Der Atheist

Ein durch und durch seltsamer Mensch

Von Friedbert W. Böhm

Ein seltsamer Mensch! Ist freundlich zu den Leuten, weil er weiß, dass Missmut und Aggression Missmut und Aggression weiterzeugen. Lügt nur in Notfällen. Er meint, dass die Lügen das Miteinander stören und dass gerade das vertrauensvolle Miteinander mittels sprachlicher Kommunikation den Menschen von anderen Tieren unterscheidet. Diesen gegenüber ist er nachsichtig und bescheiden. Er hat bei Konrad Lorenz und anderen gelesen und in vielen Dokumentarfilmen gesehen, wie menschenähnlich viele Tiere empfinden und handeln. Er versucht, nicht seines Nächsten Weib, Ochs, Esel oder Bankkonto zu begehren, denn dies untergräbt den Frieden. Ist gesetzestreu, auch aus Angst vor Strafe, hauptsächlich aber, weil Gesetzesuntreue das Chaos fördert. Ist ordentlich und pünktlich. Wo kämen wir hin, wenn alle das nicht wären?

Hat kein Auto; fährt mit dem Rad. Da ihm die Großstadt nicht gefällt, ist die Familie ins Landesinnere gezogen. Seine Frau hat er nicht mitgeschleift; er hat sie überzeugt. Hier verdient er weniger und seine Frau arbeitet nicht mehr. Dafür brauchen sie auch weniger Geld. Die Wege sind kürzer, das Essen billiger, die Nachbarschaftshilfe größer. Der Garten hilft mit Nahrhaftem, zerstreut und befriedigt. Die Kinder haben nahe Freunde und eine gesündere Umgebung. Abfall gibt es wenig. Kartoffelschalen und Essensreste kommen auf den Kompost. Plastiktüten fallen kaum an, da die Einkäufe mit Taschen oder Körben erledigt werden. Die Familie ernährt sich gesund und ausgeglichen, und zum Frühstück müssen es nicht unbedingt Kiwis oder überseeische Äpfel sein.

Für den Urlaub reicht Kärnten oder die Holsteinische Schweiz, im Zug. Natürlich gibt es begründete Ausnahmen. Einmal ist man auf die Kanarischen Inseln geflogen und einmal sogar zur Schwester des Atheisten in die Vereinigten Staaten. Die Kinder blieben einige Monate dort. Zum Schüleraustausch; man ist ja nicht weltabgewandt. Auf dem Dach liegen Fotovoltaikelemente. Das reicht nicht zur Selbstversorgung, aber es spart Geld und hält zu sparsamem Verbrauch an. Fürs Fernsehen gibt es gemeinsame Stunden und für den Computer hat jedes Familienmitglied seine Benutzungszeiten. Und am Weihnachtsbaum brennen Wachskerzen.

Er steht für seine Prinzipien ein, ohne darauf zu reiten. Andersdenkenden hört er zu. Lässt sich überzeugen, wenn ihm die Argumente stimmig erscheinen. Lässt sie handeln, solange sie nicht ihn oder Dritte stören. Als ziemlich Geschichtskundiger verabscheut er Ideologien. Er hängt keiner Partei an, wählt Menschen, die er für klug, kompetent und redlich hält.

So ist er halt, der Atheist. Er vertraut nicht darauf, dass der liebe Gott schon irgendwie Umwelt und Menschheit intakt halten wird. Er tut selbst etwas dafür.

Slammen und Debattieren

“Deutsch mit Herz und Verstand” in der Deutschen Schule Ballester


Zum ersten Mal debattierten und slammten 60 Schüler aus 25 deutschen Schulen aus Argentinien, Paraguay, Ecuador und Chile am 20. Oktober 2012 an der Deutsche Schule Villa Ballester in Buenos Aires. Vor 200 begeisterten Zuschauern gewannen Carolin Glatzle aus Filadelfia, Ines Sawatzky aus Loma Plata, Juliane Dürksen aus Asunción und Melissa Medina aus Cuenca in der Kategorie Debattieren und Mariela Faría aus El Dorado im Poetry Slam.

Kreativität war Trumpf beim Poetry Slam. Sie feixen, sie schreien, sie zittern, sie fallen auf die Knie – Text und Performance sind alles beim Poetry Slam. Alleine am Mikro vor 200 Zuschauern in der Aula Magna der Schule und das in einer fremden Sprache: Es braucht viel Mut und Kreativität, um sich dieser Aufgabe zu stellen. Der Organisator des Poetry Slam, Bernd Gockel, war voll des Lobes über die jungen Slammer: “Poetry Slam ist denken, dichten und inszenieren. Die Schüler haben mit ihren eigenen Texten auf Deutsch gelacht, geweint und gewütet und so die Vielfalt der deutschen Sprache kennengelernt. Jeder kann auf seinem Niveau mitmachen – das Ergebnis ist beeindruckend.”

Die Themen der selbstgeschriebenen Texte waren so vielfältig wie die Reaktion der Zuschauer. Sie ließen sich von poetischen Texten verzaubern, folgten gespannt den inneren Monologen oder identifizierten sich mit den persönlichen Erlebnissen und Abenteuern der Vortragenden. Ob es um Schokokekse, die Hölle oder ein Gespräch mit Gott ging, die Zuschauer verfolgten gebannt die Darbietungen der jungen Slammer.

Den meisten Applaus und die höchsten Wertungen der internationalen Jury erhielt Mariela aus El Dorado mit einem Text über Argentinien. Wie kam sie auf das Thema ihres Textes? “Es ist mein Land, ich will verstehen, was hier passiert, wie wir alle beteiligt sind. Das wollte ich in meinem Text zum Ausdruck bringen.”

Die Schulleiterin des Insituto Ballester, Susanne Lutz, hob besonders die Ausgewogenheit des Wettbewerbs hervor: “Wir fördern nicht nur die Kreativität, sondern mit dem Debattierwettbewerb auch die Analysefähigkeiten der Jugendlichen. Denn nur mit Herz und Verstand können die Schüler die deutsche Sprache so gut erlernen, wie wir es heute von allen gehört haben.”

Verstand ist besonders bei der Debatte gefordert. Sie zitieren Statistiken, analysieren die Zustände in verschiedenen Ländern, gehen aufeinander ein und wollen sich doch argumentativ übertrumpfen. Die hohe Kunst des Debattierens will gelernt sein. In einer spannenden und profunden Debatte zur Fragestellung “Soll die Anzahl der Autos auf eins pro Familie beschränkt werden?” erreichten Juliane, Melissa, Ines und Carolin das Finale. Nach drei anstrengenden Runden entschieden sich dann die Finalistinnen, auf die Austragung des Finales zu verzichten, und alle wurden zu Siegerinnen erklärt. Trotzdem gaben sie noch eine Kostprobe ihres Könnens mit einer spontanen Fun-Debatte zum Thema, ob auch Männer Stöckelschuhe tragen sollten.

“Wir waren einfach zu erschöpft, um noch einmal gegeneinander anzutreten. Jede hatte es verdient zu gewinnen. Jetzt sind wir alle gemeinsam froh, und das ist eigentlich auch am Schönsten”, kommentierte Siegerin Melissa aus Ecuador, die erst seit zwei Jahren Deutsch lernt, den Wettbewerb.

Froh ist auch Organisator Bernd Buchholz: “Im Oktober 2011 entstand die Idee, einen internationalen Wettbewerb auszurichten. Wir haben unsere persönlichen Kontakte auf dem Kontinent genutzt, hätten aber nie erwartet, dass so viele Schüler und Lehrer unserer Einladung folgen würden. Es ist schon überwältigend zu sehen, wie aus einer kleinen Idee ein solch großer Wettbewerb erwächst.”

Doch der Wettbewerb ist nicht alles, die Vernetzung von Schülern und Lehrern auf einem großen Kontinent ist immens wichtig. “Für mich war es unglaublich spannend, mit anderen Jugendlichen über meine Erfahrungen in einer deutschen Schule zu sprechen. Es ist ein großartiger Anknüpfungspunkt, weil sich unsere Erfahrungen in vielen Fällen sehr ähneln”, fasst Charlotte aus Valparaíso ihre Eindrücke zusammen.

Im nächsten Jahr werden dann andere Schüler mit anderen Texten und anderen Argumenten nach Buenos Aires kommen, um Deutsch mit Herz und Verstand zu leben, denn “einen solchen Wettbewerb darf es nicht nur einmal geben, nach dem Wettbwerb ist vor dem Wettbewerb! Wir freuen uns schon auf 2013”, sind sich Schulleiterin und Organisatoren einig.

Poetry: Schreiben – Spielen – Spüren

Der erste Poetry Slam in der Deutschen Schule Villa Ballester war nicht zuletzt auch ein Riesen-Publikumserfolg


Der erste internationale Poetry Slam an der Deutschen Schule Instituto Ballester begeisterte am vergangenen Samstag das Publikum. 24 Schüler deutscher Schulen aus Chile, Paraguay und Argentinien präsentierten selbst geschriebene, rhythmisch gesprochene Texte auf der Bühne. Begegnungen im Himmel oder in der Hölle oder der Kampf mit einem Schokokeks standen neben Texten, die eher ernste Themen ansprachen. Mit Kurzgeschichten, Lyrik und Comedy-Vorträgen fesselten die Slammer ihr Publikum, provozierten Lacher oder eine eher nachdenkliche Stimmung.

Jeder Teilnehmer hatte vier Minuten Zeit, seine eigenen Poetry-Texte vor dem Publikum zu präsentieren, und wurde anschließend durch eine Jury bewertet.

“Eine Slam-Veranstaltung soll eine intensive Beziehung zum Publikum aufbauen. Der Text und seine Präsentation verschmelzen im Idealfall zu einer Performance, die die Zuschauer mitreißt. Wenn Schüler anfangen, eigene Texte auf Deutsch zu verfassen, diese als Schauspieler zu performen und sich auf diese Weise emotional in deutscher Sprache ausdrücken, dann profitieren alle davon”, fasst Deutschlehrer Bernd Gockel, der diesen ersten Poetry Slam organisiert hat, die Ziele zusammen.

Und im nächsten Jahr sollen alte und neue Slammer wieder “gucken, gucken, gucken – was so geht – checken, checken, checken – was so geht, und vor allem hören, spüren, fühlen – was es so gibt”.

Die ersten vier Plätze:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Argentinische Campesinos in deutschen Kinos

Der Film “Sachamanta” dokumentiert den Kampf der Kleinbauern

Von Nils Witte


Halbnackte Männerkörper winden sich unter den Schlagstöcken von schwarz gekleideten Polizisten in voller Kampfmontur. Mit erschreckender Regelmäßigkeit zeigt die Presse diese Bilder vom Kampf der Landlosen in Brasilien. Doch was ist mit den Landlosen und Kleinbauern in Argentinien?

Vor fast einem Jahr, am 16. November 2011, erschossen Unbekannte den Kleinbauern Cristian Ferreyra.[1] Das Interesse für den Vorfall in der Region um Santiago del Estero war groß. Ein Jahr später spricht niemand mehr von den Kleinbauern. Doch es gibt sie. Es gibt ihren Kampf. Und es gibt ihre Radiosender. Das Radio ist unverzichtbar für die tägliche politische Arbeit des “Movimiento Campesino de Santiago del Estero – Via Campesina”, kurz MOCASE-VC. Der Dokumentarfilm “Sachamanta” zeigt die stete politische Arbeit von MOCASE: Mutlose Mitstreiter motivieren, überregionale Treffen organisieren und illegal errichtete Stacheldrahtzäune niederreißen.

Seit September wird der Film der Regisseurin Viviana Uriona in Deutschland gezeigt. Den ältesten Radiosender von MOCASE – FM del Monte – gibt es seit fast 10 Jahren. Hier wird nicht nur Musik gespielt. Hier organisiert sich der Widerstand. Und den muss es auch dann geben, wenn gerade niemand nach Santiago schaut.

Urionas Film dokumentiert den täglichen Kampf der Bauern um ihre Lebensgrundlage. Nicht für ein Privileg streiten sie, sondern um das Land, das ihre Familien seit Jahrzehnten bewirtschaften. Nach dem argentinischen Gesetz gehört ihnen dieses Land ohnehin. Nur gibt es niemanden, der ihnen dieses Recht auch garantiert. Deshalb kämpfen sie selbst darum. Jeden Tag. Auch wenn gerade niemand ermordet wird.

Wie kamst Du auf die Idee, einen Film über die Kleinbauern in Santiago del Estero zu drehen?
Viviana Uriona: “Ich bin 2009 wegen meiner Doktorarbeit über freie Radiosender nach Argentinien gefahren. Ich wollte Interviews und Recherchen durchführen. In einem der Interviews fragte mich jemand, ob ich schon MOCASE kenne. Auch sie würden freie Radiosender betreiben. Also bin ich dort hingefahren, um sie kennenzulernen und habe direkt die ersten drei Stunden Filmaufnahmen gemacht. Ein Jahr später bin ich wieder hingefahren. Diesmal mit der Unterstützung eines Kameramanns. Bei diesem Besuch haben wir auch die partizipative Kameraführung eingeführt.”

Was genau bedeutet das?
Uriona: “Die Teilnehmer haben sich gegenseitig gefilmt. Wir haben sie mit der Technik vertraut gemacht und dann konnten sie selbst Interviews führen und aufnehmen.”

Eine Szene zeigt die Bauern beim Feiern und Tanzen. In den letzten Jahren forderte der Kampf der argentinischen Landlosen wiederholt Tote. Zeichnet der Film ein zu romantisches Bild des Protests?
Uriona: “Ein schwieriges Thema. Einerseits haben sich die Ereignisse, die Sie erwähnen, nach meinem Besuch zugetragen. Ich weiß nicht, ob ich heute noch dieselben Bilder bekommen würde. Andererseits muss man sagen, dass die Kleinbauern trotz aller Schwierigkeiten den Mut nicht verlieren. Die Bewegung ist nicht geprägt von Trauer, sondern von Lebensfreude. Der Film widerlegt das Klischee des bemitleidenswerten “tercer mundista”. Uns geht es nicht um die Frage, wie wir Europäer den unterentwickelten Kleinbauern helfen sollen. Ich will auch nicht den moralischen Zeigefinger erheben, von wegen ‘denen geht es schlecht, weil es uns hier gut geht’. Natürlich gibt es diese Zusammenhänge. Aber die Haltung schafft Fronten. Hier wir reichen Europäer und dort die ausgebeuteten Latinos. Das hilft niemandem. Wir müssen uns auf Augenhöhe begegnen und uns gegenseitig auf Augenhöhe helfen.”

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Mit Mate und “cacerolazos” gegen die Diktatur

Die Pestalozzi-Schule in Buenos Aires feierte den Tag der Deutschen Einheit auf eigene Art

Von Lara Falkenberg

Was kann man als Jugendlicher gegen eine Diktatur tun? Diese Frage stellten sich die Schüler der Pestalozzi-Schule zur Feier der Deutschen Einheit und widmeten diesen Tag vor allem den Jugendlichen, die dem DDR-Regime Widerstand geleistet haben. Am Morgen des 3. Oktobers versammelte sich die Secundaria der deutschen Schule, um gemeinsam den Tag der Deutschen Einheit zu begehen. Der feierliche Anlass diente jedoch nicht nur dazu, sich die Eckdaten der deutschen Geschichte in Erinnerung zu rufen, die Hymne zu hören und sich über Süßigkeiten in schwarz-rot-gold zu freuen. Das Interesse galt insbesondere den Biografien und Taten der Jugendlichen, die sich gegen die Diktatur zu Wehr gesetzt haben. Sei es auf Demonstrationen, mit Flugblättern oder durch Musik.

Angesichts dieser vielfältigen Wege, sich für Veränderung in der Gesellschaft einzusetzen, wurde auch den Schülern die Frage gestellt, was Jugendliche gegen eine Diktatur tun können. Einige würden abwarten und Mate trinken. Andere dachten über den Zusammenschluss zu einer Art Untergrundbewegung nach. Doch die Mehrheit sieht als den besten Weg gegen eine Diktatur denjenigen an, der damals in der DDR im friedlichen Protest eingeschlagen wurde. Natürlich auf die argentinische Art: mit “cacerolazos”. Doch da Widerstand immer auch in die Zukunft blicken muss, stellen die Schüler – zur Freude ihrer Lehrer – auch fest, dass Lärm allein nicht ausreicht. Sondern dass Bildung der Grundstein im Kampf um dauerhafte Freiheit ist.

Die Geschichten von 17 der jungen Widerstandskämpfer kann man bis Schuljahresende in der Ausstellung “Jugendopposition in der DDR” der Robert Havemann Gesellschaft in der Aula der Pestalozzi-Schule (Freire 1882, Belgrano, Buenos Aires) nachlesen.

(Foto: Lara Falkenberg)

“In Freundschaft verbunden”

Deutsche Gemeinschaft in Argentinien feierte Tag der Deutschen Einheit

Von Susanne Franz, Lara Falkenberg und Marcus Christoph


Ein buntes Bild mit vielen jungen Gesichtern: Am Deutschen Brunnen auf der Plaza Alemania in Buenos Aires fand am Mittwochvormittag die Feier der deutsch-argentinischen Gemeinschaft zum 22. Jahrestag der Deutschen Einheit statt. Besonders stark vertreten waren die deutschen Schulen, die ihre Fahnenträger mit den deutschen und argentinischen sowie den Schul-Fahnen und jeweils eine kleine Schülerabordnung geschickt hatten. Auch die Schulvorstände und Direktorinnen und Direktoren waren mit von der Partie.

Mitglieder der deutschen Gemeinschaft in Buenos Aires hatten sich zahlreich eingefunden. Außerdem waren in diesem Jahr besonders viele Abgesandte von diplomatischen Vertretungen anderer Länder in Argentinien anwesend, um Deutschland zu würdigen.

Nach dem Singen der argentinischen und der deutschen Nationalhymne wurden auf der Ehrentribüne der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Bernhard Graf von Waldersee, der stellvertretende Vorsitzende des Dachverbandes der deutsch-argentinischen Gemeinschaften (FAAG), Rudolf Hepe, Honoratioren der deutschen Vereine sowie Vertreter der Stadt Buenos Aires und der Nationalregierung begrüßt – und ganz besonders auch Dr. Roberto T. Alemann, der Direktor des Argentinischen Tageblatts.

Rudolf Hepe hieß in seiner kurzen Ansprache alle herzlich willkommen. Die Feier zum Tag der Deutschen Einheit sei für die deutsche Gemeinschaft in Argentinien ein Zeichen der Zugehörigkeit. “Zwei Millionen Menschen mit deutschen Wurzeln leben hier im Land”, rief Hepe in Erinnerung. Bei den friedlichen Protesten in der ehemaligen DDR riefen die Menschen “Wir sind ein Volk”. Dieses Gemeinschaftsgefühl habe zum Fall der Mauer vor 23 Jahren geführt und dazu, “dass wir alle hier seit 22 Jahren den Tag der Deutschen Einheit feiern”. “Diese Zugehörigkeit lässt sich nicht messen, nur fühlen”, sagte Hepe.

Der deutsche Botschafter Bernhard Graf von Waldersee hob bei seiner Begrüßungsansprache besonders auch die Militärkapelle des Patrizierregiments hervor, die der Veranstaltung einen “so schönen Rahmen” gebe. In sehr gutem Spanisch sprach der neue deutsche Chefdiplomat, der erst seit einem Monat im Lande ist, besonders die zahlreich anwesenden Jugendlichen an. Die Menge der auf dem Platz anwesenden Gäste zeige, wie eng Argentinien und Deutschland miteinander verbunden seien, und die vielen jungen Gesichter gäben Hoffnung, dass diese Verbindung auch in der Zukunft Bestand hat, als “eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft und in Freundschaft verbunden ist”.

Da besonders Begegnung und Verständigung untereinander dazu beitragen, dankte er den Schülern der deutschen Schulen für ihren großen Beitrag zu den deutsch-argentinischen Beziehungen und legte ihnen die Chancen eines binationalen Studiums ans Herz. Denn “es kann keine Freundschaft ohne Austausch geben”.

Anschließend ehrte er gemeinsam mit Adele Späth, der stellvertretenden Schriftführerin der FAAG, die Generation, die diese Freundschaft seit Jahren pflegt. Den Deutschen, die vor 50 oder mehr Jahren nach Argentinien eingewandert sind und sich besonders um die deutsch-argentinische Freundschaft verdient gemacht haben, wurden feierlich Erinnerungs-Urkunden verliehen. Über die Ehrungen freuten sich Sigurd Baldauf-Rümmler, Ursula Jöst, Horst Jung, Ruth Knuth, Peter Knuth, Irmgard Marzik, Heribert Neubrander und Mariana Röske.

Abschluss der bunten Feierlichkeit am Deutschen Brunnen war der wohlgeordnete Abzug der Schülerdelegationen, begleitet von einem Ständchen des Patrizierregiments. Viele posierten noch für Fotos und hielten stolz die argentinische und deutsche Flagge nebeneinander in die Kameras. Die Jugendlichen feiern in diesem Moment mehr als die Einheit Deutschlands: Sie feiern die Zusammengehörigkeit von Deutschland und Argentinien.


Den zweiten Teil der offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Buenos Aires stellte der traditionelle Empfang in der Deutschen Botschaft im Stadtteil Belgrano dar, zu dem Botschafter von Waldersee und seine Gattin Katerina geladen hatten. Rund 800 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Diplomatie, Presse, Militär und gesellschaftlichen Verbänden nahmen die Gelegenheit wahr, um auf dem Gartengelände der deutschen Auslandsvertretung bei kulinarischer Landeskost und leichter Jazzmusik den historischen Tag zu feiern.

Nach dem gemeinsamen Singen der deutschen wie der argentinischen Hymne nutzte Graf von Waldersee die Gelegenheit zu einer kurzen Ansprache. An sein jüngstes Grußwort im Argentinischen Tageblatt anknüpfend, wertete er den 3. Oktober als einen Tag, der für ihn jedes Jahr aufs Neue ein Tag der Freude sei. Im Zeichen von Freiheit und Demokratie sei es vor 22 Jahren gelungen, die staatliche Einheit Deutschlands herzustellen. Dies seien im Übrigen auch Grundwerte, die die Bundesrepublik und Argentinien teilten, so der neue deutsche Chefdiplomat am Río de la Plata.

Fotos:
Oben: Die deutschen Schulen waren auf der Plaza Alemania stark vertreten.
(Foto: Lara Falkenberg)

Mitte links: Botschafter Bernhard Graf von Waldersee und seine Gattin Katerina (li.) begrüßten jeden Gast herzlich.
(Foto: Marcus Christoph)

Mitte rechts: Zu dem schönen Fest in der deutschen Auslandsvertretung in Buenos Aires kamen 800 Gäste.
(Foto: Marcus Christoph)

“Für die Zukunft arbeiten”

Auf dem 10. CAAL wurde auch über deutschsprachige Medien in Südamerika diskutiert

Von Nina Obeloer


Vom vergangenen Donnerstag bis Sonntag fand zum 10. Mal das Treffen der deutsch-österreichisch-schweizerischen Gemeinschaften Lateinamerikas – kurz “CAAL” (Encuentro de Comunidades de Habla Alemana en Latinoamérica) – statt, diesmal in Argentinien. Durch die vom Dachverband der deutsch-argentinischen Gemeinschaft FAAG organisierte Veranstaltung sollten die geschichtlichen Zusammenhänge der gemeinsamen Wurzeln in Europa thematisiert und eine kulturelle Zusammenarbeit aufrechterhalten werden. Vom 20. bis 23. September fanden in Buenos Aires, Olivos, Temperley und Villa Ballester diverse Vorträge und Diskussionen zu kulturellen wie geschichtlichen Themen der Gemeinschaft auf Spanisch, brasilianischem Portugiesisch und Deutsch statt. So berichtete Isabel Kessler beispielsweise über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Wolgadeutschen, Gisela Wachnitz stellte ein Schülerprojekt zur Ahnenforschung in Misiones vor und Dr. Eckhard Kupfer erläuterte geschichtliche Eckdaten zur Immigration von Deutschen nach Sao Paulo.

Begonnen hatte der Kongress mit zwei beachtenswerten Vorträgen von Dr. René Krüger über den “Argentinischen Volksfreund”, der 1895 bis 1960 erschien und nun mit Hilfe des Kulturerhaltungsprogramms des deutschen Auswärtigen Amtes digitalisiert wurde, und die publizistische Arbeit von Pastor Jakob Riffel (1893-1958) in Argentinien. Mit diesen spannenden Ausflügen in die Geschichte deutschsprachiger Publikationen wurde der Prämisse des Kongresses Leben verliehen, die Rudolf Hepe vom Organisationskomitee der FAAG in seinen Begrüßungsworten ausgesprochen hatte: “Wir wollen die Vergangenheit präsent haben, um für die Zukunft arbeiten zu können.”

Der anwesende Bürgermeister von Vicente López, Jorge Macri, lobte die Arbeit der Gemeinschaft und forderte ausdrücklich die Unterstützung des Kulturaustauschs zwischen Argentinien und anderen Ländern. Er halte es für besonders wichtig, “zu wissen, was in Argentinien passiert und was in den anderen Ländern passiert”.

Wachsende Bedeutung des Onlinebereichs

Zum Ende des Donnerstagprogramms galt die Aufmerksamkeit ganz den deutschsprachigen Zeitungen in Südamerika – der “Brasil-Post”, dem “Argentinischen Tageblatt”, dem “Wochenblatt” in Paraguay sowie dem “Cóndor” in Chile. Dr. Eckhard Kupfer von der “Brasil-Post” in Sao Paulo erklärte, dass die Zeitung ein Minderheitenblatt sei und dass es “systematisch abwärts” gehe. Während es laut seiner Aussage 1846 noch 65 deutschsprachige Tageszeitungen in Brasilien gab, seien es heute lediglich noch zwei – eine Wochenzeitung sowie eine, die alle 15 Tage erscheint. Auch sei die Anzeigenakquise schwieriger geworden, da selbst deutschstämmige Unternehmen keine Marketingzukunft in den deutschen Zeitungen sehen.

Dr. Roberto Alemann, der Direktor des “Argentinischen Tageblatts”, blickte auf die lange Geschichte der Zeitung in Argentinien zurück, wo sie im Jahr 1889 gegründet wurde. Seitdem erlebte sie viele Höhen und Tiefen: Aufgrund der ablehnenden Haltung gegenüber der im Großteil Europas herrschenden Monarchie erlebte sie einen Anzeigenboykott. Als die Zeitung gegenüber dem Nationalsozialismus in Deutschland eine klare Oppositionshaltung einnahm, folgten ein Brandanschlag auf die Druckerei sowie Angriffe auf Redakteure. Nach Kriegsende erreichte das Blatt jedoch viele neue Leser. Auch unter der Regierung von Juan Domingo Perón wurde das “Argentinische Tageblatt” kritisch betrachtet und wurde sogar für zwei Monate verboten. Seit der technischen Revolution mit Computern und Offsetdruck wurde der Mitarbeiterstab stark abgebaut. Seit 1998 ist der argentinische Teil der Zeitung auch im Internet abrufbar, wo ihn mehrere tausend Besucher – die meisten im deutschsprachigen Raum Europas – lesen. In diesem Jahr erhielt die Zeitung den Medienpreis der deutschen Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland.

“Das Wochenblatt” in Paraguay, für das Jan Päßler als Vertreter angereist war, existiert erst seit drei Jahren. Die Online-Zeitung entstand fast zeitgleich mit der Einstellung der “Aktuellen Rundschau” in Paraguay. Es informiert Leser, die kein Spanisch können oder nicht spanischsprachige Medien Wort für Wort übersetzen möchten, über Kultur, Politik und Geschichte. Der “Cóndor” in Chile wurde von Ralph Delaval vorgestellt: Die Zeitung entstand 1916 aus der Verschmelzung verschiedener kleinerer Blätter. Heute gibt es auch eine Online-Version.

Dann richtete sich der Blick in Richtung Zukunft der deutschsprachigen Medien in Südamerika. Auf die Frage, wie diese aussehe, erläuterte Dr. Roberto Alemann das grundlegende Problem des Leserschwunds, mit dem alle Zeitungen zu kämpfen haben: “Junge Leute, die die deutsche Sprache beherrschen, lesen keine Zeitung mehr.” Aufgrund dessen waren sich alle Experten einig: Die Onlineausgaben werden eine wachsende Bedeutung erhalten. Dr. Eckhard Kupfer schrieb den virtuellen Versionen vor allem in Brasilien aufgrund der Größe des Landes hohe Wichtigkeit zu, da so neue Abonnenten und Leser erschlossen werden könnten. Denn durch die langen Wege könne die gedruckte Zeitung nicht alle Regionen so schnell erreichen, wie die Informationen aktuell seien. Er fügte auch hinzu, dass eine Wochenzeitung nur überleben könne, wenn sie in die Tiefe gehe und analysiere.

Auf die letzte Frage, ob eine Zusammenarbeit der verschiedenen deutschsprachigen Medien in Südamerika denkbar sei, zeigten sich die anwesenden Vertreter durchweg offen und äußerten, dass sie sich eine Kollaboration, zum Beispiel in Form von Artikelaustauschen mit den jeweils anderen Zeitungen gut vorstellen könnten. Dabei müsse jedoch darauf geachtet werden, dass die Themen auch für den Leserkreis in den entsprechenden Regionen relevant seien.

Der Kongress wurde am Freitagmorgen im Stadtparlament offiziell eröffnet, ging am Samstag in Temperley weiter und klang am Sonntag in Villa Ballester aus. Das elfte CAAL-Treffen wird im kommenden Jahr in Sao Paulo stattfinden.

Bild:
Die Vertreter der Zeitungen (v.l.n.r.) Dr. Eckhard Kupfer, Dr. Roberto T. Alemann, Jan Päßler sowie Ralph Delaval, und der Moderator (stehend) Manfred Grashof.
(Foto: Nina Obeloer)

“Austausch im Geist der Freundschaft”

10. Treffen der deutschsprachigen Gemeinschaften in Lateinamerika

Von Marcus Christoph

Trachten, Fahnen und Musik – farbenfroh ging es zu bei der offiziellen Eröffnung des 10. Treffens der deutschsprachigen Gemeinschaften in Lateinamerika (CAAL), die gestern Vormittag im Stadtparlament von Buenos Aires gefeiert wurde. Gäste aus Brasilien, Uruguay, Chile, Peru und Paraguay konnte Rudolf Hepe, der Vizepräsident des Verbandes der deutsch-argentinischen Vereinigungen (FAAG), im repräsentativen “Salón San Martín” begrüßen. Dabei brachte er seinen Wunsch zum Ausdruck, dass die insgesamt viertägige Veranstaltung zu einem “kulturellen Austausch im Geist der Freundschaft” werde.

Als erster Festredner ergriff Stadtparlamentarier Daniel Presti das Wort. Der Politiker der Pro-Partei hob den großen Einfluss deutschsprachiger Einwanderer in Argentinien hervor. An Deutschland lobte er Stärke, Mut und Einigkeit. Daran könne man sich auch in Argentinien ein Beispiel nehmen, seine internen Differenzen zurückzustellen und gemeinsam das Land voranzubringen.

Die Kongressabgeordnete Cornelia Schmidt-Liermann, die selbst deutschstämmig ist, betonte die Wichtigkeit, die deutsche Sprache und Kultur zu pflegen und an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Aus eigener Erfahrung wisse sie, dass man sich als junger Mensch seiner Wurzeln nicht immer ausreichend bewusst sei.

Der deutsche Gesandte Dr. Klaus Schmidt lobte den Beitrag des CAAL-Treffens für die Pflege und den Erhalt der deutschen Sprache und Kultur. Schmidt sprach von der “besonderen Herausforderung”, auch junge Leute dafür zu gewinnen. Hierbei spielten die hiesigen deutschsprachigen Schulen eine Schlüsselrolle, so der Gesandte, der den erkrankten neuen Botschafter Bernhard Graf von Waldersee vertrat.

Österreichs Botschafter Dr. Robert Zischg bezeichnete die Veranstaltung zunächst als “wunderbare Gelegenheit, die Hemmschwelle zwischen Botschaften und den Landsleuten zu überbrücken”. Jene seien “offene Häuser”, bei denen es nicht nur um bürokratische Angelegenheiten gehe, sondern um Service für den Bürger. Zischg meinte, dass es zuweilen schwierig sei, im Ausland die deutsche Sprache an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Die Sprache sei aber eminent wichtig, denn hinter ihr stehe auch die jeweilige Tradition, die mit ihr verbunden sei. Treffen von Auslandsdeutschen würden einen “wunderbaren Blick in unsere Vergangenheit” erlauben. Schließlich würden hier Lieder, Tänze und sonstiges Brauchtum mitunter viel traditioneller gepflegt als in Europa.

Die Bedeutung der Sprache hob auch der Schweizer Botschafter Johannes Matyassy hervor: Hinter jeder Sprache stehe eine eigene Kultur. Es gehe also um weit mehr als nur Grammatik. Es sei für das Leben der Gemeinschaften essenziell wichtig, dass die Sprache weitergegeben werde. In diesem Zusammenhang lobte Matyassy auch das Argentinische Tageblatt. Dessen 123-jähriges Bestehen zeige, dass der Bedarf immer noch groß sei, sich in der Muttersprache zu informieren.

Die CAAL-Treffen finden jedes Jahr statt. Der Austragungsort wechselt. Im Rahmen der aktuellen Zusammenkunft hatte es am Donnerstag in Olivos bereits erste Vorträge und Diskussionsrunden gegeben. Am Wochenende stehen dann Veranstaltungen in Temperley und Villa Ballester an. Informationen dazu sind auf der Webseite des Verbandes der Deutsch-Argentinischen Gemeinschaften FAAG zu finden.

Aus dem Bild (v.l.n.r.): Cornelia Schmidt-Liermann, Dr. Robert Zischg, Daniel Presti, Rudolf Hepe, Dr. Klaus Schmidt und Johannes Matyassy.
(Foto: Marcus Christoph)

Schönheit und Nachhaltigkeit

Kunst und Architektur verschmelzen zu “Artquitectura”

Von Nina Obeloer

“ECOSuiza”, die Austauschplattform, die von der Schweizer Botschaft und der Schweizer-Argentinischen Handelskammer organisiert wurde, widmete sich dieses Jahr dem Thema “Nachhaltige Architektur und Bauweise”. Dementsprechend kümmerte man sich auch um die Schnittpunkte von Architektur und Kunst: Unter dem Namen “Artquitectura” wurde die Kooperation des Architekturbüros Richter Dahl Rocha, das über Standorte in Buenos Aires sowie in Lausanne verfügt, mit der Schweizer Künstlerin Catherine Boll präsentiert.

Bei einem der vorgestellten Projekte handelt es sich um die Konzeption des Foyers des Schweizer Tech-Convention Zentrums der Polytechnischen Schule in Lausanne. Hier wurden bei der Planung bunt getönte Farbpanele, die Solarenergie empfangen, in die Glasfront des Gebäudes integriert. Somit werden neuartige Technologien mit einer unkonventionellen Architektur kombiniert und durch künstlerisch hoch anspruchsvolle Ideen ergänzt – denn durch die Farben werden verschiedene Atmosphären im Inneren des Gebäudes erzeugt, die jeweils vom Lichteinfall beziehungsweise von der Tageszeit abhängen.

Der Schweizer Botschafter Johannes Matyassy fasste die Botschaft, die hinter “Artquitectura” steht, wie folgt zusammen: “Schönheit von Architektur und nachhaltige Konstruktion müssen kein Widerspruch sein.”

Deutsche Sprache und Kultur in Lateinamerika

10. Treffen der deutschsprachigen Gemeinschaften CAAL

Von Susanne Franz

Argentinien ist in diesem Jahr das Land, das das Treffen der deutschsprachigen Gemeinschaften Lateinamerikas ausrichtet: Das X. CAAL (Encuentro de Comunidades de Habla Alemana en Latinoamérica) findet vom 20. bis 23. September in Olivos, der Hauptstadt Buenos Aires, Temperley und Villa Ballester statt. Das Treffen, das im Jahr 2003 von Don Pietro Sandri Poli in Montevideo ins Leben gerufen wurde, wird vom Dachverband der deutsch-argentinischen Gemeinschaften FAAG organisiert.

Im Neuen Deutschen Turnverein in Olivos (Alberdi 1865) ist am Donnerstag – vor der offiziellen Eröffnung am Freitagmorgen – schon volles Programm. Nachdem sich die Teilnehmer akkreditiert haben, werden sie um 10 Uhr von Dr. Peter Spielberg vom NDT, Rudolf Hepe vom Organisationskomitee und Vicente López-Bürgermeister Jorge Macri begrüßt. Bei dem ersten Vortrag um 10.10 Uhr handelt es sich um einen Bericht über die Digitalisierung des “Argentinischen Volksfreunds” (Dr. René Krüger). Im Anschluss referiert Herr Altair Reinher über die Pionierarbeit zweier deutscher Mediziner in Gemeinschaften im brasilianischen Landesinneren. Frau Leonor Kuhn spricht über das Unterrichten der deutschen Sprache in Misiones. Der zweite Vortragsblock beginnt nach der Kaffeepause um 11.20 Uhr. Hier gibt Raúl Puls Einblick in die Bedeutung deutscher Nachnamen, Jorge W. Globig referiert über deutschstämmige Staatschefs in Lateinamerika, Marcelo Godoy über kulturelle Kooperationen innerhalb Lateinamerika und Regula Rohland über das von ihr ins Leben gerufene Dokumentationszentrum für Spuren deutschsprachiger Einwanderung.

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Nachhaltige Architektur und Bauweise

“ECOSuiza” ruft zum Dialog zwischen der Schweiz und Argentinien auf

Von Nina Obeloer


Vom 17. bis zum 22. September findet in Argentinien die Konferenz “ECOSuiza” zum Thema “Nachhaltige Architektur und Bauweise” statt. Dabei handelt es sich um einen Austausch zwischen der Schweiz und Argentinien auf diesem Gebiet. Beginn der Konferenz ist in Córdoba am 17. September, in Rosario geht es an den beiden Folgetagen weiter. In Buenos Aires sind vom 20. bis 22. September weitere Tagungspunkte geplant.

Die Schweiz ist laut Nation Branding Index führend in Bezug auf Umweltfreundlichkeit und -rücksicht, jedoch ist das Land sehr klein und hat kaum Bodenschätze. Argentinien ist in dieser Hinsicht anders: Das Land hat ein Vielfaches an Einwohnern und eine riesige Fläche, so dass es über verschiedene Klimazonen verfügt, was für die Gewinnung und Verwendung von erneuerbaren Energien interessant sein könnte.

Bei der Tagung “ECOSuiza” soll ein Austausch der Kenntnisstände der Länder stattfinden. Erfahrungen und Lösungen in Bezug auf Architektur und Gebäudekonstruktionen, die an Nachhaltigkeit orientiert sind, sollen diskutiert werden. Dieser Austausch wird in Form von Ausstellungen, Workshops sowie Diskussionspanels stattfinden. Dazu werden diverse Experten sowohl aus der Schweiz als auch aus Argentinien bei dem Event dabei sein, darunter der Schweizer Architekt Arno Schlüter sowie der argentinische Elektroingenieur Carlos Bondoni. Zudem soll ein Netzwerk aufgebaut werden, das Unternehmen, Universitäten und den Finanzsektor näher zusammenbringt. Auf diese Weise sollen Impulse aus bestimmten Bereichen an andere Sektoren weitergegeben werden.

Dieter Cavalleri, stellvertretender Botschafter der Schweiz in Argentinien, formulierte das Hauptziel von “ECOSuiza”: Themen wie Ökologie, erneuerbare Energien und nachhaltige Entwicklung soll in Zukunft mehr Beachtung geschenkt werden. Man müsse schon kleinen Kindern Respekt für die Umwelt und ein nachhaltiges Denken beibringen. Cavalleri erklärte, dass umweltfreundliche Bauweisen wie beispielsweise doppelt verglaste Fenster zuerst zwar etwas teurer seien als die einfache Variante, diese Mehrkosten im Endeffekt aber durch geringere Heizkosten wieder ausgeglichen würden. Hinzu komme, dass eine nachhaltige Architektur und Bauweise für die Umwelt zuletzt am billigsten sei, weshalb es unvermeidbar sei, auf lange Sicht zu denken und dieses Thema zukünftig auf die Agenda zu setzen.

Denkbare Themen der Veranstaltung für die kommenden Jahre sind unter anderem Wassertechnologie, nachhaltige Städte sowie Müll-Recycling.