Mythos und Erlösung

Goethe-Institut und Teatro Colón zeigen Filmzyklus über Richard Wagner

Von Susanne Franz

Als Vorgeschmack auf die Feiern zum 200. Geburtstag Richard Wagners im kommenden Jahr, und im Rahmen des für November 2012 geplanten “Colón-Ring”, einer von Katharina Wagner in Szene gesetzten 7-Stunden-Kompaktfassung des Wagnerschen “Ring des Nibelungen” in der argentinischen Hauptstadt, hat das Goethe-Institut Buenos Aires zusammen mit dem Teatro Colón den Filmzyklus “Richard Wagner: Mito y Redención” organisiert, der von Freitag, dem 26. Oktober, bis Sonntag, den 28. Oktober, im Centro de Experimentación des Colón (CETC) gezeigt wird. In Beiträgen von Werner Herzog, Hans-Jürgen Syberberg, Andreas Morell oder Christoph Schlingensief werden hier wenig bekannte Aspekte des Wagnerianischen Universums beleuchtet. So wird etwa die außerordentliche, fünfstündige Dokumentation “Winifred Wagner y la historia de la casa Wahnfried 1914-1975” (Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried) am kommenden Samstag in zwei Teilen gezeigt.

Ab 24. Oktober kann man Karten im Vorverkauf an der Theaterkasse des Colón (Tucumán 1171) erwerben. Der Saal hat nur 100 Sitzplätze. Infos unter Tel.: 4378-7109 oder auf der Webseite des Teatro Colón.

Programm

  • Freitag, 26.10.
  • 17 Uhr: “Richard Wagner y las mujeres” (Richard Wagner und die Frauen), 2005, 44 Min., Regie: Andreas Morell
  • 18.30 Uhr: “El segundo sueño. La puesta en escena de Christoph Schlingensief en Manaos” (Der zweite Traum – Schlingensief inszeniert Wagner in Manaus), 2009, 60 Min., Regie: Lennart Laberenz
  • 20 Uhr. “La transformación del mundo en música” (Die Verwandlung der Welt in Musik), 1994, 90 Min., Regie: Werner Herzog
  • Samstag, 27.10.
  • 16 Uhr: “Richard Wagner und die Frauen”
  • 17 Uhr: “Winifred Wagner I”, 1975, 145 Min., Regie: Hans Jürgen Syberberg
  • 20 Uhr. “Winifred Wagner II”, 1975, 152 Min.
  • Sonntag, 28.10.
  • 16.30 Uhr: “Der zweite Traum”
  • 18 Uhr: “Die Verwandlung der Welt in Musik”

Foto:
Szene aus “Richard Wagner und die Frauen”.

Dokumentarfilmfestival von Buenos Aires

12. “DocBuenosAires” mit Schweizer Fokus

Zum 12. Mal findet in Buenos Aires vom 18. bis 28. Oktober das mittlerweile hoch angesehene internationale Festival “DocBuenosAires” statt. Im Lugones-Saal des San Martín-Theaters (Av. Corrientes 1530) und der Alianza Francesa (Av. Córdoba 946) wird dabei auch das Dokumentarfilmschaffen der Schweiz im Blickpunkt stehen. So porträtiert “Capitaine Thomas Sankara” (Foto) von Christophe Cupelin den Mann, der im Alter von 33 Jahren Präsident von Burkina Faso wurde und einer der bedeutendsten afrikanischen Politiker des 20. Jahrhunderts war. Der Regisseur wird seinen Film persönlich vorstellen. Als weitere Schweizer Dokus werden “Hiver nomade” von Manuel von Stürler und “Une escroc très discrète” von Delphine Vaucher-Hallis gezeigt. Auch aus Deutschland kommt ein Beitrag: “Revision” (2012) des 1966 geborenen Regisseurs und Produzenten Philip Scheffner wird am letzten Festival-Wochenende gezeigt. Infos und Programm hier.

Argentinische Geschichte aus einer familiären Perspektive

“Infancia Clandestina”, der argentinische Kandidat für den Auslandsoscar

Von Philip Norten

Die Handlung des diesjährigen argentinischen Oscar-Kandidaten “Infancia Clandestina” basiert auf den Kindheitserinnerungen des Regisseurs Benjamín Ávila, dessen Mutter zu der Guerrillagruppe Montoneros gehörte und vom Militär getötet wurde. Im Mittelpunkt des Filmes steht die Geschichte von Juan, der mit seiner Familie aus dem politischen Exil nach Argentinien zurückkehrt, wo seine Eltern – aktive Mitglieder der Montoneros – terroristische Anschläge gegen das damalige Militärregime planen. Juans Kindheitserlebnisse sind zwiespältig: zum einen wächst er in einem Umfeld auf, in dem Waffen und die Angst vor den Vergeltungsaktionen des Regimes jederzeit präsent sind. Nichtsdestotrotz sind seine Eltern und sein Onkel ihm eine gute Familie und er erlebt in der Schule seine erste Jugendliebe.

Ähnlich wie Jeanine Meerapfel in “El amigo alemán” bedient sich Ávila der persönlichen Geschichte seines Protagonisten, um die historische Vergangenheit Argentiniens wachzurufen. Doch anders als in Meerapfels sehr konventionell geratenem (von der deutschen Filmförderung kofinanzierten) Film überzeugt “Infancia Clandestina” durch anspruchsvolle Kameraarbeit und Musik. Von einer Gesangsszene beim familiären Grillabend abgesehen entgeht der Film zudem der Gefahr des Kitschs, die oft besteht, wenn Filme aus der Perspektive von Kindern erzählt werden.

Ciclo de cine sobre artistas argentinos

Documentales sobre León Ferrari, Ricardo Longhini, Carlos Gorriarena y Martín Blaszko


A partir de hoy, 14 de octubre, se realiza, en la Casa Nacional del Bicentenario, Riobamba 985, Buenos Aires, un doble programa dedicado a películas sobre algunos de los más reconocidos artistas argentinos.

Los domingos 14/10, 21/10, 28/10 y 4/11, a las 17 horas, se proyectará “Civilización”, documental dedicado a la obra de León Ferrari, realizado por Rubén Guzmán con guión de Andrés Duprat y producido por Gastón Duprat, Mariano Cohn.

Además, a las 20 horas, al aire libre, se exhibe:

Domingo 14/10: “Espejo para cuando me pruebe el smoking” de Alejandro Fernández Mouján, con el escultor Ricardo Longhini (foto)
Domingo 21/10: “Gorri” de Carmen Guarini, sobre Carlos Gorriarena
Domingo 28/10: Martín Blaszko I y II
Domingo 4/11: Martín Blaszko III de Ignacio Masllorens

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Kunst heute und in Zukunft

Kunst und Technologie verschmelzen bei “Fase 4” im Centro Cultural Recoleta

Von Nina Obeloer


Die Frage, wie wir die Welt besser – ergo schöner, grüner und nachhaltiger – machen können, hat nun auch den Kunstsektor erreicht. Die diesjährige vierte Edition des Kunst-Events “Fase” steht unter dem Titel “Post-Ökologie – In Richtung einer nachhaltigen Natur und Kultur”. Noch bis Sonntag nimmt das viertägige Spektakel eine Vielzahl der Säle im Centro Cultural Recoleta in Buenos Aires ein.

Dort drängen sich Menschen in den Gängen, Räumen und Innenhöfen, wo keine Museumsatmosphäre herrscht. Es ist laut, es wird diskutiert – hier lebt die Kunst. Denn zum einen darf man sie anfassen, hören und teils sogar riechen. Zum anderen beschäftigt sich diese Kunst mit ihrem einstigen Gegenpol, der Funktionalität. Denn im Mittelpunkt steht laut Kuratorin Graciela Taquini die “Achse des Aufeinandertreffens von Kunst, Wissenschaft und Technologie”.

So verdeutlicht Santiago Delfino mit seinem Werk “against shadows” die Möglichkeit, Schatten in Licht umzuwandeln. Dabei handelt es sich um eine interaktive Installation: Ein quadratisches fotosensibles Feld ist mit einem ähnlichen Feld aus roten Lämpchen verbunden. Sobald der Betrachter seine Hand über das Feld mit den Sensoren bewegt, leuchten die Lämpchen in genau diesen Schattenbereichen auf.

Die deutschstämmige Künstlerin Edith Matzen Hirsch zeigt ihre Installation “Al sonido del viento”. Zudem wird am Samstag und Sonntag, jeweils von 16 bis 18 Uhr, eine kostenlose Werkstatt für Sechs- bis Achtjährige angeboten, bei der Spielzeugwindmühlen mit der Künstlerin gebastelt werden. Dabei soll über das Überleben unseres Planeten nachgedacht werden. Den Gang hinunter, in Saal 12, können sich die Besucher eine Meinung über das Kollektivwerk “El Arca Obrera”, eine Konstruktion des Museo Taller Ferrowhite, bilden. Dabei handelt es sich um eine Art Luftmatratze, über der kugelförmig eine Plane drapiert ist. Dahinter ist ein Bildschirm installiert. Wer sich trotz der Ähnlichkeit des Objekts mit einer Requisite aus einem Science-Fiction-Film hineintraut, kann durch einen Schlitz auch selbst in die transparente Kugel steigen.


In jedem Fall wird beim Gang durch die Räumlichkeiten eines klar: Es gibt kaum eine künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, die hier nicht vertreten wäre. Ausgestellt sind neben Fotografien, Grafiken und Drucken auch (Werbe-)Plakate und Skulpturen unter Verwendung der unterschiedlichsten Materialien wie Wasser, Licht, Holz, Moos oder Plastik. Zudem ist “Fase 4” ein klares Statement gegen eine Kunst, die nur ästhetisch ist. Denn diese Werke geben Anstoß zur Auseinandersetzung mit den Themen Technologie und Nachhaltigkeit, sie beziehen elektronische Medien wie Computer, Video und Projektionen mit ein und machen sie selbst zum Thema.

Die Ausstellung vereint, was Kunst heute und in Zukunft ist und sein wird: Dynamisch, interaktiv und haptisch, ohne Darstellungs- und Vermittlungsgrenzen zu kennen.

  • Fase 4
  • Centro Cultural Recoleta
  • Junín 1930
  • Buenos Aires
  • Mo-Fr 14-21, Sa 10-21, So 12-21 Uhr
  • Eintritt frei
  • Säle 1 und 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 und 12
  • 11.10.-14.10.

Fotos:
Im Patio de la Fuente sind viele weiße Windmühlen platziert worden.

Das Werk vom Museo Taller Ferrowhite in Saal 12 kann man betreten.
(Fotos: Nina Obeloer)

Special über Kunststandort Buenos Aires

Kunst-Webseite “Universes in Universe” empfiehlt Spaziergänge und Touren und entführt in Museen und Kunstzentren der argentinischen Hauptstadt

Von Susanne Franz


Die vom deutschen Kunstkritiker und Kurator Gerhard Haupt und der argentinischen Künstlerin Pat Binder herausgegebene Kunst-Webseite “Universes in Universe”, die seit Februar 1997 online und damit eine der ältesten Websites für Kunst ist, bietet in der jüngsten Ausgabe ein empfehlenswertes Special über den Kunststandort Buenos Aires, in Deutsch, Englisch und Spanisch. Hineinklicken lohnt sich!

Foto:
Natürlich steht auch das Malba auf Haupts und Binders Liste.

Theater aus Chile / Teatro Chileno

Theatergastspiele aus Chile / Ciclo de Teatro Chileno Contemporáneo

Im Teatro Sarmiento (Av. Sarmiento 2715, Buenos Aires) neben dem Zoologischen Garten von Buenos Aires, das zum “Complejo Teatral de Buenos Aires” gehört, werden mehrere Gastspiele aus dem benachbarten Chile aufgeführt. Auf dem Programm stehen “Niñas araña” (12., 13. und 14.10., 21 Uhr) , “Sobre la cuerda floja” (19.10., 20 Uhr, 20. und 21.10., 18 Uhr; ab 8 Jahre) und “El año en que nací” (27. und 28.10., 21 Uhr). Eintritt: “Niñas araña” und “El año en que nací” 60 Pesos, “Sobre la cuerda floja” 30 Pesos. Infos hier.

Durante el mes de octubre, tendrá lugar en el Teatro Sarmiento (Av. Sarmiento 2715, Buenos Aires), un Ciclo de Teatro Chileno Contemporáneo, que nace de la colaboración del Ministerio de Cultura de Buenos Aires (Complejo Teatral de Buenos Aires) y FITAM (Fundación Teatro a Mil) de Chile, en el marco de un acuerdo firmado con el Ministro de Cultura, Ing. Hernán Lombardi.

El viernes 12, el sábado 13 y el domingo 14 de octubre a las 21, la Compañía CIT- Centro de Investigación Teatral presentará “Niñas araña” de Luis Barrales, con dirección de Daniela Aguayo. El elenco está integrado por Daniela Aguayo, Daniela Jiménez e Isidora Stevenson. La producción es de Germán Henríquez, los técnicos son Germán Henríquez y Sebastian Ibacache, la iluminación es de Cristian Reyes, el vestuario de Katiuska Valenzuela, el diseño gráfico de Claudia Rebolledo, la escenografía de Carlo Urra y la música de Daniel Marabolí.

Por otra parte, el viernes 19 de octubre a las 20 y el sábado 20 y el domingo 21 de octubre a las 18, la Compañía Teatro Milagros presentará “Sobre la cuerda floja” de Mike Kenny, un espectáculo de marionetas para toda la familia (para niños a partir de los 8 años), con dirección artística y diseño general de Aline Kuppenheim y dirección teatral de Paola Giannini. Los manipuladores Paola Giannini, Aline Kuppenheim, Loreto Moya, Paula García y Santiago Tobar. Las voces son de Nelson Brodt y Almendra Swinburn. La productora es Loreto Moya, el diseño de sonido es de Benjamín Ortiz y Tomás Arias, el diseño de iluminación de José Rojas y Rodrigo Barnao, las fotografías de Guillermo Giannini, las animaciones de Teatro Milagros y Promocine, la dirección de fotografía animada de Arnaldo Rodríguez, y la supervisión y el software de Nicolás Bórquez.

Por último, el sábado 27 y el domingo 28 de octubre a las 21 se presentará “El año en que nací”, una coproducción de la argentina Lola Arias y la Fundación Teatro a Mil, con texto y dirección de Lola Arias, con la colaboración del equipo artístico y los actores. El elenco está integrado por Alexandra Benado, Leopoldo Courbis, Pablo Díaz, Ítalo Gallardo, Soledad Gaspar, Alejandro Gómez Sepúlveda, Fernanda González, Viviana Hernández, Ana Laura Racz, Jorge Rivero y Nicole Senerman. La asistencia artística y de investigación y la producción están a cargo de Paula Bravo, el jefe técnico es Martín Montaner, la dirección audiovisual es de Nicole Senerman, la colaboración audiovisual y la edición de sonido son de Jorge Rivero, la música original y el diseño sonoro de Ulises Conti, la escenografía y la iluminación de Rocío Hernández, el sonido es de Jorge Silva, la asesoría histórica de Tamara Vidaurrázaga, el músico en escena es Alejandro Gómez Sepúlveda y la coreografía de Soledad Gaspar.

“Niñas araña” y “El año en que nací”: Platea $60.-; “Sobre la cuerda floja”: Platea $30.-

Info aquí

Ein historisches Haus voller Geschichte(n)

In der Casa Fernández Blanco wird momentan die einzigartige Puppensammlung der Schwestern Mabel und María Castellano Fotheringham präsentiert

Von Philip Norten

Am 14. Juli eröffnete das Museo de Arte Hispanoamericano Isaac Fernández Blanco seinen neuen Zweitsitz in der historischen Casa Fernández Blanco (Hipólito Irigoyen 1420), deren Besuch sich gleich doppelt lohnt. Das eklektizistische Gebäude im Stil der Neorenaissance war ursprünglich das Wohnhaus des Kunstsammlers Isaac Fernández Blanco und der erste Sitz des Museums, das noch heute seinen Namen trägt. 1880 errichtet, wurde das Gebäude in unterschiedlichen Etappen immer wieder erweitert, um den Bedürfnissen des Hausherren gerecht zu werden. So u.a. 1901 von Alejandro Christophersen, dem dänischstämmigen Architekten, der beispielsweise für den Palacio San Martín verantwortlich zeichnet. Hervorzuheben sind an dem Gebäude vor allem die reiche Innenausstattung wie z.B. die Holzarbeiten und Glasmalereien, die zum Teil eigens aus Europa importiert wurden.

Die heute etwas abseits erscheinende Lage der Casa Fernández Blanco täuscht dabei den heutigen Besucher: Das Haus ist nur wenige Meter von der Avenida de Mayo entfernt, dem damals neuen Zentrum der Stadt, wo sich die neuesten und besten Restaurants, Theater und Hotels befanden. Schon früh öffnete Fernández Blanco sein Heim zu bestimmten Zeiten der Öffentlichkeit, um seine große Sammlung von Musikinstrumenten und hispanoamerikanischer Kunst zu zeigen. 1922 verkaufte er seine Sammlung für einen symbolischen Betrag an die Stadt Buenos Aires mit der Bedingung, dass das künftige Museum seinen Namen tragen solle. 1943 zog das Museum um und befindet sich heute im Palacio Noel, während die Casa Fernández Blanco lange leerstand und erst in den letzten Jahren von der Stadt gekauft werden konnte, die darauf beschloss, das Haus zu einem Zweitsitz des Museums auszubauen. Nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen präsentieren sich heute die ersten Räume des Erdgeschosses – wie z.B. das repräsentative Treppenhaus und der Speisesaal – wieder in ihrer ursprünglichen Pracht.

Neben der Architektur zieht eine ganz besondere Sammlung die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich: Unter dem Titel “Había una vez…” wird in den ersten wiedereröffneten Räumen des Museums die einzigartige Puppensammlung der beiden Schwestern Mabel und María Castellano Fotheringham präsentiert. Die traditionelle Einleitungsform für Märchen “Es war einmal…” macht dabei deutlich, dass uns die unglaubliche Vielzahl an historischen Puppen – die in eigens hergestellten Vitrinen sehr liebevoll ausgestellt werden – in eine Welt der Kindheit, Märchen und Träume entführen soll. Die große Vielfalt an Typen und Modellen sowie die liebevolle Gestaltung und handwerkliche Meisterschaft bei deren Herstellung macht dabei auch auf einen gesellschaftlichen Wandel aufmerksam und veränderte Vorstellungen von Spiel, Mode, Geschlechterrollen und Erziehung.

  • “Había una vez…, muñecas y juguetes 1870–1940. Colección de Mabel y María Castellano Fotheringham” (Es war einmal…, Puppen und Spielzeug aus den Jahren 1870 bis 1940. Sammlung Mabel und María Castellano Fotheringham)
  • Casa Fernández Blanco, Hipólito Yrigoyen 1420, Buenos Aires
  • Di-So 11-17 Uhr
  • Eintritt 1 Peso
  • Seit 14.7.

Fotos:
Der Speisesaal der Casa Fernández Blanco.

Die historischen Puppen sind in eigens hergestellten Vitrinen ausgestellt.

Begegnungen als Brücke

“El amigo alemán”: Eine Liebe und vier Jahrzehnte deutsch-argentinische Geschichte

Von Lara Falkenberg


Eine Brücke verbindet Argentinien und Deutschland. Eine Brücke aus Geschichten, die von Einwanderung, Erinnerung und Identität erzählen. Und von der Liebe. Der neue Film von Jeanine Meerapfel nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in die Vergangenheit, bei der wir immer wieder über diese Brücke laufen. “El amigo alemán” (“Der deutsche Freund”) lief am Donnerstag in den Kinos in Buenos Aires, Córdoba und Rosario an.

Die deutsch-argentinische Co-Produktion führt durch vier Jahrzehnte gemeinsamer Geschichte. Der Film erzählt die Geschichte zweier Menschen, die Zeugen der politischen Umbrüche und des historischen Wandels waren. Sulamit wächst als Tochter jüdischer Emigranten aus Deutschland im Buenos Aires der 50er Jahre auf. In dieser Stadt treffen Juden und Nazis, die aus Europa flohen, in unmittelbarer Nachbarschaft wieder aufeinander. So lernt sie Friedrich kennen, den Sohn einer deutschen Familie mit NS-Vergangenheit.

Die Liebesgeschichte zwischen Sulamit und Friedrich ist eine Geschichte vor dem Hintergrund der Geschichte. Denn Friedrich ist von Ereignissen geprägt, die er selbst nie erlebt hat und fühlt sich verantwortlich für Taten, die er nie begangen hat. Als er herausfindet, dass sein Vater SS-Obersturmbannführer war, bricht er mit seiner Familie und geht nach Deutschland. Im Versuch, sich gegen die Vergangenheit zu stellen, schließt er sich erst der Studentenbewegung der 68er und später einer argentinischen Guerrilla-Bewegung im Kampf gegen die Militärdiktatur an.

Es ist sein Kampf um eine eigene Identität, der Kampf einer Generation, um sich der Vergangenheit zu stellen. Doch es ist zugleich der Kampf der anderen Hauptfigur, Sulamit. Sie kämpft darum, dass Friedrich sich endlich selbst lieben kann und das Erbe des Vaters nicht als das seinige wahrnimmt. Sulamit folgt Friedrich nach Deutschland, und auch als ihre Wege sich trennen, verfolgt sie seine Spur, um ihn schließlich im fernen Patagonien wiederzufinden. Bei dieser Suche findet sie nicht nur Friedrich, sondern auch ihren Platz in der deutschen Gesellschaft und entdeckt dort die Liebe zu ihrer argentinischen Heimat.

Auch für die Regisseurin Jeanine Meerapfel ist der Film ihre Liebeserklärung an Argentinien. Sie wurde 1943 als Tochter deutsch-jüdischer Emigranten in Buenos Aires geboren. Wie die Protagonisten ihres Films ist sie in den 50er Jahren in einem Vorort von Buenos Aires aufgewachsen. Zugleich ist der Film jedoch eine Liebeserklärung an die Deutschen ihrer Generation, die sie während der 68er Zeit als Studentin in Ulm und Berlin kennenlernte. Eine Generation von Menschen, “die sich am eigenen Haarschopf gepackt haben und sich selbst aus dem Morast von Schuldgefühl und Selbsthass herausgezogen und dazu beigetragen haben, der heutigen deutschen Gesellschaft ein humanes Antlitz zu verleihen”.

Für Jeanine Meerapfel ist der Film eine Metapher: Eine Geschichte aus der Vergangenheit, die eine positive Vision für die Zukunft der Menschheit darstellt. Denn sie zeigt, dass sich Vorurteile und Feindschaft bei der Begegnung zweier Menschen verlieren und darin auch die Chance für die Zukunft der Menschheit liegt: Im Kennenlernen.

“Die Liebe zwischen Sulamit und Friedrich könnte auch die Liebe zwischen einem Palästinenser und einer Israelin, oder zwischen einer Muslimin und einem Katholiken sein. Eine Liebe, die den Unterschied der Herkunft aufhebt – zum Glück der Menschen.”

  • “El amigo alemán” (Der deutsche Freund) – Deutschland/Argentinien 2011
  • 100 Min.
  • Drama ab 13
  • Regie: Jeanine Meerapfel
  • Mit Celeste Cid, Max Riemelt, Daniel Fanego, Carlos Kaspar, Katja Alemann, u.a.

Foto:
Celeste Cid und Max Riemelt in einer Szene von “El amigo alemán”.

Faszinierende Landschaften

Foto-Ausstellung von Juan Travnik in der Goethe-Schule

Von Kirsten Mosel

Eine besondere Ausstellungseröffnung erlebten die Schüler der Goethe-Schule mit dem vielfach ausgezeichneten argentinischen Fotografen Juan Travnik (*1950, Buenos Aires) am 4. September in einem interessanten Künstler-Gespräch in der Germania Hall der Schule. Die Ausstellung, die im Rahmen des in ganz Argentinien stattfindenden Fotografie-Festivals “Festival de la Luz” veranstaltet wird, wurde von Gerald Splitt, dem Direktor der Goethe-Schule, eingeweiht.

Für die Schüler bot sich die Möglichkeit, mit Juan Travnik über die Bedeutung von Fotografie heute zu sprechen – über analoge und digitale Fotografie und den Unterschied zwischen Realität und Fotografie. Der Dialog mit den Schülern wurde in einem Rundgang vor den Fotos fortgeführt – der Künstler ist zugleich Dozent für Fotografie, Publizist, Kurator und seit 1998 Direktor der Fotogalerie im Teatro San Martín. 2006 erhielt Travnik für seine Arbeit in und für die Fotografie in Argentinien einen Preis der John Simon Guggenheim Memorial Foundation.

In der Goethe-Schule zeigt Travnik eine beeindruckende Serie von Farbfotografien mit dem Titel “Paisajes”, die in den letzten zehn Jahren an der Küste, in der Pampa und in Patagonien entstand. Die (analogen) Fotos zeigen verlassene Häuser am Meer vor blauem Himmel, eine Landschaft der Pampa, in der die Hälfe des Bildes in Flammen steht. Die Arbeiten von Travnik sind Bestandsaufnahmen von nicht-arrangierten Situationen, die zunächst lapidar daherkommen und uns allen bekannt erscheinen. Auf den nächsten Blick stellen sich Fragen: Wieso brennt es inmitten einer Landschaft, wer hat in den verlassenen Häusern gelebt, welche Geschichte könnten die Zelte am Strand erzählen? Die Fotos zeigen Grenzsituationen von Landschaften, in denen die Wirklichkeit der Normalität entkommt.

  • Juan Travnik, “Paisajes”, Fotos
  • Im Rahmen des “Festival de la Luz” 2012
  • Goethe-Schule, Germania-Halle, Eliseo Reclus 2250, Boulogne, Provinz Buenos Aires
  • Mo-Fr 8-16 Uhr
  • 4.9.-9.10.

Foto:
Goethe-Schüler vor den Fotos von Juan Travnik.

Weltweites Festival

Kurzfilmfestival “Shnit” erstmals auch in Buenos Aires

Von Susanne Franz

Vom 4. Oktober bis 6. Oktober findet im Godard-Saal des Centro Metropolitano de Diseño (Algarrobo 1041, Buenos Aires) das internationale Kurzfilmfestival “Shnit” statt. Es werden 64 ausgewählte Kurzfilme unterschiedlichster Genres aus 134 Ländern gezeigt. Das Festival hat seinen Ursprung in der Schweiz und wird in 10 Städten weltweit simultan durchgeführt, darunter in Bern, Köln, Wien, Kairo und Kapstadt.

Das Festival verleiht fünf Preise, die insgesamt mit 100.000 US-Dollar dotiert sind. In seinem ersten Jahr in Buenos Aires wird “Shnit” u.a. von der Schweizer Botschaft, der Stadt Buenos Aires und Village Cinemas unterstützt. Programm hier.

Foto:
Der irische Oscarpreisträger (2012 in der Kategorie Kurzfilm für “The Shore”) Terry George ist “Shnit”-Jury-Präsident in Buenos Aires.