Im Spaghetti-Western-Rausch

Filmzyklus “Leone vuelve” im Leopoldo Lugones-Saal in Buenos Aires

Von Susanne Franz


Im Februar lief der Filmzyklus schon einmal und war ein riesiger Publikumserfolg: Nun wird die Filmreihe “Leone vuelve” (Leone kommt zurück) erneut im Leopoldo Lugones-Saal des San Martín Theaters in Buenos Aires (Av. Corrientes 1530) gezeigt. Fünf restaurierte Klassiker des legendären Meisters des Spaghetti-Westerns Sergio Leone (1929-1989) kommen vom 1.12. bis zum 9.12. zur Aufführung.

Programm:

  • 1.12. und 2.12., 14.30 und 19.30 Uhr: “Érase una vez en América” (Once Upon a Time in America) – USA/Italien 1984. 229 Min. Regie: Sergio Leone. Mit Robert De Niro, James Woods, Jennifer Connelly.
  • 3.12., 14.30, 17 und 22 Uhr: “Por un puñado de dólares” (Per un pugno di dollari) – Italien/Spanien/Deutschland 1964. 99 Min. Regie: Sergio Leone. Mit Clint Eastwood, Marianne Koch, Gian Maria Volonté.
  • 4.12., 14.30, 18 und 21 Uhr: “Por unos dólares más” (Per qualche dollaro in più) – Italien/Spanien/Deutschland 1965). 132 Min. Regie: Sergio Leone. Mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté.
  • 5.12. und 6.12., 14.30 und 19.30 Uhr: “El bueno, el malo y el feo” (Il buono, il brutto, il cattivo) – Italien/Spanien/Deutschland 1966. 179 Min. Regie: Sergio Leone. Mit Clint Eastwood, Eli Wallach, Lee Van Cleef.
  • 7.12. und 9.12., 14.30, 18 und 21 Uhr: “Érase una vez en el Oeste” (C’era una volta il West) – Italien/USA 1968. 165 Min. Regie: Sergio Leone. Mit Henry Fonda, Charles Bronson, Claudia Cardinale, Jason Robards, Woody Strode.
  • 8.12.: keine Vorstellung.

Eintritt 20, ermäßigt 10 Pesos.

Infos hier.

Großes Kino zu kleinen Preisen

Filmperlen aus Europa im Espacio Incaa-Gaumont in Buenos Aires


Morgen, Dienstag, 27. November, startet in Buenos Aires die 4. “Semana de Cine Europeo” mit den neuesten Filmen fünf berühmter Regisseure: Michael Haneke, Ken Loach, Thomas Vinterberg, Matteo Garrone und Leos Carax. Zusammengestellt wurde diese Reihe von Thierry Frémaux, dem Verantworlichen für die Filmfestspiele von Cannes, der am 28.11. auch eine Meisterklasse geben wird. Bis zum 4. Dezember im Espacio INCAA KM 0 – Gaumont (Rivadavia 1635, Buenos Aires). Eintritt: 6 bzw. 8 Pesos.

Programm:

  • “The Angels’ Share” von Ken Loach (Großbritannien). 101 Min. 27.11. (mit Einladung; nur wenige Tickets stehen zum Verkauf).
  • “Amour” von Michael Haneke (Deutschland/Österreich). 127 Min. 28.11., 20.30 Uhr.
  • “Reality” von Matteo Garrone (Italien). 115 Min. 29.11. und 2.12., 20.30 Uhr.
  • “The Hunt” von Thomas Vinterberg (Niederlande). 115 Min. 30.11. und 3.12., 20.30 Uhr.
  • “Holy Motors” von Leos Carax (USA). 115 Min. 1.12. und 4.12., 20.30 Uhr.

Alle Infos und Kritiken (auf Spanisch) sowie Trailer bei Otros Cines.

Foto:
Szene aus dem preisgekrönten Film “Amour” von Michael Haneke.

Individuelle Wege der Betrachtung

Die Ausstellung “Recorridos” im Centro Cultural Recoleta bringt Kunst und Wissenschaft in Einklang

Von Jenny Stern


Vor der Eröffnung der Ausstellung “Recorridos” im Centro Cultural Recoleta am 15. November luden die Veranstalter zu einem Brunch für die Presse ein. In angenehmer Atmosphäre konnte das Publikum zunächst einen Eindruck von der Ausstellung gewinnen, ehe die Künstler selbst ihre Exponate erklärten. Nach Kaffee und Facturas hieß der Direktor des Kulturzentrums Claudio Massetti die Besucher willkommen und bedankte sich für die gelungene Zusammenarbeit mit der Universidad Maimónides. Die beiden Kuratoren Rodrigo Alonso und Graciela Taquini betonten den Anspruch der Ausstellung, das Künstlerische mit Wissenschaft und Technik zu verbinden. Bis zum 9. Dezember kann man die Resultate dieser Herausforderung in interaktiven und audiovisuellen Installationen, Bio-Art, Lichtkunst und Holografie im Cronopius-Saal des Centro Cultural Recoleta erleben.

Der Ausstellungsraum ist sehr dunkel gestaltet, bis der Besucher auf einen dreidimensionalen Bildschirm auf dem Boden stößt. Der Künstler Joaquín Fargas erklärt, dass es sich dabei um einen Stadtplan handele, der die Umgebung rund um das Kulturzentrum zeigt. Während gelbe Linien auf der Karte die Bewegungen und Wege von Menschen darstellen, werden durch grüne Punkte die Orte ihrer Begegnung markiert. Fargas` interaktive Installation beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Raum und Zeit und davon, wann sich eine reale Begegnung zwischen Menschen tatsächlich ereignet. Neben der visuellen Darstellung menschlicher Verflechtungen werden auch Audioaufnahmen mit den Dialogen der Begegnungen zur Verfügung gestellt.

Aufmerksamkeit erregt auch das Bio-Kunstwerk des “Proyecto Untitled”, eines Künstler-Kollektivs der Universidad Maimónides. Vor dem Betrachter bauen sich mitten im Raum drei hohe schwarze Wände auf, die von hellen geometrischen Mustern unterbrochen werden. Diese Parzellen erinnern vor allem dadurch an Zellwände, weil auf sie Videos von fließendem Blut projiziert werden. Über dem Kunstwerk sind Bewegungssensoren angebracht. Je mehr Menschen sich davor befinden, desto schneller fließt das Blut in den Parzellen. Blickt man in den Innenraum, den die Wände bilden, erkennt man drei Säulen, in denen menschliche Nabelschnüre in eine Flüssigkeit getränkt sind.

Auch die Künstlerin Marta Minujín ist mit einer Rekonstruktion eines ihrer Kunstwerke aus dem Jahr 1966 vertreten. Das Arrangement verschiedener technischer Apparate spielt auf die Invasion der Technik in das menschliche Leben an. Der Besucher kann diese selbst erleben, wenn er simultan auf einem Bildschirm eines Computers erscheint, sein Name im Radio ertönt, das Telefon klingelt und auf einer Leinwand bei “Google” nach ihm gesucht wird.

“Recorridos” will den Besucher und dessen Erfahrung in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen, wobei dieser dazu aufgerufen wird, die Kunstwerke mit all seinen Sinnen zu erfassen. Demnach ergeben sich ganz unterschiedliche Möglichkeiten der Wahrnehmung von Kunst in Verbindung mit Wissenschaft. Eben diese ganz individuellen Wege, die der Besucher bei der Interpretation der Werke einschlägt (die “Recorridos”), spiegeln sich auch in der Vielseitigkeit der Ausstellungsstücke wider.

Centro Cultural Recoleta, Junín 1930, Buenos Aires.

Foto:
Für das Kollektiv “Proyecto Untitled” war es eine Herausforderung, eine menschliche Nabelschnur künstlerisch zu präsentieren.

Preestreno en Proa del “Fausto” de Sokurov

Acerca de la naturaleza del poder

Proa Cine preestrena en exclusiva en Argentina “Fausto” (2011, 134 min.), un filme dirigido por Alexander Sokurov (“El Arca Rusa”, “Padre e Hijo” y “Alexandra” entre otras). Fausto se alzó con el máximo galaradón del Festival de Venecia, el León de Oro, en el año 2011. Hay dos funciones: el sábado 24 de noviembre a las 18 horas, y el sábado 1º de diciembre a las 15 y 18 horas (Fundación Proa, Av. Pedro de Mendoza 1929, y Caminito, La Boca, Buenos Aires).

“Fausto” no es una adaptación cinematográfica de la obra de Goethe en el sentido habitual de la palabra, sino una lectura de lo que queda entre líneas. ¿De qué color es un mundo que da a luz ideas tan colosales? ¿A qué huele? El universo de Fausto es sofocante: ideas que harán temblar el mundo nacen en el espacio reducido en el que se mueve. Es un pensador, un portavoz de ideas, un transmisor de palabras, un maquinador, un soñador. Un hombre anónimo empujado por instintos básicos: el hambre, la codicia, la lujuria. Una criatura infeliz y perseguida que plantea un reto al Fausto de Goethe. ¿Por qué contentarse con el momento si se puede ir más allá? Cada vez más allá, siempre hacia delante, sin darse cuenta de que el tiempo se ha detenido.

Comentario del director; “Fausto es la última entrega de mi tetralogía cinematográfica acerca de la naturaleza del poder. Los personajes principales en las tres películas anteriores son figuras históricas reales: Adolf Hitler (Molock, 1999); Vladimir Lenin (Telets, 2000), y el emperador Hirohito (Solntse, 2005). La imagen simbólica de Fausto completa esta serie de grandes jugadores que perdieron la mayor apuesta de su vida. Fausto es un personaje literario, casi museístico, que habita una trama sencilla y que no parece encajar en esta galería de retratos. ¿Qué tiene en común con estos hombres de carne y hueso que alcanzaron el pináculo del poder? Un amor por palabras fáciles de creer y una vida diaria patológicamente desdichada. El mal es reproducible, y Goethe supo formular su esencia: ‘Las personas infelices son peligrosas'”.

Toda la información en el sitio web de Proa.

Informes y reservas: auditorio@proa.org / 4104-1001.

1. Kunstbiennale von Montevideo

“El Gran Sur” mit Künstlern aus China, Afrika, den USA und Europa

Von Jenny Stern


Unter dem Motto “El Gran Sur” (Der große Süden) wird am 23. November die erste Internationale Biennale zeitgenössischer Kunst in Montevideo, Uruguay, eröffnet. Der Kurator der Veranstaltung, der Deutsche Alfons Hug, organisierte bereits zweimal die Biennale in São Paulo, Brasilien, und die “Bienal del Fin del Mundo” in Ushuaia, Argentinien. Derzeit ist er Direktor des Goethe-Instituts in Rio de Janeiro, Brasilien.

Bis zum 30. März 2013 werden an verschiedenen Orten in Montevideo Werke nationaler und internationaler Künstler gezeigt. Neben den Hauptveranstaltungsorten – darunter die riesige Eingangshalle der Zentralbank (Cerrito 351) und die Kirche San Francisco de Asís – wird sich der Event auch auf die Museen, Kulturzentren, Kunstgalerien und öffentlichen Plätze der uruguayischen Hauptstadt ausweiten. Die Ausstellungen sollen durch Diskussionsrunden, Seminare und Workshops komplementiert werden.

Das Programm der Biennale kündigt die Teilnahme von Künstlern aus China, Afrika, den USA und Europa an. Deutschland ist mit Werken von Gunda Förster, Christian Jankowski, Kitty Kraus, Julian Rosefeldt und Christoph Schlingensief vertreten.

Foto:
Szene aus Julian Rosefeldts “Lonely Planet” (2006).

12. Internationales Jazz-Festival von Buenos Aires

Die Stadt im Jazz-Fieber: Konzerte, Sessions, Filme, Fotoshows

Von Jenny Stern

Sechs Tage mit Konzerten nationaler wie internationaler Jazz-Künstler, Jamsessions, Filmvorführungen und Fotoausstellungen: Vom 21. bis zum 26. November findet das 12. Internationale Jazz-Festival von Buenos Aires statt. Insgesamt sind 285 Veranstaltungen an verschiedenen Orten in der Hauptstadt geplant. Tickets sind online erhältlich (auf der Webseite findet man auch das vollständige Programm) oder direkt in der Casa de la Cultura, Av. de Mayo 575 (Mo-Fr 11-19 Uhr) und im Hard Rock Café, Av. Pueyrredón/Av. del Libertador (Mo-Fr 10-20 Uhr, samstags 12-18 Uhr).

Foto:
Die Schweizer Violinistin Sophie Lüssi spielt am 23.11. um 22 Uhr im Notorious mit Louis Winsberg, Ezequiel Dutil und Hernán Mandelman; und am 25.11. um 16.30 Uhr gratis im Aleph-Auditorium des Centro Cultural Recoleta mit ihrem String Quartet.

Poetisches Meisterwerk

“Las Multitudes” wird vom 15. November bis zum 15. Dezember im Centro Cultural San Martín aufgeführt

Von Susanne Franz


Musik, Poesie, die Weisheit der Älteren und jugendliches Ungestüm sind die Elemente, aus denen Federico Leóns jüngstes Theaterwerk “Las Multitudes” zusammengesetzt ist – dafür hat der junge Theater-Star León 120 Schauspieler auf die Bühne gebracht. Ende Juli 2012 fand im experimentellen Werkstatt-Theater TACEC in La Plata die Weltpremiere des Werks statt. Ende September wurde “Las Multitudes” im Rahmen des internationalen Theaterfestivals “Foreign Affairs” in Berlin gefeiert, neben einigen Argentiniern aus dem Stamm-Ensemble machten dabei auch zahlreiche deutsche Schauspieler mit.

Seit Donnerstag hat nun auch das Publikum in Buenos Aires die Chance, das großartige Stück zu erleben: Bis zum 15. Dezember ist es im Saal A/B des Centro Cultural San Martín (Sarmiento 1551) zu sehen, donnerstags bis sonntags jeweils um 21 Uhr. Der Eintritt kostet 50 Pesos, donnerstags 30.

“Una segunda oportunidad”

Ocho grandes films en la Sala Leopoldo Lugones


El Complejo Teatral de Buenos Aires y la Fundación Cinemateca Argentina han organizado una muestra denominada “Una segunda oportunidad”, integrada por ocho grandes films de los últimos años, que por su calidad, su vuelo poético y por los premios internacionales que cosecharon merecen volver a verse en las mejores condiciones de proyección. El ciclo se llevará a cabo del martes 13 al martes 20 de noviembre, en la Sala Leopoldo Lugones del Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530, Buenos Aires).

Foto:
“Copie conforme”.

Agenda completa:

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Klingende Kunst

Goethe-Institut Buenos Aires bringt Kagels “Zwei-Mann-Orchester” nach Argentinien


Im Rahmen des vom San Martín-Theater und dem Teatro Colón organisierten und von Martín Bauer koordinierten 16. “Zyklus Zeitgenössischer Musik”, der seit dem 28. Oktober und bis zum 30. November 15 hochkarätige Konzerte mit neuer Musik im Programm hat, wird dank einer Initiative des Goethe-Instituts Buenos Aires das “Zwei-Mann-Orchester” von Mauricio Kagel zum ersten Mal in Lateinamerika zu erleben sein: am 16., 17. und 18. November im Bicentenario-Saal des Teatro Colón und im Anschluss in Rosario und Córdoba.

Als “unselbstständiges Automatophon” bezeichnete Mauricio Kagel (1931-2008) das “Zwei-Mann-Orchester für zwei Ein-Mann-Orchester” (1971-73), das zweifellos zu den merkwürdigsten und zugleich originellsten Stücken der neuen Musik zählt. Kagel und die Spieler Wilhelm Bruck und Theodor Ross überraschten das perplexe Publikum der Donaueschinger Musiktage bei der Uraufführung 1973 mit einer undurchschaubaren Klangmaschine monumentaler Größe, gefügt aus über 200 abgelegten, ramponierten, gar defekten Instrumenten und dysfunktionalen Klangerzeugern. Zum Klingen gebracht wurde sie von der kleinsten Besetzung, die noch Zusammenspiel erlaubt, mit Schnüren, Stangen, Hebeln und allerlei anderen Bewegungselementen. Das Orchester als traditionell zentraler Klangkörper des renommierten Festivals, in dessen Auftrag Kagel das Werk ausarbeitete, spiegelte sich selbst in einer zur klingenden Kunst gewordenen Karikatur.

Die Spieler dieser ersten Fassung, Wilhelm Bruck und Theodor Ross, stellten 1992, anlässlich der Documenta IX, eine neu gebaute, zweite Fassung der Orchestermaschine ins Foyer des Kasseler Staatstheaters, wo sie fast zwei Jahre lang stand und regelmäßig gespielt wurde.

2011 wurde in Basel eine neue, dritte Fassung in einer Kooperation der Paul Sacher Stiftung, der Hochschule für Musik Basel und dem Museum Tinguely realisiert. Wilhelm Bruck stand als Partner diesmal der Schlagzeuger und Multiinstrumentalist Matthias Würsch (Basel, Schweiz) zur Seite.

Das Goethe-Institut Buenos Aires bringt nun das “Zwei-Mann-Orchester” in der Basler Fassung mit der Besetzung Wilhelm Bruck und Matthias Würsch nach Argentinien: am 16., 17. und 18. November ins Teatro Colón, anschließend ins Centro Cultural Parque de España (Rosario) und ins Centro Cultural General Paz (Córdoba).

Als Rahmenprogramm finden Workshops und Gespräche mit Studenten und dem Publikum statt, darunter ein Praxisseminar von Wilhelm Bruck über Mauricio Kagels Acustica an der Universidad de Quilmes und mit Schülern der Initiative des Auswärtigen Amts “Schulen – Partner der Zukunft”, Solo-Konzerte von Matthias Würsch mit experimentellen Werken von Schweizer Komponisten, sowie ein Gastvortrag über “Mauricio Kagels Theater der Instrumente” vom Musikwissenschaftler Matthias Kassel, Kurator der Sammlung Mauricio Kagel an der Paul Sacher Stiftung.

Infos über Tournee und Rahmenprogramm auf der Webseite des Goethe-Instituts. Infos über den “Ciclo de Música Contemporánea” auf der Webseite des Teatro Colón oder des San Martín-Theaters.

Foto:
Bühnenaufbau im Museum Tinguely, Basel, 30. April 2011.
(Foto: Ute Schendel)

Vortrag über dOCUMENTA 13 in Buenos Aires

Panorama der dOCUMENTA 2012 im PAC-Zyklus

Die Kunstkritikerin Valeria González hält am Dienstag, dem 13. November, um 19 Uhr, einen Vortrag über die 13. dOCUMENTA, die vom 9. Juni bis 16. September 2012 in Kassel stattgefunden hat. Die Veranstaltung läuft im Rahmen des Vortragszyklus PAC (Prácticas Artísticas Contemporáneas, Zeitgenössische Künstlerische Herangehensweisen), der von der Galerie Gachi Prieto organisiert wird. Infos und Anmeldung: proyectopac@gmail.com oder Tel.: 4774-6961. Adresse: Teniente Gral. Juan D. Perón 2189, Klingel “A” oder “B”, Balvanera, Buenos Aires.

dOCUMENTA-Vorbericht in “Kunst in Argentinien” vom 9. April 2012 hier.

Hohes Niveau, erschwingliche Preise

Neue Kunstmesse EGGO bis Sonntag im Centro Cultural Recoleta

Von Susanne Franz


Ein exquisites Farbenmeer, wohin das Auge reicht: Über 1000 Werke von 300 Künstlern haben 50 Galerien aus der Hauptstadt Buenos Aires und dem Landesinneren bei der neuen Kunstmesse EGGO im Angebot, die am Mittwochabend im Centro Cultural Recoleta eröffnet wurde. Der Veranstalter – der argentinische Galeristenverband AAGA – hatte großes Glück: Während fast überall in der Stadt ein über zweistündiger Stromausfall alles lahmlegte, waren im Centro Cultural Recoleta die Lichter an – und auch die Klimaanlagen funktionierten, nach einem Tag mit 35 Grad eine Wohltat. So viele Menschen kamen zur Eröffnung, dass man auf den Gängen zwischen den Sälen im Erdgeschoss des Kulturzentrums kaum vorwärtskam.

Mittags durften einige Pressevertreter schon einmal über die Messe laufen, als letzte Galerien wie Carla Rey, die besonders viel Mühe und Liebe in die Präsentation ihrer Künstler steckte – u.a. sind Silvana Blasbalg und Ana Lía Werthein dabei -, noch mit dem Aufbau beschäftigt waren.

Der allgemeine Eindruck ist sehr positiv, die Qualität der Werke – in der Hauptsache Gemälde, Fotografien, Graphiken, Zeichnungen und Skulpturen – von ausgesuchter Qualität. Viele Galerien sind der Empfehlung der Veranstalter gefolgt und haben Preisschilder neben die Werke gehängt, denn EGGO will eine Messe sein, die Berührungsängste abbaut und die jedem Kunstliebenden ermöglichen soll, seine eigene Sammlung zu starten oder mit Kunst sein Leben zu verschönern. Oft würden sich die Leute ja kaum trauen zu fragen, da sie exorbitante Preise erwarteten, sagt Alejandra Laurenzi, Chefin der Galerie C-Arte und eine der Organisatorinnen, die im Saal J neun vielversprechende Künstler präsentiert.

Ein aus unterschiedlich großen, asymmetrischen Teilen zusammengesetztes farbenfrohes Wandgemälde von Luisa Freixas kostet hier 25.000 Pesos – das ist das Preislimit, das die Veranstalter für 70 Prozent der auf der EGGO angebotenen Werke angesetzt haben. Laurenzi verkauft das Werk aber auch in günstigeren Einzelteilen. Bei C-Arte kann man auch schöne Werke aus der Serie “Caldo” von Alejandro Scasso erwerben, einem argentinischen Künstler, der lange Zeit in Köln gelebt hat und der jetzt wieder in Buenos Aires von sich reden macht.

Im großen Cronopios-Saal neben dem Saal J haben renommierte Galerien Platz gefunden, die auch schon mal Werke im höherstelligen Bereich im Angebot haben, etwa Skulpturen von Bastón Díaz (bei Álvaro Castagnino). Bei Sasha D. stehen einige kleinere Skulpturen von Hernán Dompé und einige sehr schöne Werke von Maestro Miguel Dávila, dem Vaters des Galeristen aus Córdoba, zum Verkauf. Auch Marcial Sarrias ist mit seiner Galerie Empatía zugegen und hat beeindruckende Gemälde etwa von Fernanda Piamonti oder Werke von Benavídez Bedoya im Angebot.

Auf der anderen Seite, im “Espacio Historieta”, zeigt “En-Siendo”, eine “Nomaden-Galerie”, zum Beispiel Backlights des Fotografen Matías Ascariz, Künstlername “Go-mero”: Kleine beleuchtete Kästen mit zwei sich überlagernden Fotografien – eine Naturaufnahme und ein Bild eines Körperteils -, die einen Augenblick des Verschmelzens von Mensch und Natur suggerieren. 1000 Pesos ist der Preis für eines dieser Werke.

Im Saal 6 hat eine Kooperative junger Galerien aus Mendoza – Phi, Unísono und A+A – interessante Künstler aus der argentinischen Provinz mitgebracht. Bei Phi etwa zeigt die Galeristin und Künstlerin Leticia Rossi außergewöhnliche Farb-Lithos, die auf Fotografien von Werken der Bildhauerin sowie Gegenständen aus ihrer Kindheit basieren.

Überall wird der Besucher freundlichst empfangen – von den Galeristen, die in ihrem Fach zu Hause sind und ihre Künstler kennen und verstehen, oder auch von den Künstlern selbst, die vom Entstehungsprozess ihrer Werke berichten oder wie der nordamerikanische Fotograf Darin Wixon (bei der Galerie POPA) einladen, sich eine kleine Botschaft aus einer Reihe Zettel zu ziehen, die er in einer Büchse vor seine Fotografien gestellt hat – und schon ist man im Gespräch.

Auf diese offene Atmosphäre bezog sich auch Galerist und Organisator Sasha Dávila, als er in einer kurzen Ansprache an die Presse den ganz speziellen Ort hervorhob, an dem EGGO stattfindet: “Hier im Centro Cultural Recoleta fühlen wir uns alle zu Hause.”

Am heutigen Samstag, 10.11., findet EGGO bei freiem Eintritt im Rahmen der “Langen Museumsnacht 2012” statt, von 19-03 Uhr (mit vielen Extra-Veranstaltungen wie Performances, Konzerten etc.). Morgen, 11.11., ist der letzte Messetag, mit “normalen” Öffnungszeiten von 14-21 Uhr und einem Eintrittspreis von $30.-, ermäßigt $20.- Pesos.

  • Centro Cultural Recoleta
  • Junín 1930, Buenos Aires
  • EGGO-Webseite

Foto:
Alejandro Scasso, “Serie Caldo”, Mischtechnik und Collage auf Papier, 30 x 42 cm.