Mit Blaulicht nach Buenos Aires

Kristof Magnusson stellt heute Abend auf der Buchmesse sein Werk “Arztroman” vor

magnusson_kratz2Der deutsche Schriftsteller Kristof Magnusson weilt anlässlich der 41. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires und auf Einladung der deutschen Botschaft in Buenos Aires und des Goethe-Instituts zum ersten Mal in Argentinien. Der 1976 in Hamburg als Sohn eines Isländers und einer Deutschen geborene Schriftsteller, der heute in Berlin lebt, ist nebenbei Übersetzer aus dem Isländischen. In seinem neuesten Erfolgsbuch “Arztroman” schildert er das turbulente Leben einer Notärztin in Berlin. Im Interview mit Kunst in Argentinien-Herausgeberin Susanne Franz gab er Einblicke in sein schriftstellerisches Schaffen und erzählte u.a., wie er für die Recherche zu seinem Roman in Rettungswagen mitgefahren ist.

SF: Herr Magnusson, Sie stellen heute Abend auf der Internationalen Buchmesse von Buenos Aires Ihr Werk “Arztroman” vor. Freuen Sie sich auf Ihre erste Begegnung mit dem argentinischen Lesepublikum?

Kristof Magnusson: Das auf jeden Fall, ja, es ist wirklich immer eine besonders schöne Art und Weise, ein Land kennenzulernen – nicht nur da zu sein als jemand, der irgendwelche Sehenswürdigkeiten besichtigt – was natürlich auch schön ist -, aber es ist immer besonders schön, wenn man die Möglichkeit,hat, die Leute gleich kennenzulernen über einen gemeinsamen Austausch. Ich habe das schon oft gemacht, in vielen Ländern, in Indien, in Griechenland, in Portugal, oder in Schweden oder Amerika, es ist eine ganz besonders gute Art und Weise, Land und Leute kennenzulernen.

SF: Sie sprechen heute mit dem argentinischen Schriftsteller und Journalisten Ariel Magnus über Ihren Roman; er hat Passagen Ihres Werkes ins Spanische übersetzt. Wird er auch den gesamten Roman übersetzen und wird dieser hier erscheinen?

Kristof Magnusson: Das ist gerade in Arbeit, es gibt auf jeden Fall Interesse, es gibt noch nichts, was spruchreif ist, aber das Interesse ist auf jeden Fall erst mal da. Ob Ariel Magnus das Buch übersetzt, hängt sicher von dem Verlag ab und von dem Zeitplan, er ist ja ein vielbeschäftigter Mann. Ich würde mich freuen, aber er muss natürlich gucken, ob er Zeit hat.

SF: Sie sind halb Isländer, halb Deutscher. Sie übersetzen Literatur aus dem Isländischen ins Deutsche, schreiben selbst aber lieber auf Deutsch. Warum ist das so? Liegt es an den Besonderheiten der beiden Sprachen?

Kristof Magnusson: Das hat wirklich den ganz profanen Grund, dass Deutsch meine Muttersprache ist. Ich habe zwar fünf, sechs Jahre in Island verbracht, habe da auch studiert, aber aufgewachsen bin ich die meiste Zeit in Deutschland, und bin auch nie in Island zur Schule gegangen, was ja auch für den Spracherwerb eine sehr wichtige Phase ist, dieses mit den Gleichaltrigen zusammen aufwachsen, eine Sprache sprechen, und das Abgleichen mit der Sprache, die die Lehrer und die Erwachsenen sprechen – diese Reibung ist sehr wichtig dafür, dass man auch Subtilitäten darstellen kann, und das habe ich im Deutschen viel viel mehr als im Isländischen. Ich habe sozusagen mehr verschiedene Register, die ich ziehen kann auf Deutsch. Deswegen könnte ich das gar nicht, auf Isländisch. Ich übersetze auch nie aus dem Deutschen ins Isländische, sondern immer nur aus dem Isländischen ins Deutsche.

SF: Ihr Werk “Arztroman” ist in Deutschland ein großer kommerzieller Erfolg. Glauben Sie, dass das auch damit zu tun hat, dass Sie darin das Phänomen Burnout ansprechen, das ein universelles Problem der heutigen Zeit ist?

Kristof Magnusson: Ich finde das immer schwer, das zu sagen. Ich hoffe das, weil das eine Sache ist, die mir wichtig ist. Ich hoffe aber natürlich, dass die Leute diesen Roman auch deswegen gerne lesen aufgrund der humorvollen und unterhaltsamen Komponenten, also, obwohl es ja auch um das medizinische Milieu geht, Krankheit natürlich auch, soll es kein “Problembuch” sein in dem Sinne, sondern einfach ein Buch, das Lebenswelten in Berlin und teilweise auch ein Gesellschaftsporträt zeigt, was gewisse “Probleme” zwar thematisiert, ohne das jetzt auf eine dramatische Art und Weise zu tun. Eher auf eine leichte, humorvolle Weise. Deshalb hoffe ich, dass das ein Aspekt der Wahrnehmung ist, aber hauptsächlich sind es einfach diese spannenden Geschichten, die sich in einer Großstadt heutzutage abspielen, ich hoffe, dass das die Leute genauso interessiert.

SF: Also geht es eher darum, wie die Menschen mit ihrer jeweiligen Situation umgehen.

Kristof Magnusson: Genau, und manchmal gelingt es den Leuten, positiv oder humorvoll damit umzugehen, und manchmal gelingt es ihnen nicht, genauso wie es bei uns im Leben ja auch ist. Wir bestehen ja nicht nur aus positivem Denken, das funktioniert einfach nicht, und manchmal kommen wir nicht gegen die Probleme an, aber manchmal gelingt es uns dann wiederum doch.

SF: Sie haben sehr viel recherchiert zu ihrem Werk, Sie haben Freunde und Bekannte, die Ärzte sind, Sie sind auch selber mitgefahren in den Rettungswagen, um ganz lebendig schildern zu können, wie der Alltag Ihrer Heldin des Romans aussieht. War das eine spannende Herausforderung für Sie? Oder teilweise auch bedrückend? Wie lange haben Sie recherchiert?

Kristof Magnusson: Die Recherche hat sicherlich länger als ein halbes Jahr gedauert, weil ich auch immer recherchiert habe und dann geschrieben habe und dann wieder zur Recherche zurückgegangen bin. Die Gespräche mit den Ärzten, das war ein Teil, der mich sehr lange begleitet hat, und was natürlich interessant ist, ist, dass ja eigentlich sozusagen die Frage dahintersteckt, es gibt eine Welt, die man beschreiben möchte und dann ist die Frage, wie ist diese Welt mit ihren Eindrücken und wie wird daraus dann Text. Das ist ein Weg, den man sonst immer mit sich selber ausmacht, und jetzt waren da diese Ärzte dabei, denen ich auch Sachen zum Lesen gegeben habe, die haben dann gesagt “Ja, hier, da könnte man noch das machen, das wär noch spannender” oder “Hier, das stimmt so nicht”, also dieser Prozess, der sonst bei meinen Büchern immer ein sehr intimer Prozess war, da hatte ich diesmal auf einmal diese “Gegenüber”, das hat es für mich interessant gemacht.

Bei den Malen, bei denen ich mitgefahren bin mit den Notarztwagen, das war natürlich sehr, sehr aufregend, am Anfang habe ich gedacht, ich störe, oder ich stolpere über den Sauerstoffschlauch, es brauchte eine Weile, bis die Ärzte und Feuerwehrleute mir diese Angst genommen haben. Das war für mich sehr wichtig, diesen ganzen Alltag zu sehen, weil Recherchegespräche sind eine Sache, und dass es medizinisch stimmt, kann man alles recherchieren, aber da gibt es diese verrückten Details wie zum Beispiel, dass die Menschen sich die Ohren zuhalten, wenn man mit dem Rettungswagen vorbeifährt, und das ist eine Sache, das muss man gesehen haben. Oder dass man oft gar nicht weiß, dass man mit Blaulicht unterwegs ist, aber wenn man dann durch eine enge Straße fährt, sieht man auf einmal, wie sich das spiegelt. Oder man fährt über Kopfsteinpflaster und spürt dieses Vibrieren, diese zwei Tonnen Ausrüstung, die man hinter sich hat. Für solche Sachen war es wichtig, mitzufahren.

SF: Sie haben einmal gesagt, dass sozusagen vor dem Notarzt alle Menschen gleich sind – die Reichen, die Armen, die Alten, die Jungen, so dass Sie durch Ihre Recherchen Einblick in ein gesamtes Gesellschaftsbild gewinnen konnten.

Kristof Magnusson: Ja, das war mir wichtig und natürlich der Reiz daran, eine Ärztin zu haben, die zu den Menschen nach Hause kommt, dass sie überall hineinkommt und niemand kann vorher aufräumen. Das hat man in Krankenhäusern und Arztpraxen nicht so, die haben meist ein bestimmtes Klientel, ärmer oder reicher. Diese große Bandbreite, die hat man im Notarztdienst natürlich sehr stark, und das heißt, es lässt sich so auf eine relativ – wie ich finde – elegante Weise ein Porträt der ganzen Gesellschaft zeigen.

SF: Was möchten Sie mit dem Schreiben erreichen? Möchten Sie Ihre Leser unterhalten, sie glücklich machen? Möchten Sie die Leser zum Nachdenken anregen bzw. in ihnen eine Veränderung bewirken?

Kristof Magnusson: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Was ich erst mal machen möchte, ist Geschichten erzählen, die mich selber interesieren, weil alles andere ist so zufällig, ob das nun Menschen interessiert oder nicht, oder glücklich macht oder nicht. Ich kann immer nur davon ausgehen, dass ich schon Bücher gelesen habe, die mich verändert haben, ich habe auch Bücher gelesen, die mich glücklich(er) gemacht haben, aber ich glaube, man kann sich das als Autor nicht von vornherein vornehmen, Man kann von sich selber ausgehen und dann hoffen, dass es andere Leute auch interessiert. Ich merke das auch bei mir selber, wenn ich die Bücher von anderen Autoren lese, das Thema muss mich nicht unbedingt interessieren, über das sie schreiben, aber ich muss das Gefühl haben, das hat den Autor interessiert, nicht mit einem bestimmten Ziel, sondern aus einem inneren Antrieb heraus. Und das ist bei mir mit dieser Welt der Medizin eben ganz stark, das ist etwas, was mich schon als Kind immer begeistert hat, und irgendwie ist meine Aufmerksamkeit an diesem Thema hängengeblieben. Dann kam dazu, dass es ja eine gewisse Relevanz für die Gesellschaft hat – ein Gradmesser dessen, wie wir unsere Gesellschaft haben wollen, ist ja, wie wir unser Gesundheitssystem organisieren. So ist zu meiner emotional unerklärlichen Begeisterung noch ein vernunftgetragener Grund hinzugekommen.

SF: Noch eine Frage zu Ihrem Schreiben: Sprudelt es aus Ihnen heraus oder müssen Sie sehr streng mit sich sein und sagen, ich schreibe jetzt vier Stunden am Tag? Wie machen Sie das, ist das eher eine Disziplinfrage? Denn Schreiben ist ja schwer.

Kristof Magnusson: Natürlich ist es schwer, das wissen wir ja alle. Ich schreibe sehr viel, das Schwierige oder wo die Disziplin ins Spiel kommt, ist einfach, die guten Ideen von den schlechten zu unterscheiden. Dieser Roman (er tippt auf seinen “Arztroman”, der auf dem Tisch liegt) war sicherlich am Anfang dreimal so lang. Ihn zu überarbeiten, immer weiter zusammenzukürzen, das zu tun, was eigentlich auch Dichtung ist, also das Ver-Dichten, dass man aus den ganzen Beobachtungen die paar herausfiltert, die nicht nur etwas beschreiben, sondern darüber hinaus für etwas stehen. Also eher eigentlich beides: erst dieses Sprudeln, aber damit ist noch nicht mal die Hälfte getan, das ist noch nicht mal die halbe Miete – die eigentliche Arbeit ist das Überarbeiten.

SF: Es ist sicher auch nicht einfach, den Moment zu bestimmen, an dem das Buch “fertig” ist.

Kristof Magnusson: Absolut, und ich glaube, solange ich Lesungen mache und mich mit Leuten über das Buch unterhalte und immer noch wieder jemand einen neuen Aspekt anspricht und sagt “Das fand ich interessant und das fand ich nicht so interessant”, solange ist das Buch für mich auch nicht fertig, weil das Buch entsteht ja immer wieder. Also das Buch ist ja nur zu einem Teil wirklich dieses physische Produkt (er klopft wieder auf den “Arztroman”) – zu einem großen Teil ist es auch das, was in den Köpfen der Leute passiert, nicht nur, wenn sie es lesen, sondern auch, wenn sie darüber sprechen.

SF: Herr Magnusson, vielen Dank für das Gespräch!

Heute: Lesung
Heute, Freitag, 24. April, um 18.30 Uhr: “Arztroman” – Lesung und Gespräch mit Kristof Magnusson und Ariel Magnus. Veranstaltet von der deutschen Botschaft in Buenos Aires, dem Goethe-Institut Buenos Aires und der Fundación El Libro. 41. Internationale Buchmesse Buenos Aires, Saal Alfonsina Storni, La Rural, Plaza Italia, Buenos Aires. Deutsch mit Konsekutivübersetzung.

Foto:
Bestsellerautor Kristof Magnusson (rechts) und Kulturattaché Michael Kratz vor Alfredo Segatoris Berlin-Graffiti an der Außenwand der deutschen Botschaft in Buenos Aires.
(Foto: Deutsche Botschaft)

Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Filmische Highlights vom Festival “BAFICI”

Von Michaela Ehammer

bafFilme gibt es viele. Der unterschiedlichen Art. Action-geladene oder herzzerreißende Hollywood-Filme stehen ja täglich auf unserem TV-Programm, aber viele Fime der etwas “anderen Art”, ergreifende, belehrende, provozierende, anregende, aufzeigende, hinweisende oder politische Dokumentationen rücken dabei eher in den Hintergrund. BAFICI, das internationale Festival der unabhängigen Filme in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires, hat genau diese Filme gesucht und zeigt sie von ihrer ganz speziellen, packenden und merkwürdigen Seite. Alle Genres sind vertreten, ob Horror, Komödie, Musikfilme, Psychothriller, wahre Geschichten, Klassiker, Schwarz-Weiß-Filme, Dokumentationen, Animationen, audiovisuelle Shows, Ausstellungen rund um das Thema Kino sowie Gespräche hautnah mit Stars, wie mit dem Ehrengast Isabelle Huppert – das diesjährige Film-Festival hält wieder einmal für jeden Kinoliebhaber das Seine im Sortiment. Doch bei über 400 Filmen fällt die Entscheidung wirklich nicht leicht. Gesehen haben kann man sie nicht alle, einige sollte man aber.

“Goodnight Mommy”
Wer hätte gedacht, dass es möglich ist, alle Emotionen in einen einzigen Film zu packen? Von Spannung pur über Lachen, Schamgefühlen, Ah!-, Oh!- und Uh!-Rufen, von purem Entsetzen und totalem Staunen bis hin zum “Grande Finale”? Die beiden Österreicher Veronika Franz, Journalistin beim Kurier, und Severin Fiala zeigen in ihrem Film “Goodnight Mommy” (zu deutsch “Ich seh Ich seh”), der im Internationalen Wettbewerb nominiert ist, wie es geht. Das Resultat: Ein wahrhaftes filmisches Meisterwerk, welches seine Zuschauer an die Grenzen der Imagination führt. Der Beginn ist dabei sehr unschuldig: Ein Haus am See, eine Mutter nach einer Gesichtsoperation und zwei Kinder. Die Kinder spielen in der Natur, die Mama braucht Ruhe. Mit der Zeit wird jedoch klar, dass etwas an dieser unschuldigen Geschichte nicht stimmen kann. Welches dunkle Geheimnis umgibt die Kinder? Ist es wirklich die echte Mama? Was ist bei dem Unfall tatsächlich passiert? Wie weit kann die eigene Psyche einen Menschen treiben? Wo endet die Wirklichkeit und beginnt der Wahn? Es gibt zu viele Fragen die angeschnitten, jedoch nicht beantwortet werden. Der Zuschauer wird dadurch immer wieder aufs Neue gefesselt, und während der Hobby-Filmschauer noch staunt, ist für das geschulte Kinoauge bald schon klar, in welche Richtung sich der Film dreht. Oder etwa doch nicht? Denn Franz und Fiala schaffen es mit ihrem Film aus dem Jahre 2014 immer wieder aufs Neue, dass Zweifel an dieser Theorie auftreten. So bleiben die Spannung und der Aha-Effekt bis zum Schluss bestehen. Mit der Zeit wird die Stimmung im Film zusehends dunkler, der Terror wächst und am Ende dreht sich der Film um spannende 360 Grad. Der Zuschauer wird so in alle Blickwinkel und Perspektiven der agierenden Personen hineingezerrt und es kommt zu einer Explosion – sprichwörtlich wie gefühlsmäßig. Und am Ende verlässt man den Kinosaal mit einem echten filmischen “Wow”-Erlebnis und Gänsehaut. Kein Film jedoch für schwache Nerven!

Ein Recht auf Liebe
Der kenianische Film “Stories Of Our Lives”, nominiert in der Kategorie “Human Rights Competition”, wirft hingegen ein ganz anderes Thema auf: Fünf Menschen erzählen ihre ganz persönliche Geschichte vom Leben als Homosexuelle in einem Land, wo dieses Thema noch immer als striktes Tabu gilt. Verfolgungen, Bestrafungen, Festnahmen sowie weitere Maßnahmen von den Familien, Freunden und vom Staat werden in dem afrikanischen Land gegen alle getroffen, dessen Sexualität nicht jener “normalen” entspricht. Basierend auf echten Bezeugungen eröffnen uns die fiktiven Protagonaisten eine Welt, fern von Toleranz und Gleichberechtigung. Ein grandioser Film, dem durch den Schwarz-Weiß-Effekt noch mehr Mitgefühl und die gewisse Portion an Extra verliehen wird. 60 Minuten zum Nachdenken und Umdenken. Filme dieser Art sollten bei einem Festival für unabhängige Filme auf keinen Fall fehlen. Jim Chuchu, geboren in Nairobi, ein visueller Künstler, Filmemacher und Musiker, lässt uns in seinem ersten Langfilm durch seine Großaufnahmen mit all seinen Darstellern hautnah mitfühlen. Warum werden Homosexuelle von der Gesellschaft ausgegrenzt? Welche Träume, oder viel mehr, welche Ängste begleiten ihr Leben? Sollen sie sich verstecken oder für ihr Recht auf Anerkennung kämpfen? Die Frage am Schluss wird für alle in den Raum geworfen und jeder kann sie ganz für sich beantworten: Haben wir Menschen, egal welcher Abstammung, Hautfarbe oder Hang zur Sexualität nicht alle eine Sehnsucht sowie ein Recht auf Liebe?

Rebel-Rock aus Grönland
Dass BAFICI auch eine musikalische Seite hat, zeigen die insgesamt 17 Filme rund um das Thema Musik. So etwa erzählt der grönländisch-dänisch-norwegische Film “Sumé – The Sound of a Revolution” von der ersten grönländischen Rockband in den 70er Jahren. Während Argentinien zu dieser Zeit von einer Welle aus Protesten und Gewalt geprägt war, braute sich auch in Grönland der Sturm einer Revolution zusammen. Eine andersartige Revolution jedoch, die, nach der anfänglichen Schüchternheit ihrer Landsleute, schon bald im ganzen Land Anklang fand und durch ihre Lieder die Nation Grönland stärkte und vereinte. Der grönländische Regisseur Inuk Silis Hoegh stellt in dieser musikalischen Dokumentation eine Hommage an “Sumé” mit einzigartigen Aufnahmen der damaligen Zeit dar: von den ersten Anfangen in kleinen Bars über Konzerte im Freien und Gastauftritte im dänischen Fernsehen bis hin zur großen Grönland-Tournee. Doch alles fing in Dänemark an. Malik Hoegh und Per Berthelsen, charismatische Studenten Anfang Zwanzig, gründeten während ihrer Studienzeit in Kopenhagen gemeinsam mit Freunden diese Rockband und sorgten damit erst einmal für große Aufregung – nicht nur in Grönland. Eine Band, die auf Grönländisch singt und dann auch noch mit ihren politischen Texten mehr Rechte für ihr Land sowie Unabhängigkeit von Dänemark fordert. Das war damals wohl für viele schwer vorzustellen. Die Jungs wollten nicht nur ihre Liebe zur Musik zum Ausdruck bringen, sondern auch auf die Missstände in ihrem Heimatland aufmerksam machen. “Wir wollten mit unserer Musik keinesfalls provozieren, sondern vielmehr aufzeigen, dass wir mit unserer Situation in Grönland nicht zufrieden waren. Unseren Mitmenschen eine Stimme geben und sagen, an was es uns fehlt, warum wir unglücklich sind”, so Malik Hoegh. Dies taten sie dann auch und brachten insgesamt vier Schallplatten heraus: “Sumut”, “Inuit Nunnat”, “Sumé” und “1973-76”. Diese Missstände sind auch heutzutage noch präsent im nordischen Land, und so findet Sumé auch heute noch großen Anklang bei Jung und Alt. Diese ganz spezielle Art von Rockmusik hat den perfekten Weg, zwischen Rebellion und Schüchternheit, in die Harmonie und in die Zukunft gefunden. Ganz nebenbei beeindruckt der Film auch durch traumhafte Aufnahmen der landschaftlichen Highlights von Grönland.

Das Leben des Edward Snowden
Ganz anders wieder der Film aus dem Jahre 2014 von der US-amerikanischen Künstlerin und Journalistin Laura Poitras “Citizenfour” (Kategorie Panorama). Nach “My Country, My Country” aus dem Jahre 2006 und “The Oath” von 2010 ist es bereits der dritte Film über einen Skandal der Weltmacht USA. Dieses Mal mit und über das Leben des Militärkindes Edward Snowden, der 2013 seine Entscheidung für die Enthüllung geheimer Daten über die NSA und gegen sein gewohntes Leben getroffen hat. Alle haben wir schon davon gehört, doch der Film zeigt unveröffentlichte Szenen, wie alles entstand. Er beginnt in einem Hotelzimmer in Hong Kong, wo sich Snowden absetzte und Poitras sowie zwei britische Journalisten vom “Guardian” anheuert, um seine Geschichte zu veröffentlichen, und endet in Moskau, wo er mit seiner Freundin bis heute noch im Exil lebt. Wir sehen in dieser Dokumentation, wie Journalist Glenn Greenwald sich ans Fernsehen wendet, die Enthüllung an die Öffentlichkeit kommt und Snowden den Prozess von seinem Hotelzimmer in Hong Kong aus betrachtet. Szenen, die uns eine völlig neue Perspektive des Geschehens eröffnen und uns als Betrachter in die Geschichte hineinziehen. Von der anfänglichen Euphorie Snowdens bis hin zu seinen Zweifeln. Dieser Film brachte Poitras 2015 einen Oscar in der Kategorie “Bester Dokumentarfilm”. 2014 gewann sie bereits den Pulitzer-Preis für “Dienst an der Öffentlichkeit”. Seit Jahren lebt sie in Berlin, denn zurück in die USA kann sie, spätestens nach diesem Film, nur schwer.

Wir werden alle nicht jünger
Der Film “La Once”, Kategorie Panorama – BAL Buenos Aires Lab, von der chilenischen Filmemacherin Maite Alberdi, hat ein ganz anderes Ziel vor Augen: das Altwerden. Das Leben vieler Menschen im hohen Alter wird oftmals sehr eintönig. Umso größer also die Freude bei den Treffen der Nachmittagstees, die ihre Darsteller Jahr für Jahr mit ihren alten Schulfreunden erleben. Es wird gelacht, gesungen, geweint, philosophiert und über die zu schnell vergangenen Jahren mit all uhren Schönheiten und Wehen geplaudert – alles in realen Aufnahmen. Alberne und belanglose Dinge werden aufgegriffen und in köstliche und witzige Dialoge verwandelt. Die Kamera fängt dabei jedes noch so kleine Detail ein. Pensionistenausflüge, Krankheiten, einfacher Klatsch und Tratsch, der Tod und die Liebe – alles wird im Film aufgegriffen und viele Lacher genauso wie vereinzelte Tränen sind dabei garantiert. Ein amüsanter Film und ein kleiner Blick in das Leben des “Altseins”, das uns alle einmal erwartet.

Die kühle Diva
Am Mittwoch Nachmittag öffnete auch das Teatro Colón seine Tore für ein Gespräch mit Isabelle Huppert, der unterkühlten französischen Schauspielerin, Kuratorin und Ehrengast des diesjährigen BAFICI. Eine gute Stunde lang gab sie uns einen kleinen Einblick in ihr Film- und Theaterleben. Schauspielern sei ihre Arbeit, aber auch ihre Welt, denn etwas anderes zu machen könne sie sich nicht vorstellen. Bereits seit ihrem 14. Lebensjahr sei das Theater ein Teil ihres Lebens geworden. 13 Filme mit Isabelle Huppert sind Teil des diesjährigen BAFICI, darunter auch Vorstellungen im Malba. Einer ihrer berühmtesten Filme ist wohl “Die Klavierspielerin” vom österreichischen Regisseur und Oscarpreisträger Michael Haneke, mit dem Huppert mehrfach arbeitete. “Die Vergangenheit ist bereits passiert. Was mich interessiert. sind die Gegenwart und die Zukunft”, so die gebürtige Pariserin bei der Pressekonferenz. Trotzdem blicke sie gerne zurück, denn sie sei stolz auf ihre Filme, die sie gedreht habe. Bei etwa 90 Filmen kann sie das auch sein! Nicht zuletzt deshalb gilt sie als eine der am höchsten und am häufigsten ausgezeichneten Schauspielerin ihrer Generation.

Filmfieber bis Samstag
Ein Festival von großer Vielfalt vereint Jung und Alt und Menschen aus allen Teilen der Welt, um eine Passion zu teilen. Und obwohl die Ehrung der Sieger bereits am heutigen Freitag stattfindet, hält das Festival-Fieber und der spannende Marathon um die Filme in Buenos Aires noch bis morgen an. Für alle diejenigen, die in diesem Jahr keine Chance dazu hatten – das nächste BAFICI ist bereits in Vorbereitung.

Bewusstseinsstrom-Film mit umwerfender Bildersprache

BAFICI-Beitrag “Above And Below” (Schweiz/Deutschland) von Nicolas Steiner begeistert

Von Susanne Franz

Above and Below 1
“Ich bin das erste Mal in Argentinien – wenn ihr hier immer so tolles Wetter habt, dann seid ihr ja völlig verrückt, überhaupt ins Kino zu gehen!”, sagte Nicolas Steiner am Montagnachmittag im Saal 6 des Village Recoleta, wo er seinen Beitrag “Above And Below” (2015) vorstellte. Der Dokumentarfilm des jungen Schweizer Filmemachers war seine Abschlussarbeit an der Filmhochschule Ludwigsburg. “Ich habe ihn mit den Leuten gemacht, mit denen ich zu der Zeit auch zusammengelebt habe”. Die deutsch-schweizerische Koproduktion ist einer der Wettbewerbsfilme im Internationalen Wettbewerb des BAFICI.

“Wir haben uns bei der Vorbereitung einige Schweizer Dokumentationen angesehen, alle sehr gut”, sagte Festivaldirektor Marcelo Panozzo vor dem Film. “Ihr könnt sie sehen, sie laufen in der Sektion Panorama. Aber dieser hier, der ragte heraus, den wollten wir in unserem internationalen Rennen haben.”

Zwei Stunden Filmdauer in einem fast zu sehr gekühlten Kino, während draußen die Sonne scheint. Und jede Minute hat sich gelohnt. Nicolas Steiner hat sich auf die Spuren von Menschen in den USA begeben, die am Rande der Gesellschaft leben. Ein nicht mehr junges Pärchen, Cindy und Rick, wohnt in einem Tunnel unter der glitzernden Stadt Las Vegas. Auch der “Pate” lebt hier, er ist Streitschlichter und Philosoph unter den Tunnelbewohnern. In einem verlassenen Bunker in der Wüste wohnt Dave. Er hat sein Leben Gott anvertraut und schreibt Botschaften für Aliens in den Sand. Seine Beobachtungen und Reflektionen schwanken dauernd zwischen Humor und Verzweiflung. Ein Team von Forschern erprobt in der Wüste ein Leben auf dem Mars. Das Interesse des Filmemachers konzentriert sich hauptsächlich auf April, Ex-Soldatin und einzige Frau im Team.

Das Paar, der Pate, die Marsforscherin, der Einsiedler. Im Laufe des Films rücken wir ihnen näher, lernen ihr ethisches Gerüst kennen, puzzeln uns ihre Vergangenheit zusammen und erfahren, warum sie obdachlos geworden bzw. in ihrer absonderlichen Situation gelandet sind. Wir sitzen mit ihnen im Kerzenschein in der Behausung im Tunnel und haben Angst, dass das Wasser uns fortreißt, radeln mit Dave durch die Wüste, bewundern die schonungslose Ehrlichkeit Aprils. Es ist ein schon fast unheimlicher Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt dieser Menschen, als säße man in ihren Köpfen. Mit diesem Bewusstseinsstrom-Film, der von einer umwerfenden Bildersprache getragen ist, ist Steiner ein Meisterwerk gelungen.

Eine Stadt offen für die Welt der Bücher

41. Internationale Buchmesse von Buenos Aires wird am 23. April eröffnet

Von Michaela Ehammer

Was wäre die Welt ohne Bücher? Sie regen die Phantasie an, bringen uns zum Lachen oder Weinen und lassen uns geistig in andere Rollen schlüpfen. Doch vor allem tragen sie wesentlich zu unserer Bildung bei. Argentinien gilt aufgrund seines florierenden Buchmarktes als Leseland und Buenos Aires kann sich stolz die Stadt mit den meisten Bibliotheken nennen, gefolgt von Hongkong und Madrid. Eine Büchermesse ist da wohl mehr als angebracht. So steht die 41. “Feria Internacional del Libro de Buenos Aires”, eines der bedeutendsten Kulturevents der Welt und die wichtigste jährliche Literaturveranstaltung im spanischsprachigen Raum, vor der Tür.

Das Ausstellungszentrum La Rural verwandelt sich vom 23. April bis 11. Mai wieder in ein Meer aus Büchern, wird zum Schauplatz zahlreicher Schriftsteller mit inernationalem Ruf und zum literarischen Treffpunkt von mehr als 1 Million Lesebegeisterten aus ganz Lateinamerika. Als Gaststadt präsentiert sich diesmal Mexiko DF. Die Buchmesse ist für die Öffentlichkeit von Montag bis Freitag von 14-22 Uhr, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 13-22 Uhr zugänglich. Eintrittskarten gibt es ab 35 Pesos.

Deutsche Autoren auf Buchmesse

  • 24.4., 18.30 Uhr, Alfonsina Storni-Saal, Kristof Magnusson stellt im Gespräch mit Ariel Magnus sein Werk “Arztroman” vor. Nähere Informationen hier.
  • 26.4., 16 Uhr: Sebastian Fitzek präsentiert “Noah”, anschließend signiert er bei Ediciones B Argentina.

Startschuss fürs BAFICI 2015

Der 17. Filmemarathon in Buenos Aires hat begonnen

Von Michaela Ehammer

BAFICI - Planetario-2
Wie jedes Jahr im April ist Buenos Aires mit seinen Einwohnern wieder vom Filmfieber gepackt worden. Das Independent-Filmfestival BAFICI 2015 hat begonnen und wird wie jedes Jahr Groß und Klein, Jung und Alt und Liebhaber der Film- und Kinowelt überraschen, fesseln, die Kreativität erwecken und in die Welt neuer Filme und deren unterschiedlichster Dimensionen einladen.

Der BAFICITO-Beitrag “The Tale of the Princess Kaguya” leitete als Open-Air Veranstaltung im Parque Centenario die 17. Ausgabe des “Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente” ein und füllte nicht nur alle Sitzplätze im Anfíteatro, sondern auch die Herzen der zahlreichen Zuschauer. Der japanische Regisseur Isao Takahata, der Mitgründer der “Studio Ghibli” in Tokio, hat mit seinem Film, der in der Kategorie “Bester Animationsfilm” bereits für den Oscar 2015 nominiert wurde und auf der alten japanischen Erzählung Taketori Monogatari basiert, ein wahrhaftes Meisterwerk aus Bleistiftzeichnung, technischen Animationen und Pastellwasserfarben geschaffen – nicht nur für Kinder. Eine faszinierende und aussagekräftige Geschichte über ein Mädchen, geboren in einer Bambussprosse, auf der Suche inmitten von Traum und Wirklichkeit nach dem Glück und der Liebe, immer im Zwiespalt mit den japanischen gesellschaftlichen Regeln und dem Zwang, es allen recht zu machen. Am Freitag, Samstag und Sonntag finden weitere Gratis-Open-Air-Aufführungen statt.

Hugo Santiagos argentinisch-französischer Beitrag “El Cielo del Centauro” war offizieller Eröffnungsfilm am Donnerstag im Village Recoleta-Kino. Eine Fabel? Oder doch eher eine Sufi-Geschichte? Fest steht, dass es eine Hommage an eine bestimmte Art von Geschichte darstellt, eine einfache Magie des Geschichtenerzählens, mit einem besonderen Humor, wenn auch teils versteckt. Nach den Worten des argentinischen Filmemachers ist sein Beitrag eine Zelebration sowie ein Lied der Liebe für seine Heimatstadt Buenos Aires.

Ein weiteres “Must-See” im BAFICI ist wohl auch “Contraluz”, ein audiovisuelles Kunstwerk vom herausragenden und legendären argentinischen Designer Juan Gatti, der seit den 60er Jahren erstaunliche Arbeiten in Argentinien und Spanien geschaffen hat – dieses audiovisuelle Werk im Planetarium Galileo Galiei ist da keine Ausnahme.

“Es gibt viele Definitionen für das Wort ‘groß’, aber eine der ersten im Wörterbuch ist: größer in der Größe, Wichtigkeit, Qualität und Intensität als das Normale und Reguläre. Und so ist das BAFICI: ein großes Festival mit über 400 Filmen”, so Hernán Lombardi. Da hat der städtische Kulturminister wohl recht, denn es gibt über Tausend Vorstellungen und Veranstaltungen rund um das Thema Filme und Kino. Das sind Tausend Möglichkeiten, um den Moment zu genießen, wenn sich der Kinosaal verdunkelt, die Leinwand vergrößert und es heißt: Film ab! Tauchen Sie ein in die Welt der Filme, tauchen Sie ein ins BAFICI 2015!

Informationen und Programm hier.

BAFICI-Tipps:

  • “Double Happiness” von Ella Raidel (Österreich/China 2014)
  • “Stories of our Lives” von Jim Chuchu (Kenia 2014)
  • “Le Meraviglie” von Alice Rohrwacher (Italien/Schweiz/Deutschland 2014)
  • “Above and Below” von Nicolas Steiner (Schweiz/Deutschland 2015)
  • “Songs from the North” von Soon-Mi Yoo (USA/Südkorea/Portugal 2014)
  • “La Once” von Maite Alberdi (Chile 2014)
  • “Arribeños” von Marcos Rodríguez (Argentinien 2015)
  • “Loulou” von Maurice Pialat (Frankreich 1980)
  • “The Tale of the Princess Kaguya” von Isao Takahata (Japan 2013)
  • “From Caligari to Hitler” von Rüdiger Suchsland (Deutschland 2014 – Teil des Weimar-Zyklus)
  • “La Calle de Los Pianistas” von Mariano Nante (Argentinien 2015 – Schlussfilm)

Foto:
Das Planetarium ist eine der BAFICI-Spielstätten, und hier wird auch audiovisuelle Kunst gezeigt.
(Foto: BAFICI)

Besuch aus Deutschland auf der Buchmesse

Der deutsch-isländische Bestsellerautor Kristof Magnusson stellt in Buenos Aires seinen “Arztroman” vor

magnussonEiner der erfolgreichsten und interessantesten jüngeren deutschen Autoren, Kristof Magnusson, wird auf der 41. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires zu Gast sein. Auf Einladung der deutschen Botschaft und des Goethe-Instituts liest der deutsch-isländische Autor aus seinem 2014 erschienenen “Arztroman”. Der argentinische Schriftsteller Ariel Magnus hat Teile des Romans für die Lesung übersetzt und wird diese in spanischer Sprache vorstellen.

Der Roman schildert auf eindringliche und spannende Weise das Nebeneinander von Berufs- und Privatleben, er erzählt witzig, unterhaltend und mit großer Detailkenntnis aus dem Leben einer Notärztin, die mit ihrem Leben nicht mehr zurechtkommt: Ausgebrannte Ärzte am Rande des Nervenzusammenbruchs, ein marodes Gesundheitssystem und die Krise des Gefühlslebens Anfang vierzig. Wo beginnt die Privatsphäre einer Notärztin, zumal ihr Ex-Mann im selben Krankenhaus tätig ist?

Kristof Magnusson ist ebenfalls ein sehr produktiver Übersetzer aus dem Isländischen. So wird er auch zu Gast in der “Escuela de Otoño de Traducción Literaria” sein, einer Werkstatt für Nachwuchsübersetzer im Instituto de Enseñanza Superior en Lenguas Vivas, sowie auf der diesjährigen, vom Argentinischen Übersetzerverband und der Fundación El Libro veranstalteten Übersetzertagung. Zuletzt liest der Autor in Mendoza, im Rahmen einer vom Goethe-Zentrum Mendoza, der Stadtverwaltung Godoy Cruz und der Deutschen Botschaft organisierten Lesung.

Zum Arztroman

Anita Cornelius ist Notärztin an einem großen Berliner Krankenhaus und liebt ihren Beruf. Sich auf unerwartete Situationen einzustellen, entspricht ihrem Temperament. Auch wenn es bei ihren Einsätzen nicht immer so aufregend zugeht, wie man sich das vorstellt. Anita ist das recht. Sie kann helfen und sie hilft gerne.

Adrian, ihr Exmann, ist Arzt am selben Krankenhaus. Sie haben sich erst vor kurzem „in bestem Einvernehmen“ getrennt, und Lukas, ihr vierzehnjähriger Sohn, lebt bei seinem Vater und dessen neuer Freundin Heidi.

Hätte Anita Adrian nicht zufällig bewusstlos auf der Krankenhaustoilette gefunden, zugedröhnt mit einem Narkosemittel, und hätte Heidi nicht dauernd diese flotten Sprüche losgelassen, dass jeder seines Glückes Schmied ist, dass Arme und Kranke oft genug selbst an ihrem Zustand schuld sind, dann könnte sich Anita weiter vormachen: alles ist in bester Ordnung. Ist es aber nicht. Weder privat noch beruflich.

Kristof Magnusson erzählt mit großem Hintergrundwissen aus dem Alltag einer Notärztin und gleichzeitig aus dem Alltag ihrer Patienten. Vor allem aber erzählt er aus dem Leben einer Frau Anfang vierzig, die mehr will als Routine und ‘schöner Wohnen’.

Kristof Magnusson, als Sohn deutsch-isländischer Eltern geboren 1976 in Hamburg, machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er lebt als Autor und Übersetzer aus dem Isländischen in Berlin. Sein Debütroman “Zuhause” (2005) wurde mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet, in seinen Romanen “Das war ich nicht” (2010) und “Arztroman” (2014) greift er in erfrischender Manier aktuelle Themen (Börsenspekulation, Bankenkrise bzw. Burn-Out) auf. Beide Romane waren Bestseller in Deutschland. Die Verfilmung seiner Komödie “Männerhort” kam im Oktober 2014 in die Kinos.

Ariel Magnus wurde 1975 in Buenos Airesgeboren. Er studierte Philosophie und Romanistik in Heidelberg und Berlin. Heute schreibt er für verschiedene Medien in Lateinamerika und für die “taz” in Berlin, und lebt als Autor und literarischer Übersetzer aus dem Deutschen und Englischen in Buenos Aires. Er hat bislang zwölf Bücher veröffentlicht. 2007 wurde er für seinen Roman “Ein Chinese auf dem Fahrrad” mit dem internationalen Literaturpreis Premio La otra Orilla ausgezeichnet. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2010 erschien es auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch. “Zwei lange Unterhosen der Marke Hering” erschien 2012 ebenfalls bei KiWi.

Programm

  • Freitag, 24. April, 18.30 Uhr
    Arztroman. Lesung und Gespräch mit Kristof Magnusson und Ariel Magnus. Veranstaltet von der deutschen Botschaft in Buenos Aires, dem Goethe-Institut Buenos Aires und der Fundación El Libro. 41. Internationale Buchmesse Buenos Aires, Saal Alfonsina Storni, La Rural. Deutsch mit Konsekutivübersetzung.
  • Donnerstag, 23. April, 17 Uhr
    Lesung im Rahmen der Übersetzertagung auf der Internationalen Buchmesse. Vorstellung einer Auswahl der im Rahmen der Übersetzerakademie entstandenen Übersetzungen aus dem Roman “Das war ich nicht”. Veranstaltet von der Asociación Argentina de Traductores e Intérpretes (AATI) und der Fundación El Libro, mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts und der deutschen Botschaft in Buenos Aires.
  • Kristof Magnusson in Mendoza: Samstag, 25. April, 18 Uhr, Biblioteca Manuel Belgrano, Antonio Tomba 54, Godoy Cruz, Mendoza.

Kristof Magnusson bei Wikipedia / Kristof Magnussons Facebook-Seite.

Der Countdown läuft

Independent-Filmfestival BAFICI 2015 rückt näher

Von Michaela Ehammer

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Es gibt viele Dinge im Leben, die es wert sind, geteilt zu werden. Filme sind eines davon. Das Kino ist die Kunst der Beleuchtung und der Spiegel, in dem wir uns in einem völlig anderen Licht sehen. Umso schöner also, dass die 17. Ausgabe des “Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente”, kurz BAFICI, vor der Tür steht: Startschuss des 11-tägigen Festivals ist der nächste Mittwoch, 11. April.

Ein Festival vollgepackt mit filmischen Größen und schauspielerischen Talenten, das seinesgleichen sucht. Mehr als 300.000 Zuschauer warten wieder darauf, in den Bann der argentinischen und internationalen Filmwelt gezogen zu werden. Ganz nach den euphorischen Worten des städtischen Kulturministers Hernán Lombardi: “Lasst uns das Kino in all seiner Pracht feiern!”

Im internationalen Wettbewerb gehen 18 Filme ins Rennen, im argentinischen stehen 16 Filme zur Auswahl, in der Kategorie Avantgarde und Identität sind es 22 Filme und der Human Rights-Wettbewerb, neben zahlreichen weiteren Kategorien, birgt 14 Filme im Sortiment.

Bis auf das BAFICITO, welches sich dem jüngeren Publikum zwischen 6-13 Jahren widmet, sind alle weiteren Filme erst ab 18 Jahren geeignet. Viele Gratis-Aktivitäten rund um BAFICI, z.B. “Cine al Aire Libre” im Anfiteatro im Parque Centenario oder diverse tägliche Ausstellungen im Centro Cultural Recoleta runden das umfangreiche Filmangebot ab. Buenos Aires zeigt sich einmal wieder von seiner besten Seite.

Der Kartenvorverkauf hat bereits am 6. April begonnen, online oder persönlich im Village Recoleta-Kino (Junín/Vicente López). Die Spielstätten im Überblick: Village Recoleta, Village Caballito, Arte Multiplex Belgrano, Lugones-Saal, Centro Cultural Recoleta, Malba, Fundación Proa, Planetarium, Centro Cultural San Martín, Alianza Francesa, Usina del Arte und Anfiteatro del Parque Centenario.

Foto:
Szene aus “Above and Below”. Der Dokumentarfilm des jungen Schweizer Regisseurs Nicolas Steiner läuft im Internationalen Wettbewerb.

Boris Groys in Argentinien

Star-Denker der zeitgenössischen Kunst- und Medientheorie hält sich vom 15. bis zum 17. April in Buenos Aires auf

groysDer Philosoph Boris Groys gilt als Star-Denker in Fragen der russischen Kultur sowie der zeitgenössischen Kunst- und Medientheorie. Vom 15. bis zum 17. April 2015 hält er sich auf Einladung des Goethe-Instituts, der Universidad Nacional de San Martín und der Universidad Torcuato Di Tella zum ersten Mal in Argentinien auf. Die Veranstaltungen sind auf Deutsch und Englisch mit Übersetzung, der Eintritt ist frei.

Boris Groys, geboren 1947 in Ostberlin, wird in Argentinien innerhalb von Gesprächen und Vorträgen über Fragen des Internets und des neuen digitalen öffentlichen Raums sprechen, über den Zwang zum Selbst-Design, die ästhetische Verantwortung und den zeitgenössischen Freiheitsbegriff, über unsterbliche Körper, kybernetische Kriege, die Rückkehr der Religionen, sowie über Demokratisierung und Entprofessionalisierung der Kunst.

So wird er in der Sozialwissenschaftlichen Fakultat der UBA die spanische Übersetzung des Essaybandes “Going Public” vorstellen. In der Universidad Nacional de San Martín geht er, im Gespräch mit Claudio Ingerflom und Agustín Cosovschi, der Beziehung zwischen Kunst und Politik nach. Zuletzt wird er den Vortrag “Kunst als Medium von Wahrheit” auf dem internationalen Symposium “Mystery – Ministry. The aesthetic sphere and the discourse of professionalism” in der Universidad Torcuato Di Tella halten.

Nach einem Studium der Philosophie und Mathematik an der Leningrader Universität war Boris Groys bis zu seiner Ausreise aus der UdSSR in die BRD (1981) an verschiedenen wissenschaftlichen Instituten in Russland tätig. Es folgten Gastprofessuren in den USA an der University of Pennsylvania und an der University of Southern California in Los Angeles. 1992 wurde Groys in Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster promoviert. Ab 1994 war er Professor für Kunstwissenschaft, Philosophie und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, und seit 2005 unterrichtet er als Global Distinguished Professor an der Faculty of Arts and Science der New York University, New York.

Prof. Dr. Boris Groys ist Senior Research Fellow des HfG Forschungsinstituts und Mitglied der Association Internationale des Critiques d’Art. Neben seiner wissenschaftlichen, publizistischen und kuratorischen Tätigkeit ist Groys auch künstlerisch aktiv. Seine Film- und Videoinstallation “The Art Judgement Show” wurde 2001 in Ljubljana und 2002 in Brüssel und Berlin gezeigt. Für die Ausstellung “Iconoclash” im ZKM entwarf er den Filmessay “Iconoclastic Delights” (2002). Er war Kurator des russischen Pavillons der Venedig-Biennale 2011 und Ko-Kurator der Shanghai-Biennale 2012.

Mehrere seiner Bücher wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. In spanischer Sprache sind u.a. “Sobre lo nuevo: ensayo de una economía cultural”, “Bajo sospecha: una fenomenología de los medios”, “Obra de arte total Stalin” und “Política de la inmortalidad” erschienen. 2014 veröffentlichte der Verlag Caja Negra den Essayband “Volverse público. Las transformaciones del arte en el ágora contemporánea”, den Groys im Gespräch mit der Kulturwissenschaftlerin Flavia Costa vorstellen wird. 2015 soll bei Cruce Casa Editora die spanische Übersetzung von “Das kommunistische Postskriptum” erscheinen.

Termine

  • Going Public. Eine Menschheit von Künstlern? Internet, Soziale Netzwerke und die Veränderung von Kunst und Leben im digitalen Zeitalter. Boris Groys im Gespräch mit Flavia Costa.
    15. April 2005 um 19 Uhr. Auditorio Roberto Carri, Facultad de Ciencias Sociales (UBA), Santiago del Estero 1029.
  • Politisierung der Kunst versus Ästhetisierung der Politik. Boris Groys im Gespräch mit Claudio Ingerflom und Agustín Cosovschi.
    16. April um 17 Uhr. UNSAM, Campus Miguelete, Edificio de Gobierno. 25 de Mayo/Francia, San Martín, Prov. Buenos Aires. Englisch mit Konsekutivübersetzung.
  • Kunst als Medium von Wahrheit. Vortrag im Rahmen des internationalen Symposiums “Mystery – Ministry. The aesthetic sphere and the discourse of professionalism”.
    17. April um 18.30 Uhr. Auditorium der Universidad Torcuato Di Tella, Av. Figueroa Alcorta 7350. Mit Anmeldung. Infos hier.

Deutsche Filme im Club Alemán

“Cine Club Alemán” im Deutschen Klub startet am 7. April

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“Almanya – Willkommen in Deutschland” der Regisseurin Yasemin Samdereli ist der erste in einer Reihe deutschr Filme, die ab dem 7. April jeden ersten Dienstag im Monat jeweils um 19 Uhr mit der Unterstützung des Goethe-Instituts Buenos Aires im Club Alemán zu sehen sein werden. Der Zyklus “Cine Club Alemán” geht weiter am 5. Mai mit “Barbara” von Christian Petzold und am 2. Juni mit “Stellet Licht” von Carlos Reygadas. Moderiert wird der Filmzyklus von Nele Wohlatz, einer jungen deutschen Filmemacherin, die auch durch das anschließende Publikumsgespräch führt. Alle Filme werden im deutschen Original mit spanischen Untertiteln gezeigt. Ort: Deutscher Klub Buenos Aires, Av. Corrientes 327, 21. Stock, Salon “Berlín”. Tel.: 4311-0716, E-Mail: eventos@www.clubaleman.com.ar, Webseite hier. Eintritt: 40 Pesos, für Kursteilnehmer des Goethe-Instituts und Mitglieder des Deutschen Klubs 15 Pesos.

Programm

  • Dienstag 7. April: “Almanya – Willkommen in Deutschland” – D 2009-2011. 95 Min. Regie: Yasemin Samdereli.
    1964 kam Hüseyin Yilmaz aus der Türkei nach Deutschland. Später holte er Frau und Kinder nach. Jetzt erzählt seine Enkelin mit Wärme und Humor die Familiengeschichte – während der Clan unterwegs ist, um am Ort des Ursprungs Urlaub zu machen. Wo die eigentliche Heimat ist, wird sich jeder von ihnen selbst fragen müssen.
  • Dienstag 5. Mai: “Barbara” – D 2012. 108 Min. Regie: Christian Petzold.
    Rund neun Jahre vor dem Fall der Mauer: Aufgrund eines Antrags auf Ausreise aus der DDR wurde die Berliner Ärztin Barbara inhaftiert und nach ihrer Entlassung im Sommer 1980 an ein Provinzkrankenhaus strafversetzt. Während ihr Geliebter aus dem Westen die Flucht über die Ostsee vorbereitet, arbeitet Barbara, häufig observiert und oft kontrolliert, in der Kinderchirurgie. Sie muss entscheiden, ob sie ihrem neuen Chef André vertrauen kann. Christian Petzolds Film, bei der Berlinale 2012 mit dem Regie-Preis ausgezeichnet, ist ein stiller, unaufgeregter und bedingungslos genauer Film über das Leben in der DDR – weit entfernt von ideologischen Diskursen.
  • Dienstag 2. Juni: “Stellet Licht” – Mexiko 2007. 142 Min. Regie: Carlos Reygadas.
    Der vom World Cinema Fund der Berlinale koproduzierte Film erhielt den Preis der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes. Johan lebt in einer Mennoniten-Gemeinde im Norden Mexikos. Gegen die Gesetze Gottes und seiner Gemeinde verliebt der verheiratete Familienvater sich in eine andere Frau. Der Film wurde auf plautdietsch mit Laiendarstellern aus der Mennoniten-Gemeinde gedreht.

Ein Hauch von Frankreich

Programm des Filmfestivals BAFICI 2015 wurde vorgestellt

Von Michaela Ehammer

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Die 17. Ausgabe des “Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente” wird in diesem Jahr vom 15. bis 25. April in 13 Spielstätten veranstaltet werden. Unter anderem wird auch das Teatro Colón Schauplatz verschiedener Events sein, wie etwa die Schlussvorstellung oder ein Gespräch mit Filmstar Isabelle Huppert, Ehrengast des Filmfestivals aus dem diesjährigen Gastland Frankreich und eine der am höchsten und am häufigsten ausgezeichneten Schauspielerinnen ihrer Generation.

Festival-Direktor Marcelo Panozzo und der städtische Kulturminister Hernán Lombardi gaben am Donnerstag voriger Woche bei der Pressekonferenz das Programm bekannt und betonten, es werde ein großartiges BAFICI mit vielen filmischen Perlen werden. Während der 11 Tage – ein Tag weniger als üblich – werden 421 Filme gezeigt, darunter argentinische, lateinamerikanische und internationale Lang-, Mittel- und Kurzfilme. Auch Beiträge aus dem deutschsprachigen Raum sind beim BAFICI vertreten, unter anderem “Victoria” von Sebastian Schipper aus Deutschland, “Prose du Transsibérien” von David Epiney aus der Schweiz oder “Goodnight Mommy” von Veronika Franz und Severin Fiala aus Österreich.

Das BAFICI wurde 1999 ins Leben gerufen und hat sich seither zu einem der bekanntesten und prestigeträchtigsten Filmfestivals für unabhängige Filme weltweit entwickelt. Die innovativsten, wagemutigsten und engagiertesten Filme werden dabei von namhaften Größen sowie jungen Talenten gezeigt und der Zuschauer darf einzigartige filmische Kreativität erwarten.

Eröffnet wird das Filmfestival mit dem argentinisch-französischen Film “El Cielo del Centauro” von Hugo Santiago. Der Kartenvorverkauf startet am 6. April online oder persönlich im Village Recoleta-Kino. Der Kartenpreis liegt bei 30 Pesos. Für Studenten und Rentner gibt es einen ermäßigten Preis von 25 Pesos. Der Schlussfilm “La calle de los pianistas” des Argentiniers Mariano Nante sowie das Hommage-Konzert für Jaco Pastorius mit Javier Malosetti in der “Usina del Arte” kosten jeweils 50 Pesos.

Foto:
Panozzo (links) und Lombardi bei der Pressekonferenz.
(BAFICI)

Heinrichs Hintergedanken

Ausstellung “Intenciones Secretas” vin Annemarie Heinrich im Malba

Von Mandy Rutkowski

HeinrichIm Museum Lateinamerikanischer Kunst Malba ist ab Freitag eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Annemarie Heinrich (Darmstadt, Deutschland, 1912 – Buenos Aires, 2005) unter dem Titel “Intenciones Secretas” (Hintergedanken) zu sehen. Hierbei werden 90 ihrer intimsten Fotografien gezeigt, die zwischen 1930 und 1960 entstanden sind.

Die Ausstellung der deutschen Künstlerin und Avantgardistin im Bereich der Annäherung an den Körper und Sinnlichkeit der Frau konzentriert sich auf Aktbilder und die Erfassung der intimen und familiären Welt der Künstlerin. Ihre Werke offenbaren den Blick einer freien und vorurteilsfreien Frau, die bereits viele Themen vorweggenommen hat, die in der Frauenrechtsbewegung der 1960er Jahre thematisiert wurden.

In der Ausstellung werden Fotografien der Museumssammlung mit Aufnahmen aus dem Besitz der Familie vereint. Nachdem Heinrich 1926 nach Buenos Aires auswanderte, erlangte sie erste Bekanntheit durch Fotografien von Berühmheiten wie Eva Perón und Armando Bó. In den 1940er Jahren begann sie sich der Aktfotografie zu widmen. 1992 wurde sie zur Ehrenbürgerin von Buenos Aires ernannt.