Jung und frech

Neue Galerienmesse EGGO vom 8. bis 11. November im Centro Cultural Recoleta

Von Susanne Franz


Das Konzept ist frisch und originell. Damit wird die Kunstszene von Buenos Aires zugleich ordentlich aufgemischt und ergänzt – denn EGGO, die neue Galerienmesse, die aus der “Expotrastiendas” hervorging und vom 8. bis zum 11. November erstmals im Centro Cultural Recoleta über die Bühne geht, will nicht in Konkurrenz treten mit dem “großen Bruder” arteBA, sondern den Kopf erheben und für sich in Anspruch nehmen, dass Kunst auch noch für viele andere – ja, vielleicht für alle da ist und nicht nur für die elitärsten Kreise, die zwar zugegebenermaßen das meiste Geld haben, aber eben auch zahlenmäßig klein sind. Dazu schlägt sich um sie die ganze (Kunst-)Welt.

Hier in Buenos Aires eine Kunst-Verkaufsmesse mit erschwinglichen Preisen bei hoher Qualität durchzuführen, das haben sich die EGGO-Macherinnen und -Macher auf die Fahnen geschrieben. “Zwischen 1000 und 25.000 Pesos liegen die Preise für die Werke”, sagt Solange Guez bei der Vorstellung der Messe am Mittwoch. Genau gesagt ist dies bei 70 Prozent der präsentierten Werke die Regel – in 30 Prozent der Fälle dürfen auch höhere Beträge verlangt werden. Im Großen und Ganzen so niedrige Preise anzusetzen, können sich die Galerien – darunter viele aus dem Landesinneren – leisten, weil die Standmieten gering sind. Dadurch können sie auch risikobewusster auf junge, aufstrebende Künstler setzen.

Guez war als Galeristin weltweit auf verschiedenen Messen vertreten, und es gefällt ihr nicht, wie Kunst dort präsentiert wird – “wie in Supermarkt-Gondeln”, meint sie. EGGO wolle eine “menschlichere” Messe sein, in der der Galerist bzw. die Galeristin wieder in den Vordergrund tritt als umsichtiger, kompetenter – und warum nicht auch geschäftstüchtiger – Mittler zwischen den Künstlern und dem kunstliebenden und -sammelnden Publikum.

Einen besseren Zeitpunkt hätte EGGO sich für den Start kaum aussuchen können. Die Messe beginnt am Donnerstag (8. November) und geht bis Sonntag – und am Samstagabend (10.11.) ist in ganz Buenos Aires die beliebte “Noche de los Museos” angesagt. An diesem Abend kann auch EGGO bei freiem Eintritt besucht werden – sonst kostet die Karte 30, ermäßigt 20 Pesos -, außerdem werden in der “Nacht der Museen” wie überall in der Stadt auch bei EGGO Sonderveranstaltungen wie Konzerte, Performances, Workshops etc. angeboten.

Neben dem Zeitpunkt ist auch der Ort ideal – das Centro Cultural Recoleta zählt zu den beliebtesten Kunsttempeln in Buenos Aires. EGGO belegt das gesamte Erdgeschoss einschließlich der großen – und wohl temperierten – Cronopios, C- und J-Säle. Im Aleph-Auditorium läuft ein die Messe begleitendes Programm. Producerin Marcela Andino kündigte u.a. ein Kritiker-Seminar an.

EGGO wird vom argentinischen Galeristenverband “Asociación Argentina de Galerías de Arte” (AAGA) organisiert.

  • Kunstmesse EGGO
  • 7.11., Eröffnung (mit Einladung)
  • 8.11., 9.11. und 11.11., 14-21 Uhr
  • 10.11., 19-03 Uhr (Noche de los Museos), Eintritt frei
  • Sonst Eintritt $30.-, ermäßigt für Studenten und Rentner $20.-
  • Centro Cultural Recoleta, Junín 1930, Buenos Aires
  • Webseite

Foto:
Die Galerie Adriana Budich präsentiert u.a. Alejandra Stiers Mischtechniken auf Leinwand “Serie de las mujeres” von 2011.

Cine antes de la caída del Muro de Berlín

Ciclo “Detrás de la cortina de hierro (II)” en la Sala Leopoldo Lugones


El Complejo Teatral de Buenos Aires y la Fundación Cinemateca Argentina han organizado un ciclo denominado “Detrás de la cortina de hierro (II)”, que se llevará a cabo del lunes 5 al domingo 11 de noviembre en la Sala Leopoldo Lugones del Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530, Buenos Aires).

Es la segunda parte de una retrospectiva dedicada a revisar lo mejor de la producción de Europa del Este antes de la caída del Muro de Berlín, cuando muchas de estas cinematografías padecían (y sorteaban) la censura de Estado, pero todavía no habían caído en la censura de mercado, que es la que luego desdibujó la identidad de muchos de estos cines nacionales.

Este tramo incluye films de los realizadores polacos Roman Polanski, Andrzej Wajda, Krzysztof Zanussi y Agnieszka Holland y los rusos Emil Loteanu y Nikita Mijalkov, todos en copias en 35mm.

La agenda completa:

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Katz und Maus

Maler-Entdeckung Fabio Risso Pino stellt bei Braga Menéndez aus

Von Kirsten Mosel


Die vielen Fettnäpfchen, die die Malerei heutzutage bereitstellt zwischen den “Gos” und “No-Gos”, bedient der junge Maler Fabio Risso Pino gern: er malt Katzen, Blumen, die Menschen und Dinge, die ihn umgeben, und wieder Katzen und Blumen. Virtuose delikate figürliche Malerei, malerisch im besten Sinne und gleichzeitig einfach und direkt.

Unter dem Titel “Relicario” zeigt Risso Pino (*1981, La Plata) in der Galerie Braga Menéndez über siebzig Arbeiten aus den letzten zwei Jahren. Jede Wand beherbergt eine Zusammenstellung von kleinen und großen Bildern auf Papier und Leinwand. Fast alle Bilder sind nett gerahmt, das gibt ihnen einen wohnlichen Charakter, der direkt ins Zentrum von Risso Pinos Malerei führt: ganz nah soll der Betrachter kommen, sich annähern an diese mit Tempera ausgeführten Sujets.

Im Moment des Näher-Kommens wird man aber schon wieder abgestoßen: ein glänzender Lack liegt über den Bildern, isoliert die Malerei vom Malgrund, das Behagliche der Kätzchen und Rehlein wird gestört, der Betrachter muss neu schauen. Was erzählt uns diese naiv-kindlich anmutende Bilderwelt? Geht es da eigentlich wirklich um Haustiere und Interieurs? Warum sehen wir keine Computer, Erfrischungsgetränke und Fernseher? Der Maler treibt ein geschicktes Katz- und Mausspiel mit dem Betrachter, der sich im Moment der Verführung ertappt fühlt und umdenken muss.

Fabio Risso Pino ist eine echte Entdeckung innerhalb der jungen Maler-Szene in Buenos Aires.

Marlene + Sternberg im Malba

Im Novemberprogramm des Malba-Kinos werden Filme von Josef Sternberg mit Marlene Dietrich gezeigt


Josef Sternberg lernte Marlene Dietrich im Jahr 1929 kennen, als Sternberg nach Deutschland reiste, um “Der blaue Engel” zu drehen. Der Regisseur zögerte nicht lange – er nahm Marlene nach den Dreharbeiten mit in die USA und machte dort aus ihr den legendären Filmstar, als der sie in Erinnerung geblieben ist. Sieben Filme entstanden: im Malba (Av. Figueroa Alcorta 3415) werden im November einige davon gezeigt. 1.11., 18 Uhr: “El Ángel Azul”. 2.11., 18 Uhr: “Marruecos”. 4.11., 22 Uhr: “El expreso de Shangai”. 8.11., 18 Uhr: “La venus rubia”. 11.11., 22 Uhr: “Capricho imperial”. 18.11., 22 Uhr: “Tu nombre es tentación”. 23.11., “Capricho imperial”. 25.11., 22 Uhr: “El Ángel Azul”. Eintritt: $23.-, ermäßigt $12.-.

“Día de los Muertos 2012” im Museo Fernández Blanco

Auch in Buenos Aires Kult: Der mexikanische “Tag der Toten” am 2. November

In den Gärten des “Museo Isaac Fernández Blanco” wird am 2. November von 18.30 bis 22 Uhr der mexikanische “Día de los Muertos” gefeiert. Organisiert von der Mexikanischen Botschaft und den Museen der Stadt Buenos Aires, wird wie jedes Jahr der bunte “Altar de los Muertos” eröffnet, dessen Gaben in diesem Jahr u.a. dem vor kurzem verstorbenen großen mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes gewidmet sind. Zur Feier gehört ein Programm mit Musik und Tanz (Folklore, Tango und Mariachi) und die Verleihung der Preise im 7. Wettbewerb “Calaveritas” (Totenköpfchen).

Den Altar kann man im Anschluss vom 3.11. bis 11.11. von 14 bis 19 Uhr besichtigen.

  • Museo de Arte Hispanoamericano “Isaac Fernández Blanco”
  • Palacio Noel
  • Suipacha 1422, Buenos Aires
  • Di-Fr 14-19 Uhr
  • Sa und So 11-19 Uhr
  • Infos: mifb_prensa@buenosaires.gob.ar
  • Tel.: 4327-0228 Durchwahl 216

“Deutscher Einfluss in der Architektur von Buenos Aires”

Führung des Kunsthistorikers und “Kunst in Argentinien”-Mitarbeiters Philip Norten


Unter dem Thema “Deutscher Einfluss in der Architektur von Buenos Aires” findet am Samstag, dem 3. November, ab 14 Uhr, ein Stadtrundgang des Kunsthistorikers Philip Norten statt. Auf den Spuren deutscher Präsenz im Stadtbild von Buenos Aires wird dabei ein Bogen gespannt von den Werken der Jesuiten aus dem 17. Jahrhundert über das 19. Jahrhundert mit seinen zahlreichen historistischen Gebäuden, die Buenos Aires prägen, bis zur modernen Architektur des 20. Jahrhunderts.

Deutscher Einfluss macht sich in deutschen Architekten, argentinischen Architekten mit deutscher Ausbildung und vor allem in der großen Bedeutung deutscher Baufirmen bemerkbar. All dies wird anhand von konkreten Beispielen im Stadtbild gezeigt.

  • Stadtführer: Philip Norten, M.A.
  • Führung: Samstag, 3.11., 14 Uhr
  • Treffpunkt: Av. Córdoba Ecke Riobamba
  • Dauer: ca. 3 Stunden
  • Der gesamte Rundgang findet zu Fuß statt
  • Endpunkt der Tour: Café Gran Victoria (Plaza de Mayo)
  • Kosten: $40.-
  • Veranstaltung auf Spanisch
  • Um Anmeldung wird gebeten unter infocomisiones@traductores.org.ar
  • Veranstalter: Colegio de Traductores Públicos de la Ciudad de Buenos Aires

Jung und frech

Neue Galerienmesse EGGO vom 8. bis 11. November im Centro Cultural Recoleta

Von Susanne Franz

Neue Galerienmesse EGGO vom 8. bis 11. November im Centro Cultural Recoleta

Von Susanne Franz


Das Konzept ist frisch und originell. Damit wird die Kunstszene von Buenos Aires zugleich ordentlich aufgemischt und ergänzt – denn EGGO, die neue Galerienmesse, die aus der “Expotrastiendas” hervorging und vom 8. bis zum 11. November erstmals im Centro Cultural Recoleta über die Bühne geht, will nicht in Konkurrenz treten mit dem “großen Bruder” arteBA, sondern den Kopf erheben und für sich in Anspruch nehmen, dass Kunst auch noch für viele andere – ja, vielleicht für alle da ist und nicht nur für die elitärsten Kreise, die zwar zugegebenermaßen das meiste Geld haben, aber eben auch zahlenmäßig klein sind. Dazu schlägt sich um sie die ganze (Kunst-)Welt.

Hier in Buenos Aires eine Kunst-Verkaufsmesse mit erschwinglichen Preisen bei hoher Qualität durchzuführen, das haben sich die EGGO-Macherinnen und -Macher auf die Fahnen geschrieben. “Zwischen 1000 und 25.000 Pesos liegen die Preise für die Werke”, sagt Solange Guez bei der Vorstellung der Messe am Mittwoch. Genau gesagt ist dies bei 70 Prozent der präsentierten Werke die Regel – in 30 Prozent der Fälle dürfen auch höhere Beträge verlangt werden. Im Großen und Ganzen so niedrige Preise anzusetzen, können sich die Galerien – darunter viele aus dem Landesinneren – leisten, weil die Standmieten gering sind. Dadurch können sie auch risikobewusster auf junge, aufstrebende Künstler setzen.

Guez war als Galeristin weltweit auf verschiedenen Messen vertreten, und es gefällt ihr nicht, wie Kunst dort präsentiert wird – “wie in Supermarkt-Gondeln”, meint sie. EGGO wolle eine “menschlichere” Messe sein, in der der Galerist bzw. die Galeristin wieder in den Vordergrund tritt als umsichtiger, kompetenter – und warum nicht auch geschäftstüchtiger – Mittler zwischen den Künstlern und dem kunstliebenden und -sammelnden Publikum.

Einen besseren Zeitpunkt hätte EGGO sich für den Start kaum aussuchen können. Die Messe beginnt am Donnerstag (8. November) und geht bis Sonntag – und am Samstagabend (10.11.) ist in ganz Buenos Aires die beliebte “Noche de los Museos” angesagt. An diesem Abend kann auch EGGO bei freiem Eintritt besucht werden – sonst kostet die Karte 30, ermäßigt 20 Pesos -, außerdem werden in der “Nacht der Museen” wie überall in der Stadt auch bei EGGO Sonderveranstaltungen wie Konzerte, Performances, Workshops etc. angeboten.

Neben dem Zeitpunkt ist auch der Ort ideal – das Centro Cultural Recoleta zählt zu den beliebtesten Kunsttempeln in Buenos Aires. EGGO belegt das gesamte Erdgeschoss einschließlich der großen – und wohl temperierten – Cronopios, C- und J-Säle. Im Aleph-Auditorium läuft ein die Messe begleitendes Programm. Producerin Marcela Andino kündigte u.a. ein Kritiker-Seminar an.

EGGO wird vom argentinischen Galeristenverband “Asociación Argentina de Galerías de Arte” (AAGA) organisiert.

  • Kunstmesse EGGO
  • 7.11., Eröffnung (mit Einladung)
  • 8.11., 9.11. und 11.11., 14-21 Uhr
  • 10.11., 19-03 Uhr (Noche de los Museos), Eintritt frei
  • Sonst Eintritt $30.-, ermäßigt für Studenten und Rentner $20.-
  • Centro Cultural Recoleta, Junín 1930, Buenos Aires
  • Webseite

Foto:
Die Galerie Adriana Budich präsentiert u.a. Alejandra Stiers Mischtechniken auf Leinwand “Serie de las mujeres” von 2011.

Neue Musik im Teatro San Martín, Colón, Proa, Usina und UNTREF

Als besonderen Leckerbissen im Rahmen des 16. Zyklus Zeitgenössischer Musik präsentiert das Goethe-Institut Buenos Aires Mauricio Kagels “Zwei-Mann-Orchester” als lateinamerikanische Erstaufführung


Am Sonntag, dem 28.10., beginnt der 16. “Ciclo de Conciertos de Música Contemporánea”, den das San Martín-Theater in Zusammenarbeit mit dem Teatro Colón veranstaltet und der in diesem Jahr – bis zum 30. November – 15 Konzerte umfasst.

Die Eintrittskarten für den Casacuberta-Saal des San Martín kosten $50.- (Studenten erhalten 50 % Ermäßigung). Im Colón zahlt man zwischen $50.- und $70.-, im Kulturzentrum “Usina de las Artes” $30.- und in der Fundación Proa $20.-. In der Universidad Tres de Febrero ist der Eintritt frei.

Unterstützt wird der hochkarätige Musik-Event u.a. von der Deutschen Botschaft, dem Goethe-Institut und Pro Helvetia. Im Colón geht es am Sonntag um 17 Uhr mit dem Philharmonieorchester der Stadt Buenos Aires, dem Lagun-Onak-Chor und dem Solisten Emanuele Torquati am Klavier los, unter der Leitung von Alejo Pérez. Es werden Werke von Ives, Xenakis und Halffter aufgeführt.

Weitere Leckerbissen: Musik von Steve Reich am 6. und 7.11. im Casacuberta-Saal des San Martín-Theaters (Reich wird zu diesem Anlass zum ersten Mal nach Argentinien reisen), und das “Zwei-Mann-Orchester” von Mauricio Kagel (1931-2008) – einem Kind der Stadt Buenos Aires – am 16., 17. und 18. November im “Bicentenario”-Saal des Teatro Colón (Cerrito 628). Das Musikereignis ist auf Initiative des Goethe-Instituts Buenos Aires erstmals in Lateinamerika zu erleben und wird auch in Rosario und Córdoba aufgeführt. Außerdem findet ein Rahmenprogramm mit Workshops, Meisterklassen etc. statt. Weitere Infos dazu bei programm@buenosaires.goethe.org.

Foto:
Mauricio Kagel, “Zwei-Mann-Orchester”, Basler Fassung 2011. Aufbau im Museum Tinguely Basel.
(Foto: Ute Schendel/Paul Sacher Stiftung)

Verzauberte Natur

Ana Eckells neue Gemälde in der Galerie Praxis

Von Susanne Franz


Ana Eckell sieht Wesen, die sonst niemand zu Gesicht bekommt. Und das, weil sie nicht hinschaut, sondern wartet, bis sie sich ihr von alleine offenbaren. Wie das kommt? Wenn Ana zu malen beginnt, bereitet sie erst einmal mit allergrößter Sorgfalt die Leinwände vor. Die, auf denen sich die scheuen Wesen später zeigen werden. Sie bearbeitet sie, spannt sie auf, trägt die Grundfarbe auf – in der Ausstellung ihrer neuesten Werke in der Galerie Praxis Graublau, Lila, Rosa, Sandfarben. Dann greift sie – nein, nicht zum Pinsel, sondern gleich zur Farbtube. Die ersten Striche führt sie noch relativ langsam aus, aber je mehr Dinge sie auf die Leinwand bannt – Ana plant ein Bild nie vorher, sondern lässt sich von ihrem Instinkt leiten -, desto schneller muss sie reagieren. Denn, so verrät die Künstlerin, wenn zwischen den Pflanzen und Bäumen (die in diesen neuen Gemälden das Wasser als Motiv abgelöst haben) mit einem Mal Figuren und Wesen auftauchen – ob sie nun aus den Baumstämmen wachsen oder auf den Baumkronen tanzen -, dann verlangen diese etwas von ihr, schreiben ihr etwas vor, dem sie gehorchen muss. “Hier bin ich! Wieso sehe ich so armselig aus?!”, scheinen sie zu schimpfen, und Ana reagiert sofort und macht sie perfekt, so wie sie sein wollen. “Es ist dann wie beim Pingpong”, sagt Ana, “denn sie tauchen ja an verschiedenen Stellen auf, es werden immer mehr und sie werden komplexer, und ich frage mich immerzu, was kann ich noch für diese tun, und für diese?” Auf die Frage, wann sie ein Bild als “vollendet” ansieht, sagt die Künstlerin: “In dem Moment, in dem es Leben hat, ist das Bild fertig.”

Und ihre Gemälde besitzen Leben. Auf eine “verrückte” Art und Weise sieht man die Figuren und Wesen in ihnen, als wären sie in einem Stroboskop hier und dort aufgeblitzt, und Ana habe diese ungemein kurzen Momente eingefangen. Da die Wesen sich auf einem Zickzackkurs durch ein Medium zu bewegen scheinen, das für das menschliche Auge normalerweise nicht sichtbar ist, sind sie nicht statisch: es ist, als könne man ihre Bewegung durch den Raum “sehen” oder eher ahnen bzw. komplettieren.

Wenn sie malt, denkt sie nicht, plant nicht, erinnert sich nicht, löscht Erfahrung und Wissen von der inneren Festplatte. Sie macht sich leer und spontan. Doch Ana Eckell ist Pragmatikerin. Wieso verwendet sie diese so ungewöhnlichen Farben – Orange, Ocker, Preußisch-Blau? “Importrestriktionen!”, lacht Ana. Dies betrifft vor allem die kleinen Tuben, mit denen sie malt, die großen sind der zierlichen Künstlerin zu schwer. Aber sie ist auch Philosophin. “Warum werden uns Steine in den Weg gelegt? Warum gibt es Hindernisse im Leben? Damit wir uns verändern können.”

“Sentido ausente” (Abwesender Geist) ist der Titel eines Werkes und der Ausstellung – und Ana Eckells schöpferisches Programm. Bis sie sich wieder verändert – weiß Gott, oder die Elfen, warum.

  • Praxis, Arenales 1311, Buenos Aires
  • Mo-Fr 11-13, Sa 11-14 Uhr
  • Bis 24.10.

Foto:
“Haciendo tierra”, 2011, Öl auf Leinwand, 140 x 200 cm.

“Immer wieder überraschend”

Alfredo Prior-Ausstellung in der Galeria Vasari

Von Nina Obeloer

Unter dem außergewöhlichen Titel “77 días en la casa flotante” zeigt die Galeria Vasari einige aktuelle Gemälde des argentinischen Künstlers Alfredo Prior. Dabei handelt es sich unter anderem um acht großformatige Gemälde auf Wellpappe, die mit Acryl, Temperafarbe und Pastellen in Grün- und Schlammtöne mit roten, pinken oder gelben Akzenten bearbeitet wurden. Die meisten der Bilder zeigen nichts Eindeutiges, es sind keine feinen Zeichnungen erkennbar, doch trotzdem kann der Betrachter in jedem der Bilder etwas erkennen: Die Farbstriche auf einer der Pappen erinnern beispielsweise an einen Dschungel mit Gestrüpp, Baumwipfeln und Blüten. Auf einem anderen Bild scheinen sich die Wischungen zu einem ruhigen Garten mit einem Brunnen zusammenzufügen.

Prior arbeitet mit Stimmungen, mit Atmosphären, die duch besonders ästhetische Farbkombinationen hervorgerufen werden. Das Besondere: Die Bilder wirken aufwühlend durch hektische Wische, zackige Linien und Farbkleckse, als hätte Prior seine Wut an den Wellpappen ausgelassen – und doch strahlen sie eine vertraute Ruhe aus.

Aus der Reihe fallen nur zwei Werke: Eines davon ist die Kombination von 16 Einzelwerken, die in vier Viererreihen installiert wurden. Jede Abbildung zeigt eine Gestalt, die jedoch nicht sicher identifiziert werden kann, allerdings einem Teddybären mit einer runden Nase und auffälligen Ohren ähnelt. Mal wirkt er sehr traurig, auf einem anderem Bild lächelt er sanft. Auch die Farbgebung unterstreicht die Stimmungen zusätzlich.

Alfredo Prior gehört zur argentinischen Künstlerbewegung der 1980er Jahre. Als kurz nach der Militärdiktatur die Malerei für tot erklärt wurde, versuchten Prior und andere Künstler, sie mit viel Farbe und ausdrucksstarken Werken wiederzubeleben. Abstrakte Darstellungen sowie die Auseinandersetzung und Thematisierung von Fabelwesen sind Kennzeichen der Werke des in Buenos Aires lebenden Künstlers, die ihn durch seine gesamte Karriere begleiteten.

Immer wieder zeigt sich zudem seine Liebe zur japanischen Kultur, die auch in dieser Ausstellung Priors ersichtlich wird: Orientalisch angehauchte Elemente finden sich in den Bildern wieder und zitieren literarische sowie historische Persönlichkeiten der japanischen Geschichte. Die Besitzerinnen der Galerie, Lauren Bate und Marina Pellegrini, arbeiten seit 2003 mit Prior zusammen und stellen in unregelmäßigen Abständen seine Werke aus. Lauren Bate zeigt sich noch immer fasziniert von seiner Arbeit: “Die Art und Weise, wie er mit dem Papier umgeht, ist immer wieder überraschend.”

  • Vasari, Esmeralda 1357, Buenos Aires
  • Mo-Fr 11-20 Uhr
  • Bis 9.11.

Schweizer Ausnahmekünstler

Alberto Giacometti-Retrospektive in der Fundación Proa

Von Susanne Franz

Seine Skulpturen schuf Giacometti nicht als körperhafte
Nachbildungen im realen Raum, sondern als “ein imaginäres Bild […] in ihrem gleichzeitig realen und imaginären, greifbaren und unbetretbaren Raum”, versucht der Kunstkritiker Reinhold Hohl die Besonderheit der Werke des Schweizer Ausnahmekünstlers in Worte zu fassen. Zum ersten Mal in Argentinien ist dem berühmten Bildhauer und Maler Alberto Giacometti (1901-1966) nun eine umfassende Retrospektive gewidmet. Am vergangenen Samstag Nachmittag wurde die Schau in der Fundación Proa im Stadtteil La Boca in Buenos Aires eröffnet. Dort werden bis zum 9. Januar 2013 anhand von 148 Werken alle Schaffensphasen des weltbekannten Künstlers anschaulich dargestellt.

Die Werke stammen aus der “Fondation Alberto et Annette Giacometti” in Paris, wo der Künstler den größten Teil seines Lebens verbrachte. Die “Fondation” ist diejenige der Giacometti-Stiftungen, die aus dem Nachlass der 1993 verstorbenen Witwe Giacomettis hervorging (nach einem 10 Jahre andauernden Rechtsstreit). Die Direktorin der “Fondation”, die französische Giacometti-Expertin Véronique Wiesinger, ist die Kuratorin der Wanderausstellung, die sie in Buenos Aires auch selbst präsentierte. Neben den Werken aus der “Fondation” werden auch Ausstellungsstücke aus argentinischen Privatsammlungen und dem brasilianischen Museu de Arte Moderna do Rio de Janeiro gezeigt (die Wanderausstellung war vor ihrer Ankunft in Buenos Aires in zwei brasilianischen Museen zu Gast).

Die Retrospektive zeigt die künstlerische Entwicklung Giacomettis von seiner Ausbildung über seine Annäherung an den Kubismus, die Entdeckung der afrikanischen Kunst und den Einfluss des Surrealismus bis zur Entdeckung der ihm eigenen künstlerischen Ausdrucksform. Auch seinen Begegnungen und Freundschaften mit bedeutenden Intellektuellen der Zeit wie André Breton, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir oder Jean Genet – die er auch in Gemälden und Skulpturen porträtierte – ist Raum gewidmet.

Die Kuratorin gliedert die Ausstellung in mehrere Schwerpunkte: die Entdeckung der primitiven Kunst, der menschliche Kopf, Objekte, Käfige und Rahmen, die Dimensionen in der künstlerischen Darstellung, die Figuren, sowie Büsten und Monumente. Jeder Bereich gibt einen Einblick in die ästhetische Suche Giacomettis, der seine Gedanken auch in zahlreichen Schriften niederlegte.

  • “Alberto Giacometti: Sammlung der Fondation Alberto et Annette Giacometti, Paris”
  • Kuratorin: Véronique Wiesinger
  • Fundación Proa, Pedro de Mendoza 1929, La Boca, Buenos Aires
  • Di-So 11-19 Uhr, Mo geschlossen
  • Eintritt 12 Pesos, Rentner 8 Pesos, Studenten 4 Pesos; Di gratis für Studenten
  • Führungen: dienstags bis freitags 17 Uhr, samstags und sonntags 15 und 17 Uhr
  • 13.10.-9.1.2013
  • Webseite

Foto:
“L’Homme qui marche I”, 1960, Bronze, Höhe: 183 cm. “Der schreitende Mann” ist eins der berühmtesten Werke Giacomettis. Die Skulptur liegt in sechs Bronzegüssen und vier Künstlerexemplaren vor. Im Jahr 2010 wurde ein Abguss der Plastik bei Sotheby’s für 104,3 Millionen US-Dollar versteigert.
(Foto: Wikipedia)