Ein Zeitreisender mit großem Herzen

Carlos Kaspar führt mit „La Yunta“ neues Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ auf

Von Svenja Beller

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Wenn Schauspieler Carlos Kaspar von der Theatergruppe “La Yunta” spricht, dann leuchten seine eisblauen Augen.
(Foto: Svenja Beller)

“Wir Argentinier sind Nostalgiker, wir blicken immer auf die glanzvolle Vergangenheit. Statt die Realität anzupacken, machen wir Theater“, erklärt Carlos Kaspar die Lebensphilosophie seiner Landsleute. Und so macht er es auch: Er macht Theater, schon sein Leben lang. Angefangen hat er in der Theatergruppe in seiner Schule, das habe sein Leben entscheidend geprägt, seine Passion war gefunden. Er spielte in zahlreichen Filmen und Theaterstücken, den richtigen Durchbruch landete er vor fünf Jahren in der Telenovela “Resistiré”. Als seine Figur in der Sendung erschossen wurde, sprachen ihn viele Leute auf der Straße an und jammerten: “Nein, sie haben dich umgebracht!” Er hatte sich in die Herzen der Argentinier gespielt, war ein Böser, der am Ende doch noch gut wurde und der Hauptfigur zur Seite stand. Im Moment bereitet er sich auf seine Rolle in dem Thriller “Olvídame” vor. Dort spielt er einen finsteren Arzt, einen “doctor muerte”, wie er ihn nennt. Auch seine letzte Rolle in dem mexikanischen Film “La última muerte” war ein Arzt, dieses Mal aber ein guter. Sterben tut er aber in beiden Streifen. “Meistens spiele ich dunkle Rollen, da werde ich immer umgebracht”, erzählt er grinsend, er sei ans Sterben gewöhnt.

Carlos Kaspar ist ein zweiseitiges Blatt: Neben seiner eigenen Schauspielkarriere treibt er auch die Theaterzukunft anderer voran. An seiner ehemaligen deutschen Schule “Instituto Ballester” rief er vor acht Jahren die Theatergruppe “La Yunta” (Joch) ins Leben. Mit dem Namen will er betonen, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Vor acht Jahren, zur Zeit der Krise, habe er seiner Schule etwas zurückgeben wollen, wollte in negativen Zeiten etwas Positives schenken. Dieses Jahr spielt die Gruppe aus Schülern, Ehemaligen, Lehrern und Eltern schon ihr siebtes Stück, das Konzept war erfolgreich. Carlos Kaspar sieht es als pädagogisches, soziales und kulturelles Projekt. Es biete die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen, seine Fähigkeiten als Schauspieler, Regieassistent oder Maskenbildner auszutesten und etwas über seine Kultur zu lernen. Carlos Kaspar geht auf im Theaterprojekt, es sei ein gutes Gefühl, andere für das Theater zu begeistern und seiner Schule etwas zurückzugeben. „Mein Blut ist grün und weiß“, lacht er – durch seine Adern fließen die Schulfarben.

Wenn der gemütlich wirkende Deutsch-Argentinier von der „Yunta“ redet, dann leuchten seine eisblauen Augen. Er ist nicht der hochnäsige Star geworden, zu dem ihn die Filmindustrie hätte machen können. Begeistert erzählt er vom neuen Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“. Ein zufriedenes Lächeln umspielt seine Lippen, wenn er von Grundideen, kreativen Details, Inspirationen, Musikauswahl, Besetzungen und Proben spricht. Er erzählt gerne, und obwohl er es nicht sagt, ist er stolz auf das Projekt.

„Ich glaube, Klassiker muss man immer adaptieren“, erklärt er seine Inszenierung. Seine „Mutter Courage“ kämpft im Irak um das Überleben ihrer Kinder, auch wenn das nicht plakativ deutlich wird. Die Fahnen von Protestanten und Katholiken, Uniformen, Musik – es sind Details, die auf den Ort schließen lassen. Er geht mit Bertolt Brechts Stück modern um und bezieht Probleme aus dem Hier und Jetzt mit ein. So findet die Mediatisierung in dieser Inszenierung einen großen Platz. Durch die Medien sei Gewalt etwas Alltägliches geworden, das wirke sich gravierend auf das Verhalten der Menschen aus. Die wachsende Gewaltbereitschaft mache ihm Angst, er wolle den Medien aber auch nicht die volle Schuld geben. Dennoch will er dieses Phänomen thematisieren, will aufmerksam machen auf Missstände in unserer mediatisierten Welt.

Auf der Bühne mischen sich ein Kameramann und eine Journalistin ins Kriegsgeschehen, die Aufnahmen werden auf eine Leinwand übertragen. Das trage mit zum „Verfremdungseffekt“ bei, eine Eigenschaft, die er am Brechtschen Theater liebe. Verschiedene Techniken und Kniffe vermeiden, dass der Zuschauer in das Geschehen eintaucht, wie wir es von Hollywoodfilmen kennen, bei denen man zutiefst verletzt gemeinsam mit der betrogenen Protagonistin mitheult. Dazu lässt Carlos Kaspar es in seinem Stück nicht kommen: Durch Schilder, Brüche und eine Sprecherin schafft er Distanz zwischen Zuschauer und Charakteren. So bleibe ein kritischer Blick auf die Handlung bewahrt, der Zuschauer solle sich nicht einfach mittreiben lassen. Wieder leuchten die Augen: „Ich finde Brecht faszinierend.“ In „Mutter Courage“ zeige er, wie unterschiedlich die Menschen sich in Krieg und Frieden verhalten, und diesen Faden nimmt er in seiner Inszenierung auf.

Durch seinen Beruf als Schauspieler hat er nicht immer die nötige Zeit, um die Gruppe zu betreuen. Deswegen sind die Aufgaben gut aufgeteilt, er will nicht, dass alles mit ihm steht und fällt. Um die Schauspieler-Regie kümmert sich Mercedes Sirni, die Orchesterleitung haben Federico Popoff und Margarita Huber, Kaspar selbst entwickelte die Inszenierung. Gespielt wird auf Spanisch, nur ein Fragment werde auf Deutsch sein. In dem werde die Schuldirektorin mit einer Poesie-Interpretation für einen thematischen Schnitt sorgen, ein weiterer Gehilfe des Verfremdungseffektes. Für Carlos Kaspar ist es wichtig, dass immer ein Stück deutsche Kultur transportiert wird. Er will die Kultur und Geschichte weitergeben, viele Schüler würden ihre Wurzeln in Deutschland ja nur aus Erzählungen kennen.

„Ich bin ein Fanatiker der Geschichte“, gibt er lachend zu. Er lese viel, krieche gerne weit und immer weiter in die Welten der Vergangenheit. Er suche nach Gründen. Gründen für Entscheidungen, Kriege, Frieden, für die Verstrickungen der Zeit. Sein Großvater sei im Krieg gefallen – für ihn ein Grund, in die Vergangenheit zu blicken. Er begann schon früh, sich für die Geschichte um das Leben des Mannes zu interessieren, den er kaum kennenlernen durfte. Von Spielkameraden in den Straßen von Buenos Aires wurde er Nazi genannt, „Mami, was ist ein Nazi?“ Die erklärenden Worte der Mutter wurden bald durch dicke Bücher über den Zweiten Weltkrieg abgelöst, in denen er Antworten auf seine Fragen fand. „Mit dem Theater kann ich in der Geschichte reisen und mit der Phantasie spielen“, erklärt Carlos Kaspar seine Begeisterung für die Schauspielerei, „es gibt mir die Möglichkeit, in einem Leben mit vielen Leben zu experimentieren.“

„Mutter Courage und ihre Kinder“ feiert seine Premiere am 13. Juni in der Aula Magna des “Instituto Ballester”. Weitere Aufführungen sind am 14., 20., 21., 27. und 28. Juni und am 4. und 5. Juli, samstags um 20 Uhr und sonntags um 19 Uhr.

„Ich mache niemals einfach nur ein Foto von einem süßen Kind“

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Fotoausstellung „It‘s OUR world“ von Mitja Rietbrock im Deutschen Klub

Von Svenja Beller

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Nah dran: Mitja Rietbrock bei einem Fotoshooting in Bulgarien.

Kinder können sich die Welt, in die sie hineingeboren werden, nicht aussuchen. Sie wünschen sich Liebe und Geborgenheit, doch für viele geht dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Sie müssen unter Krieg, Hunger und Unterdrückung leiden. Ihre Stimme, die nach einer besseren Welt ruft, ist viel zu leise, verhallt ungehört.

Der Schweizer Journalist Mitja Rietbrock jedoch hörte ihre Rufe. Als seine erste Tochter vor sechs Jahren das Licht der Welt erblickte, wurde er sich besonders der Verantwortung der Eltern für ihre Kinder bewusst. Mit seiner Tochter wurde auch das Fotoprojekt „It’s OUR world“ geboren, mit dem er den Kindern der Welt eine Stimme geben will. Vom 27. Mai bis zum 1. Juni war ein Teil seiner Fotos im Deutschen Klub zu sehen. Auf die Idee, in Buenos Aires eine Ausstellung zu machen, war er durch Freundin und Arbeitskollegin Esther Marie Merz gekommen, die schon länger hier lebt.

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“Nunca hago fotos de chicos que dan ternura”

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Exposición fotográfica “It‘s OUR world” de Mitja Rietbrock en el Club Alemán

Por Svenja Beller

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Mitja Rietbrock tomando una foto en Bulgaria.

Los niños no pueden elegir el mundo en que nacieron. Desean amor y protección, aunque para muchos chicos este deseo no se cumple. Deben pasar por guerras, hambre y explotación. Sus voces que piden un mundo mejor son demasiado bajas, se apagan sin ser atendidas.

El periodista suizo Mitja Rietbrock, sin embargo, escuchó sus reclamos. Cuando su primera hija le iluminó el mundo hace seis años, tomó conciencia de la responsabilidad de los chicos. Con su hija, también nació el proyecto fotográfico “It’s OUR world”, por medio del cual se proponía darle voz a todos los chicos del mundo. Del 27 de mayo al 1 de junio una parte de sus fotos se pudieron ver en el Club Alemán. Gracias a la amiga y colega Esther Marie Merz, que hace años vive en Buenos Aires, pensó en exponer en esta ciudad parte de su obra.

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Kalender / Agenda

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Ausstellungs-Kalender 06.06.09-13.06.09

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Neue Zeichnungen von Carlos Carmona sind bis 13.6. in der Galerie Empatía zu bewundern.

Ausstellungszentren

  • MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), Av. Figueroa Alcorta 3415 (Do-Mo und feiertags 12-20 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr, dienstags geschlossen. Eintritt 15 Pesos, Lehrer und Rentner 8 Pesos, Studenten 5 Pesos, unter 5-Jährige gratis. Mittwochs: Eintritt 5 Pesos, Lehrer und Rentner 3 Pesos, Studenten gratis): Luis F. Benedit, „Equinus Equestris“. 14.5.-27.7. / „Intervención 6“: Pablo Reinoso, „Enredamaderas“. Bis November.
  • Centro Cultural Recoleta, Junín 1930 (Mo-Fr 14-21, Sa, So und feiertags 10-21 Uhr): „Correspondencias Visuales: Marcelo Brodsky, Manel Esclusa, Cássio Vasconcellos, Pablo Ortiz Monasterio, Martin Parr, Horst Hoheisel“. Kuratorin: Valeria González. Saal C. 15.5.-7.6. / Ernesto Pesce, „La deriva. Obra reciente“. Kuratorin: María Teresa Constantin. Cronopios-Saal. Eröffnung: 10.6., 19 Uhr. Bis 12.7.
  • Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín (Mo-Sa 10-21, So 12-21 Uhr. Eintritt 8 Pesos, Rentner und Studenten 5 Pesos): Carlos Regazzoni, „Vol de Nuit“. 20.5.-15.6. / Juan Carlos Lasser, Hommageausstellung. Bis 15.6.
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Agenda / Kalender

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Agenda de Muestras 06/06/09-13/06/09

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Dibujos recientes de Carlos Carmona se pueden apreciar en la Galería Empatía hasta el 13 de junio.

Centros de exposiciones

  • MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), Av. Figueroa Alcorta 3415 (Jue-Lun y feriados 12-20 hs, Miércoles hasta 21 hs, martes cerrado. Entrada 15 pesos, docentes y jubilados 8 pesos, estudiantes 5 pesos, menores de 5 años gratis. Miércoles: Entrada 5 pesos, docentes y jubilados 3 pesos, estudiantes gratis): Luis F. Benedit, “Equinus Equestris”. 14.05.-27.07. / “Intervención 6”: Pablo Reinoso, “Enredamaderas”. Hasta noviembre 2009.
  • Centro Cultural Recoleta, Junín 1930 (Lun-Vie 14-21, Sab, Dom y feriados 10-21 hs): “Correspondencias Visuales: Marcelo Brodsky, Manel Esclusa, Cássio Vasconcellos, Pablo Ortiz Monasterio, Martin Parr, Horst Hoheisel”. Curadora: Valeria González. Sala C. 15.05.-07.06. / Ernesto Pesce, “La deriva. Obra reciente”. Curadora: María Teresa Constantin. Sala Cronopios. Inauguración: 10.06., 19 hs. Hasta 12.07.
  • Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín (Lun-Sab 10-21, Dom 12-21 hs. Entrada 8 pesos, jubilados y estudiantes 5 pesos): Carlos Regazzoni, “Vol de Nuit”. 20.05.-15.06. / Juan Carlos Lasser, muestra homenaje. Hasta 15.06.
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“Man schützt nicht, was man nicht liebt”

Nachtwanderung in der Reserva Ecológica Costanera Sur

Von Virginia Kirst

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In der Reserva Ecológica scheint der Mond fast so hell wie tagsüber die Sonne.
(Foto: Virginia Kirst)

Den Weg zum Eingang der Reserva Ecológica Costanera Sur sollte man lieber nicht alleine gehen. Es ist zwar 19.30 Uhr und der Vollmond geht gerade auf, aber es ist düster, und düster sind auch die Gestalten, die sich vor dem Eingang herumdrücken. 120 Personen dürfen heute Abend an dem geführten nächtlichen Besuch des Reserva Ecológica Costanera Sur teilnehmen. Die Anmeldung jedoch birgt eine Hürde: Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt. Schon zwei Stunden nach Beginn der Anmeldefrist sind keine Plätze mehr frei. Die kostenlose Führung, die ein Mal im Monat bei Vollmond stattfindet, scheint ebenso bekannt wie beliebt zu sein.

Die Besucher werden in kleinere Gruppen von etwa 20 Personen eingeteilt. Jede Gruppe bekommt einen Führer, und die Wanderung in die Dunkelheit beginnt. Hernando gibt den Teilnehmern seiner Gruppe die letzte Möglichkeit zum Umkehren: Der Ausflug ist vier Kilometer und drei Stunden lang. Niemand ändert seine Meinung und es geht los. In der Reserva Ecológica Costanera Sur scheint der Mond fast so hell wie tagsüber die Sonne. Auf den öffentlichen Wegen führt Hernando die Gruppe tiefer ins Reservat und erklärt einiges zu Flora und Fauna.

Interessant ist besonders die Entstehungsgeschichte des Gebiets: Von Anfang der 1970er Jahre stammt die Idee zu einem Landgewinnungsprojekt vor dem damaligen Balneario Costanera Sur. Balneario heißt Seebad, ein Name, der zu diesem Zeitpunkt schon überholt ist, da das Baden im Río de la Plata seit den 1950er Jahren verboten war. Auf dem durch das Projekt neu gewonnenen, zentrumsnahen Boden sollten damals Regierungsgebäude errichtet werden. 1978 wurde begonnen, das Projekt zu realisieren. Schutt, der bei der Erneuerung der urbanen Autobahnen anfiel, wurde im Fluss aufgeschüttet. Mit diesen Dämmen wurden Teile des Flusses abgetrennt. Dazwischen entstand durch Sedimentablagerungen Land. Die Maßnahmen wurden bis 1984 weitergeführt, bis schließlich, nicht zuletzt durch Geldmangel, das Projekt verworfen wurde.

Auf dem gewonnenen Boden begannen sich einheimische Pflanzen auszubreiten, deren Samen in den Sedimenten des Flusses aus den unterschiedlichsten Regionen angeschwemmt worden waren. Andere Samen gelangten mit dem Wind oder Tieren in das Gebiet. Schon nach kurzer Zeit wurde die Region von den Einwohnern der Stadt entdeckt. Neben Joggern und Radfahrern kamen auch Biologiestudenten und vor allem Vogelbeobachter, um die neu entstandene Natur zu genießen und zu untersuchen. Am 5. Juni 1984 wurde das Gebiet schließlich von der Stadt unter Naturschutz gestellt. Dank dieses Gesetzes zum Schutz des 360 Hektar großen Naturreservats besteht es bis heute, und die Artenvielfalt entwickelt sich weiter.

Hernandos Informationen sind zwar interessant, atemberaubend hingegen ist die Sicht, die einem die Natur hier bietet. In dieser Nacht hat sich eine Schicht von Nebel über die tiefer gelegenen Regionen des Reservats gelegt. Der Nebel wird vom Vollmond angestrahlt und liegt wie ein weißer, geheimnisvoller Mantel über der Landschaft. Je weiter man sich von der Großstadt entfernt, desto leiser werden die alltäglichen Geräusche. Der Lärm der Autos und des Hafens wird aber auf der Wanderung nie ganz verstummen. Langsam steigt der Mond höher und leuchtet den Weg.

Plötzlich bittet Hernando die Gruppe, eine Reihe zu bilden, und es wird spannend. Er verlässt den öffentlichen Weg und führt ins Unterholz. Der für die Öffentlichkeit verbotene Pfad kann nur in einer Ein-Mann-Reihe begangen werden und erfüllt die Erwartungen, die er suggeriert hatte. Er eröffnet den eigentlichen Reiz des Besuches. Hier ist es dunkel und geheimnisvoll, das Pampasgras ist mannshoch und verdeckt den Mond. Sogar die Jugendlichen der Gruppe scheinen sich endlich alles erzählt zu haben. Langsam gewöhnt sich das Ohr an die Geräusche der Natur. Hier und da schreckt direkt neben dem Weg ein Vogel auf und erschreckt die Besucher, so wie sie ihn erschreckt haben. In einem nahegelegenen Wäldchen legt die Gruppe dann einen lehrreichen Zwischenstopp ein. Hernando erläutert weitere Merkmale der nächtlichen Natur.

Wieder zurück auf dem öffentlichen Weg, gelangt die Gruppe an den Río de la Plata. Die Aussicht, auf das pechschwarze Wasser des Río, in welchem sich der Vollmond spiegelt, sowie auf die Stadt, die hinter den Bäumen des Reservats leuchtet, ist beeindruckend.

Auf dem Rückweg hat Hernando noch eine besondere Überraschung: Auf einem Steg, der über Grasland ragt, spielt er mit seiner Ukulele Lieder. Die Lieder handeln – wovon auch sonst – von einigen heimischen Vogelarten.

“Man schützt nicht, was man nicht liebt, und man liebt nicht, was man nicht kennt”, ist der Slogan der Internetseite der Reserva Ecológica Costanera Sur. Nach diesem Erlebnis versteht man dieses Motto. Die nächtliche Führung vermittelt einen hautnahen Eindruck von diesem Stück wiedergewonnener Natur. Das Naturreservat unmittelbar neben der Innenstadt von Buenos Aires ist ein ganz besonderer Ort und verdient Beachtung und Schutz.

Virtuelles Gezwitscher

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Die Plattform “Twitter” kann viel mehr als Freunde verbinden

Von Svenja Beller

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Die Vögel zwitschern es von den Bäumen, die Menschen des 21. Jahrhunderts zwitschern im Internet. Egal ob wichtig, belanglos, überflüssig oder hochinteressant – alles findet seinen Weg in die virtuelle Welt. Die Internetplattform “Twitter” kann man sich als Baum vorstellen, auf dessen Ästen sich jedes kleine Vögelchen niederlassen kann, um sein Liedchen zu “twittern” (engl. ”zwitschern”). Im März 2008 pflanzten Jack Dorsey, Biz Stone und Evan Williams diesen Baum, anfänglich als internes Firmenkommunikationsmittel genutzt. Kaum in der Öffentlichkeit, wuchs die Vogelpopulation rasant an, “Twitter” wurde zum neuen Hype. Vom “Spiegel” bis zum Nachbarsjungen schreiben die “Twitter”-Nutzer weltweit Kurznachrichten über alles und nichts – beschränkt auf 140 Zeichen pro Nachricht.

Angetrieben durch Freunde, die bereits über ihren Alltag zwitschern, werde ich nun auch zu einem “Twitterer”. Auf der Startseite von twitter.com empfängt mich ein kleines Vögelchen mit Knopfaugen auf einem geschwungenen Ast. Den Text gibt es auf Englisch oder Japanisch – in diesen Sprachräumen finden sich die meisten Nutzer. Ich melde mich an und muss die gängigen persönlichen Angaben machen, wie ich sie auch schon von anderen Internetplattformen wie “Facebook” kenne. Ob ich Freunde suchen will? Klar, die haben mich ja erst dazu gebracht. Mit einem Klick auf das Feld “Follow” sehe ich ab jetzt jede Kurznachricht, die meine Freunde ins Internet zwitschern. Wochenendplanung, Fußball, Uni-Muffel: Im Nu bin ich auf dem neuesten Stand. Ich sitze vor meinem Computer in Buenos Aires und grinse – obwohl meine Freunde mehrere 1000 Kilometer weit weg in Deutschland sind, bin ich plötzlich mitten in ihrem Leben, lese Dinge, die sie mir sonst persönlich erzählt hätten. “Twitter” als Guckrohr in die Köpfe meiner Freunde.

“What are you doing?”, fragt mich die Plattform, darunter ein Kästchen mit exakt 140 Zeichen. Ich “twittere” meinen ersten Beitrag, auf Englisch, ganz international. Ich schreibe über meinen Tag, und frage mich, wer das wohl lesen wird. Doch schon am nächsten Tag habe ich drei “Follower”, also andere Nutzer, die meine Nachrichten lesen. Mein gezwitschertes Liedchen wurde gehört.

Doch “Twitter” kann noch mehr, als Freunde miteinander zu verbinden. Der “Spiegel”, die NASA, Schauspieler Ashton Kutcher oder US-Präsident Barack Obama – die Liste der prominenten Twitterer ist lang. Die Nutzung geht weit über persönliche Kommunikation hinaus: Nachrichten-Verbreitung, Marktforschung, Liveberichterstattung. Da man seine “Tweets” (Nachrichten) auch via SMS absetzen kann, ist “Twitter” an Aktualität kaum zu übertreffen. So gelangte die erste Nachricht über die Airbus-Notlandung im New Yorker Hudson River über „Twitter“ an die Öffentlichkeit. „Da ist ein Flugzeug im Hudson River. Bin auf der Fähre, die versucht, die Leute aufzusammeln. Verrückt”, textete Twitter-Nutzer Janis Krums damals wenige Minuten nach dem Beinahe-Unglück. Das Foto, das er wenig später hinterherschickte, wurde sogar von professionellen Nachrichtenseiten genutzt. „Twitter“ als Wegbegleiter zum Bürgerjournalismus? Die Plattform bietet großes journalistisches Potenzial, ein Riesenhaken ist aber die Glaubwürdigkeit. Profilangaben, Fotos, Nachrichten- alles kann frei erfunden sein. Nichts weiter als Schall und Rauch eines Wichtigtuers oder ein groß aufgezogener Scherz.

Egal ob mit falschen Federn geschmückt, schief gekräht oder fein geflötet – die Vöglein werden immer mehr und treiben die Plattform in eine noch unbekannte Zukunft.

Gorjeo virtual

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La plataforma Twitter une más que amigos

Por Svenja Beller

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Los pájaros gorjean desde los árboles, los hombres del siglo XIX gorjean en Internet. Lo mismo da si es importante, irrelevante, superficial o super interesante, todo termina en el mundo virtual. Uno se puede imaginar la plataforma Twitter como un árbol, en cuyas ramas reposa cada pajarito para twittear su melodía. En marzo de 2008, Jack Dorsey, Biz Stone y Evan Williams plantaron este “árbol” que, en principio, estaba pensado para la comunicación interna de las empresas. Apenas se hizo público, la población plumífera creció a pasos agigantados. Twitter se convirtió en un hit. Desde la revista alemana Spiegel hasta cualquier hijo de vecina, los twitteros escriben mini textos desde todos los rincones del mundo con un límite de 140 caracteres por mensaje.

Impulsado por amigos, que ya twitteaban todo el día, me convertí en un twittero. En el sitio twitter.com apareció un pajarito parado en una ramita. El texto está en inglés o japonés, ya que en esas lenguas hay más usuarios. Me registro, lleno todos los formularios, como hice en otras plataformas como Facebook. ¿Si busco amigos? Claro. Con un click en “Follow” ya empiezo a leer los mensajitos que mis amigos gorjean en Internet. Planes para el fin de semana, fútbol, chismes de la facultad: en un instante me entero de todas las novedades. Me siento en una computadora en Buenos Aires y sonrío. A pesar de que mis amigos están a miles de kilómetros en Alemania, de pronto me encuentro en el medio de su vida, leo cosas que, de lo contrario, deberían contarme en persona. Twitter es como un tubo por donde puedo mirar la cabeza de mis amigos.

“What are you doing?”, me pregunta la plataforma y me deja un casillero en blanco con exactos 140 caracteres. Twitteo mi primer mensaje, en inglés, muy internacional. Escribo sobre mi día y me preguntó quién lo va a leer. Al otro día ya tengo tres “followers”, es decir, otros usuarios, seguidores, que leen mis mensajes. Mi pequeña melodía fue escuchada.

Pero Twitter puede conectar más que amigos. El Spiegel, la NASA, el actor Ashton Kutcher o el propio Presidente Obama. La lista de twitteros es larguísima. La utilidad va más allá de los usos personales: mensajes, difusión, estudio de mercado, noticias. Como los tweets (los mensajes) también se pueden enviar vía SMS, pocos medios superan a Twitter en actualidad. Por Twitter llegó la primera información sobre el aterrizaje forzoso en el río Hudson de New York. “Hay un avión en el río Hudson, estoy en el ferry yendo a salvar gente, una locura”, escribió Janis Krums unos minutos después del infortunio. La foto que envió después fue inmediatamente subida por distintos medios profesionales. ¿Twitter como promovedor del periodismo ciudadano? La plataforma ofrece un gran potencial periodístico, pero un problema es el de la credibilidad. Perfiles, fotos, mensajes, todo se puede inventar sin restricciones. No hay límites para faroleros vendedores de humo o bromistas sin corazón.

Con plumas falsas, melodías desafinadas o refinados gorjeos, los pajaritos serán más y más, creando una plataforma con futuro incierto.

Osvaldo Decastelli en artexarte

Osvaldo Decastelli: La amenaza, el riesgo, la seguridad

Por Rodrigo Alonso

osvaldo.jpg Desde hace dos décadas, Osvaldo Decastelli trabaja con un material singular: el cartón. Si bien hoy éste posee unas connotaciones muy precisas, en las producciones del artista su sentido se expande para poner de manifiesto sus incontables posibilidades formales, conceptuales y estéticas.

Fotografía y cartón son protagonistas de dos grandes instalaciones que reflexionan sobre el mundo contemporáneo. En la primera, “Copia de seguridad”, una misma imagen se reproduce con leves variaciones en un conjunto de planos suspendidos. La multiplicidad de las transcripciones hace inútil la pregunta por el original. Como sucede en muchos medios actuales –la fotografía, el video, lo digital- estamos ante un universo de copias en el que ya no importa la imagen primigenia, nos enfrentamos a un bosque de simulacros que pone en cuestión la interrogación sobre el origen, la unicidad del producto germinal, el propio corazón del proceso creativo, y por tanto, la posibilidad de conservarlo inalterado.

Decastelli fuerza esos conceptos al trabajar con una figura insistente pero que se manifiesta siempre de manera distinta. Si en la fotografía, por ejemplo, las copias idénticas ya generan la duda sobre el original, aquí es evidente que no existe ninguno. Pero paradójicamente, las variantes que introduce el artista durante el proceso de impresión transforma a cada plano en una pieza única, tornando las copias en verdaderos originales.

La segunda instalación, “Mala hierba”, se centra en lo aledaño, el riesgo potencial, lo indeseable. Aquí un volumen central se yergue ante el paso del espectador estableciendo un primer vínculo físico. A partir de allí se desarrolla una trama de superficies que son al mismo tiempo imágenes y barreras visuales, planos y signos espaciales. Como la maleza que crece indiscriminadamente al lado del camino, estos planos crean un entramado que desvía la mirada, la complica, la extravía, poniendo en entredicho el poder del centro y su capacidad para organizar la visión.

En alguna medida, ambas instalaciones plantean una serie de incertidumbres. Reflexionan sobre el lugar de la imagen en un mundo donde la multiplicidad las ha desgastado, exaltan su profusión, destacan su carácter perecedero. Las postulan amenazantes pero al mismo tiempo frágiles, como el soporte que las sostiene y que hoy nos recuerda también la fragilidad de la vida.

  • Osvaldo Decastelli, instalaciones. artexarte, Lavalleja 1062. Lun-Sab 13-19 hs. Inauguración: 03.06., 19 hs. Hasta 16.07.

Gut gebrüllt, Löwe

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Carlos Regazzoni im Centro Cultural Borges

Von Svenja Beller

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Carlos Regazzoni lässt Schrott in neuem Glanz erstrahlen.
(Foto: Svenja Beller)

Mit einer Zigarette in der einen und einer Bierdose in der anderen Hand stapft er durch den Ausstellungsraum. Vorbei an kleinen Schrott-Flugzeugen, wilden bunten Gemälden und schick angezogenen Gästen mit Weingläsern. Am Mikrofon angekommen, brüllt er um Ruhe, er braucht es nicht. Carlos Regazzoni passt nicht hierher, in die feinen Ausstellungsräume des Centro Cultural Borges. Mit seiner neongelben Feuerwehrjacke, die seine Plautze nicht annähernd bedeckt, und seiner ungehobelten Art wirkt er neben „Borges“-Direktor Roger Haloua eher wie ein Riesenbaby denn wie ein Künstler. Doch genau das ist er. Regazzoni ist der exzentrische, verrückte Künstler, der macht was er will, der seine Kunst nicht erklärt, der lieber heult wie ein Wolf und rülpst.

Auf seiner Ausstellungseröffnung „Vol de nuit“ am vergangenen Mittwochabend erzählt Direktor Roger Haloua den Vernissage-Gästen, dass Carlos Regazzoni zu den berühmtesten argentinischen Künstlern in Frankreich zählt. Sein Werk sei eine Hommage an Piloten wie Antoine de Saint-Exupéry und Jean Mermoz, an die Pioniere der Flugkunst. Bis zum 15. Juni beherbergt er die Werke Regazzonis in seinen Räumen. Er hatte ihn dazu eingeladen, schon seit langem sei er von seiner Kunst begeistert gewesen.

Die großen und kleinen Flugzeugskulpturen bestehen allesamt aus Schrott. Das Material findet Regazzoni auf der Straße, er muss keine edlen Stoffe für seine Werke kaufen. Gebaut hat er sie in den vergangenen Jahren in Paris und Argentinien. Die Bilder habe er, so brüllt er stolz, allesamt in zwölf Stunden gemalt. Er mag es, die Leute zu schockieren, anders zu sein. In seinen Bildern findet sich sein wildes Gemüt wieder. Dynamischer Duktus, starke Farben, bewegte Kompositionen. Sie sind wie seine graue Lockenmähne: ungestüm, grob, und doch faszinierend und eigenwillig schön. Feine Pinselstriche sucht man vergeblich, seine Kunst lebt von der Dynamik des Augenblicks. Genau wie er selbst.

  • Carlos Regazzoni, „Vol de Nuit“. Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín. Mo-Sa 10-21, So 12-21 Uhr. Eintritt 8 Pesos, Rentner und Studenten 5 Pesos. 20.5.-15.6.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 29.05.09.

Bien rugido, león

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Carlos Regazzoni en el Centro Cultural Borges

Por Svenja Beller

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Con un cigarrillo en una mano y con una lata de cerveza en la otra, camina con paso pesado por su exposición. Se mueve entre pinturas coloridas y salvajes, pequeñas chatarras de avión e invitados elegantes. Se acerca al micrófono, ruge pidiendo un poco de silencio, él no lo necesita. Carlos Regazzoni no combina con la refinada sala del Centro Cultural Borges. Con su campera de bombero amarilla y negra, que no logra esconder su panza, y sus formas desestructuradas, se comporta al lado del director del C.C. Borges, Roger Haloua, más como un bebé gigante que como un artista. Pero así es Carlos. Regazzoni es un artista excéntrico, delirante, que hace lo que quiere, que no necesita explicar su arte, que prefiere aullar como un lobo y eructar.

En la apertura de la exposición “Vol de nuit”, el último miércoles a la noche, el director Roger Haloua les contó a los invitados de la vernissage que Carlos Regazzoni se encuentra entre los artistas argentinos más reconocidos en Francia. Su obra, dice Haloua, rinde homenaje a pilotos como Antoine de Saint-Exupéry y Jean Mermoz, pioneros de la aviación. Hasta el 15 de junio le concede su espacio a la obra de Regazzoni. Haloua lo ha invitado a exponer, ya que hace tiempo sigue la obra del artista.

Las pequeñas y grandes esculturas sobre aviones están hechas todas de chatarra. Regazzoni recogió este material de la calle, no tuvo que comprar nada en particular para hacer sus obras. Las concibió durante los últimos años, entre París y Argentina. Todas las pinturas, ruge orgulloso, las realizó en doce horas. Le gusta shockear a la gente, ser diferente. Sus pinturas también tienen un carácter salvaje. Rasgos dinámicos, colores fuertes, composiciones turbulentas. Se corresponden con su melena gris: impetuosa, bruta, no obstante, fascinante y originalmente bella. Es inútil buscar pinceladas finas. Su obra vive de la dinámica del instante. Igual que él.

  • Carlos Regazzoni, “Vol de Nuit”. Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín. Lunes a sábado, 10-21, domingos 12-21 horas. Entrada: 8 pesos, jubilados y estudiantes 5 pesos. Del 20 de mayo al 15 de junio.

Foto arriba:

Las esculturas de Carlos Regazzoni están hechas todas de chatarra.

(Foto: Svenja Beller)

Publicado en “Argentinisches Tageblatt” el 29 de mayo de 2009.