Verblendeter Zusammenhang

Pollesch-Stück wurde in Argentinien wohlwollend aufgenommen

Von Susanne Franz

Es beginnt fulminant mit einem (Fast-)Striptease: Fabian Hinrichs betritt die Bühne und schmeißt erst seine Schuhe und Socken, dann die Jeans und das T-Shirt ins Publikum. Ein bisschen tanzt er dann, singt, haut auf ein Schlagzeug und klimpert auf der Gitarre, spielt Ping-Pong mit einem Statisten, wirft später Reclam-Heftchen ins Volk, besprüht sich mit rotem und grünem Spray, zieht mal was an, mal wieder was aus. Dabei spricht er Texte und Textfetzen, die er auf eine seltsame Art und Weise deklamiert, sie mit Gesten und Mimik unterstreicht, als wolle er sie für Dumme oder kleine Kinder verständlich machen. Am vergangenen Wochenende wurde im Teatro Alvear als zweiter deutscher Beitrag zum Internationalen Theaterfestival das Ein-Personenstück “Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!” des deutschen Dramatikers René Pollesch aufgeführt, ein Werk, das der Autor im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Fabian Hinrichs erarbeitet hat. Das Stück ist eine Produktion der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

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Hamlet mit Tourette

Riesenerfolg der Berliner Schaubühne in Buenos Aires

Von Susanne Franz

Er spuckt, schreit und stößt Obszönitäten aus, dann spricht er wieder normal, ja gemessen: Der “Hamlet” aus der Feder Marius von Mayenburgs, angelehnt an Shakespeares Meisterwerk, den die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz am vergangenen Wochenende im Teatro San Martín als Gastspiel auf die Bühne brachte, scheint am Tourette-Syndrom zu leiden. Fast drei Stunden lang gibt der Schauspieler Lars Eidinger in der Titelrolle eine großartige, unvergessliche Interpretation des zerrissenen, schwermütigen bis tollwütigen Prinzen von Dänemark und reicht dabei an eine Klasse heran, die man zuvor vielleicht höchstens bei Martin Wuttke erleben konnte, der ebenfalls mehrmals in Buenos Aires im Rahmen des Internationalen Theaterfestivals auftrat.

Aber auch die anderen Schauspieler, vier Männer und eine Frau, die die 20 Rollen des Stückes spielen, sind grandios, am Ende werden alle von den Zuschauern mit stehendem, donnerndem Applaus gefeiert.

Auch danach noch ein Leckerbissen: Schaubühne-Direktor Thomas Ostermeier und Lars Eidinger stellen sich in einem 45-minütigen, von Rafael Spregelburd geleiteten Gespräch dem Publikum vor. Dabei spricht Eidinger über seinen Umgang mit dem Star-Status, den ihm die Rolle eingebracht hat (das Ensemble spielte den “Hamlet” erstmals 2008), und Ostermeier reflektiert über den Erfolg und die soziale und politische Verantwortung seines Theaters.

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Zweimal Deutschland beim FIBA

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Stücke von Pollesch und Ostermeier in Buenos Aires

Von Susanne Franz

Mit der Unterstützung des Goethe-Instituts Buenos Aires werden zwei deutsche Produktionen im Rahmen des VIII. Internationalen Theaterfestivals von Buenos Aires, das vom 24. September bis zum 8. Oktober stattfindet, gezeigt: “Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!” von René Pollesch, Volksbühne/Berlin (Foto), und “Hamlet” von Thomas Ostermeier, Schaubühne am Lehniner Platz/Berlin. Der Vorverkauf startet am morgigen 1. September. Infos auf der Webseite des Festivals.

Alemania en el FIBA

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Obras de René Pollesch y Thomas Ostermeier en Buenos Aires

Con el auspicio del Goethe-Institut y la Embajada de Alemania, Alemania renueva su presencia en el Festival Internacional de Buenos Aires con dos producciones de las compañías más prestigiosas del país: “¡Te estoy mirando a los ojos, contexto social de ofuscación!” (Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!) de René Pollesch, Volksbühne/Berlín (Foto), y “Hamlet”, de Thomas Ostermeier, Schaubühne am Lehniner Platz/Berlín.

Entradas por internet o personalmente en la Casa de la Cultura (Av. de Mayo 575) de lunes a viernes de 11 a 19 h, y en el Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530), en el mismo horario, todos los días (incluso fines de semana).

Lebensbejahendes Theater-Fest

Elsa Agras’ “Ballet 40/90” mit neuem Programm

Von Susanne Franz

Auf dem Boden der verdunkelten Bühne liegen regungslos einige Frauen, während sich der Saal des Vorstadttheaters “Garrick” mit erwartungsvollem Premierenpublikum füllt. Nachdem alle Platz genommen haben und das Geraune verstummt ist, geht es los: Die Damen erheben sich, gähnen, strecken sich wie Katzen, gehen in ein imaginäres Bad und spritzen sich Wasser ins Gesicht, frühstücken, schlüpfen in den Mantel und gehen zur Tür hinaus. Die Pantomime geht weiter, sie steigen in einen Bus oder eine U-Bahn, jede fährt bis an ihre Haltestelle, dann steigen sie aus und gehen zur Arbeit.

Die “Arbeit” ist an diesem Abend eine bunte, abwechslungsreiche, schwungvolle Bühnenshow, mit der über 50 Tänzerinnen zwischen 40 und 90 Jahren das Publikum begeistern und bestens unterhalten. In kleinen Sets werden ohne Unterbrechung fast 1 ½ Stunden lang wechselnde Choreografien – sei es Kabarett oder Cumbia, Tango oder Tap Dance – geboten, jede einzelne bis ins letzte liebevoll selbstgenähte Detail am Kostüm exakt ausgearbeitet und mit Enthusiasmus und Grazie vorgeführt.

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Fragen über Fragen

“Quizoola!” der britischen Gruppe “Forced Entertainment”

Von Susanne Franz

“Was ist Deine schönste Erinnerung?” – “Wenn Dir ein Auge ausgerissen werden müsste und Du könntest Dich für eines entscheiden, welches Auge würdest Du wählen?” – “Wie funktioniert Elektrizität?” – “Wie heißt das letzte Kind, das Madonna adoptiert hat?” – “Liebst Du mich noch?” Das Theaterstück “Quizoola!” der britischen Gruppe “Forced Entertainment” basiert auf einem Katalog aus 2000 Fragen, von philosophischen bis zu ganz banalen, die Ensemble-Chef Tim Etchells zusammengestellt hat. Zwei Darsteller sitzen in einem Kreis aus Glühbirnen, die diese kleine “Bühne” spärlich beleuchten. Ihre Gesichter sind mit Clownschminke gleich gemacht. Sie wechseln sich ab: Wenn der Befragte ermüdet, übernimmt er den weniger anstrengenden Part des Befragers. Immer hält sich auch ein weiteres Ensemble-Mitglied bereit, eine/n der Mitspieler/innen ganz abzulösen.

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Der Mann hinter den Kulissen

“Panorama Sur”-Organisator Joachim Gerstmeier auf Kurzbesuch in Buenos Aires

Von Susanne Franz

Vom 18. Juli bis 12. August fand in Buenos Aires ein für Lateinamerika außergewöhnliches Großereignis statt: die zweite von der Siemens Stiftung organisierte Theaterakademie “Panorama Sur”. Dabei vermittelten bedeutende Theaterleute aus der ganzen Welt ihr Wissen in Workshops und Meisterklassen und reisten mit ihren Ensembles an, um auch anhand ihrer Stücke einen Einblick in ihre Arbeitsweisen zu ermöglichen. Mit von der Partie waren u.a. der renommierte deutsche Tanzkritiker und Universitätsprofessor Gerald Siegmund, Tim Etchells und seine weltweit bekannte britische Theatergruppe “Forced Entertainment”, die zum ersten Mal in Argentinien auftrat, sowie der libanesische Theatermacher Rabih Mroué. Von argentinischer Seite leisteten unter anderen Alejandro Tantanián und Cynthia Edul als Mit-Organisatoren sowie Mariano Pensotti und Javier Daulte, die Meisterklassen erteilten, ihren Beitrag.

“Wegen der Gastspiele glauben viele, es handele sich um ein Festival”, erklärt “Panorama Sur”-Organisator Joachim Gerstmeier die Schwierigkeit, das Modell “Theaterakademie” in Lateinamerika zu vermitteln. “Das Format Sommer- bzw. Winterakademie ist in Europa selbstverständlich als Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahme.” Hier könnten junge Regisseure Arbeitsweisen auf eine Art kennenlernen, die in der Schule nicht möglich sei. Unter den Künstlern und Theoretikern würden darüber hinaus Beziehungen geknüpft, es entstünden Zusammenarbeiten, und die neuen Netzwerke wirkten in die jeweiligen Arbeitsbereiche der Teilnehmer hinein.

Gerstmeier, der im Bereich Kunst und Kultur der gemeinnützigen Siemens Stiftung für Theater und Tanz zuständig ist, hielt sich vorige Woche einige Tage in Buenos Aires und Chile auf und fand Zeit für ein Interview.

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Herzliche Theateraufführung

“SUM SUM” von Laura de Weck im Teatro La Tertulia

Von Charlotte Dötig

“Hello, ich bin Selina. Hello”, sagt sie in ihrem gebrochenen Englisch, die Hände in ihr rosa Kleidchen verwurschtelt, die Beine überkreuzt, hin und her wackelnd und lacht Urs-Peter mit leicht vorgestrecktem Kopf entgegen. “I am Selina.” Die erste und einzige Lektion, die das kindlich wirkende Mädchen mit ihrem Audiolehrbuch gelernt hatte. Doch wer hatte ihm das Gedicht geschrieben, das ihn ans andere Ende der Welt gelockt hatte, in ein Land, das mit dem seinigen nicht zu vergleichen war, in dem es Gepflogenheiten gab, die er nur aus dem Reiseführer kannte und in dem er erwarten musste, dass er an jeder Ecke ausgeraubt wird? Dafür kommt nur ein Individuum in Frage, Selinas Schwester. Die Frau mit dem heftigen Augenaufschlag, der Stimme, die niemals unter der Tonlage des hohen C lag, die täglich eine ganze Packung Make-up verbrauchte und deren aggressive Freundlichkeit einen in Angst und Schrecken versetzen konnte. Doch Selina und ihre Schwester sind nicht allein, als sie den nervenschwachen Urs-Peter empfangen. Ein verstockter Pfarrer begleitet sie. Urs-Peter gerät in Panik.

“SUM SUM” ist das hinreißende Theaterstück der Schweizerin Laura de Weck, das die Realität am Rande des Wahnsinns widerspiegelt, die Schwierigkeit, die entsteht, wenn Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen aufeinandertreffen und keine Kommunikationsbasis haben. Die charakterstarken Figuren, gespielt von Schauspielern, die die Verrücktheit jeder Persönlichkeit ausleben, machen das Theaterstück zu einem Vergnügen.

Als Urs-Peter und Selina Zeit bekommen, sich ein bisschen kennenzulernen, finden sie eine Kommunikationsebene: “Sum Sum … pieks”, sind die Worte, mit denen sie alles auszudrücken wissen. Es gibt Hoffnung, es könnte sie vor einem dramatischen “Sum Sum good bye” bewahren.

  • “SUM SUM”
  • Autorin: Laura de Weck
  • Übersetzung und Regie: Laura Brauer
  • Freitags 20.45 Uhr
  • La Tertulia, Gallo 826
  • Tel.: 6327-0303

Ein kurzes Stück über das Töten

“Cómo estar juntos” im Camarín de las Musas

Von Anna Weber

Im Grunde geht es ja darum, zusammen zu sein. Sich zu lieben. Die Leere zu füllen. Und schließlich dort zu verharren, in diesem perfekten Moment der Stille und Gemeinsamkeit.

Es gibt sie, diese perfekten Momente, im Stück “Cómo estar juntos” von Diego Manso. Da ist eine Mutter, die ihrer Tochter über das Haar streicht, und sie erinnern sich, wie es früher war, im Exil in Spanien, an das feine Haar des Mädchens, wie da Schaum in die Augen geriet, wenn es gewaschen wurde.

Aber dann fallen sie zurück in die Realität: Sie sind wieder in Argentinien. Der Vater ist tot. Die Mutter (Marta Lubos) hat Krebs. Noch drei Monate. Höchstens. Die Tochter (María Inés Sancerni) ist geistig behindert, benötigt die Hilfe der Mutter, um zur Toilette zu gehen. Und seit die Tochter nun eine Katze hat, spricht sie nicht mehr mit der Mutter.

Wie also soll man zusammen sein? Wie soll man die Momente der Gemeinsamkeit in einen Zustand ausweiten, wenn doch der Tod sogar im eigenen Körper lauert? Mit Arsen, erklärt die Nachbarin La López (Silvia Baylé), die ebenfalls am Küchentisch sitzt. Sie besitzt ein Fläschchen “für alle Fälle”, und die Katze muss weg, das ist klar. Die Liebe sei ein legitimes Motiv, um zu töten, erklärt La López. Und so stirbt zuerst die Katze. Nur hilft dies nicht. Also macht man sich daran, die Zeit zu töten, isst Katzenfutter, baut Legoburgen und schmiedet Pläne, die nicht gut gehen können. Nur ist die Zeit, abgesehen von der Liebe, das einzige, was sich nicht totkriegen lässt. Sie läuft unerbittlich auf das Ende zu, bis da roher Schmerz und nackte Wahrheit auf dem Küchentisch liegen.

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“Panorama Sur”: Gastspiele

Aufführungen im Rahmen von “Panorama Sur”

Die britische Theatergruppe Forced Entertainment, deren Arbeiten seit 25 Jahren das innovative Theaterschaffen in Europa maßgeblich beeinflusst haben, wird zum ersten Mal in Buenos Aires auftreten. Ihr Stück “Void Story” verfolgt zwei Protagonisten auf einer Achterbahnfahrt durch verwahrloste Stadtlandschaften und verbleibende Überreste der Gegenwartskultur. Präsentiert in Form von graphischen Animationen mit einer Art Live-Hörspiel erinnert das Stück an ein Computerspiel, bei dem es kein Entkommen gibt – trifft aber gleichzeitig die Urangst, von einer Sekunde auf die nächste aus dem gewohnten Leben geworfen zu werden.

  • “Void Story”, Donnerstag, 11. August, 18.30 und 22.30 Uhr. Ciudad Cultural Konex, Sarmiento 3131, Eintritt $ 80

Wie in “Void Story” dreht sich auch die Arbeit des libanesischen Theatermachers Rabih Mroué, der zwei Stücke nach Buenos Aires bringt, um die Leerstellen der Gesellschaft. Mroué geht dabei vom Alltag in seinem eigenen durch Krisen und Kriege zerstörten Land aus. In “Make me Stop Smoking” rekonstruiert er diese heterogene Alltagslandschaft im Libanon durch unzählige Videos, Fotos, Zeitungsausschnitte und Augenzeugenberichte und fragt nach der Beweiskraft der archivierten Dokumente ebenso wie nach der Stichhaltigkeit der rekonstruierten “Realität”.

  • “Make me Stop Smoking”, Mittwoch, 3. August, 21 Uhr. Centro Cultural de la Cooperación, Corrientes 1543, Eintritt $ 70

Mroués zweites Stück, “The Inhabitants of Images”, ist eine spielerische Analyse des politischen und ideologischen Gebrauchs und Missbrauchs von Bildern. Der Libanese ist einer der bedeutendsten Künstler aus der Region und kultiviert mit seinen “Lecture Performances” eine Theaterform, die auf die Tradition der Geschichtenerzähler auf arabischen Märkten zurückgeht – vielleicht die älteste Form des medialen Gedankenaustauschs.

  • “The Inhabitants of Images”, Donnerstag, 4. August, 21 Uhr. Centro Cultural de la Cooperación, Corrientes 1543, Eintritt $ 70

Ein ungewöhnliches Format zeigen zum Abschluss der Gastspielreihe Tim Etchells und Forced Entertainment mit “Quizoola!”. Die sechsstündige Aufführung, bei der das Publikum kommen und gehen darf, wie es möchte, ist kein Stück im herkömmlichen Sinne. Es ist ein Spiel aus Fragen und Antworten zwischen Live-Performance und Verhör. Die Darsteller wählen aus 2000 Fragen aus – von Wissens- über persönliche bis hin zu banalen Fragen. “Es geht um die Fähigkeit, man selbst zu sein, sich zu entblößen, menschlich und vertraulich zu bleiben, jedoch zur selben Zeit die Performance nicht zu vergessen…”, wie der Autor Etchells kommentiert.

  • “Quizoola!”, Freitag, 12. August, 19 Uhr. La Carpintería, Jean Jaures 858, Eintritt $ 100, Englisch ohne Untertitel

Weitere Informationen unter auf der Webseite der Veranstaltung.

Foto:
Szene aus “Void Story”.

“Panorama Sur”: Deutscher Besuch

Deutscher Theaterkritiker Prof. Gerald Siegmund in Buenos Aires

Von Susanne Franz

Im Rahmen der Theaterakademie “Panorama Sur” (18.7.-12.8.) hielt der deutsche Tanz- und Performance-Kritiker Prof. Dr. Gerald Siegmund von der Justus Liebig-Universität Gießen, der mit der Unterstützung des Goethe-Institut in Buenos Aires weilt, am Mittwoch im Malba den Vortrag “In die Geschichte eintreten – Strategien des Erinnerns im deutschen Theater der Gegenwart”. Es war die zweite Meisterklasse im Rahmen des Theatertreffens, das am Montag mit einem Vortrag des argentinischen Dramaturgen Javier Daulte begonnen hatte.

Die von der Siemens Stiftung und der Asociación para el Teatro Latinoamericano/THE organisierte Veranstaltung “Panorama Sur” findet zum zweiten Mal statt und besteht aus Workshops, Meisterklassen und Aufführungen internationaler Theatergrößen. Die Meisterklassen im Malba werden am Montag, dem 25. Juli, um 18.30 Uhr, mit den argentinischen Autoren/Regisseuren Mariano Pensotti und Matías Feldman fortgesetzt. Am Mittwoch, dem 27. Juli, um 17 Uhr, spricht der Portugiese João Fiadeiro. Weitere Klassen finden am 1., 3., 8. und 10. August statt (Kostenpunkt 50 Pesos pro Meisterklasse, $160 für vier; Veranstaltungsort ist jeweils das Malba, Av. Figueroa Alcorta 3415).

Prof. Siegmund entwickelte für seine Zuhörer am Beispiel von drei Inszenierungen die These, dass eine Jetztzeit des Erinnerns im Theater unmöglich sei, egal, ob die Bühne als Institution aufrechterhalten oder durch andere Orte ersetzt werde, wie in seinem ersten Beispiel, der Aufführung “Call Cutta” von Rimini Projekt aus dem Jahr 2005, die in einer Stadtführung durch Berlin bestand, in deren Rahmen die Teilnehmenden (die “Zuschauer”) per Kopfhörer von Call Center-Agenten in Kalkutta durch die Stadt geführt wurden – eine Stadt, die die besagten Agenten selbst nie gesehen hatten. Dabei erzählten die Agenten die Geschichte eines indischen Nationalisten, der einst mit Hitlers Hilfe eine Armee gegen sein eigenes Land zusammenstellte – eine wahre Geschichte, die jedoch so unglaubwürdig klingt, dass die Zuschauer ständig an ihrem Wahrheitsgehalt zweifeln. Auch die Geschichte Berlins während des 2. Weltkriegs fließt als Ebene in die Inszenierung ein. Durch diese Elemente werde der Teilnehmende ständig “in der Schwebe gehalten”, so Prof. Siegmund.

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