Alfredo Jaars jüngste Projekte

Vortrag am Donnerstag im “Parque de la Memoria”

Von Charlotte Dötig

Interessanter Besuch eines Künstlers und Kämpfers für die Menschenrechte: Am Donnerstag, dem 14. Juli, wird um 18.30 Uhr der in New York lebende chilenische Künstler Alfredo Jaar einen Vortrag mit dem Titel: “Es difícil. Proyectos recientes” im “Parque de la Memoria – Monumento a las Víctimas del Terrorismo de Estado” (Av. Costanera Norte Rafael Obligado 6745) halten. Seine Werke verbinden die zentralen Themen Kunst, Politik, Erinnerung und Gegenwart, die auch den “Parque” prägen. Die audiovisuelle Präsentation seiner Interventionen im öffentlichen Raum überall auf der Welt ist ein Ereignis an sich. Ein in künstlerischer wie politischer Hinsicht wichtiger Moment, den man nicht verpassen sollte.

21. Kinder- und Jugendbuchmesse

“Aires de Buenos Libros” bis Ende Juli

Von Susanne Franz

Eine Woche vor Beginn der Winterferien wurde am 11. Juli die 21. “Feria del Libro Infantil y Juvenil” eröffnet, die bis zum 30. Juli unter dem Motto “Aires de Buenos Libros” im Messegelände “Centro de Exposiciones de la Ciudad de Buenos Aires”, Figueroa Alcorta/Pueyrredón junge Leser anlockt. Öffnungzeiten sind montags bis freitags ab 11 Uhr, samstags und sonntags ab 14 Uhr, jeweils bis 20 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 20 Pesos für Erwachsene; freien Eintritt haben unter 18-Jährige, Rentner, die ein Kind/Kinder begleiten, sowie Lehrer. Weitere Infos auf der Webseite der Messe.

Miniaturfiguren und graue Landschaften

Carlos Gallardos letzte Werke in der Galerie Rubbers

Von Jasmin Müller

Am Dienstagabend kamen rund 120 Besucher in die Galería Rubbers Internacional in Buenos Aires, um sich die letzten Werke des argentinischen Künstlers Carlos Gallardo anzusehen. Unter dem Namen “Destiempos” sind insgesamt 28 Arbeiten Gallardos ausgestellt, die er in den Jahren 2007 und 2008 anfertigte. Vor zweieinhalb Jahren kam Gallardo bei einem tragischen Autounfall ums Leben.

Von Schwarzweiß-Fotografien bis hin zu Installationen probierte Gallardo zu Lebzeiten viel aus. Die vielen unterschiedlichen Werke der Ausstellung lassen erkennen, dass der Argentinier ein sehr facettenreicher Künstler war. Seine Vielfältigkeit zeigte sich auch darin, dass er zusätzlich noch als Bühnen- und Kostümbildner des Balletts des San Martín-Theaters tätig war. Dort arbeitete er zusammen mit seinem Lebenspartner, dem Ballettchef Mauricio Wainrot.

Abgesehen von einer Installation sind in der Galerie hauptsächlich Fotografien zu sehen. Die Hauptthemen, die in Gallardos Werken mitklingen, sind vor allem “Zeit” und “Erinnerung”. Es scheint ein wenig so, als habe er bereits eine Art Vorahnung gehabt. Kalender und Uhren, die hauptsächlich in der Serie “Destiempos” zu sehen sind, erinnern einen daran, dass alles vergänglich ist. In einigen Fotografien gucken Miniaturfiguren aus den kleinen Kästchen eines Holzkalenders. Ein anderes Bild zeigt ein Männchen, das auf einem Haufen kleiner Metallzahnräder steht. Die Figur trägt Mantel und Anzug, sie hat einen Hut auf und ist mit Koffern bepackt. Es scheint, als sei sie gerade von einer Geschäftsreise zurückgekommen und freue sich nun auf Zuhause. Die Fotografien sind alle schwarzweiß, nur die Figürchen sind farbig. Gallardo will den Betrachtern vermitteln, dass es um das Hier und Jetzt geht.

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Die Kunst in der Kunst ist die Kunst

“Angehaltene Zeit. Bilder vom Tanz”: Fotoausstellung in der FotoGalería des San Martín-Theaters

Von Charlotte Dötig

Die Begegnung von Tanz und Fotografie in einer Ausstellung, wie es sie seit der Eröffnungsfeier von “Angehaltene Zeit. Bilder vom Tanz” am Dienstag in der FotoGalería des Teatro San Martín stattfindet, ist der Zusammenstoß zweier Welten, die jedoch nicht aneinander brechen. Bewegung und Stillstand schmiegen sich aneinander und können so in ihrer Gegenläufigkeit harmonieren. Da die Darstellung des Tanzes nicht durch die richtige Verwendung der Fotografie als Werkzeug profitiert und sich auf selbstübertreffende Weise ins Rampenlicht drängt, entsteht bei Meistern ein facettenreiches Endprodukt. Insbesondere bei den Schwarz-Weiß-Fotografien von Gert Weigelt und den Abzügen von Agnès Noltenius wird das sehr deutlich.

Alle Künstler der Ausstellung präsentieren ihre Werke in Bildgruppen und verstärken dadurch die Aussage der einzelnen Darstellung. “Triptychon mit Neonröhre” ist die Dreier-Zusammenstellung Weigelts, die es am deutlichsten zeigt, dass Tanz und Fotografie miteinander einhergehen können, ohne eine einfache Abbildung der Bühnenkunst zu sein. In dieser Bildzusammensetzung, in der der bis in die Zehen angespannte Fuß eine Gerade mit dem gestreckten Bein bildet und mit dem in die Höhe gerichteten Arm den Rahmen der Darstellung fasst, sieht man den Höhepunkt des tänzerischen Spiels mit der Kamera. Das Zentrum bildet eine weiße Neonröhre, die wiederum von einer weiblichen und einer männlichen Achselhöhle umrahmt wird.

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Schwarzer Humor und politische Botschaft

Marcos López’ “Tierra en Trance” in der Fundación YPF

Von Jasmin Müller

Bereits von außen stechen einem die großen Fotografien von Marcos López ins Auge. Schaut man durch die Stäbe des Zaunes, die den Hochhausturm der Fundación YPF in Puerto Madero schützend umgeben, erkennt man insgesamt 16 Werke des argentinischen Künstlers. Diese sind im Rahmen des Kulturprogramms “Arte en la Torre” im Erdgeschoss in der Macacha Güemes 515 noch bis zum 15.7. ausgestellt.

Der Titel der Ausstellung “Tierra en Trance” verweist auf einen gleichnamigen Film des brasilianischen Regisseurs Glauber Rocha. Er gilt als wichtigster Vertreter des Cinema Novo und stand für den Kampf gegen die Übermacht des US-amerikanischen Films. Sein Ziel war es, sich auf nationale Traditionen zu besinnen und er kritisierte in seinen Werken die herrschende soziale Ungerechtigkeit. Das, was Marcos López auch tut.

Wenn man das Gebäude betritt, steuert man direkt auf das Hauptwerk der Ausstellung zu. “Suite Bolivariana” – ein drei Meter hohes und neun Meter langes Wandbild. Links in dem Bild sind sechs Bergarbeiter zu erkennen. Sie steigen eine Art Treppe hoch, die aus Würfeln besteht, welche mit berühmten Bildern von Pop-Art Künstlern wie Roy Lichtenstein, Robert Indiana und Andy Warhol bedruckt sind. In den Händen eine Whiphala-Fahne – das Symbol für die indigenen Völker Südamerikas. Diese Szene erinnert an die Fotografie “Raising the Flag on Iwo Jima” von dem Fotografen Joe Rosenthal. Sie stellt sechs Soldaten dar, die auf einem Berg eine US-Fahne hissen und später als Kriegshelden gefeiert wurden. Doch in Marcos López’ Arbeit sind nicht Soldaten die Helden, es sind die dargestellten Bergarbeiter. Im Oktober 2010 feierte man 33 Männer als Nationalhelden, die im August 2010 in einem chilenischen Bergwerk verschüttet wurden und 69 Tage später gerettet werden konnten.

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Ein Spiel, und doch kein Spiel

“Mecha” von Miguel Angel Rios in der Galerie Ruth Benzacar

Von Jasmin Müller

Ein kleiner Ort in den Anden Kolumbiens 2010: Hier begann das Projekt “Mecha” des Künstlers Miguel Angel Rios. Er ist auf der Suche nach den Wurzeln des über 500 Jahre alten Spiels “Tejo” – seit 2000 offizieller Nationalsport in Kolumbien. Das Ergebnis der Filmaufnahmen kann man sich noch bis zum 29.7. im Hauptsaal der Galerie Ruth Benzacar anschauen.

Die Sportart besteht daraus, dass Spieler mit einer Metallscheibe auf einen Lehmkasten werfen. In der Mitte ist durch Schwarzpulvertaschen – die sogenannten Mechas – ein Kreis abgetrennt. Diese explodieren, sobald sie von den Metallscheiben getroffen werden. Gewonnen hat das Team, welches am meisten Mechas zum Knallen zu bringt.

In einem offenen schwarzen Raum im Zentrum der Galerie blickt man auf zwei Großleinwände und sieht den Ablauf des Spiels aus verschiedenen Blickwinkeln und Einstellungen. In diesen zehn Minuten sind spritzender Schlamm, rollende und fliegende Metallplatten und kleine Explosionen zu sehen – alles Elemente des Spiels. Die Kamera bewegt sich schnell, die Perspektiven wechseln oft. Manchmal sieht man nur durch ein winziges Loch wie durch den Lauf eines Gewehrs den Ort, an dem das Spiel stattfindet. Aber wie ein Spiel erscheint das Ganze kaum. Es knallt, es ist düster, Menschen rennen durch eine Halle, die an ein leerstehendes Tierheim erinnert. Bereiche sind durch Gitter und Zäune abgetrennt.

Es ist ein aufregendes Spiel. Die Sportart beinhaltet Explosionen, Schüsse, Ausrufe der Spieler und Oh’s und Ah’s der Zuschauer. All das sind Elemente, die man eigentlich nur von Kriegsfilmen oder von Berichten aus Kriegsgebieten kennt.

Bei Tejo gibt es zwar keine Opfer, jedoch auch keinen Moment der Stille oder des Friedens. Der in Catamarca, Argentinien, geborene Künstler will mit dieser Videoinstallation auf die Gewalt aufmerksam machen, die täglich in Kolumbien und auf der ganzen Welt herrscht. Er thematisiert die Gefahr des Krieges, die uns alltäglich umgibt. Dazu nutzt er das mehr als fünf Jahrhunderte alte Spiel Tejo – eine südamerikanische kulturelle Tradition, welche häufig im Mittelpunkt seiner Arbeiten stehen.

Innehalten und genauer hinsehen

“El rayo verde” in der Galerie Ruth Benzacar

Von Jasmin Müller


Ein randvolles Glas Wasser und drei leere Joghurttüten, die an einem Wollfaden von der Decke hängen – ein Teil der Kunstwerke, die momentan in der Galerie Ruth Benzacar zu sehen sind und einem auf den ersten Blick sehr suspekt erscheinen. Doch genau das ist die Aussage der Ausstellung “El rayo verde”. Es geht nicht darum, alles mit einem kurzen vorbeistreifenden Blick schnell zu überfliegen. Vielmehr soll man innehalten und genauer hinsehen. Denn so entdeckt man vielleicht Dinge, die man sonst nicht sehen würde.

Dieses Vorgehen impliziert bereits der Name der Ausstellung – “Der grüne Strahl”. Dieser ist ein äußerst seltenes Naturphänomen. Unter bestimmten Bedingungen leuchtet am oberen Rand der Sonne ein grüner Lichtblitz auf, der mit dem bloßen Auge jedoch kaum festzustellen ist – man muss schon sehr genau hinsehen. Der gleichnamige Liebesroman des französischen Schriftstellers Jules Verne handelt von der Suche nach optimalen Bedingungen, um den grünen Strahl zu sehen.

Die sechs argentinischen Künstler Jorge Macchi, Leopoldo Estol, Pablo Accinelli, Erica Bohm, Fabio Kacero und Nicolas Robbio sowie der Brasilianier Irán do Espiritu Santo zeigen bis zum 29.7. scheinbar alltägliche und banale Objekte, wie beispielsweise die unbeschriebenen weißen Blätter, die an einer Wand hängen. Hebt man die Zettel an und schaut darunter, sieht man Linien, Karos oder Notenlinien.

“Aguzar la vista, esperar, descubrir, quizas no” – Den Blick schärfen, warten, entdecken, vielleicht nicht. Aber auf einen Versuch kommt es an!

Foto:
Subtil: Jorge Macchis Werk ist nicht auf den ersten Blick zu entschlüsseln.

“Carmina Burana” im San Martín-Theater

“Ballet Contemporáneo” gibt acht Vorstellungen

Von Susanne Franz

Am Donnerstag, dem 30. Juni, um 14 Uhr, wird im Martín Coronado-Saal des San Martín-Theaters (Av. Corrientes 1530) Carl Orffs “Camina Burana” wieder aufgenommen. Das von Mauricio Wainrot geleitete Tanzensemble “Ballet Contemporáneo” zeigt acht Aufführungen des beliebten Werks, dessen Choreografie vom Ballett-Chef persönlich stammt. Die Beleuchtung schuf Eli Sirlin, für die Kostümierung zeichnete Carlos Gallardo verantwortlich.

Ebenfalls auf dem Programm steht das Tanzstück “Alina”, auch eine Kreation von Wainrot, nach Musik von Arvo Pärt, mit Licht von Sirlin und Kostümen von Gallardo. Die Matinee-Vorstellungen am Donnerstag (30.6. und 7.7.) kosten ermäßigt jeweils 13 Pesos, für die Aufführungen am 1., 2., 5., 6. und 8. Juli um 20.30 Uhr und 3. Juli um 17 Uhr erhält man Eintrittskarten zu 45 bzw. 30 Pesos. Die Gesamtdauer der Vorstellung beträgt 70 Minuten.

Culmina Torre de Babel / Babel-Bücherturm wird abgebaut

Dos días para visitar la obra de Marta Minujín / Es bleiben zwei Tage, um Marta Minujíns Kunstwerk zu besuchen


El lunes 27 será el último día en el que se podrá visitar la Torre de Babel de Libros, obra de Marta Minujín, emplazada en la Plaza San Martín. Hay que reservar un lugar vía web o personalmente en el lugar.

Montag, der 27. Juni, ist der letzte Tag, an dem man das Kunstwerk “Torre de Babel de Libros” (Babel-Bücherturm) von Marta Minujín, das auf der Plaza San Martín aufgebaut ist, besuchen kann. Für die drei Führungen pro Stunde kann man sich entweder per Internet oder persönlich vor Ort anmelden.

Genreübergreifende Kunst

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Kirsten Mosels “Nuevos Cutouts” in der Deutschen Botschaft

Kirsten Mosel beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt mit Cutouts. Sie schneidet Formen und Linien aus und klebt sie direkt auf Wände oder auf Bildträger. Zu ihrer Kunst gehören die plane Fläche und die Linie, genaue Grenzen und ein erzählerischer Kick: ihre Formensprache changiert zwischen Abstraktion und Narration.

Für die Deutsche Botschaft Buenos Aires entwickelte die Künstlerin einen Bilderzyklus, der sich um das Thema “Zwei” dreht. Zwei Augen, zwei Klammern, zwei Bäume. Zwei Linien, zwei Kreisel, zwei Lineamente. Die Bilder kreisen um das Phänomen des Doppels: in der Symmetrie eines Körpers, in der Funktion von Geräten, im Zusammenstoß von abstrakten Farb-Formen. Es gibt Bezüge zur Natur, zum Menschen, zu Farbräumen. Die Bilder sind einfach, einfache Formen, wenige Eingriffe, etwas hinzufügen, etwas aussparen.

Was bedeutet das Schneiden für diese Bilder? Der Schnitt vollzieht klare Trennungen bzw. Grenzen zwischen Figur und Grund, die Formen sind eindeutig in ihrer Mehrdeutigkeit.

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El fenómeno del doble

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Exposición “Nuevos Cutouts” de la artista alemana Kirsten Mosel en el Consulado de la Embajada de Alemania

Kirsten Mosel, nacida en el 1962 en Braunschweig, Alemania, trabaja desde 2010 como artista independiente en Buenos Aires. Ya hace más de una década que ha trabajado en el proyecto “Cutouts”: corta formas y líneas, las pega directamente a paredes o a paspartús. Planos llanos, líneas, límites nítidos y clímax narrativos forman parte de su arte.

La artista creó un ciclo de imágenes para la Embajada de Alemania que gira en torno al tema del número dos: dos ojos, dos paréntesis, dos árboles. Dos líneas, dos trompos, dos lineamientos. Las imágenes giran en torno al fenómeno del doble: en la simetría de un cuerpo, en la función de ciertos aparatos, en el choque de colores-formas abstractos. Existen referencias a la naturaleza, al ser humano, a espacios cromáticos. Las obras son simples, formas simples, pocas intervenciones, añadir algo, prescindir de algo.

La exposición se inauguró el 22 de junio y puede verse hasta el 4 de agosto de 2011 en el Consulado de la Embajada de Alemania, Villanueva 1055, de lunes a jueves de 9 a 17.30 horas, y el viernes de 9 a 12 horas.

Además, Kirsten Mosel muestra una intervención de líneas en la Universidad del Salvador, Marcelo T. de Alvear 1337, inaugurada el 23 de junio de 2011.

Más información en el sitio web de la artista.