda la obra fílmica de Rejtman, director argentino célebre por películas inolvidables como “Silvia Prieto” o “Los guantes mágicos”. Con motivo del lanzamiento en el Malba (Av. Figueroa Alcorta 3415) se proyectan el documental “13 años y medio” sobre la película “Rapado”, el making-of de “Los guantes mágicos” y material adicional de entrevistas de la película “Silvia Prieto”.

Künstlerblicke auf Land und Leute

Buenos Aires und die Pampa werden in den Werken von Benito Quinquela Martín, Xul Solar, Antonio Seguí und Florencio Molina Campos lebendig

Von Susanne Franz, 2006

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Hafenstimmung: “Atardecer rosado” (1969) von Benito Quinquela Martín.

Der Maler Benito Quinquela Martín war von dem Hafenviertel “La Boca” geprägt und prägte es selber mit. Alejandro Xul Solar hatte seinen Kopf in den Wolken, aber seine Füße fest auf dem Boden seiner Heimatstadt Buenos Aires. Antonio Seguí schaut ein bisschen böse, ein bisschen wehmütig auf sein Heimatland, das er schon vor über 40 Jahren verließ, um sich in Paris niederzulassen, und Florencio Molina Campos hat wie kein anderer meisterhaft das Leben der Gauchos in der Pampa und die unendliche Weite ihres Horizonts porträtiert.

Benito Quinquela Martín – der Maler von “La Boca”

Benito.jpgIm romantischen Hafenviertel von Buenos Aires “La Boca”, das Tag für Tag Hunderte von Touristen mit seinem bunten Sträßchen “Caminito”, Tangoschauen, Straßenkünstlern und seinen mit originellen Souvenirs und Kunstwerken bestückten Märkten verzaubert, begegnet man dem “Maler von La Boca”, Benito Quinquela Martín, auf Schritt und Tritt. Bis heute einer der populärsten Künstler Argentiniens, prägte Quinquela Martín (1890-1977) mit seinem Lebenswerk das Gesicht des beliebten Hafenviertels entscheidend mit – allenthalben sieht man in den Straßen von ihm gestaltete Keramiken und Wandgemälde; verkaufen Künstler von ihm inspirierte Gemälde, und nicht zuletzt befindet sich das von ihm gegründete “Museo Quinquela Martín” mitten im Herzen von “La Boca”. Hier kann man nicht nur die beeindruckenden Gemälde des Künstlers selbst bewundern, die er seinem Viertel als Geschenk überreichte, sondern auch eine Sammlung von Werken anderer Künstler der “Boca”, die auf Quinquelas ausdrücklichen Wunsch mit in das Museum aufgenommen wurden.

Vom Waisenkind zum populären Künstler und Philanthropen

Die Geschichte des Benito Quinquela Martín rührt ans Herz. Am 20. März 1890 wurde das von seinen Eltern verlassene Kind von Ordensschwestern gefunden, die ihn auf den Namen Juan Benito Martín tauften und sein Alter auf ungefähr 20 Tage einschätzten. In der von einer starken Einwanderung und hoher Arbeitslosigkeit geprägten Zeit wurden bis zu drei Kinder pro Tag in Buenos Aires ausgesetzt, die meisten verbrachten ihr Leben im Waisenhaus oder starben jung. Der kleine Juan Benito lebte 7 1/2 Jahre im Waisenhaus – die Ordensschwestern gaben die Kinder erst mit sechs Jahren, also im arbeitsfähigen Alter, zur Adoption frei – und wurde dann von dem kinderlosen Ehepaar Manuel Chinchella und Justina Molino adoptiert. Mit 14 Jahren begann er zu arbeiten und besuchte abends eine Kunstschule.

Schon bald kristallisierte sich sein großes Talent heraus und er verlegte sich ganz auf das Studium der Malerei. Zunächst malte er Porträts der Menschen seines Viertels, bis er begann, sich seinen berühmten Hafenszenen zu widmen. Im Alter von 29 Jahren änderte er seinen Namen in Benito Quinquela Martín um. Die Güte, die er von seinen Adoptiveltern empfangen hatte, mit denen er bis an ihr Lebensende zusammenlebte, zahlte er später vielfach zurück: Er gründete eine Schule, einen Kindergarten, ein Haus, in dem Ammen ausgesetzte oder arme Kinder stillten, eine Kunstschule für Kinder und ein zahnärztliches Institut für die Armen. Er selbst hatte sein Leben lang unter seinen schlechten Zähnen gelitten.

Aus dem Vertrauten neue Welten schaffen

Benito Quinquela Martíns Gemälde lassen das Leben und die Atmosphäre des Hafenviertels – das Universum, von dem er umgeben war – unmittelbar auferstehen: die emsige Betriebsamkeit der Hafenarbeiter beim Be- und Entladen der Schiffe, die Arbeit in den umliegenden Gießereien oder Kohlefabriken, die Schiffe vor Anker oder in der Werft, die Kräne, Fluss- oder Hafenlandschaften zu den verschiedensten Tages- oder Nachtzeiten. Voller Farbenfreude, mit kräftigem Pinselstrich oder energisch aufgetragenem Spachtel, fing Quinquela Martín die Nuancen des Lichts, des Himmels, des Wassers, des Nebels, der Bewegungen und Energien seines Universums ein. “Hier fiel mir alles leicht”, schrieb er über das Thema seiner Malerei, “die Atmosphäre und die Dinge hatten sich über Jahre hinweg auf meiner Netzhaut eingebrannt, es gab nichts, was mir nicht vertraut gewesen wäre, ich wusste, wie sich jeder kleinste Muskel beim Beladen oder Entladen bewegte; alles ging wie von selbst, weil ich die Strukturen kannte.”

Xul Solar – Mystiker mit Wurzeln im Tigre-Delta und Palermo

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Die Stadt als Symbol: “Ciudá y abismos” (1946) von Xul Solar.

Ein Universum für sich ist der argentinische Mystiker und Künstler Xul Solar. Sein Werk ist sicher das am schwersten zugängliche in der argentinischen Kunst, in seiner Komplexität und Rätselhaftigkeit am ehesten vergleichbar dem seines Freundes und weltberühmten Literaten Jorge Luis Borges. Dennoch findet man auch im Werk Xuls ständige Referenzen seiner Heimatstadt Buenos Aires, vor allem des malerischen Tigre-Deltas, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte und auch seine letzten – von 1956 bis zu seinem Tod im Jahre 1963. Xuls düstere, futuristische Berglandschaften mit endlosen Treppen und Leitern und in Kaminen verschwindenden Menschen, die er unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs malte, entlehnte er dem riesigen Gefängnisbau “Penitenciaría Nacional” im Stadtteil Palermo, in dem sein Vater viele Jahre als Ingenieur arbeitete. Die gelben Mauern des Gefängnis-Kolosses, der 1963 abgerissen wurde, hat das Werk vieler Künstler und Literaten inspiriert – u.a. auch die Geschichten von Don Isidro Parodi, der Kriminalfälle von einer Zelle dieser Gefängnisanstalt aus löste, die Borges und Adolfo Bioy Casares unter dem Pseudonym H. Bustos Domecq schrieben.

Ein Intellektueller seiner Zeit

Xul2.jpgXul Solar wurde 1887 in Buenos Aires als Oscar Agustín Alejandro Schulz Solari geboren. Er war einziges Kind eines lettischen Vaters und einer italienischen Mutter. Ein Architekturstudium brach er nach zwei Jahren ab, und er lernte das Geigenspiel. Wie viele junge argentinische Intellektuelle der Zeit, verbrachte Xul Solar viele Studienjahre in Europa. Von 1912-1924 hielt er sich in London, Paris, Mailand und München auf. Abgesehen vom Studium der Kunstgeschichte und dem Kontakt zur europäischen Avantgarde begann Xul, sich mit dem Werk Rudolf Steiners und des englischen Esoterikers Aleister Crowley zu beschäftigen. So galt sein Interesse schon früh nicht allein der Kunst, sondern den Religionen, der Metaphysik, der Mythologie und der Astrologie. Xul schuf fast ausschließlich Aquarelle, aber seine Arbeiten waren weit über die rein künstlerische Betätigung hinaus immer Ausdruck seiner Suche nach einer allumfassenden Wahrheit, seines Drangs, Verbindungen und Netzwerke herzustellen zwischen Sprachen, Völkern, Religionen und Anschauungen. Der Künstler, der acht Sprachen beherrschte, beschäftigte sich auch Zeit seines Lebens damit, neue linguistische Systeme zu entwickeln. Für sein „neocriollo”, das das Spanische, Portugiesische und Elemente der Indianersprache Guaraní verbindet, schuf er sogar eine Grammatik; für seine „panlengua”, die eine universelle Weltsprache werden sollte, fehlte ihm die Zeit. Xul war zudem Erfinder, er entwickelte Spiele und schuf Musikinstrumente und Marionetten.

Im Werk von Xul Solar wird das Gefängnis von Palermo zu einem Symbol neben vielen anderen – seinen Fahnen, Schlangen, Buchstaben oder Bändern – und verwandelt sich in Berge, die Bienenstöcken gleichen, vergitterte Fenster oder Türme. Seine Visionen von einer neuen, modernen Stadt drückt er in Bildern von der Großstadt Buenos Aires aus, die immer erkennbar ist – am ehesten in den letzten, farbenfrohen, optimistischen Aquarellen seines Lieblingsorts – des Tigre-Deltas, wo er bis zum letzten Atemzug in seiner Werkstatt seiner künstlerischen Arbeit und metaphysischen Suche nachging.

Antonio Seguí – exzellenter Porträtist der Stadt

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Großstadtdschungel: “Paisaje urbano” (1998) von Antonio Seguí.

Jeder Künstler ist ein Sonderfall, aber Antonio Seguí, 1934 in Córdoba, Argentiniens zweitgrößter Stadt geboren und seit über 40 Jahren Bürger von Paris, ist ein Sonderfall der Sonderfälle. Wie gelingt es einem Künstler aus dem Landesinneren, wie kein zweiter das Großstadtleben der Hauptstadt zu porträtieren, wie kann ein so lange schon “im Exil” lebender Argentinier den argentinischen Großstadtmenschen auf so satirisch-liebevolle Weise darstellen, wie nur er es vermag? Man kann spekulieren, dass vielleicht gerade ein mit Seguís Sensibilität ausgestatteter “Außenstehender” dazu in der Lage ist, aber man muss auch der Tatsache Rechnung tragen, dass Seguís Kunst eine universelle ist – es ist “die Großstadt” an sich, die er malt, nicht unbedingt nur Buenos Aires (das Paris ohnehin sehr ähnelt), und “der Mensch” an sich, nicht unbedingt nur der “porteño” (Bewohner der Stadt Buenos Aires). Dennoch erkennt man in Seguís humorvoll-bösen, an Comics angelehnten Grafiken und Gemälden den aberwitzigen, hektischen Rhythmus der Stadt am Río de la Plata sofort, und die leicht verstaubte Ehrenhaftigkeit und Eitelkeit der “porteños”, deren fragile Identität Seguí als mit einem umso größeren Ego zugedeckt entlarvt.

Hassliebe und Ruhm

Antonio.jpgNur in der Großstadt Buenos Aires pulsiert das Leben des gigantischen Landes Argentinien, und dieses Leben ist ein gnadenloser, unerbittlicher Konkurrenzkampf. Antonio Seguí hat ihn am eigenen Leib erlebt, als er als junger Künstler, aus Córdoba kommend, in Buenos Aires sein Glück versuchte – wie so viele. Seitdem verbindet ihn eine Hassliebe mit dieser Stadt (die er im übrigen mit so manchem ihrer Bewohner teilt). Heute ist Antonio Seguí einer der erfolgreichsten argentinischen Künstler überhaupt. Im Mai 2005 hat ihm das renommierte “Centre Pompidou” in Paris eine umfassende Retrospektive gewidmet – die erste und bislang einzige, die einem Argentinier zuteil geworden ist. Seiner Heimat Argentinien zeigte er seine Verbundenheit, als er dem Museum für Moderne Kunst (MAMBA) von Buenos Aires im Jahr 2001 eine Sammlung von 300 Grafiken als Schenkung überreichte.

Florencio Molina Campos – Chronist der Pampa

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In vollem Galopp: Ein Werk von Florencio Molina Campos.

Der Künstler Florencio Molina Campos (1891-1959) hat mit seinen entzückenden, in den Bereich der Karikatur reichenden Darstellungen voller Liebe zum Detail und lichtdurchfluteter Energie wie kein zweiter das Leben auf dem Lande porträtiert, vor allem aber die Welt der Gauchos: ihre Reiterkunststücke, die Messerkämpfe oder das Truco-Spiel in der “Pulpería”, einem Treffpunkt, der Kneipe und Einkaufsladen zugleich war. Molina Campos’ Bilder schmückten seit 1931 über 15 Jahre lang die Kalender der Alpargatas-Schuhfabrik, mit denen er eine unvergleichliche Popularität erlangte – es waren 18 Millionen Exemplare von dieser “Pinakothek der Armen” im Umlauf, eine für die Epoche fast unvorstellbar hohe Zahl. Wenn man Glück hat, kann man auf dem berühmten Antik-Markt von San Telmo heute noch alte Alpargatas-Kalenderblätter mit den Abbildungen von Molina Campos erstehen. 1942 reiste Florencio Molina Campos in die USA, um mit Walt Disney einen auf seinen Zeichnungen basierenden Film zu produzieren. Im Museum Molina Campos kann man Fotos von Walt Disney und seinen Zeichnern in Argentinien bewundern, wohin sie extra reisten, um Florencio Molina Campos die Einladung zu überbringen.

Detailgetreuer Beobachter

molina2.jpgFlorencio Molina Campos verbrachte seine Kindheit zwischen Buenos Aires und den Ländereien seiner Eltern in der Provinz Buenos Aires und der Provinz Entre Ríos. In seinen Werken wird deutlich, welch unglaublich scharfer Beobachter er gewesen sein muss, denn jedes Detail in seinen Bildern ist bis ins letzte ausgearbeitet – die Kleidung der Gauchos, ihre Stiefel, ihre Waffen, das Zaumzeug der Pferde, Sättel, Steigbügel, usw. Das führt so weit, dass Molina Campos’ Werke bereits als historische Dokumente herangezogen werden. Das hervorstechendste Merkmal seiner Gemälde ist der tiefliegende Horizont, der nur etwa das untere Sechstel des Bildes ausmacht. Damit hat Molina Campos die unendlichen Himmel und die fast grenzenlos scheinende Weite der Pampa meisterhaft festgehalten. Dazu kommt seine Fähigkeit, Stimmungen zu schaffen – es ist vor allem die lebendige Dynamik seiner Werke, die diese so unverwechselbar macht.

Florencio Molina Campos malte ununterbrochen, weil er Spaß am Malen hatte, und wenn ihm das Material ausging, benutzte er sogar Ravioli-Kartons. Seine Bilder verkaufte er zu moderaten Preisen, es ging ihm nie darum, mit seiner Kunst reich zu werden. Zeit seines Lebens musste sich der Künstler den Vorwurf gefallen lassen, dass er Pferde im Galopp mit allen vier Hufen auf einmal in der Luft malte. Das sei unmöglich, wurde ihm gesagt. Er hielt dagegen, er male, was er sehe. Erst als die Technik etwas weiter vorangeschritten war, bekam Molina Campos recht: In der Zeitlupe im Film ist zu erkennen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im Galopp das Pferd den Boden mit keinem seiner Hufe berührt.

Dieser Artikel erschien im März 2006 in einer Tourismus-Sonderausgabe des “Argentinischen Tageblatts” für die ITB Berlin.

Kalender / Agenda

Ausstellungs-Kalender 15.04.06-22.04.06

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Francis Alÿs, „A Story of Deception“. Im MALBA.

Ausstellungszentren

  • MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), Av. Figueroa Alcorta 3415 (dienstags geschlossen; Eintritt 10 Pesos): Fabián Marcaccio, „Ezeiza Paintant“, Intervention (Terrasse). Bis Mai 06. / „Gego, entre la transparencia y lo invisible“, Kuratorin: Mari Carmen Ramírez. 14.3.-22.6. / Francis Alÿs, „A Story of Deception“, Patagonien 2003-2006, Video, Zeichnungen, Fotos. 14.4.-12.6. / Abbas Kiarostami, „Los caminos“, Fotos, und Video „10 Minutes Older“. 14.4.-12.6.
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Augenblicke des Übergangs (2002)

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Gabriel Salomóns Serie „Humo” bei Rubbers

Von Susanne Franz

gabisal2.jpgSechs Jahre sind seit der letzten Ausstellung Gabriel Salomóns in Argentinien vergangen. Wenn er eine neue Serie fertig gestellt habe, sagt der Künstler, habe er die Werke gerne ein, zwei Jahre bei sich, ehe er sie zeige, um zu überprüfen, ob sie der Zeit Stand hielten. Seine neue Produktion „Humo”, ganz unterschiedlich zu den Werken, die 1996 bei Ruth Benzacar gezeigt wurden, und doch unverwechselbar Salomón, ist in dieser Hinsicht geradezu unheimlich aktuell.

Während es um uns herum brennt, stehen wir wie hypnotisiert da und starren staunend ins Feuer. Der aufsteigende Rauch brennt in den Augen, aber wir können den Blick nicht abwenden, ebensowenig wie wir in der Lage sind, die Zerstörung zu verhindern. Noch verdeckt der schwarze Nebel den Blick auf die Ruinen, aus denen irgendwann in einer nicht näher zu bestimmenden Zukunft wieder Neues entstehen wird. Dass seine in in den Jahren 1998 bis 2001 entstandenen Werke derart treffend den momentanen kritischen, völlig undurchsichtigen Zustand Argentiniens beschreiben würden, hat sicher den Künstler selbst überrascht und erschreckt.

Gabriel Salomóns Werk ist aber wie immer auch reich an allgemeingültigen Botschaften, wobei die Serie „Humo” mit der Explosivität von Beziehungen spielt (Eltern und Kind, Mann und Frau) oder mit den himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübten Extremen der Pubertät; die sich in unkritisches Wohlgefallen auflösende Kultur aufs Korn nimmt; oder Mutwillen dokumentiert wie in „Hecho humo porque si” (In Rauch aufgelöst – einfach so).

Salomóns Werke sind neben ihrer Aussagekraft schwebende, ästhetische Meisterwerke voll lebendiger Dynamik, gefährlich und schön, philosophisch und verspielt. Prekäre Augenblicke des Übergangs von einem Zustand in einen anderen sind hier festgehalten, und zum Schrecken gesellt sich ganz leise auch die Hoffnung.

Der Artikel erschien am 18.5.2002 im “Argentinischen Tageblatt”.

Instantes de transición (2002)

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La serie “Humo” de Gabriel Salomón en la Galería Rubbers

Por Susanne Franz

gabisal3.jpgHan pasado seis años desde la última exposición de Gabriel Salomón en Buenos Aires. Según el artista, después de haber terminado una nueva serie, le gusta tenerla cerca de él durante un año o dos, para verificar su resistencia y credibilidad en el tiempo. Teniendo en cuenta esto, su nueva producción “Humo” —muy diferente de las obras que mostró en Ruth Benzacar en el año 1996, pero sin dudas 100% Salomón— tiene una actualidad inquietante.

Mientras que todo se está quemando a nuestro alrededor, nos quedamos paralizados, mirando fijamente el fuego sin poder creer lo que pasa. El humo sube y arde en los ojos, pero no logramos apartar la mirada, como tampoco podemos impedir la destrucción. Una niebla negra cubre todavía las ruinas, de las cuales en un futuro no definido va a nacer algo nuevo. Estas obras de Salomón fueron creadas entre 1998 y 2001, pero describen con una agudeza impresionante la situación crítica, caótica y completamente opaca de la Argentina de este 2002. Seguro que al propio artista le debe haber sorprendido y asustado esta cualidad profética de sus obras.

Al mismo tiempo, la obra de Gabriel Salomón es rica en contenidos esenciales. La serie “Humo” juega con la explosividad de las relaciones humanas (padres e hijos, hombre y mujer) o con los extremos emocionales de la adolescencia; apunta con un guiño a la “cultura” disolviéndose en una mediocridad acrítica; o simplemente se muestra malicioso como en la obra “Hecho humo porque si”.

Aparte de toda su fuerza expresiva, las pinturas de Salomón son obras maestras de una rara estética: parecen suspendidas en el aire, pero dinámicamente vibrantes, son peligrosas y bellas, filosóficas y juguetones a la vez. Captan precarios instantes de transición de un estado a otro: junto al terror aparece, muy tímidamente, la esperanza.

Este artículo salió (en idioma alemán) el 18/5/2002 en el “Argentinisches Tageblatt”.

Kalender / Agenda

Ausstellungs-Kalender 08.04.06-15.04.06

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Exzellente Retrospektive von Eduardo Stupía im Centro Cultural Recoleta.

Ausstellungszentren

  • Centro Cultural Recoleta, Junín 1930 (Di-Fr 14-21, Sa, So und feiertags 10-21 Uhr, Eintritt 1 Peso): Eduardo Stupía, Werke 1971-2006 (Cronopios-Saal). 9.3.-16.4. / Sergio Gutman (Mexiko), „Círculo Cuadrado“ (Saal „C“). 9.3.-16.4.
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Untertauchen im Bermuda-Dreieck

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Ausstellungen bei Ruth Benzacar, Klemm und im CCEBA

Von Susanne Franz

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In der “Fundación F.J. Klemm” ist neben dem “IX. Klemm-Kunstpreis” auch eine Ausstellung mit Porträts des 2002 verstorbenen, betrauerten Künstlers, Kunstsammlers, Förderers und TV-Moderators zu sehen (hier ein Porträt von Delia Cancela).

Im “Bermuda-Dreieck” der mitten im Herzen von Buenos Aires gelegenen Kunstgalerien “Ruth Benzacar” (Florida 1000), “Fundación F.J. Klemm” (M.T. de Alvear 626) und dem spanischen Kulturzentrum CCEBA (Florida 943) kann der Kunstfreund tief in die Geheimnisse der zeitgenössischen Kunst eintauchen – ohne dabei verlorengehen zu müssen.

Die drei zu den renommiertesten und feinsten Adressen zählenden Kunsttempel liegen nur wenige Meter voneinander entfernt und allesamt unter der Erde. In jeder der drei Galerien wollte der Künstler Martín Bonadeo sich in den Kreislauf der Überwachungskameras einklinken und jeweils einen Monitor installieren, auf dem zu sehen ist, was sich in einer der anderen drei Galerien abspielt. Sein Plan war, auf diese Arte und Weise einen “Geschlossenen Kunstkreislauf” zu simulieren. Das Projekt scheiterte an zahllosen bürokratischen Hürden und erwies sich als undurchführbar. Es wird als solches (in der Entwicklungsphase) im CCEBA im neu erdachten MI-Raum gezeigt (MI=Mission Impossible). Die Ausstellung ist symptomatisch für den argentinischen Kunstbetrieb, der Spitzenkünstler hat, deren Projekte nicht verwirklicht werden können.

Unter den vielen “kleineren” Ausstellungen, die momentan im CCEBA laufen, muss man zudem die Videos junger spanischer Künstler und Künstlergruppen (“Miradas Breves”) und die Fotografien von Alejandra Urresti als besonders gelungen hervorheben.

balle.jpgAm Mittwoch eröffnete die Galerie Ruth Benzacar die Saison 2006 mit einer Ausstellung von Ernesto Ballesteros, der u.a. einen riesigen Berg dunklen Garns am Boden der Galerie zeigt. Man erfährt, dass es 40.000 km sind, genau der Umfang der Erde. Die Installation macht dem Betrachter auf sensible Weise die Zerbrechlichkeit des Planeten bewusst. Unterstrichen durch eine Sound-Installation mit sphärischen Klängen, wird die Ausstellung durch monochrome Zeichnungen an den Wänden ergänzt, die an poetische Landschaften erinnern. Ballesteros hat diese Zeichnungen – ganz in der Tradition der Alten Meister – in Gemeinschaftsarbeit mit mehreren Helfern geschaffen: Auf diese Art und Weise stellt er subtil die Frage nach der Autorenschaft eines Kunstwerks.

Ernesto Ballesteros’ Ausstellung besitzt einen Unterton distanzierter Trauer, und deshalb berührt die leidenschaftliche Intensität der Gemälde Valentina Liernurs im “Nuevo Espacio” der Galerie um so stärker. Für diejenigen, die auch im Falle Liernurs um ein Verständnis der neuen Formen der Kunst ringen, empfiehlt sich die Lektüre des ausgezeichneten Prologs von Leopoldo Estol im Katalog.

Der Artikel erschien am 01.04.06 im “Argentinischen Tageblatt”.