Die phantastischen Welten der Ulrike Ottinger

Filme und Fotos der deutschen Regisseurin und Fotografin im Theater San Martín

Das Goethe-Institut, der Theaterkomplex von Buenos Aires und die Stiftung Cinemateca Argentina heißen zum ersten Mal Ulrike Ottinger, eine der originellsten deutschen Künstlerinnen willkommen. Vom 7. bis 16. Juni kann man im Lugones-Saal des Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530) eine Retrospektive mit Ottingers Filmen sehen. Vom 7. Juni bis 3. Juli wird zudem eine Fotoausstellung in der Fotogalerie des Theaters geboten. Die Ausstellung kann montags bis freitags ab 12 Uhr und samstags und sonntags ab 14 Uhr bis zum Ende der Tagesaktivitäten in den Sälen des ersten Stockwerkes der Eingangshalle Carlos Morel besucht werden.

Der Ruf, eine der originellsten visuellen Künstlerinnen Deutschlands zu sein, eilt ihr voraus: Ulrike Ottinger, Filmemacherin, Fotografin und Malerin. Sie zeichnet sich durch eine sowohl schräge und skurrile, als auch moderne und außergewöhnliche Kunst aus. Stete Verfechterin des weiblichen Universums und einfühlsame Fürsprecherin des Anderen, des Freaks, des Außenseiters, durchbricht sie die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Fiktion, zwischen Realität und Phantasie, ohne sich in eine bestimmte Form einordnen zu lassen. Ob mongolische Nomaden, wilde Feministinnen, verliebte Koreaner, die Kultur Shanghais und die jüdische Lebenswelt, verkleidete Zwerge, der älteste Vergnügungspark der Welt oder das Bildnis einer (deutschen) Trinkerin, die Bilder von Ulrike Ottinger sind von bestechender Schönheit. Doch was ist Dispositiv, was ist Wirklichkeit, was Phantasie in diesem Kabinett der Kuriositäten, das ihren Kosmos ausmacht?

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Alles nur ein Spiel

“El gato desaparece” von Carlos Sorín

Von Anna Weber

Eigentlich wollte er einen Film über den Wahnsinn drehen. Doch dann stieß Carlos Sorín (“Historias mínimas”, 2002) auf die Aussage Alfred Hitchcocks, mit “Psycho” sei kein Film über den Wahnsinn, sondern ein Film über das Kino selbst entstanden. Und so ließ Sorín in seinem neuen Film “El gato desaparece” den Wahnsinn beiseite und setzte sich stattdessen das Ziel, mit allen filmischen Mitteln eine möglichst große Spannung im Zuschauer zu erzeugen.

Es beginnt harmlos: Eine Gruppe von gelangweilten Ärzten berät den Fall des Universitätsprofessors Luis (Luis Luque), der während eines Nervenzusammenbruchs einen Arbeitskollegen angegriffen hatte und daraufhin interniert worden war. Man beschließt, Luis wieder in den Alltag zu entlassen, jedoch nicht, ohne dass einer der Ärzte, in einem Anflug von Zweifel, die zentrale Frage des Films stellt: “Ist er denn schon gesund?”

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“Metropolis” und mehr

Fritz Lang-Retrospektive im Malba

Von Susanne Franz


Am morgigen Donnerstag, 5. Mai, wird im Malba mit der kompletten, restaurierten Fassung seines Stummfilms “Metropolis” eine Retrospektive des deutschen Regisseurs Fritz Lang eröffnet, die den ganzen Monat zu sehen sein wird. “Metropolis” wird dabei jeweils samstags um 22 Uhr und donnerstags um 21 Uhr mit Livemusik gezeigt, komponiert und dargeboten vom National Film Chamber Orchestra unter Fernando Kabusacki. Der Eintrittspreis für “Metropolis” beträgt 30 Pesos, für Studenten und Rentner ermäßigt 15 Pesos. Ansonsten kostet die Karte 18 bzw. ermäßigt 9 Pesos, Abos sind für 82 bzw. 41 Pesos zu haben.

Am Freitag, dem 20. Mai, um 19 Uhr, wird der Filmhistoriker und Programmchef von “Malba Cine”, Fernando Martín Peña, das Buch “Metrópolis” vorstellen, in dem das Wiederauffinden der verlorengegangenen Passagen des Films in Buenos Aires geschildert wird. Der Eintritt zu der Veranstaltung im Auditorium des Malba ist frei.

Programm:

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Positive Bafici-Bilanz

Deutscher Film “Im Alter von Ellen” räumte den Preis für die beste Darstellerin ab

Von Isabelle Opel

300.000 Personen, 10% mehr als im Vorjahr, haben am diesjährigen 13. Unabhängigen Filmfestival Bafici teilgenommen. 210.000 Eintrittskarten wurden verkauft, 1083 Mal wurden die Kinosaaltüren für die Filmprojektionen geöffnet. 438 Filme wurden gezeigt, teilweise drei bis vier Mal an unterschiedlichen Tagen und Orten. 300 Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Filmkritiker waren eingeladen und reisten von allen fünf Kontinenten an. Es war ein kunterbunt gemischtes Fest der Kulturen mit interessanten Beiträgen und Begegnungen. Die Verkaufszahlen wurden auch dank der Filme in 3D und den Vorführungen unter freiem Himmel in die Höhe getrieben.

Auch dieses Jahr haben zahlreiche Personen an Sonderveranstaltungen, wie etwa Seminaren, Pressekonferenzen, Vorträgen und Präsentationen teilgenommen. Sergio Wolf, Bafici-Artdirektor, sagte der Zeitung Clarín am Sonntag, dem letzter Tag des Bafici, in einem Interview, dass das Festival im Ganzen ein Erfolg war. Er betonte vor allem, dass die Filme in den neuen Sektionen “Corazones” (Liebesfilme), “Flashback”, “Arte y Aparte” (über Künstler) und “Elegante Sport” sehr gut vom Publikum angenommen worden seien.

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Der Kino-Wahn ist im Endspurt

Gut besuchtes 13. Bafici-Filmfestival endet morgen

Von Isabelle Opel

Die meisten, die sich seit dem 6. April ins Abasto Shopping Center, Hauptveranstaltungsort des Bafici-Filmfestivals, begeben haben, haben sich schnell vom bunten Treiben mitreißen lassen und sich mit fröhlichem Eifer ins Vergnügen gestürzt. Das Programm durchstöbern, interessante Filme ankreuzen, die Seiten umknicken oder eine Liste schreiben: Jeder hat so seine eigene Technik, sich durch den Berg von mehr als 430 Filmen, Sonderveranstaltungen und vielem mehr zu wühlen, mit dem Ergebnis, sich einen Durchblick zu verschaffen.

Die freundlichen Mitarbeiter an der Information beantworten auch noch zum fünften Mal mit einem Lächeln dieselbe Frage und die Popcorn-Maschine wird schon früh am Morgen hochgefahren, damit es dem sich im Bafici-Rausch befindenden Kinobesucher auch an nichts fehlt. Auch an den 10 anderen Veranstaltungsorten herrscht großer Trubel, Menschenandrang und Vorfreude. Ja, man kann fast sagen, dass für zwei Wochen der Bafici-Virus in Buenos Aires ausgebrochen ist, wie jedes Jahr, und jedes Jahr breitet er sich mehr aus – das Fest wird immer größer und bedeutender.

Bafici bedeutet, live dabei zu sein, Neues, Kurioses, Abstraktes zu sehen und zu entdecken, die Möglichkeit zu haben, nach dem Film Fragen an den Regisseur zu stellen. So wird der Kinobesuch nicht zum passiven Konsum, sondern zum aktiven Erlebnis: Man kann dabei sein und sich einmischen. Regisseure aus aller Herren Länder stecken voller Ideen, und das Bafici ist geradezu ideal für Wagnisse und regt Filmemacher dazu an, sich selbst zu übertreffen, Neues auszutesten, sich mit anderen zu messen, sich kritisch zu betrachten und – Spaß dabei zu haben.

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Filmzyklus “Cine Alegría”

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Deutsches Kino im Hospital Moyano

Von Julius Calaminus

Die Patienten der Nervenheilanstalt Hospital Braulio Moyano in Buenos Aires schließen Bekannschaft mit Daniel Brühl und der DDR – zumindest auf der Leinwand. Mit der Präsentation des Films “Good Bye Lenin” begann am Freitag, dem 8. April, das Projekt “Cine Alegría”. Die Deutsche Botschaft Buenos Aires wird im Rahmen dieses Projekts in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut und der argentinischen Filmgesellschaft Nueva Mirada im kommenden halben Jahr in Krankenhäusern, Sanatorien und Altenheimen einen deutschen Filmzyklus für Erwachsene und Kinder zeigen, um Patienten und Senioren die Zeit interessant zu gestalten und sie mit dem deutschen Film vertraut zu machen.

Zum Auftakt wurde Wolfgang Beckers Kinohit gezeigt, in dem Daniel Brühl einen jungen Berliner zur Zeit des Mauerfalls spielt. Den Patienten bot sich mit diesem Film die Gelegenheit, nicht nur das deutsche Kino, sondern auch einen Teil deutscher Geschichte kennenzulernen. Die Zuschauer hatten großen Spaß an der gemeinsamen Aktivität, beteiligten sich aktiv an der nachfolgenden Diskussion und genossen sichtlich die Abwechslung vom Krankenhausalltag.

Proyecto “Cine Alegría”

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Cine Alemán en el Hospital Moyano

Por Julius Calaminus

El actor alemán Daniel Brühl lleva de viaje a la República Demócratica Alemana (RDA) a los pacientes del hospital de salud mental “Braulio Moyano”; por lo menos en la pantalla. El viernes 8 de abril la Embajada de Alemania en Buenos Aires inauguró el proyecto “Cine Alegría” con la presentación de la película “Good Bye Lenin”. En el próximo semestre, la Embajada, en colaboración con el Goethe-Institut y la Asociación Nueva Mirada, presentará un ciclo de cine alemán para adultos y niños en hospitales, sanatorios y hogares para la tercera edad. El objetivo del proyecto es brindar a los pacientes un espacio para el esparcimiento y presentarles el cine alemán.

Durante el primer evento se proyectó la película “Good Bye Lenin” de Wolfgang Becker en la cual Daniel Brühl desempeña el rol de un chico berlinés, en la época de la caída del muro. Los espectadores disfrutaron el conocer tanto la cultura alemana como una parte importante de la historia del país. El público se alegró mucho por poder asisitir a esta entretenida actividad social.

Independent-Filmfest im April

Buntgemischtes 13. BAFICI mit Filmen aus aller Welt / Vorverkauf startet Montag

Von Isabelle Opel

Alljährlich kommende Besucher stehen schon in den Startlöchern und durchforsten das Programm des bevorstehenden Filmfestivals. Mit Vorfreude schauen wir auf das in zwei Wochen beginnende internationale Festival unabhängiger Filmproduktionen BAFICI. 1999 ins Leben gerufen, steht nun das 13. BAFICI vor der Tür. 12 Tage lang, vom 6. bis 17. April 2011, werden 427 Kurz- und Spielfilme aus aller Welt in 22 Sälen an 11 verschiedenen Orten gezeigt. Zudem wird an zwei Plätzen Kino unter freiem Himmel angeboten. Die Bewohner von Buenos Aires sind bekannt für ihre Kinobegeisterung und begleiten das BAFICI jedes Jahr mehr: 2005 wurden 184.500 Besucher und 2008 mehr als 220.000 Zuschauer gezählt.

Der Kulturminister der Hauptstadt, Hernán Lombardi, gab bei einem Interview mit der Tageszeitung La Nación zu, dass das Budget dieses Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht höher sein kann als in den letzten Jahren (3.500.000 Pesos und andere Sponsoren ermöglichen ein Gesamtbudget von etwa 5 Millionen Pesos). Lombardi versicherte aber, dass Quantität und Qualität der Filme und Aktivitäten weiterhin gegeben sein werden.

Als größtes und angesehenstes Filmereignis für das unabhängige Kino in Lateinamerika, wird uns eine breite Palette an Filmen, darunter auch Weltpremieren, geboten. Neben bemerkenswerten 101 argentinischen Kurz- und Spielfilmen wird auch jeder der deutschsprachigen Filme ein Leinwanderlebnis werden. Hervorzuheben ist der neue Spielfilm von Pia Marais, “Im Alter von Ellen”, der als einziger deutscher Beitrag im Internationalen Wettbewerb ist. In ihrem Film erzählt die in Südafrika geborene Marais die Geschichte der Flugbegleiterin Ellen, die nach der Trennung von ihrem Freund in einen Strudel von Ereignissen gerät, der sie am Ende bis nach Afrika führt. Gespielt wird die Titelheldin von der französischen Schauspielerin Jeanne Balibar.

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Argentinische Filme “für alle”

INCAA TV geht am 1. Januar an den Start

Von Susanne Franz

Ein eigener Fernsehkanal für argentinische Filme – das klingt wie eine gute Idee. Aber nur wenige Argentinier werden den Sender INCAA TV, der am 1. Januar an den Start geht, empfangen können. Grund ist der anhaltende Streit um das Mediengesetz, mit dem Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner die Macht der Medienkonzerne Clarín und (in geringerem Maße) La Nación brechen möchte. Am Dienstag weihte die Präsidentin in der Quinta von Olivos den neuen Sender offiziell ein. Zu sehen ist INCAA TV jedoch nur über Telecentro (Kanal 34), ein Anbieter, der nur einen geringen Prozentsatz der Haushalte versorgt. Laut “Buenos Aires Herald” vom Mittwoch kann man den Sender im Kanal 604 auch mit einem Decoder, den man für ca. 500 Pesos erwerben kann, empfangen. An arme Haushalte will die Regierung Decoder verschenken. Im Inland werden momentan zudem 47 Antennen installiert, bislang ist die Reichweite des Senders dort aber äußerst limitiert. INCAA TV fügt sich in die Reihe der staatlichen Fernsehsender Encuentro (Erziehung), Paka Paka (Kinder), GolTV (Fußball), C5N und CN23 (Nachrichten) sowie TV Pública (der öffentliche Sender Canal 7) ein.

INCAA TV, benannt nach dem staatlichen Filminstitut “Instituto Nacional de Cine y Artes Audiovisuales”, soll 24 Stunden auf Sendung sein und zu 70 Prozent argentinische Filme, zu 20 Prozent lateinamerikanische und zu 10 Prozent Filme anderer Länder ausstrahlen. “Dieses Angebot ist phantastisch”, sagte Präsidentin Kirchner laut “Clarín”. “Es ist Teil der kulturellen Revolution, die momentan in Argentinien stattfindet.” Die Präsidentin bezeichnete sich in ihrer Ansprache selbst als “unbezähmbare Filmliebhaberin”. INCAA TV startet am 1. Januar mit Adolfo Aristarains Film “Un lugar en el mundo”.

Argentinische Kinopreise mit Überraschungen

“El hombre de al lado” räumt ab

Von Susanne Franz

Bei der Verleihung der “Sur”-Preise der argentinischen Filmakademie am Dienstag ist der für den Auslandsoscar nominierte Film “Carancho” von Pablo Trapero leer ausgegangen. “El hombre de al lado” von Mariano Cohn und Gastón Duprat holte sich dafür sechs Statuen ab: für den besten Film, die beste Regie, das beste Originaldrehbuch (Andrés Duprat), den besten männlichen Darsteller (Daniel Aráoz), den besten Nachwuchskünstler (ebenfalls Aráoz) und die beste Originalmusik (Sergio Pángaro). Als bester ausländischer Film wurde “Das weiße Band” von Michael Haneke (Deutschland) ausgezeichnet.

“Das Recht auf Privatsphäre ist ein Menschenrecht”

Julia Solomonoff im Gespräch über ihren letzten Film, gesellschaftliche Veränderung, die Krise und neue Pläne

Von Valerie Thurner

Die argentinische Filmemacherin Julia Solomonoff war Jury-Mitglied des Internationalen Spielfilm-Wettbewerbs am 6. Zurich Film Festival (24. September bis 3. Oktober 2010), hat an der Columbia University mit einem MFA in Filmproduktion abgeschlossen, ist Autorin und Regisseurin von Spielfilmen wie “Hermanas” (2004) und “El último verano de la Boyita” (2009), lebt und arbeitet zur Zeit in New York.

VT: Herzlich willkommen in Zürich. Sie sind ja bereits zum 2. Mal hier in der Limmatstadt zu Gast.

JS: Das dritte Mal. Ich kam 2006 zum ersten Mal hierher mit meinem ersten Spielfilm “Hermanas”, der im Wettbewerb des 2. Zurich Film Festival lief. Im Jahr 2007 produzierte ich den Dokumentarfilm “Cocalero” über den bolivianischen Präsidenten Evo Morales, der es aber nicht in den Wettbewerb schaffte. Und 2009 brachte ich meinen letzten Film “El último verano de la Boyita” in den Spielfilm-Wettbewerb. Dieses Jahr bin ich schließlich zum dritten Mal zu Gast und zum ersten Mal in der Jury, versteht sich.

VT: Was gefällt Ihnen an dieser Aufgabe, in einer Festivaljury zu sitzen?

JS: Als Filmemacherin habe ich viel darüber gelernt, wie Filme rezipiert werden. Wenn Du Regie führst, bist Du empfänglich für sämtliche Kritik, alles, was Du darüber hörst oder siehst, betrifft Dich. Deshalb ist es schön, an einem Ort zu sein, wo Leute respektvoll Filme anschauen, und diese Jury ist äußerst respektvoll. Klar, unsere Standpunkte waren teilweise verschieden, aber wir konnten unsere Meinungen äußern, unsere Differenzen und Bedenken besprechen. Und wir hatten einen großartigen Austausch.

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