Bundesverdienstkreuz für Roberto Schopflocher

Der argentinisch-deutsche Schriftsteller und Dichter Roberto Schopflocher wurde in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschand in Buenos Aires mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

schopflocher_embajadorAm 30. April ist der argentinisch-deutsche Schriftsteller und Dichter Roberto Schopflocher in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschand in Buenos Aires mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Mit der Ehrung würdigte Bundespräsident Joachim Gauck die großen Verdienste Schopflochers um die argentinisch-deutschen Beziehungen, besonders im kulturellen und literarischen Bereich. Botschafter Bernhard Graf von Waldersee nahm die Ehrung vor. Roberto Schopflocher begleiteten seine Frau, Kinder, Enkel und enge Freunde.

Durch sein Schreiben in Spanisch und seit vielen Jahren hauptsächlich in Deutsch baute und baut Roberto Schopflocher, der 1923 in Fürth geboren wurde, 1937 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten fliehen musste und in Argentinien eine neue Heimat fand. eine Brücke des Verständnisses zwischen beiden Kulturen.

In seiner Rede sagte der Botschafter: “In Ihrer Kindheit und Jugend in Deutschland mussten Sie die Diskriminierung und den Rassenhass der Nationalsozialisten aus eigener Hand erfahren. Im April 1937 gelang Ihrer Familie die Flucht nach Argentinien, wo Sie sich nach einem Ausflug in die Landwirtschaft in Córdoba schließlich in Buenos Aires niederließen und im väterlichen Chemiebetrieb tätig waren. Erste erfolgreiche Veröffentlichungen – von landwirtschaftlichen Fachbüchern – ließen aber bereits damals erahnen, dass Ihre wahre Leidenschaft in einem ganz anderen Bereich zu finden war. 1980 wandten Sie sich dann ganz dem Schreiben zu, ihrer “wirklichen Berufung”, wie Sie einmal sagten. Sie veröffentlichten zunächst in spanischer Sprache. Neben vielen anderen Ehrungen wurde Ihnen dafür als erstem nicht in Argentinien geborenen Autor der Dritte Literaturpreis der Stadt Buenos Aires verliehen.

1995 begannen Sie, auch auf Deutsch zu schreiben und zu veröffentlichen. Das wird ein wichtiger Schritt für Sie gewesen sein. Mit “Erzählungen aus Argentinien” brachten Sie dem Publikum in Deutschland die ganze Vielfalt dieses wunderschönen Landes näher. “Wahlheimat und Heimatwahl” wirft schon im Titel die Frage nach der Heimat der Emigranten auf – eine Frage, deren Aufarbeitung Sie sich immer wieder gewidmet haben.

Christian Schmidt, heute deutscher Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, hat einmal in Ihrer Heimatstadt Fürth in einem Grußwort für Sie sehr schön ausgedrückt, dass Sie nach seinem Eindruck “gleich mehrere Heimaten erlebt” haben.

Als Vertreter Deutschlands in Argentinien betrifft mich vor allem: Ihrer deutschen Heimat beraubt, haben Sie sie doch nie aufgegeben.

Auch Ihr deutschsprachiges Werk wurde ausgezeichnet, als Ihnen 2008 von Fürth der Jakob-Wassermann-Literaturpreis verliehen wurde. Bei Ihrer Laudatio hat Professor Och damals herausgearbeitet, wie Sie – in einer Reihe mit anderen großen Emigranten – sich dem Erbe der Aufklärung verpflichtet fühlen. Ihre 2010 erschienenen “Lebenserinnerungen” heißen “Weit von wo. Leben zwischen drei Welten”. Haben Sie wirklich “zwischen” den Welten gelebt? Oder auch vielleicht eher “in” ihnen: als Deutscher, Jude und Argentinier? Auf jeden Fall aber haben Sie durch Ihr Leben und Ihre Erzählungen und Romane es erreicht, Deutschland, Argentinien und jüdischen Glauben, jüdische Identität auf ganz besondere Weise zu verbinden. Und aus diesem Blickwinkel vergleichen, untersuchen und bewerten Sie, stets uneitel und immer der Toleranz der Gerechtigkeit verpflichtet. “Wir wollen den Fluch in Segen verwandeln” – dieses Wort aus der von Ihnen mit herausgegebenen Autobiographie von drei Generationen der jüdischen Familie Neumeyer haben Sie nicht zufällig zum Titel dieses Buches gemacht.

Lieber Herr Schopflocher: mit Ihrem literarischen Werk, mit Ihrem Lebenswerk und zugleich in Ihrem aktiven und bis heute unermüdlichen Einsatz für die Vermittlung und das Verständnis deutscher Sprache und Kultur, vor allem hier in Argentinien, haben Sie in überzeugender Weise das Ansehen und den Ruf Deutschlands gemehrt und sich besondere Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland erworben. Daher hat Sie Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Ich habe heute die große Freude und Ehre, diese Auszeichnung im Namen des Herrn Bundespräsidenten zu überreichen und möchte Ihnen dazu erneut sehr herzlich gratulieren.”

Roberto Schopflocher bedankte sich mit den Worten: “Diese hohe Auszeichnung ruft nicht zuletzt die Hoffung in mir wach, dass ich nicht ganz umsonst auf dieser Welt wandelte, sondern meinen bescheidenen Beitrag geleistet habe, um diese ein klein wenig besser zu verstehen.

Ich empfinde mich als ein Glied der Generationenkette, die die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet. Gleichzeitig erfüllt mich das Bewusstsein, dass es nicht nur das von den Vorfahren übermittelte Erbe ist, sonderrn nicht weniger die Umwelt, die mich von Kindesbeinen an geprägt hat. Wie sollte es auch anders sein? Habe ich doch meine Urheimat, das fränkische Fürth, in der Tiefe meines Inneren trotz der noch immer unfassbaren Schrecknisse des 20. Jahrhunderts nie ganz verlassen. Und somit sehe ich mich nicht nur als einen der Zeitgenossen, die vom letzten Schimmer der kurzen Blütezeit profitierten, die das sich gegenseitig befruchtenden deutsch-jüdische Bürgertum ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gekennzeichnet hat, wenn freilich auch auf schwankendem Untergrund. Sondern ich bin auch einer der dankbaren Zeugen, die den guten Willen der unbelasteten Nachkriegsgenerationen und den Kniefall Willy Brandts erleben durften.

Dabei kann ich allerdings meinen seelischen Zwiespalt nicht verleugnen, den ich, der ich seit 1937 in Argentinien lebe, bereits vor Jahren in folgendem Gedicht zum Ausdruck brachte, das in meinem Lyrikband “Hintergedanken” zu finden ist:

GESTÄNDNIS

Seit über sechzig Jahren
in Argentinien, aber
beim Worte ‘Baum’
fällt mir zunächst und noch immer
die Dorflinde Rannas ein,
in der Fränkischen Schweiz,
gelegentlich auch eine Eiche,
eine Kiefer oder ein Tannenbaum;
nie dagegen oder doch nur selten
ein Ombú der Pampa,
ein Paraíso in Entre Ríos
ein Ñandubay, Lapacho oder Algarrobo,
wie sich’s doch geziemen würde
schon aus Dankbarkeit
dem lebensrettenden Land gegenüber.

Aber ‘Frühling’ bedeutet mir noch immer
Mörikes blau flatterndes Band.
Schiller, Goethe und die Romantik,
Jugendstil, Bauhaus und Expressionismus,
prägten mir ihren Siegel auf,
nicht weniger wie der deutsche Wald,
der deutsche Professor
oder der jüdische Religionsunterricht –
wohlgemerkt: der der letzten Zwanziger-,
der ersten Dreißigerjahre.

Ja, selbst der fragwürdige Struwwelpeter,
Karl May, Hauff, die Grimm’schen Märchen
oder Max und Moritz, diese beiden,
rumoren weiter in mir
und lassen sich nicht ausrotten.
Nun ja: Leider! Trotz alledem.
Oder etwa Gottseidank?

Und wo liegt es nun, mein Vaterland?

Wo aber liegt mein Vaterland? Elie Wiesel zitiert den Rabbi Nachman aus Brazlaw, einen Urenkel des Mystikers und Begründer des Chassidismus Baal Schem Tow: “An irgend einem Ort lebt ein Mensch der eine Frage aufwirft, auf die es keine Antwort gibt. Eine Generation später, an einem ganz anderen Ort, lebt ein Mensch, der auch eine Frage stellt, auf die es ebenfalls keine Antwort gibt – und er weiß nicht, kann es gar nicht wissen -, dass seine Frage in Wirklichkeit eine Antwort auf die erstere darstellt.”

Gestatten Sie mir, dass ich diese Überlegung, der ich nichts hinzuzufügen habe, im Raum stehen lasse. Und nehmen Sie, sehr verehrter Herr Botschafter, und durch Sie die von Ihnen vertretene Bundesrepublik Deutschland nochmals meinen tiefempfundenen Dank für diese unerwartete Auszeichnung entgegen, deren vielfache Bedeutung mir und meiner Familie voll bewusst ist.”

schopflocher_grupo

Foto oben:
Roberto Schopflocher (links) und der deutsche Botschafter Bernhard Graf von Waldersee.

Foto unten:
Roberto Schopflocher im Kreise seiner Familie und mit Botschafter von Waldersee.
(Fotos: Deutsche Botschaft)

Kalender / Agenda

Click aquí­ para leer la versión en castellano.

Ausstellungskalender vom 02/05/2015

Von Susanne Franz

cuttica
Die Ausstellung “La mirada interior” im Museo Nacional de Bellas Artes (MNBA) zeigt die künstlerische Produktion des Argentiniers Eugenio Cuttica von den 1970er-Jahren bis heute. Die von Pablo de Monte kuratierte Schau ist in die drei Kernbereiche “Los inicios” (Die Anfänge), “El grito” (Der Schrei) und “El silencio” (Das Schweigen) aufgeteilt und umfasst Gemälde, Installationen und Objekte. Besuchen kann man die Ausstellung bei freiem Eintritt bis zum 31. Mai.

Die Ausstellungen der Woche:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Agenda / Kalender

Klicken Sie hier, um die deutsche Version zu lesen.

Agenda de Muestras del 02/05/2015

Por Susanne Franz

cuttica
La muestra “La mirada interior” en el Museo Nacional de Bellas Artes (MNBA) recorre la producción del artista Eugenio Cuttica desde las obras de la década del 70 hasta las más recientes. La muestra -curada por Pablo de Monte- está estructurada en tres núcleos: “Los inicios”, “El grito” y “El silencio”, en los que se despliegan la producción pictórica y una serie de instalaciones y objetos. Se podrá visitar hasta el 31 de mayo.

Las muestras de la semana:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Deutsche Gäste auf der Buchmesse

Lesungen der Autoren Sebastian Fitzek und Kristof Magnusson

Von Susanne Franz

sebastian_fitzek
Einen deutschen Stand sucht man in diesem Jahr auf der 41. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires vergeblich. Doch dafür gab es bereits an den ersten Messetagen schon einige Gäste aus Alemania. Wie jedes Jahr besuchte Jürgen Boos, der Leiter der weltgrößten Bücherschau, der Frankfurter Buchmesse, die “Feria del Libro” in Argentiniens Hauptstadt. Am zweiten Messetag, dem 24. April, fand eine Lesung des deutschen Autors Kristof Magnusson statt, den wir schon in einem Interview vorgestellt haben. Und am Sonntag beglückte der deutsche Bestsellerautor Sebastian Fitzek, der wegen seiner psychologischen Thriller der “Stephen King Deutschlands” genannt wird, seine Fans in Argentinien. Fitzek, der 12 Millionen Bücher weltweit verkauft hat, schrieb bisher 11 Bücher, 5 davon sind ins Spanische übersetzt. Viele seiner Fans hatten alle dabei, als es nach der Lesung ans Signieren ging.

Magnusson im Gespräch mit Ariel Magnus

Von den Büchern Kristof Magnussons, der auf Einladung der deutschen Botschaft und des Goethe-Instituts auf der Buchmesse weilte, gibt es bisher noch keine Übersetzungen ins Spanische. Allerdings ist der Autor in Verhandlungen über eine mögliche Übersetzung seines jüngsten Werkes “Arztroman”, das er im Gespräch mit dem argentinischen Schriftsteller und Journalisten Ariel Magnus am Freitagabend vorstellte. Leider hatten nur wenige Leute den Weg in den Alfonsina-Storni-Saal gefunden, was auch daran gelegen haben mag, dass zeitgleich eine Veranstaltung des in Argentinien hoch angesehenen Spaniers Arturo Pérez-Reverte, der die Messe am Vortag eröffnet hatte, stattfand.

Für die Anwesenden war es ein schöner und bereichernder Abend. Ariel Magnus las einige Stellen aus dem “Arztroman”, die er ins Spanische übertragen hatte, und stellte Kristof Magnusson im Anschluss Fragen. Auch das Publikum wollte einiges von ihm wissen, über den Unterschied im Schreiben als Autor von Theaterstücken bzw. Romanen oder wie er sich im Chaos der Neu-Publikationen zurechtfindet. “Ich lese oft Bücher, die mir Freunde empfehlen“, sagte Magnusson dazu. „Das hat auch den Vorteil, dass ich im Anschluss jemanden habe, mit dem ich über das Buch sprechen kann.” Der Halb-Isländer verriet auch, dass er als Übersetzer ein besserer Mensch sei denn als Autor. “Als Übersetzer muss ich die Charaktere und die Umstände, die ich vorfinde, so hinnehmen und akzeptieren, wie sie sind“, sagte er. „Wenn ich selbst schreibe, streiche ich auch schon mal eine Person ganz raus – ich bin also dann eher ein Menschenfeind.”

Fitzek wurde von seinen Fans gefeiert

Sebastian Fitzeks Lesung am Sonntag um 16 Uhr war auf Englisch. Der Literaturkritiker Máximo Soto, Fitzeks Gesprächspartner, hatte sich im Vorfeld Sorgen wegen des Termins gemacht, da an diesem Tag die Vorwahlen in der Hauptstadt stattfanden. “Aber dann habe ich in den sozialen Netzwerken EUCH gesehen”, sagte er mit Blick auf das durchweg junge, zahlreich erschienene Publikum im Victoria-Ocampo-Saal, das sich vor Aufregung kaum auf den Sitzen halten konnte. “Und da wusste ich, die Veranstaltung würde ein Knaller!” Wurde sie, denn Sebastian Fitzek hat glühende Fans in Argentinien. “Sebastian, Du inspirierst mich!” – “Danke für Deine Bücher!” – “Danke, dass Du endlich einmal nach Argentinien gekommen bist!” – “Wann erscheint Dein nächstes Buch (“Pasajero 23″) in Argentinien?” Auf die Antwort “Im Dezember” folgte großer Jubel im Publikum. “Schreibst Du gerade etwas Neues?” “Ja”, sagte Fitzek und machte den Zuhörern auch gleich den Mund wässrig, indem er die spannende Handlung seines nächsten Werkes kurz umriss.

Der Bestsellerautor wurde in Buenos Aires mit offenen Armen aufgenommen, und von Anfang an stimmte die Chemie in dem Gespräch zwischen Máximo Soto, Fitzek und der kompetenten und frischen Übersetzerin, die den Ton des Autors immer richtig traf. Fitzek kommunizierte mit seiner Fangemeinde eher wie ein charismatischer Rockstar als ein “normaler Schriftsteller”. Es wurde viel gelacht und geklatscht, jede Frage wurde mit Respekt und Ehrlichkeit und viel Humor beantwortet. Auch im Anschluss hatte Sebastian Fitzek eine Engelsgeduld mit der mindestens zweistündigen Schlange seiner Fans vor dem Stand des Verlages “Ediciones B”, wo er sein neuestes auf Spanisch erschienenes Werk “Noah” – und die mitgebrachten älteren Bücher – signierte. Für jeden Fan hatte er ein Lächeln, mit jedem sprach er persönlich ein paar Worte und mit jedem wurden Fotos gemacht.

Foto:
Sebastian Fitzek (Mitte) bei seiner Lesung auf der Buchmesse in Buenos Aires. Das Foto steht auf Fitzeks spanischer Wikipedia-Seite, die erst seit seinem Besuch in Argentinien existiert.
(Foto: Fedefede1996)

“Da hatte ich mehr Glück als Verstand”

Interview mit Nicolás Aponte Aragón Gutter, der für seinen Film “Idilio” eine spezielle Erwähnung im BAFICI-Wettbewerb “Argentinischer Film” erhalten hat

Von Michaela Ehammer

idilio1
Liebeskummer gehört zum Leben. Ein jeder hat es schon mindestens einmal erlebt, wie es ist, verliebt zu sein, auf Wolken zu schweben und das Leben durch die “rosarote Brille” zu sehen. Verbunden dann mit dem dumpfen Gefühl in der Magengrube und den Kopfschmerzen in der Nacht, nachdem man verlassen wurde.

Der argentinische Regisseur und Dozent an der UBA Nicolás Aponte Aragón Gutter greift in “Idilio” genau diese banalen, doch stets präsenten Dinge in unserem Leben auf und hat es in ein filmisches Meisterwerk gepackt. In einem Interview erzählt der sympathische Argentinier wieso:

ME: Am Ende des Films stellte sich mir sofort eine Frage, gab es ein konkretes Drehbuch oder sind die Dialoge aus dem Stegreif entstanden?

Nicolás (lächelt schüchtern): Also ein Drehbuch gab es in dem Sinn nicht. Ich hatte mir zwar bestimmte Dialoge überlegt, doch Paula Carruega und Manuel Novoa, meine beiden Schauspieler, redeten bei den Drehs dann einfach drauflos. Ihre Aussagen gefielen mir besser, daher kann ich jetzt im Nachhinein nicht behaupten, für das Drehbuch verantwortlich gewesen zu sein.

ME: Wie kam die Idee?

Nicolás: Ich wollte etwas Simples machen, das alle betrifft. So kam ich auf die Idee mit der Liebe. Dann habe ich Ende letzten Jahres mein Projekt gestartet und wie soll ich sagen, es wurde rein zufällig gerade rechtzeitig fürs BAFICI fertig. Da hatte ich mehr Glück als Verstand.

ME: Die Musik in Ihrem Film ist grandios gewählt. Ich kann mir denken, dass dies jedoch nicht ganz einfach war?

Nicolás: Oh ja, die perfekten Lieder für den Film zu suchen, war bei Gott nicht einfach und für mich eines vom Schwersten, denn es gibt Millionen von diesen Liebesliedern. Aber jetzt am Ende bin ich ganz zufrieden mit meiner Auswahl.

ME: Wie lange haben Sie für die Dreharbeiten gebraucht?

Nicolás: Nun ja, die Charaktere besprochen haben wir oft und lange. Besonders Paula musste sich total in ihre Figur Camila hineinversetzen, schließlich war die Situation ja fiktiv. Gefilmt wurde dann jedoch nur an sieben Tagen in einem Zeitraum von etwa zwei Monaten.

ME: Noch eine Frage am Ende, Ihre Darsteller Paula und Manuel wirken in ihren Dialogen sehr vertraut. Hat sich da während der Dreharbeiten etwa ein Liebespaar gefunden?

Nicolás (lacht): Das ist eine gute Frage, die ich mir auch bereits gestellt habe. Aber ich denke, diese Frage können uns nur die beiden beantworten.

Foto:
Paula Carruega in “Idilio” (2015).

Das war BAFICI 2015

Die Gewinner, die Stars und die Fakten

Von Michaela Ehammer

bafici
Glamouröse Filme, jede Menge nationaler und internationaler Stars und stetes Blitzlichtgewitter der Fotografen – so wie es die Filmhochburg Hollywood jeden Tag erlebt, war auch Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires 11 Tage lang im Festival- und Filmfieber gefangen. Doch jetzt ist der Marathon und Wettbewerb der Filme vorbei. Das Resultat kann sich sehen lassen:

1172 Funktionen in diversen Veranstaltungssälen, 10 Open-Air-Veranstaltungen im Anfiteatro des Parque Centenario, spezielle Gratis-Veranstaltungen, 35 Gespräche mit Regisseuren, Schauspielern und anderen Persönlichkeiten, mehrere Diskussionsforen, 5 Ausstellungen rund um die Welt der Filme und des Kinos und Besuche internationaler Größen und solcher, die sich durch das Festival einen Namen machen konnten.

140 internationale eingeladene Gäste, darunter Schauspielerin Isabelle Huppert und Filmregisseurin Pascale Ferran, beide aus dem Gastland Frankreich, sowie Robert Trujillo, Bassist der weltweit bekannten US-amerikanischen Metalband “Metallica”, neben weiteren zahlreichen Gästen nahmen gemeinsam mit 380.000 Kinobesuchern, die für eine Auslastung von 85% sorgten, an der 17. Edition des “Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente” teil, um einige der über 400 Filme aus insgesamt 37 Ländern zu bewundern und zu bestaunen.

Ein ganz besonderes Highlight waren auch die 10 deutschprachigen Beiträge aus der wilden, starken und glanzvollen Ära während der Weimarer Republik (1918-1933). Geprägt von der Wirtschaftskrise blühte das kulturelle Interesse in dieser Zeit jedoch enorm auf. Fritz Lang mit seinen “Dr. Mabuse”-Filmen ist nur eines von vielen Beispielen aus dieser aufstrebenden Zeit und bis heute noch gilt der Weimar-Zyklus als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Filmepochen.

Neben zahlreichen filmischen Highlights sorgten auch Live-Konzerte, wie etwa von Karin Lechner und Natasha Binder im Teatro Colón, für kulturelle Abwechslung und rundeten so das umfangreiche BAFICI-Angebot ab. Die beiden Pianistinnen sind gleichzeitig auch jene Protagonisten des Schlussfilms “La Calle de los Pianistas” vom argentinischen Regisseur Mariano Nante, der uns einen Einblick in das ruhmreiche Leben einer Musikerfamilie um den berühmten Antonio De Raco gewährte.

Und vergangenen Freitag wurden dann die strahlenden Sieger gekürt, einige davon sind: “Court” vom indischen Regisseur Chaitanya Tamhane, der sich in der Kategorie “Bester internationaler Film” gegen seine 17 Konkurrenten durchsetzen konnte. Ein Drama aus dem Jahre 2014, das die Geschichte eines Folksängers erzählt, der auf der Anklagebank sitzt, da er in seinen Liedern Menschen zum Selbstmord zu bewegen versucht. Der Preis für den besten Regisseur in der gleichen Kategorie ging an den Israeli Nadav Lapid für seinen Film “The Kindergarten Teacher”.

“Bester argentinischer Film” darf sich der Beitrag “La Princesa de Francia” von Matías Piñeiro nennen, als “Bester Regisseur” in derselben Kategorie wurde José Celestino Campusano für seinen Film “Placer y Martirio” ausgezeichnet. Der Film “Idilio” von Nicolás Aponte Aragón Gutter erhielt eine spezielle Erwähnung. Sein Film erzählt in überaus witzigen und fesselnden Dialogen von den unzähligen Phasen der Liebe: Vom heiteren Verliebtsein über vergossene Tränen bis hin zum totalen Herz-Schmerz-Ende. Der Schwarz-Weiß-Effekt und die präzise gewählten Nahaufnahmen der Protagonisten, welche zu 95 % aus einer einzigen Schauspielerin bestehen, sowie die ausdrucksstarke Musik verleihen dem Film eine ganz persönliche Note. Eine Geschichte über die Sonnenseiten und das Leiden der Liebe, mit denen sich wohl ein jeder von uns zumindest einmal im Leben schon identifizieren konnte und die vielleicht gerade deshalb so viel Anklang beim Publikum fand.

“Over the Years” vom Österreicher Nikolaus Geyrhalter gewann den Preis “Bester Film – Kategorie Menschenrechte”. Eine über 3-stündige Dokumentation mit Schauplatz Schrems in Niederösterreich erzählt von einer Textilfabrik, die auf eine lange Geschichte zurückblickt, jedoch seit Jahren gegen den drohenden Konkurs ankämpft. Der Dokumentarfilm zeigt die Entwicklungen über einen Zeitraum von über zehn Jahren und schildert dabei das Schicksal einzelner Arbeiter: das ungewisse Arbeiten zwischen Hoffen, Bangen und Warten, das sich bald schon als eine Art Normalität erweist. Manche verlieren ihre Jobs, manche von ihnen finden neue Arbeit, aber allen ist bewusst, dass sie in einem Industriezweig arbeiten, der endgültig zu verschwinden droht.

Aber auch das Publikum konnte für seine Lieblingsfilme mitvoten. So wurde der Publikumspreis an die Filme “Theeb” von Naji Abu Nowar (Bester Ausländischer Film), “Poner al Rock de Moda” von Santiago Charriere (Bester argentinischer Film) und “Astérix et le domaine des dieux” von Alexandre Astier und Louis Clichy (Bester BAFICITO-Beitrag) vergeben.

Das Festival “BAFICI” hat sich seit seiner Premiere 1999 zu einem jährlichen Fixpunkt für Kinobegeisterte etabliert und ist Jahr für Jahr ein großes Stück durch die Liebe und Leidenschaft der zahlreichen Filmliebhaber gewachsen. Menschen aus der ganzen Welt vereinen sich, um für ein paar Stunden gemeinsam zu lachen, weinen, träumen, staunen und nachzudenken. Ganz nach den Worten Steven Spielbergs, der sagt, das Kino sei ein Vorwand, sein eigenes Leben ein paar Stunden lang zu verlassen. Und so wird Argentiniens Hauptstadt auch im nächsten Jahr wieder in ein Meer aus Blitzlichtern eintauchen, von zahlreichen filmischen Größen überströmt werden, und es wird heißen: Klappe zu, Vorhang auf, Film ab!

Foto:
11 Tage Filmfieber: BAFICI war ein voller Erfolg.
(Foto: Michaela Ehammer)

Essen unter Maschinen

2017 will der Schweizer Wissenschaftler Rolf Pfeifer eine Roboter-Lounge eröffnen

Von Andreas Babst

pfeiferDass einem dereinst Drinks und Häppchen in gemütlicher Lounge-Atmosphäre von Robotern serviert werden, klingt arg nach Science-Fiction, soll es aber nicht bleiben. Wenn es nach dem Schweizer Wissenschaftler Rolf Pfeifer geht. Vergangene Woche war er in Buenos Aires und stellte an verschiedenen Instituten seine Arbeit und das Projekt Robo-Lounge vor.

Pfeifer arbeitet vorwiegend in Asien und hat sich als Wissenschaftler dem Thema der Robotik gewidmet. Bekannt wurde er durch seine Tour mit dem menschähnlichen Roboter “Roboy”, der viel internationale Aufmerksamkeit generierte. Jetzt die Robo-Lounge: ein Ort, wo das Wohlbefinden der Klienten in den Händen von Robotern liegt. “Es soll ein Begegnungsort sein, wo Menschen mit der Zukunft interagieren können”, sagt Pfeifer, so soll die Angst vor moderner Technologie und Robotik abgebaut werden – und die Wissenschaftler können beobachten, wo die Roboter noch Verbesserungspotenzial haben und welche Technologie sich durchsetzen könnte.

So ist beispielweise geplant, dass Besucher an der Bar von humanoiden Robotern bedient werden, ebenfalls menschenähnlich sollte der Roboter an der Rezeption sein, auch ein Sommelier ist geplant. Drohnen könnten das Bestellte an die Tische bringen, die Zubereitung obläge Industrie-Robotern. “Die Technologie für all dies existiert bereits”, sagt Pfeifer.

Und deshalb sieht der Zeitplan auch eine Eröffnung Ende 2016 oder Anfang 2017 vor. Zurzeit laufe die Finanzierungsphase, Gespräche mit verschiedenen Firmen seien bereits geführt sagt Pfeifer, bis im Sommer glaubt er das Geld zusammen zu haben. Wo die Robo-Lounge stehen wird, ist noch nicht fix: Pfeifer favorisiert eine asiatische Stadt wie Shanghai oder Hongkong, doch das hängt von den Investoren ab. “In Europa sind die Menschen skeptischer gegenüber Robotern”, sagt Pfeifer. In Asien teile man hingegen seine Vision: dass Roboter-Technologie den Menschen unterstützen, ihn aber nicht ersetzen soll.

Foto:
Rolf Pfeifer mit “Roboboy”.
(Foto: Jaan Spitz)

Kalender / Agenda

Click aquí­ para leer la versión en castellano.

Ausstellungskalender vom 25/04/2015

Von Susanne Franz

bolin4Bis zum 21. Juni kann man im Museum Zeitgenössischer Kunst, dem MACBA von Buenos Aires, die Ausstellung “Desapareciendo” des chinesischen Künstlers Liu Bolin besuchen. Der sogenannte Camouflage-Künstler präsentiert Foto-Performance-Arbeiten, bei denen er selbst vor einem Hintergrund, den er auswählt, “verschwindet”. Adresse: Av. San Juan 328, Buenos Aires. Öffnungszeiten: Mo-Fr 12-19, Sa und So 11-19.30 Uhr, dienstags geschlossen.

Wichtig für die Kultur-Planung: Viele Museen und andere Kulturtempel bleiben am Sonntag, den 26. April (Vorwahlen) und am Freitag, den 1. Mai (Tag der Arbeit) geschlossen.

Die Ausstellungen der Woche:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Agenda / Kalender

Klicken Sie hier, um die deutsche Version zu lesen.

Agenda de Muestras del 25/04/2015

Por Susanne Franz

bolin4Hasta el 21 de Junio se podrá visitar la muestra “Desapareciendo” del artista chino Liu Bolin. Se trata de trabajos de camuflaje realizados a partir de una serie de foto-performances. En el Museo de Arte Contemporáneo (MACBA) de Buenos Aires (Av. San Juan 328). Horarios: Lun-Vie 12-19, Sáb y Dom 11-19.30 hs, Martes cerrado.

Muchos museos y espacios de arte permanecerán cerrados los días domingo 26 de abril (Elecciones primarias) y viernes 1º de mayo (Día del Trabajador).

Las muestras de la semana:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Mit Blaulicht nach Buenos Aires

Kristof Magnusson stellt heute Abend auf der Buchmesse sein Werk “Arztroman” vor

magnusson_kratz2Der deutsche Schriftsteller Kristof Magnusson weilt anlässlich der 41. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires und auf Einladung der deutschen Botschaft in Buenos Aires und des Goethe-Instituts zum ersten Mal in Argentinien. Der 1976 in Hamburg als Sohn eines Isländers und einer Deutschen geborene Schriftsteller, der heute in Berlin lebt, ist nebenbei Übersetzer aus dem Isländischen. In seinem neuesten Erfolgsbuch “Arztroman” schildert er das turbulente Leben einer Notärztin in Berlin. Im Interview mit Kunst in Argentinien-Herausgeberin Susanne Franz gab er Einblicke in sein schriftstellerisches Schaffen und erzählte u.a., wie er für die Recherche zu seinem Roman in Rettungswagen mitgefahren ist.

SF: Herr Magnusson, Sie stellen heute Abend auf der Internationalen Buchmesse von Buenos Aires Ihr Werk “Arztroman” vor. Freuen Sie sich auf Ihre erste Begegnung mit dem argentinischen Lesepublikum?

Kristof Magnusson: Das auf jeden Fall, ja, es ist wirklich immer eine besonders schöne Art und Weise, ein Land kennenzulernen – nicht nur da zu sein als jemand, der irgendwelche Sehenswürdigkeiten besichtigt – was natürlich auch schön ist -, aber es ist immer besonders schön, wenn man die Möglichkeit,hat, die Leute gleich kennenzulernen über einen gemeinsamen Austausch. Ich habe das schon oft gemacht, in vielen Ländern, in Indien, in Griechenland, in Portugal, oder in Schweden oder Amerika, es ist eine ganz besonders gute Art und Weise, Land und Leute kennenzulernen.

SF: Sie sprechen heute mit dem argentinischen Schriftsteller und Journalisten Ariel Magnus über Ihren Roman; er hat Passagen Ihres Werkes ins Spanische übersetzt. Wird er auch den gesamten Roman übersetzen und wird dieser hier erscheinen?

Kristof Magnusson: Das ist gerade in Arbeit, es gibt auf jeden Fall Interesse, es gibt noch nichts, was spruchreif ist, aber das Interesse ist auf jeden Fall erst mal da. Ob Ariel Magnus das Buch übersetzt, hängt sicher von dem Verlag ab und von dem Zeitplan, er ist ja ein vielbeschäftigter Mann. Ich würde mich freuen, aber er muss natürlich gucken, ob er Zeit hat.

SF: Sie sind halb Isländer, halb Deutscher. Sie übersetzen Literatur aus dem Isländischen ins Deutsche, schreiben selbst aber lieber auf Deutsch. Warum ist das so? Liegt es an den Besonderheiten der beiden Sprachen?

Kristof Magnusson: Das hat wirklich den ganz profanen Grund, dass Deutsch meine Muttersprache ist. Ich habe zwar fünf, sechs Jahre in Island verbracht, habe da auch studiert, aber aufgewachsen bin ich die meiste Zeit in Deutschland, und bin auch nie in Island zur Schule gegangen, was ja auch für den Spracherwerb eine sehr wichtige Phase ist, dieses mit den Gleichaltrigen zusammen aufwachsen, eine Sprache sprechen, und das Abgleichen mit der Sprache, die die Lehrer und die Erwachsenen sprechen – diese Reibung ist sehr wichtig dafür, dass man auch Subtilitäten darstellen kann, und das habe ich im Deutschen viel viel mehr als im Isländischen. Ich habe sozusagen mehr verschiedene Register, die ich ziehen kann auf Deutsch. Deswegen könnte ich das gar nicht, auf Isländisch. Ich übersetze auch nie aus dem Deutschen ins Isländische, sondern immer nur aus dem Isländischen ins Deutsche.

SF: Ihr Werk “Arztroman” ist in Deutschland ein großer kommerzieller Erfolg. Glauben Sie, dass das auch damit zu tun hat, dass Sie darin das Phänomen Burnout ansprechen, das ein universelles Problem der heutigen Zeit ist?

Kristof Magnusson: Ich finde das immer schwer, das zu sagen. Ich hoffe das, weil das eine Sache ist, die mir wichtig ist. Ich hoffe aber natürlich, dass die Leute diesen Roman auch deswegen gerne lesen aufgrund der humorvollen und unterhaltsamen Komponenten, also, obwohl es ja auch um das medizinische Milieu geht, Krankheit natürlich auch, soll es kein “Problembuch” sein in dem Sinne, sondern einfach ein Buch, das Lebenswelten in Berlin und teilweise auch ein Gesellschaftsporträt zeigt, was gewisse “Probleme” zwar thematisiert, ohne das jetzt auf eine dramatische Art und Weise zu tun. Eher auf eine leichte, humorvolle Weise. Deshalb hoffe ich, dass das ein Aspekt der Wahrnehmung ist, aber hauptsächlich sind es einfach diese spannenden Geschichten, die sich in einer Großstadt heutzutage abspielen, ich hoffe, dass das die Leute genauso interessiert.

SF: Also geht es eher darum, wie die Menschen mit ihrer jeweiligen Situation umgehen.

Kristof Magnusson: Genau, und manchmal gelingt es den Leuten, positiv oder humorvoll damit umzugehen, und manchmal gelingt es ihnen nicht, genauso wie es bei uns im Leben ja auch ist. Wir bestehen ja nicht nur aus positivem Denken, das funktioniert einfach nicht, und manchmal kommen wir nicht gegen die Probleme an, aber manchmal gelingt es uns dann wiederum doch.

SF: Sie haben sehr viel recherchiert zu ihrem Werk, Sie haben Freunde und Bekannte, die Ärzte sind, Sie sind auch selber mitgefahren in den Rettungswagen, um ganz lebendig schildern zu können, wie der Alltag Ihrer Heldin des Romans aussieht. War das eine spannende Herausforderung für Sie? Oder teilweise auch bedrückend? Wie lange haben Sie recherchiert?

Kristof Magnusson: Die Recherche hat sicherlich länger als ein halbes Jahr gedauert, weil ich auch immer recherchiert habe und dann geschrieben habe und dann wieder zur Recherche zurückgegangen bin. Die Gespräche mit den Ärzten, das war ein Teil, der mich sehr lange begleitet hat, und was natürlich interessant ist, ist, dass ja eigentlich sozusagen die Frage dahintersteckt, es gibt eine Welt, die man beschreiben möchte und dann ist die Frage, wie ist diese Welt mit ihren Eindrücken und wie wird daraus dann Text. Das ist ein Weg, den man sonst immer mit sich selber ausmacht, und jetzt waren da diese Ärzte dabei, denen ich auch Sachen zum Lesen gegeben habe, die haben dann gesagt “Ja, hier, da könnte man noch das machen, das wär noch spannender” oder “Hier, das stimmt so nicht”, also dieser Prozess, der sonst bei meinen Büchern immer ein sehr intimer Prozess war, da hatte ich diesmal auf einmal diese “Gegenüber”, das hat es für mich interessant gemacht.

Bei den Malen, bei denen ich mitgefahren bin mit den Notarztwagen, das war natürlich sehr, sehr aufregend, am Anfang habe ich gedacht, ich störe, oder ich stolpere über den Sauerstoffschlauch, es brauchte eine Weile, bis die Ärzte und Feuerwehrleute mir diese Angst genommen haben. Das war für mich sehr wichtig, diesen ganzen Alltag zu sehen, weil Recherchegespräche sind eine Sache, und dass es medizinisch stimmt, kann man alles recherchieren, aber da gibt es diese verrückten Details wie zum Beispiel, dass die Menschen sich die Ohren zuhalten, wenn man mit dem Rettungswagen vorbeifährt, und das ist eine Sache, das muss man gesehen haben. Oder dass man oft gar nicht weiß, dass man mit Blaulicht unterwegs ist, aber wenn man dann durch eine enge Straße fährt, sieht man auf einmal, wie sich das spiegelt. Oder man fährt über Kopfsteinpflaster und spürt dieses Vibrieren, diese zwei Tonnen Ausrüstung, die man hinter sich hat. Für solche Sachen war es wichtig, mitzufahren.

SF: Sie haben einmal gesagt, dass sozusagen vor dem Notarzt alle Menschen gleich sind – die Reichen, die Armen, die Alten, die Jungen, so dass Sie durch Ihre Recherchen Einblick in ein gesamtes Gesellschaftsbild gewinnen konnten.

Kristof Magnusson: Ja, das war mir wichtig und natürlich der Reiz daran, eine Ärztin zu haben, die zu den Menschen nach Hause kommt, dass sie überall hineinkommt und niemand kann vorher aufräumen. Das hat man in Krankenhäusern und Arztpraxen nicht so, die haben meist ein bestimmtes Klientel, ärmer oder reicher. Diese große Bandbreite, die hat man im Notarztdienst natürlich sehr stark, und das heißt, es lässt sich so auf eine relativ – wie ich finde – elegante Weise ein Porträt der ganzen Gesellschaft zeigen.

SF: Was möchten Sie mit dem Schreiben erreichen? Möchten Sie Ihre Leser unterhalten, sie glücklich machen? Möchten Sie die Leser zum Nachdenken anregen bzw. in ihnen eine Veränderung bewirken?

Kristof Magnusson: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Was ich erst mal machen möchte, ist Geschichten erzählen, die mich selber interesieren, weil alles andere ist so zufällig, ob das nun Menschen interessiert oder nicht, oder glücklich macht oder nicht. Ich kann immer nur davon ausgehen, dass ich schon Bücher gelesen habe, die mich verändert haben, ich habe auch Bücher gelesen, die mich glücklich(er) gemacht haben, aber ich glaube, man kann sich das als Autor nicht von vornherein vornehmen, Man kann von sich selber ausgehen und dann hoffen, dass es andere Leute auch interessiert. Ich merke das auch bei mir selber, wenn ich die Bücher von anderen Autoren lese, das Thema muss mich nicht unbedingt interessieren, über das sie schreiben, aber ich muss das Gefühl haben, das hat den Autor interessiert, nicht mit einem bestimmten Ziel, sondern aus einem inneren Antrieb heraus. Und das ist bei mir mit dieser Welt der Medizin eben ganz stark, das ist etwas, was mich schon als Kind immer begeistert hat, und irgendwie ist meine Aufmerksamkeit an diesem Thema hängengeblieben. Dann kam dazu, dass es ja eine gewisse Relevanz für die Gesellschaft hat – ein Gradmesser dessen, wie wir unsere Gesellschaft haben wollen, ist ja, wie wir unser Gesundheitssystem organisieren. So ist zu meiner emotional unerklärlichen Begeisterung noch ein vernunftgetragener Grund hinzugekommen.

SF: Noch eine Frage zu Ihrem Schreiben: Sprudelt es aus Ihnen heraus oder müssen Sie sehr streng mit sich sein und sagen, ich schreibe jetzt vier Stunden am Tag? Wie machen Sie das, ist das eher eine Disziplinfrage? Denn Schreiben ist ja schwer.

Kristof Magnusson: Natürlich ist es schwer, das wissen wir ja alle. Ich schreibe sehr viel, das Schwierige oder wo die Disziplin ins Spiel kommt, ist einfach, die guten Ideen von den schlechten zu unterscheiden. Dieser Roman (er tippt auf seinen “Arztroman”, der auf dem Tisch liegt) war sicherlich am Anfang dreimal so lang. Ihn zu überarbeiten, immer weiter zusammenzukürzen, das zu tun, was eigentlich auch Dichtung ist, also das Ver-Dichten, dass man aus den ganzen Beobachtungen die paar herausfiltert, die nicht nur etwas beschreiben, sondern darüber hinaus für etwas stehen. Also eher eigentlich beides: erst dieses Sprudeln, aber damit ist noch nicht mal die Hälfte getan, das ist noch nicht mal die halbe Miete – die eigentliche Arbeit ist das Überarbeiten.

SF: Es ist sicher auch nicht einfach, den Moment zu bestimmen, an dem das Buch “fertig” ist.

Kristof Magnusson: Absolut, und ich glaube, solange ich Lesungen mache und mich mit Leuten über das Buch unterhalte und immer noch wieder jemand einen neuen Aspekt anspricht und sagt “Das fand ich interessant und das fand ich nicht so interessant”, solange ist das Buch für mich auch nicht fertig, weil das Buch entsteht ja immer wieder. Also das Buch ist ja nur zu einem Teil wirklich dieses physische Produkt (er klopft wieder auf den “Arztroman”) – zu einem großen Teil ist es auch das, was in den Köpfen der Leute passiert, nicht nur, wenn sie es lesen, sondern auch, wenn sie darüber sprechen.

SF: Herr Magnusson, vielen Dank für das Gespräch!

Heute: Lesung
Heute, Freitag, 24. April, um 18.30 Uhr: “Arztroman” – Lesung und Gespräch mit Kristof Magnusson und Ariel Magnus. Veranstaltet von der deutschen Botschaft in Buenos Aires, dem Goethe-Institut Buenos Aires und der Fundación El Libro. 41. Internationale Buchmesse Buenos Aires, Saal Alfonsina Storni, La Rural, Plaza Italia, Buenos Aires. Deutsch mit Konsekutivübersetzung.

Foto:
Bestsellerautor Kristof Magnusson (rechts) und Kulturattaché Michael Kratz vor Alfredo Segatoris Berlin-Graffiti an der Außenwand der deutschen Botschaft in Buenos Aires.
(Foto: Deutsche Botschaft)

Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Filmische Highlights vom Festival “BAFICI”

Von Michaela Ehammer

bafFilme gibt es viele. Der unterschiedlichen Art. Action-geladene oder herzzerreißende Hollywood-Filme stehen ja täglich auf unserem TV-Programm, aber viele Fime der etwas “anderen Art”, ergreifende, belehrende, provozierende, anregende, aufzeigende, hinweisende oder politische Dokumentationen rücken dabei eher in den Hintergrund. BAFICI, das internationale Festival der unabhängigen Filme in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires, hat genau diese Filme gesucht und zeigt sie von ihrer ganz speziellen, packenden und merkwürdigen Seite. Alle Genres sind vertreten, ob Horror, Komödie, Musikfilme, Psychothriller, wahre Geschichten, Klassiker, Schwarz-Weiß-Filme, Dokumentationen, Animationen, audiovisuelle Shows, Ausstellungen rund um das Thema Kino sowie Gespräche hautnah mit Stars, wie mit dem Ehrengast Isabelle Huppert – das diesjährige Film-Festival hält wieder einmal für jeden Kinoliebhaber das Seine im Sortiment. Doch bei über 400 Filmen fällt die Entscheidung wirklich nicht leicht. Gesehen haben kann man sie nicht alle, einige sollte man aber.

“Goodnight Mommy”
Wer hätte gedacht, dass es möglich ist, alle Emotionen in einen einzigen Film zu packen? Von Spannung pur über Lachen, Schamgefühlen, Ah!-, Oh!- und Uh!-Rufen, von purem Entsetzen und totalem Staunen bis hin zum “Grande Finale”? Die beiden Österreicher Veronika Franz, Journalistin beim Kurier, und Severin Fiala zeigen in ihrem Film “Goodnight Mommy” (zu deutsch “Ich seh Ich seh”), der im Internationalen Wettbewerb nominiert ist, wie es geht. Das Resultat: Ein wahrhaftes filmisches Meisterwerk, welches seine Zuschauer an die Grenzen der Imagination führt. Der Beginn ist dabei sehr unschuldig: Ein Haus am See, eine Mutter nach einer Gesichtsoperation und zwei Kinder. Die Kinder spielen in der Natur, die Mama braucht Ruhe. Mit der Zeit wird jedoch klar, dass etwas an dieser unschuldigen Geschichte nicht stimmen kann. Welches dunkle Geheimnis umgibt die Kinder? Ist es wirklich die echte Mama? Was ist bei dem Unfall tatsächlich passiert? Wie weit kann die eigene Psyche einen Menschen treiben? Wo endet die Wirklichkeit und beginnt der Wahn? Es gibt zu viele Fragen die angeschnitten, jedoch nicht beantwortet werden. Der Zuschauer wird dadurch immer wieder aufs Neue gefesselt, und während der Hobby-Filmschauer noch staunt, ist für das geschulte Kinoauge bald schon klar, in welche Richtung sich der Film dreht. Oder etwa doch nicht? Denn Franz und Fiala schaffen es mit ihrem Film aus dem Jahre 2014 immer wieder aufs Neue, dass Zweifel an dieser Theorie auftreten. So bleiben die Spannung und der Aha-Effekt bis zum Schluss bestehen. Mit der Zeit wird die Stimmung im Film zusehends dunkler, der Terror wächst und am Ende dreht sich der Film um spannende 360 Grad. Der Zuschauer wird so in alle Blickwinkel und Perspektiven der agierenden Personen hineingezerrt und es kommt zu einer Explosion – sprichwörtlich wie gefühlsmäßig. Und am Ende verlässt man den Kinosaal mit einem echten filmischen “Wow”-Erlebnis und Gänsehaut. Kein Film jedoch für schwache Nerven!

Ein Recht auf Liebe
Der kenianische Film “Stories Of Our Lives”, nominiert in der Kategorie “Human Rights Competition”, wirft hingegen ein ganz anderes Thema auf: Fünf Menschen erzählen ihre ganz persönliche Geschichte vom Leben als Homosexuelle in einem Land, wo dieses Thema noch immer als striktes Tabu gilt. Verfolgungen, Bestrafungen, Festnahmen sowie weitere Maßnahmen von den Familien, Freunden und vom Staat werden in dem afrikanischen Land gegen alle getroffen, dessen Sexualität nicht jener “normalen” entspricht. Basierend auf echten Bezeugungen eröffnen uns die fiktiven Protagonaisten eine Welt, fern von Toleranz und Gleichberechtigung. Ein grandioser Film, dem durch den Schwarz-Weiß-Effekt noch mehr Mitgefühl und die gewisse Portion an Extra verliehen wird. 60 Minuten zum Nachdenken und Umdenken. Filme dieser Art sollten bei einem Festival für unabhängige Filme auf keinen Fall fehlen. Jim Chuchu, geboren in Nairobi, ein visueller Künstler, Filmemacher und Musiker, lässt uns in seinem ersten Langfilm durch seine Großaufnahmen mit all seinen Darstellern hautnah mitfühlen. Warum werden Homosexuelle von der Gesellschaft ausgegrenzt? Welche Träume, oder viel mehr, welche Ängste begleiten ihr Leben? Sollen sie sich verstecken oder für ihr Recht auf Anerkennung kämpfen? Die Frage am Schluss wird für alle in den Raum geworfen und jeder kann sie ganz für sich beantworten: Haben wir Menschen, egal welcher Abstammung, Hautfarbe oder Hang zur Sexualität nicht alle eine Sehnsucht sowie ein Recht auf Liebe?

Rebel-Rock aus Grönland
Dass BAFICI auch eine musikalische Seite hat, zeigen die insgesamt 17 Filme rund um das Thema Musik. So etwa erzählt der grönländisch-dänisch-norwegische Film “Sumé – The Sound of a Revolution” von der ersten grönländischen Rockband in den 70er Jahren. Während Argentinien zu dieser Zeit von einer Welle aus Protesten und Gewalt geprägt war, braute sich auch in Grönland der Sturm einer Revolution zusammen. Eine andersartige Revolution jedoch, die, nach der anfänglichen Schüchternheit ihrer Landsleute, schon bald im ganzen Land Anklang fand und durch ihre Lieder die Nation Grönland stärkte und vereinte. Der grönländische Regisseur Inuk Silis Hoegh stellt in dieser musikalischen Dokumentation eine Hommage an “Sumé” mit einzigartigen Aufnahmen der damaligen Zeit dar: von den ersten Anfangen in kleinen Bars über Konzerte im Freien und Gastauftritte im dänischen Fernsehen bis hin zur großen Grönland-Tournee. Doch alles fing in Dänemark an. Malik Hoegh und Per Berthelsen, charismatische Studenten Anfang Zwanzig, gründeten während ihrer Studienzeit in Kopenhagen gemeinsam mit Freunden diese Rockband und sorgten damit erst einmal für große Aufregung – nicht nur in Grönland. Eine Band, die auf Grönländisch singt und dann auch noch mit ihren politischen Texten mehr Rechte für ihr Land sowie Unabhängigkeit von Dänemark fordert. Das war damals wohl für viele schwer vorzustellen. Die Jungs wollten nicht nur ihre Liebe zur Musik zum Ausdruck bringen, sondern auch auf die Missstände in ihrem Heimatland aufmerksam machen. “Wir wollten mit unserer Musik keinesfalls provozieren, sondern vielmehr aufzeigen, dass wir mit unserer Situation in Grönland nicht zufrieden waren. Unseren Mitmenschen eine Stimme geben und sagen, an was es uns fehlt, warum wir unglücklich sind”, so Malik Hoegh. Dies taten sie dann auch und brachten insgesamt vier Schallplatten heraus: “Sumut”, “Inuit Nunnat”, “Sumé” und “1973-76”. Diese Missstände sind auch heutzutage noch präsent im nordischen Land, und so findet Sumé auch heute noch großen Anklang bei Jung und Alt. Diese ganz spezielle Art von Rockmusik hat den perfekten Weg, zwischen Rebellion und Schüchternheit, in die Harmonie und in die Zukunft gefunden. Ganz nebenbei beeindruckt der Film auch durch traumhafte Aufnahmen der landschaftlichen Highlights von Grönland.

Das Leben des Edward Snowden
Ganz anders wieder der Film aus dem Jahre 2014 von der US-amerikanischen Künstlerin und Journalistin Laura Poitras “Citizenfour” (Kategorie Panorama). Nach “My Country, My Country” aus dem Jahre 2006 und “The Oath” von 2010 ist es bereits der dritte Film über einen Skandal der Weltmacht USA. Dieses Mal mit und über das Leben des Militärkindes Edward Snowden, der 2013 seine Entscheidung für die Enthüllung geheimer Daten über die NSA und gegen sein gewohntes Leben getroffen hat. Alle haben wir schon davon gehört, doch der Film zeigt unveröffentlichte Szenen, wie alles entstand. Er beginnt in einem Hotelzimmer in Hong Kong, wo sich Snowden absetzte und Poitras sowie zwei britische Journalisten vom “Guardian” anheuert, um seine Geschichte zu veröffentlichen, und endet in Moskau, wo er mit seiner Freundin bis heute noch im Exil lebt. Wir sehen in dieser Dokumentation, wie Journalist Glenn Greenwald sich ans Fernsehen wendet, die Enthüllung an die Öffentlichkeit kommt und Snowden den Prozess von seinem Hotelzimmer in Hong Kong aus betrachtet. Szenen, die uns eine völlig neue Perspektive des Geschehens eröffnen und uns als Betrachter in die Geschichte hineinziehen. Von der anfänglichen Euphorie Snowdens bis hin zu seinen Zweifeln. Dieser Film brachte Poitras 2015 einen Oscar in der Kategorie “Bester Dokumentarfilm”. 2014 gewann sie bereits den Pulitzer-Preis für “Dienst an der Öffentlichkeit”. Seit Jahren lebt sie in Berlin, denn zurück in die USA kann sie, spätestens nach diesem Film, nur schwer.

Wir werden alle nicht jünger
Der Film “La Once”, Kategorie Panorama – BAL Buenos Aires Lab, von der chilenischen Filmemacherin Maite Alberdi, hat ein ganz anderes Ziel vor Augen: das Altwerden. Das Leben vieler Menschen im hohen Alter wird oftmals sehr eintönig. Umso größer also die Freude bei den Treffen der Nachmittagstees, die ihre Darsteller Jahr für Jahr mit ihren alten Schulfreunden erleben. Es wird gelacht, gesungen, geweint, philosophiert und über die zu schnell vergangenen Jahren mit all uhren Schönheiten und Wehen geplaudert – alles in realen Aufnahmen. Alberne und belanglose Dinge werden aufgegriffen und in köstliche und witzige Dialoge verwandelt. Die Kamera fängt dabei jedes noch so kleine Detail ein. Pensionistenausflüge, Krankheiten, einfacher Klatsch und Tratsch, der Tod und die Liebe – alles wird im Film aufgegriffen und viele Lacher genauso wie vereinzelte Tränen sind dabei garantiert. Ein amüsanter Film und ein kleiner Blick in das Leben des “Altseins”, das uns alle einmal erwartet.

Die kühle Diva
Am Mittwoch Nachmittag öffnete auch das Teatro Colón seine Tore für ein Gespräch mit Isabelle Huppert, der unterkühlten französischen Schauspielerin, Kuratorin und Ehrengast des diesjährigen BAFICI. Eine gute Stunde lang gab sie uns einen kleinen Einblick in ihr Film- und Theaterleben. Schauspielern sei ihre Arbeit, aber auch ihre Welt, denn etwas anderes zu machen könne sie sich nicht vorstellen. Bereits seit ihrem 14. Lebensjahr sei das Theater ein Teil ihres Lebens geworden. 13 Filme mit Isabelle Huppert sind Teil des diesjährigen BAFICI, darunter auch Vorstellungen im Malba. Einer ihrer berühmtesten Filme ist wohl “Die Klavierspielerin” vom österreichischen Regisseur und Oscarpreisträger Michael Haneke, mit dem Huppert mehrfach arbeitete. “Die Vergangenheit ist bereits passiert. Was mich interessiert. sind die Gegenwart und die Zukunft”, so die gebürtige Pariserin bei der Pressekonferenz. Trotzdem blicke sie gerne zurück, denn sie sei stolz auf ihre Filme, die sie gedreht habe. Bei etwa 90 Filmen kann sie das auch sein! Nicht zuletzt deshalb gilt sie als eine der am höchsten und am häufigsten ausgezeichneten Schauspielerin ihrer Generation.

Filmfieber bis Samstag
Ein Festival von großer Vielfalt vereint Jung und Alt und Menschen aus allen Teilen der Welt, um eine Passion zu teilen. Und obwohl die Ehrung der Sieger bereits am heutigen Freitag stattfindet, hält das Festival-Fieber und der spannende Marathon um die Filme in Buenos Aires noch bis morgen an. Für alle diejenigen, die in diesem Jahr keine Chance dazu hatten – das nächste BAFICI ist bereits in Vorbereitung.