Zwölf Tage Filmfieber – eine Bafici-Bilanz

Besonderheiten, Kuriositäten und Gewinner der 14. Ausgabe des Festivals des Unabhängigen Films

Von Mirka Borchardt

Die Kinosessel sind leer, langsam verschwindet der Geruch von Popcorn aus der Nase. Die vierzehnte Ausgabe des Unabhängigen Filmfestivals von Buenos Aires ist vorbei. Während die Cinephilen mit nostalgischen Gefühlen wieder an ihre tagtägliche Arbeit zurückkehren, hält die Euphorie der Organisatoren noch an: Wieder haben sie sich selbst übertroffen. Mit 230.000 verkauften Eintrittskarten, zuzüglich zu den Akkreditierungen und den kostenlosen Veranstaltungen nahmen insgesamt ungefähr 350.000 Menschen am Bafici teil, 15 Prozent mehr als im letzten Jahr. 1012 Filmvorführungen gab es, 449 Filme, 2000 nationale und internationale geladene Gäste, 18 Preise und sieben besondere Erwähnungen.

Abseits der Zahlen fand das Baficito, die Sondervorführungen für Kinder, die zum vierten Mal Teil des Festivals waren, einmal wieder großen Anklang – nicht nur unter Kindern. Riesigen Zuspruch besonders von jungen Filmfans fanden die erstmaligen Vorführungen im Fulldome-Format in der futuristischen Kuppel des Planetariums. Die Fokusreihen rückten fünfzehn Cineasten internationalen Formats in den Mittelpunkt, darunter den Engländer Grant Gee, der durch seine Arbeiten mit Radiohead weltweit bekannt wurde: den Schweden Thomas Alfredson, bekannt für “Let the Right One In” (2010), den finnischen Kritiker und Regisseur Peter von Bagh und die Brüder David und Nathan Zellner.

Interessant waren auch die internationalen Kooperationen, zum Beispiel mit der Viennale, die anlässlich ihres 50. Geburtstags fünf internationale Filmfestivals weltweit auswählte, um mit fünf signifikanten Filmen aus den fünf Jahrzehnten des Wiener Filmfestivals zu feiern; die neunte Ausgabe des “Buenos Aires Lab” (BAL), das Forum für junge Filmschaffende, die ihre ersten Schritte auf kinematographischem Terrain tun und noch keine Produktionsmöglichkeiten haben; oder die Sektion “Work in progress” (WIP) für Filme, die noch in Entwicklung sind, bei der dieses Jahr zum ersten Mal Filmemacher aus ganz Lateinamerika eingeladen waren.

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Florian Cossen in Buenos Aires

Der deutsche Jungregisseur und einige seiner argentinischen Schauspieler waren bei einer Vorführung von “Das Lied in mir” in der Deutschen Botschaft persönlich anwesend

Von Susanne Franz


Florian Cossen in town! Das Kulturreferat der Deutschen Botschaft von Buenos Aires nutzte die Anwesenheit des deutschen Jungregisseurs in der argentinischen Hauptstadt, um am Dienstagabend dessen Erfolgsfilm “Das Lied in mir” (2010) vorzuführen. Nicht nur Cossen selbst beantwortete am Ende Fragen, sondern auch einige der argentinischen Stars seines Films. Im Publikum saßen vor allem viele junge Lehrer der deutschen Schulen der Hauptstadt und aus dem Großraum Buenos Aires, einige Schulleiter und andere kulturell interessierte Angehörige der deutschen Gemeinschaft in Argentinien. “Das Lied in mir” hatte auch beim letzten Deutschen Kinofestival von Buenos Aires 2011 großen Anklang gefunden. Damals konnte Florian Cossen nicht persönlich anreisen, da er gerade Vater geworden war.

“Das Lied in mir” hat in Argentinien bisher keinen kommerziellen Verleiher gefunden – darum drehte sich auch die erste der vielen interessierten Publikumsfragen am Ende der Vostellung -, was angesichts seiner Thematik eigentlich kaum nachvollziehbar ist. Geht es doch bei dem auf wahren Begebenheiten beruhenden Streifen um das sensible Porträt eines Kindes von während der letzten argentinischen Militärdiktatur “verschwundenen”, d.h. ermordeten Eltern, das erst knapp 30 Jahre später mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sein ganzes bisheriges Leben auf einer Lüge beruhte. Also um ein Kapitel jüngster argentinischer Geschichte, das sich gerade im Prozess der Aufarbeitung befindet.

Maria, dargestellt von der bekannten deutschen Schauspielerin Jessica Schwarz, ist Ende 20 und auf der Durchreise durch Buenos Aires mit dem Ziel Santiago de Chile. Als sie im Transitbereich des Flughafens Ezeiza auf den Anschlussflug wartet, hört sie, wie eine Mutter ihrem Baby ein Schlaflied vorsingt – wohlgemerkt auf Spanisch, einer Sprache, die Maria nicht beherrscht. Dieses Lied ruft eine derart emotionale Reaktion in ihr hervor, dass sie – völlig verwirrt und überwältigt – kurzerhand ihren Flug unterbricht und in Buenos Aires bleibt.

Auch der Zuschauer ist verwirrt und wundert sich um so mehr, als Jessicas Vater Anton (Michael Gwisdek) der ja nun nicht mehr gar so jungen Frau sofort hinterherfliegt und vor Ort versucht, sie zur möglichst schnellen Umkehr bzw. Weiterreise zu bewegen. Aber Maria will nicht, sie will wissen, was sie so bewegt hat, koste es, was es wolle. Und sie wird einen hohen Preis zahlen, denn nach und nach kommt ans Licht, wer sie wirklich ist: Sie wurde in Buenos AIres geboren, und ihre Eltern “verschwanden”, als sie drei Jahre alt war. Wie aber kam sie nach Deutschland, wo sie bei Anton und seiner mittlerweile verstorbenen Frau aufwuchs? Maria scheut sich nicht, auch dieser Frage bis zur letzten Konsequenz nachzugehen.

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Bafici: Körner auf engem Raum

Das Filmfestival wartet mit einer großen Auswahl an unabhängigen Filmen auf

Von Mirka Borchardt


Der Katalog ist eine Herausforderung. Fast 500 Seiten dick, mit knapp 350 Spielfilmen plus Kurzfilmwettbewerb plus Fokusreihen plus Open-Air-Vorstellungen und 360 Grad-Filmprojektionen. Eine Auswahl zu treffen scheint schier unmöglich. Auch die Namen der Regisseure sind keine Anhaltspunkte; nicht umsonst ist das Bafici international bekannt für seine besonders experimentellen und unabhängigen Filme und die vielen auch unbekannten Filmemacher, denen hier ein Forum geboten wird. In diesen elf Tagen des Filmfiebers bleibt dem Zuschauer also nichts anderes übrig, als sich mit dem Gefühl abzufinden, ständig etwas zu verpassen. Das gehört dazu. Doch auch blinde Hühner – in diesem Fall die Zuschauer – finden Körner, und zwar desto häufiger, je mehr Körner es auf engem Raum gibt.

Da ist zum Beispiel, stellvertretend für das internationale Angebot, “The Day He Arrives” von Hong Sang-Soo. Der Regisseur aus Südkorea lässt sein Alter Ego nach mehreren Jahren der filmischen Untätigkeit nach Seoul zurückkehren. Er trifft Menschen, darunter eine alte Liebe und einen alten Freund und ein paar junge Filmstudenten. Sie reden, rauchen und trinken, ansonsten passiert eigentlich nicht viel. Und dennoch – mag es an der Siebziger-Jahre-Ästhetik der Schwarz-Weiß-Bilder liegen oder an den fließenden Dialogen, die Kluges vom Leben erzählen –, dennoch hält der Film einen permanenten Spannungsbogen, der den Zuschauer hineinsaugt in eine Welt, die der Wirklichkeit ein paar Zentimeter entrückt zu sein scheint.

Da ist das Erstlingswerk des jungen Argentiniers Ivo Aichenbaum, “La parte automática”, ein sehr persönliches Reisetagebuch von einem Besuch in Israel, bei seinem Vater. Die Auseinandersetzung mit der jüdischen Diaspora, dem Holocaust, der Militarisierung Israels und der Religion sind genauso Teil der Reise wie der Vaterkonflikt des Ich-Erzählers und eine Beinahe-Liebesgeschichte in Gießen. Doch so willkürlich zusammengewürfelt das scheint, so konsistent ist es in Wahrheit: Es gibt einen Zusammenhang, der immer klarer wird, je näher Ivo seinem Ziel der “Aussöhnung, Akzeptanz und Emanzipation” kommt: Alles das ist seine eigene Geschichte, alles das trifft zusammen in seiner eigenen Person. Der Film wurde in die Wettbewerbssektion “Zukunft” aufgenommen: Für die Auswahlkommission ist er wegweisend für das künftige Kino, das die Möglichkeiten des Digitalfilms nutzen wird, um mit der klassischen Filmsprache zu brechen.

Und schließlich sind da noch die deutschen Filme. Christian Petzolds “Barbara”, der den Silbernen Bären für die beste Regie gewann, und Werner Herzog ausladendes Werk über Häftlinge in den Todestrakten US-amerikanischer Gefängnisse (“Death Row”) waren fast komplett ausverkauft. “Barbara” erzählt die Geschichte einer jungen Ärztin aus der DDR, die wegen eines Ausreiseantrags von der Berliner Charité strafversetzt wird in die tiefste Provinz. Obwohl die Konstellation der Charaktere – ihr Kollege ist jung, bärtig und gutaussehend – den Fortgang der Geschichte schon früh erahnen lässt, rutscht Petzold zu keiner Zeit in den naheliegenden Kitsch ab. Einzig zu bedauern ist, dass die spanische Untertitelung die bürokratisch-entmenschlichte DDR-Sprache nicht wiedergibt, genauso wenig wie das distanzierte “Sie” zwischen den beiden Protagonisten.

Werner Herzogs “Death Row”, basierend auf Interviews mit den zum Tode Verurteilten, schafft es wundersamerweise, den Zuschauer nicht zu erschlagen. Obwohl Herzog genau die Fragen stellt, die ans Mark gehen: Wie fühlt sich ein Mensch im Angesicht des sicheren Todes? Wie fühlt sich ein Mörder im Angesicht seiner Taten? Wie fühlt sich ein Zuschauer im Angesicht eines Mörders? Das liegt vor allem am Herzog’schen Dokumentarstil, und an seinen punktgenauen Fragen, die die Inhaftierten zum Reden bringen.

Noch bis Sonntag kann man sich ins Festivalgeschehen stürzen, Informationen gibt es auf der Webseite des Festivals.

Foto:
Ivo Aichenbaums “La parte automática”.

Buenos Aires im Filmfieber

Am Mittwochabend wurde die 14. Ausgabe des Bafici eröffnet

Von Mirka Borchardt

Am Mittwochabend eröffneten der Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, und der Kulturminister Hernán Lombardi im Kulturzentrum 25 de Mayo das 14. Festival des Unabhängigen Films Bafici (Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente). 449 Filme in elf Tagen und einer Nacht, an elf verschiedenen Spielstätten, in 23 Kinosälen. Man könnte die Zahlenreihe noch unendlich fortsetzen: mehr als 200.000 verkaufte Eintrittskarten, Filme aus 48 verschiedenen Staaten, von mehr als 400 Regisseuren… Allein daran werden die Dimensionen offensichtlich: Das Bafici wächst von Jahr zu Jahr.

Jenseits der Zahlen steckt jedoch noch viel mehr: “Dieses 14. Bafici will seinen Radar erweitern, um das Unbekannte und das Wertvolle zu erfassen”, schreibt Sergio Wolf, der zum fünften Mal Artdirektor ist – und damit von allen bisherigen Direktoren am längsten dabei ist – im offiziellen Katalog. Neben Größen wie Werner Herzog, Bruno Dumont, Guy Maddin oder Hong Sang-soo nehmen auch zahlreiche Newcomer teil, genau wie schon bekanntere Entdeckungen der letzten Jahre, so zum Beispiel der französische Regisseur Sylvain George, der im letzten Jahr im internationalen Wettbewerb gewann und dieses Jahr mit dem Film “Les Éclats (Ma Gueule, Ma Révolte, Mon Nom)” über illegale Migration teilnimmt.

Vor allem aber kommt dieses Jahr die einheimische Filmproduktion zum Zuge: 20 Prozent mehr argentinische Filme als noch im letzten Jahr werden gezeigt. So kam auch der Eröffnungsfilm am Mittwoch aus Argentinien. Der Enkel des berühmten gleichnamigen Armando Bo zeigt das Leben des “letzten Elvis”, eines Fabrikarbeiters und professionellen Imitators, der sich voll und ganz mit Elvis identifiziert – und je näher er dessen Todesalter rückt, desto unruhiger wird.

Auch der deutsche Film ist stark vertreten: Zwar nimmt kein deutscher Film im Wettbewerb teil, trotzdem lohnt es sich allemal, sich so schnell wie möglich Karten zu sichern, zumal die Vorstellungen der Filme von Christian Petzold und Werner Herzog schon fast ausverkauft sind. Die beiden Jungregisseure Stefan Butzmühlen und Cristina Diz, die ihren Film “Sleepless Knights” vorstellen, werden dem Publikum Rede und Antwort stehen. Nicht selbst dabei sein kann Jessica Krummacher, deren Erstlingswerk “Totem” gezeigt wird. Andreas Dresen wird da sein, um Nachwuchsfilmemachern im Rahmen des “Buenos Aires Lab” (BAL) einen Kurs anzubieten, Rosa von Praunheim zeigt seinen neuesten Film über den “Comic-König” Ralf König (“King of Comics”). Daneben gibt es eine Reihe von Sonderveranstaltungen, wie die 360°-Rundum-Vorführungen im Planetarium (u.a. “Pink Floyd – The Wall”) oder die Vorführung von “Viaje a la Luna” von Georges Méliès mit Originalmusik des Elektro-Duos Air, die man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte.

Eine Woche Filmfieber liegt noch vor uns, eine Woche Ausnahmezustand, eine Woche Pause vom schnöden Alltag – danach darf dann weiter gearbeitet werden.

Infos auf der Webseite des Festivals.

Bafici-Kinofest steht vor der Tür

Das Festival des Unabhängigen Films von Buenos Aires wird vom 12. bis 22. April auch viele deutsche Produktionen zeigen – der Vorverkauf läuft bereits

Von Susanne Franz


450 Filme, Workshops und Seminare mit Größen der aktuellen Kinoszene, Rockkonzerte, eine Sektion extra für Kinder, 360-Grad-Rundumerlebnis-Kino: Das Festival des Unabhängigen Films Bafici (Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente) geht in der argentinischen Hauptstadt vom 12. bis zum 22. April zum 14. Mal über die Bühne. Immer ein Highlight im Kulturprogramm der Stadt, findet das Festival diesmal an 11 verschiedenen Standorten statt: im Hoyts Abasto (Corrientes 3247) – dem Stützpunkt des Festivals -, im Malba (Av. Figueroa Alcorta 3415), im Leopoldo-Lugones-Saal des Theaters San Martín (Corrientes 1530), dem Centro Cultural San Martín (Sarmiento 1151), dem Teatro 25 de Mayo (Triunvirato 4444), dem Cosmos (Corrientes 2046), der Alianza Francesa (Córdoba 946), dem Arteplex Belgrano (Cabildo 2829), dem Amphitheater des Parque Centenario (Av. Ángel Gallardo/Leopoldo Marechal), der Fundación Proa (Av. Pedro de Mendoza 1929) und dem Planetarium im Palermo-Park. Im Parque Centenario finden wie immer die von der Stadt geförderten Gratis-Großveranstaltungen statt; das Planetarium kommt neu hinzu, denn in seiner Kuppel können z.B. Kinoerlebnisse wie die 360º-Verfilmung eines “The Wall”-Konzertes, das vor einem Jahrzehnt stattfand, und andere Musikfilme geboten werden.

Drei argentinische Produktionen sind dieses Jahr im internationalen Wettbewerb des Bafici vertreten, einen argentinischen Film gibt es auch zur Eröffnung des Festivals: “El último Elvis” von Armando Bó, dem Enkel des gleichnamigen berühmten Filmemachers der Goldenen Jahre des argentinischen Kinos. Daneben wird wie immer ein rein argentinischer Wettbewerb ausgetragen.

Zwar ist kein deutscher Film im Wettbewerb, aber dennoch kann man sich auf zahlreiche filmische Leckerbissen aus Deutschland freuen, die in den Nebensektionen des Festivals laufen: So wird z.B. mit der Unterstützung des Goethe-Instituts der neueste Film des deutschen Regisseurs Christian Petzold, “Barbara”, gezeigt, der auf der Berlinale im Februar mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Petzold verfasste auch das Drehbuch und wurde dabei von Harun Farocki unterstützt, der dem Kinopublikum von Buenos Aires durch Besuche beim Bafici bestens bekannt ist. “Barbara” erzählt die Geschichte einer Ärztin in der ehemaligen DDR – verkörpert von der großartigen Schauspielerin Nina Hoss -, die einen Ausreiseantrag gestellt hat und daraufhin in ein Krankenhaus in einem entlegenen Ort “strafversetzt” wird.

In der Festivalsektion “Cine del Futuro” (Kino der Zukunft) ist, ebenfalls mit Unterstützung des Goethe-Instituts, der erste Langspielfilm des jungen deutsch-spanischen Regie-Tandems Stefan Butzmühlen und Cristina Diz, “Sleepless Knights”, zu sehen. Beide kommen nach Buenos Aires, um ihren Film dem Publikum persönlich vorzustellen. “Sleepless Knights” hatte auf der diesjährigen Berlinale in der Sektion “Forum” Premiere. Das in der spanischen Extremadura gedrehte Werk erzählt von dem jungen Carlos aus Madrid, der zu seinem Vater aufs Land fährt, um ihm bei der Arbeit zu helfen, und sich dort in den Polizisten Jaime verliebt.

In der Kategorie “Cine del Futuro” tritt auch die deutsch-schwedische Produktion “Dragonflies with Birds and Snake” (Originaltitel: Trollsländor med fåglar och orm) von Wolfgang Lehmann an, eine experimentelle “visuelle Meditation” ohne Drehbuch und Ton, die eigene und aus wissenschaftlichen Studien stammende Bilder vermischt und die Grauzone zwischen Bild und Vorstellungskraft auszuloten versucht.

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Tim Robbins besucht Buenos Aires

Der US-Schauspieler und -Dramaturg zeigt seine Inszenierung von Orwells “1984” im San Martín-Theater und präsentiert im Rahmen einer ihm gewidmeten Filmreihe “Dead Man Walking”

Von Susanne Franz

Im Rahmen seiner internationalen Gastspielreihe hält das San Martín-Theater in diesem Jahr eine besondere Überraschung bereit. Der US-amerikanische Schauspieler, Regisseur und Produzent Tim Robbins präsentiert die von ihm in Szene gesetzte Version von George Orwells düsterem Roman “1984”. Die US-Schauspieltruppe “The Actors’ Gang”, deren künstlerischer Leiter Robbins ist, wird das Stück dreimal im Martín Coronado-Saal des Theaters zeigen, am 12., 13. und 14. April jeweils um 20.30 Uhr. Karten zu 110 bzw. 80 Pesos erhält man im Internet oder an den Theaterkassen.

Der Hollywoodstar, der für den Eastwood-Film “Mystic River” einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt, verbindet seine Tätigkeit als anerkannter Theatermacher und Verfasser von bislang sieben Bühnenwerken mit seinem sozialen Engagement und seinem Einsatz für die Menschenrechte. So wird etwa seine Bühnenadaptation von “Dead Man Walking” – ein leidenschaftlicher Aufruf gegen die Todesstrafe – seit zwei Jahren auf US-amerikanischen Bühnen gezeigt, nachdem sie bereits in die Lehrpläne von 150 US-Universitäten aufgenommen wurde. Tim Robbins kommt persönlich nach Buenos Aires, wo er eine Pressekonferenz gibt und eine Meisterklasse für Schauspieler anbietet.

Im Vorfeld des prominenten Besuchs wird vom 4. bis zum 10.4. im Programmkino Leopoldo Lugones des San Martín-Theaters (Av. Corrientes 1530) der Filmzyklus “Esperando a Tim Robbins” mit den vier wichtigsten Filmen des Schauspielers gezeigt. Am 9. April wird Tim Robbins persönlich eine Einführung in den von ihm geschriebenen und als Regisseur betreuten Film “Dead Man Walking” (hier: Mientras estés conmigo) geben (vor der Vorstellung um 21 Uhr).

Infos hier.

Freche argentinische Komödie

Vom Internet ins Kino: “El vagoneta en el mundo del cine”

Von Mirka Borchardt

“El vagoneta” entstand ursprünglich als Internetserie, die die Abenteuer von Matías, Walter, Rama und Ponce zeigt: Die Freunde aus dem Buenos Aires-Stadtteil Saavedra entschließen sich, eine Werbeanzeigetafel auf der Terrasse aufzustellen, um selbst nicht mehr arbeiten zu müssen. Die Serie gewann so viele Anhänger, dass sie mittlerweile Kultstatus hat. Mit “El vagoneta en el mundo del cine” erobern die vier Freunde nun die Welt der roten Teppiche: Sie schleichen sich ins Internationale Kinofestival von Mar del Plata ein, um ihren Traum von einem bequemen Leben endlich in die Realität umzusetzen. Unter Stars und Produzenten suchen sie jemanden, der bereit ist, sie zu sponsern.

Mit derselben unverfrorenen Frische, mit dem sie das Internetpublikum erobert haben, verführen sie nun auch das Kinopublikum – und wer weiß, vielleicht müssen sie sich demnächst nicht mehr heimlich auf den roten Teppich schleichen.

  • “El vagoneta en el mundo del cine” – Argentinien 2011. 95 Min. Komödie ohne Altersbeschränkung. Buch und Regie: Maximiliano Gutiérrez. Mit Nicolás Abeles, Silvina Luna und Gastón Pauls.

Mit Musik gegen den Wahnsinn

Tomás Lipgots Film “Moacir” erzählt die Geschichte eines ganz besonderen Protagonisten

Von Laura Wagener

Moacir Dos Santos ist der Held des nach ihm benannten Films “Moacir” von Tomás Lipgot. Derjenige, der das argentinische Kino mit Interesse verfolgt, wird nicht lange brauchen, bis er den charismatischen Brasilianer mit dem breiten Lächeln auf den Kinoplakaten wiedererkennt, denn bereits im letzten Jahr erschien Moacir auf den Kinoleinwänden.

Lipgots letzter Film “Fortalezas” porträtierte verschiedene Personen, die auf verschiedenste Weisen in verschlossenen Institutionen um ihre Identität und Integrität kämpfen. Den Brasilianer Moacir lernte er auf der Suche nach Charakteren im psychiatrischen Krankenhaus Borda kennen, in dem dieser bereits seit mehr als einem Jahrzehnt interniert war.

Moacir Dos Santos war ursprünglich auf der Flucht vor Armut, psychologischen Problemen, dem Tod seiner Mutter und auf der Suche nach einer Musikkarriere, gelockt vom Tango, nach Argentinien gekommen. Wie Lipgot erzählt, hatte Moacir in Brasilien bereits erste musikalische Erfolge erzielt. Sein Metier seien Karnevalsmusik und Samba seiner Kindheit, also etwa der 50er Jahre, vor dem Boom des Bossanova. 1984 bestand sein erster Behördengang in Buenos Aires dann darin, die 12 von ihm geschriebenen Lieder in der Sociedad Argentina de Autores y Compositores de Música (SADAIC) registrieren zu lassen.

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Aus der Stille

“Las acacias” von Pablo Giorgelli

Von Anna Weber

Musik darf im Film niemals die Bilder stützen, sondern muss für sich alleine wirken, schrieb einst Robert Bresson. Bilder, welche der Musik als Gehhilfe bedürfen, gehören nicht auf die Leinwand. Pablo Giorgellis Film “Las acacias” kommt ohne Musik aus. Und Worte braucht er eigentlich auch fast keine.

Aufregungslos, ganz ohne Lärm, hebt der Film seinen ersten Protagonisten Rubén (Germán da Silva) aus der Stille. Rubén ist kein Mann vieler Worte. Seit Jahren transportiert er als Lastwagenfahrer Holz von Asunción in Paraguay nach Buenos Aires, und da sitzt niemand auf dem Beifahrersitz, mit dem er sprechen könnte. Auch eine Familie hat Rubén nicht. An den Sohn, den er seit acht Jahren nicht mehr gesehen hat, erinnert lediglich ein Foto, sorgsam aufbewahrt im Handschuhfach. Doch davon weiß man zu Beginn des Films noch nichts. Man vermutet es höchstens, wenn Rubén in routinierter Einsamkeit im Halbdunkel einer Raststätte sein Mittagessen hinunterschlingt.

An der Einsamkeit und Stille ändert auch Jacinta (Hebe Duarte) nichts, die kurz vor der Grenze mit ihrem Baby Anahí (Nayra Calle Mamani) auf den Beifahrersitz klettert, um nach Buenos Aires zu gelangen. Es dauert Stunden, bis endlich der erste Mate angeboten wird, bis rücksichtsvoll eine Zigarette ausgedrückt wird, um den Säugling vom Weinen abzuhalten, bis ein Lächeln getauscht wird und ein “Gracias” in der Luft der Führerkabine hängt. Und erst viele Kilometer später folgen die Worte.

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Cine y Derechos Humanos

Ciclo de cine en el recuperado Cine El Plata

En conmemoración del 10 de diciembre, Día de los Derechos Humanos, la Dirección General de Museos de Buenos Aires presenta del 2 al 11 de diciembre el ciclo “Cine y Derechos Humanos”, en el cual se proyectarán películas con temáticas vinculadas a la reivindicación de la igualdad de género, garantías individuales, diversidad étnica, contra la explotación infantil, defensa de los recursos naturales, memoria y justicia para las víctimas del terrorismo de Estado, etc.

El ciclo está organizado en forma conjunta con el IMD – Instituto Multimedia DerHumALC (Derechos Humanos – América Latina y el Caribe), en el recuperado Cine El Plata, Juan Bautista Alberdi 5751, en el barrio de Mataderos. La entrada es libre y gratuita. Las localidades pueden retirarse con anticipación, de lunes a viernes de 12 a 18 hs, sábados y domingos de 11 a 19 hs.

Foto:

Corto “Eng” de Eckhard Kruse (Alemania).

Film mit einer speziellen Ästhetik

“El caño dorado” – spannungsgeladener Thriller mit künstlerischem Anspruch

Von Laura Wagener

Julito, alias Panceta, kommt aus Don Torcuato, einem der gefährlichen Randbezirke von Buenos Aires im Tigredelta. Er lebt mit seiner Mutter. Gangs und Gewalt prägen das Geschehen in den Straßen ihres Viertels. Panceta arbeitet in einer Metallfabrik, wo er Rohrteile stiehlt, um sie in der Werkstatt seines verstorbenen Vaters zu Waffen zu verarbeiten. Diese “Tumberas” verkauft er anschließend an die Mafiosi des Barrios, unter ihnen der Lokalganove Tomca.

Eines Abends entspinnt sich eine Romanze zwischen ihm und der 16-jährigen Clara, Objekt der Begierde Tomcas. Das Mädchen verheimlicht Panceta ihr Alter, und die beiden unternehmen einen durch Drogen und Alkohol stimulierten Bootstrip durch die Gewässer des Deltas. Als Panceta das wahre Alter Claras erfährt und er einen besorgten Anruf seiner Mutter erhält, die sein Waffengeschäft aufgedeckt hat, wird ihm klar, dass er von mehreren Seiten unter Beschuss steht.

Der Film besitzt eine spezielle Ästhetik, die sich aus der Kombination realistischer und stark künstlerisch eingesetzter Bilder ergibt. Jede Szene grenzt sich durch Farbspiele und Kontraste von der vorherigen ab, wobei die Darstellungen von Gewalt, Erotik und Drogenkonsum nicht ins Klischeehafte abdriften. Der Waffenfabrikant Panceta wird trotz seiner zweifelhaften Handlungen durch die schauspielerisch meisterhafte Darstellung seiner Emotionen bald zum Sympathieträger, und der Zuschauer fiebert bei diesem von Adrenalin getriebenen Streifen bis zur letzten Sekunde mit dem vom Unheil bedrohten jungen Flüchtigen.

  • “El caño dorado” – Argentinien 2010. 104 Min. Drama ab 13. Regie: Eduardo Pinto. Mit Lautaro Delgado, Yiyo Ortiz, Tina Serrano, Camila Cruz. Im Gaumont.