Ein Bild der Zerstörung

Streit um das Kolumbus-Denkmal geht weiter

Von Marcus Christoph

kolumbus
Der Streit um das Kolumbus-Monument hinter der Casa Rosada geht in eine neue Runde. So kündigte der hauptstädtische Kabinettschef Horacio Rodríguez Larreta an, dass seine Regierung juristische Schritte einleiten werde, um die Unversehrtheit des Denkmals zu garantieren. Rodríguez Larreta machte sich selbst vor Ort ein Bild von der Lage, nachdem in Medienberichten von gravierenden Schäden an Teilen des Skulpturen-Ensembles die Rede war.

So berichtete die Zeitung “La Nación”, dass die Figuren “Genius, der von fernem Land kündet” sowie “Genius mit Flügeln” beschädigt seien und in Einzelteile verstreut auf dem Platz lägen. Überhaupt bietet das Monument derzeit ein trauriges Bild. Kolumbus ist von seinem Sockel geholt und auf den Boden gelegt worden. Auch die kleineren Teile der Anlage werden abmontiert.

Jorge Capitanich, der Kabinettschef der Nationalregierung, versuchte die Wogen zu glätten, indem er meinte, das Denkmal befinde sich derzeit “im Prozess der Restaurierung”. Geht es nach dem Willen der Kirchner-Regierung, soll es bald abtransportiert werden und durch ein Denkmal für die Freiheitskämpferin Juana Azurduy ersetzt werden. Dabei hatte die Justiz am 11. Dezember vorigen Jahres angeordnet, dass vorerst kein einziges Teil des Denkmals zerlegt und abtransportiert werden dürfe.

(Foto: Graciela Fernández)

Korruption

Das heimliche Geschäft

Von Friedbert W. Böhm

korruptionKorruption ist die folgenreichste, am leichtesten zu begehende und am schwersten zu beweisende Straftat. Es sind ja immer zwei Schelme, beide Geber und Nehmer. Im einfachsten Fall gibt der Verkehrssünder einige Scheinchen und nimmt den Verzicht auf Strafe für ein überfahrenes Rotlicht entgegen. Der Polizist gibt ein zugedrücktes Auge und nimmt die Scheinchen. Beim ersten Mal haben beide ein schlechtes Gewissen. Der Verkehrssünder beruhigt es damit, dass er ja eigentlich ein disziplinierter Fahrer ist und nur eben diesmal nicht aufgepasst hat, einmal ist keinmal. Und der Polizist sagt sich, dass die Kreuzung ja übersichtlich und frei war, der Fahrer also niemanden in Gefahr brachte oder behinderte, und dass die Scheinchen gerade recht kamen, um seinem Töchterchen ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen.

Selbstverständlich ist einmal nicht keinmal. Die Fälle wiederholen und häufen sich. Dann gibt es keine Gewissenskonflikte mehr. Es machen doch Viele, beinahe Alle. Das wissen auch die Chefs der Polizisten. Es kann doch nicht sein, sagen diese, dass unsere Leute lukrative Nebeneinnahmen haben und wir nicht. Also werden diese Einnahmen im Revier heimlich besteuert. Die Besteuerung setzt sich durch über die oberen Ränge bis in die lokale, regionale und nationale Administration.

Jede Administration hat Geldsorgen. Ein Großteil (wenn nicht der größte) der Ausgaben sind die Gehälter. Warum nicht hier etwas sparen? Unsere Leute bekommen ja so viele Trinkgelder, dass sie nicht unbedingt auf gute Gehälter angewiesen sein sollten. Für die eingesparten Mittel werden wir schon eine Verwendung finden. Jetzt ist bei Verkehrssündern und Polizisten von Gewissen gar keine Rede mehr. Im Gegenteil: Ist es nicht geradezu eine humanistische, patriotische Handlung, durch einige Scheinchen die menschenverachtende Lohnpolitik der Obrigkeit zu mildern?

Die Polizisten mögen dem Autor vergeben. Wenn hier von ihnen gesprochen wurde, so nur als Beispiel für die Situation aller öffentlichen Angestellten. Schließlich sind Polizeigehälter nur ein winziger Ausschnitt des gesamten öffentlichen Lohnschemas. Wenn auch nur ein Schein von Gerechtigkeit gewahrt werden soll, können Büroangestellte, Zöllner, Lehrer, Fahrer, Straßenfeger, Boten, Inspekteure und viele Andere kaum besser gestellt sein als die Wahrer der öffentlichen Ordnung, welche diese schließlich unter Hinhaltung ihrer Haut zu verteidigen haben.

Also führt die immer schlechtere Besoldung einer Gruppe zu universell unzureichenden Löhnen und Gehältern im gesamten staatlichen Bereich. Dies hat mehrere mit der Zeit katastrophale Weiterungen:

Je allgemeiner die tagtägliche “kleine” Scheinchenkorruption wird, desto größer sind ihre Auswirkungen in den oberen Etagen der Administration. Dort ist man ja auch irgendwie dem Gehaltsschema unterworfen und bezieht Einkünfte, mit denen man sich auf keinem Golf- oder Poloplatz sehen lassen kann. Man ist aber doch ein bedeutender, sich aufopfender Staatsdiener, der mindestens Anrecht auf den Lebensstandard eines Wirtschaftskapitäns hat. Niemand kann es einem also verwehren, sich durch Nepotismus, Provisionen auf Staatsaufträge oder auf sonstige Weise schadlos zu halten. Die im allgemeinen Gehaltsschema eingesparten Mittel erlauben das ja, und, wenn nicht, kann man den Haushalt ja durch die Notenbank auffüllen lassen.

Nicht alle öffentlichen Angestellten besitzen die Möglichkeit, sich einigermaßen stabile oder überhaupt Nebeneinkünfte zu beschaffen. Die es nicht können, laufen ständig Gefahr, im Einkommen zurückzufallen. Drohung und Nötigung sind ihre einzigen Mittel, diese Gefahr zu mindern. Sie arbeiten “a reglamento”, streiken, sperren Durchgangsstraßen oder besetzen öffentliche Gebäude, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Zehntausende von Mitbürgern müssen jeweils unter diesen Maßnahmen leiden.

Im Übrigen sind die Staatsdiener permanent demotiviert, was sich in schludriger Arbeit äußert und missmutiger Betreuung der Bürger. Ihre Produktivität sinkt. Das Manko wird durch Neueinstellungen kompensiert. Diese erhöhen die Gehaltsausgaben des Fiskus, wodurch die Möglichkeit einer ausreichenden Besoldung der Angestellten erneut verringert und deren Notwendigkeit für Nebeneinnahmen erneut erhöht wird – ein Teufelskreis.

Dass das Unrechtsbewusstsein bezüglich Korruption in der Gesellschaft rasch verschwindet, wurde schon angedeutet. Es verschwindet jedoch nicht nur in dieser Hinsicht. Wer beim Schmieren oder Geschmiertwerden keine Gewissensbisse mehr empfindet, wirft auch den Abfall auf die Straße, gibt dem sehschwachen Rentner das Wechselgeld falsch heraus, fährt als Taxifahrer den Touristen auf teuren Umwegen, lügt bei Gericht, betrügt die Steuerbehörde, seine Angestellten, seinen Arbeitgeber oder seine Wähler und betrachtet schließlich jedes Versprechen, jeden Vertrag und jedes Gesetz als unverbindliche Empfehlung.

Steht jemand unter Korruptionsverdacht, rauft er sich entrüstet die Haare und fordert eine gerichtliche Untersuchung. Er weiß nämlich ganz genau, dass, wenn überhaupt, nur ganz dumme Korrupte je verurteilt werden. Korruption ist ein heimliches Bargeschäft. Wo sollen die Beweise herkommen? Außerdem gibt es ja immer zwei Verdächtige, den Aktiven und den Passiven (übrigens eine wenig überzeugende Unterscheidung, denn beide geben und nehmen). Sollen die sich etwa gegenseitig der Anstiftung bezichtigen? Und wenn es einen Zeugen gibt, steht seine Aussage immer gegen die zweier Leugner.

Als die große Choleraepidemie von 1892 das Hamburger Staatswesen korrumpiert hatte, nahm die Kriminalität überhand, da die schlecht bezahlten Polizisten Wegschauhonorare kassierten. Sobald man ihnen die Gehälter verdoppelt und klargemacht hatte, dass allein der Korruptionsverdacht ein Entlassungsgrund sein konnte, kam die Stadt wieder in Ordnung. Schon die alten Römer wussten, dass die Gemahlin des Caesars nicht nur keusch sein musste. Sie musste es auch erscheinen.

“Lesen schützt vor Dummheit nicht”

Die Philosophin Gayatri Spivak zu Gast in Buenos Aires

Von Janina Knobbe

spivak11Nur langsam füllte sich das Auditorium des Malba am Montag und lange blieben die Plätze in der ersten Sitzreihe frei. Das lag jedoch kaum an zu geringem Besucherandrang. In einer Masse aus Menschen jeglichen Alters drängte man sich zur Eingangstür, wo Sicherheitsbeauftragte und Mitveranstalter in Erklärungsnöte gerieten und wild mit Teilnehmerlisten umherwedelten, um zu entscheiden, wer noch Zugang zu der Konferenz bekommen sollte. Die argentinische Schlange-Stehen-Kultur wurde aufgebrochen und es gelang nur schleppend, die aufgeregten Besucher so zu koordinieren, dass die meisten noch einen Platz im Saal fanden. Aus verschiedenen Orten des Landes, ja sogar aus Chile, kamen sie angereist, um sie sprechen zu hören und zu sehen: Die indische Philosophin, Feministin und Mitbegründerin der Postkolonialen Theorie, Gayatri Spivak.

Von dem Programm “Lectura Mundi” der UNSAM (Universidad Nacional San Martín) war sie eingeladen worden, über ihr Werk zu referieren und mit ihren Lesern in den direkten Austausch zu treten. Der Auftakt ihres dreitägigen Besuchs an der Universität bestand in der am Montag stattfindenden Konferenz “Spivak habla con sus lectores”, wo sie über zwei Stunden hinweg ausgewählte Fragen beantwortete, die von Studenten der UNSAM zuvor zusammengetragen wurden.

Gayatri Spivak wurde 1942 in Kalkutta geboren und schrieb ihre Doktorarbeit in den USA, wo sie heute Professorin für Literaturwissenschaft an der Colombia University in New York ist. Ihre Schriften beeinflussen seit den 80er-Jahren die Wissenschaftsproduktion im damals neu definierten Feminismus, aber vor allem auch jene des Dekonstruktivismus sowie der postkolonialen Forschungsansätze. Überdies erschien im Spanischen vor Kurzem eine Sammlung ihrer Schriften mit dem Titel “En otras palabras, en otros mundos” (Paidos Verlag).

Ihr wohl bekanntestes Essay ist zweifellos “Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne Artikulation”, eine Kritik an den Machenschaften und Machtkonstrukten der in Indien vorherrschenden Elite und deren Umgang mit dem marginalisierten Teil der Gesellschaft, der auch auf Grund der westlich geprägten Wissenschaftsproduktion “sprachlos” ist. Dies führt dazu, dass ganze Gesellschaftsgruppen gänzlich vom politischen Geschehen einer Nation ausgeschlossen sind. Ein Themenkomplex, der durchaus auch in Hinblick auf politische und gesellschaftliche Realitäten in Lateinamerika hochaktuell ist.

Dementsprechend machte Spivak am Montag deutlich, dass auch die Intellektuellen einer Gesellschaft ständig Gefahr laufen, eine marginalisierte Gruppe noch weiter an den Rand zu drängen, sie folglich “stumm” zu machen. Die Aufgabe der Intellektuellen einer Gesellschaft besteht insofern nicht darin, in ihrem Namen zu sprechen, sondern vielmehr, “ihnen Raum zu schaffen, in dem sie gehört werden können und durch welchen sie der Regierung (dem Staat) entgegentreten können.” Um dies zu erreichen, sollte das Vertrauen in die institutionelle Wissenschaftsproduktion hinterfragt werden und sich nicht damit aufgehalten werden, “wie den Subalternen Gehör verschafft werden kann”, sondern “wie man ihnen das Konzept dessen nahebringt, dass jeder ein Recht auf geistige Arbeit hat.” Dies lässt sich als das Recht eines Jeden auf intellektuelle Bildung verstehen. Dennoch “ist Lesen kein Schutz davor, ein Idiot zu bleiben. Es gibt viele Idioten auf der Welt, die viel gelesen haben”, fügte Spivak hinzu.

Es geht also gerade in einer globalisierten Welt darum, allen Menschen “kritisches Lesen” nahezubringen. Dabei ist es laut der Philosophin wichtig, zu akzeptieren, dass dies ein langsamer Lernprozess ist. Doch auf diese Weise kann in einer Gesellschaft Recht und Unrecht sowie Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit definiert werden.

Die Philosophin verlieh ihrer Auffassung Nachdruck, dass sich ihre Schriften nicht an die “Subalternen” wenden, sondern an die Wissenschaft und Wissenschaftler, deren Aufgabe es auch ist, der globalen Bevölkerung deutlich zu machen, “dass jedes Kind und jeder Erwachsene ein Recht auf geistige Arbeit hat”.

Spivak verbrachte noch zwei weitere Tage dieser Woche in Buenos Aires, um mit Studenten und Experten die Zusammenhänge von Institutionen und Erkenntnistheorie zu diskutieren. Zum Abschluss ihres Besuchs überreichte die Universität San Martín ihr am Mittwoch einen Ehrendoktortitel.

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Gayatri Spivak am Montag im Malba.
(Foto: Janina Knobbe)

Gesinnungsethik und Verantwortungsethik

Ein Enigma

Von Friedbert W. Böhm

drohne11Max Weber hat die Begriffe Gesinnungsethik und Verantwortungsethik vor 100 Jahren geprägt und damit den Zwiespalt beschrieben, der sich heute mehr denn je durch alle politischen Diskussionen zieht.

Einigkeit besteht weithin über unsere Gesinnung: Wir lieben das Gute und verabscheuen das Böse (oder tun wenigstens so). Gesinnungsethiker plädieren und arbeiten gegen den Krieg, die Armut, die Ausbeutung, den Autoritarismus, die Flüchtlingsmisere, die Atomenergie, sind für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit sowie den Schutz von Natur und Klima. Das sind alles überaus respektable, einige sogar auf lange Sicht überlebensnotwendige Ziele. Daher der Zulauf und die Opferbereitschaft, welche Propheten und Religionsführer bei uns von jeher hervorrufen konnten, wie es heute zahlreiche ONGs tun und Oppositionspolitiker, die sich ausrechnen können, bei Lebzeiten nicht einer Regierung anzugehören. Es ist nämlich recht wohlfeil, der Gesellschaft hehre Ziele aufzuzeigen, für deren Verwirklichung man nicht verantwortlich ist.

Verantwortungsethik ist etwas ganz Anderes, Mühsameres. Hier geht es darum, Ethik mit Praxis zu verbinden. Leider sind wir Menschen nicht edel, hilfreich und gut genug geboren, um unsere Eigeninteressen ohne Weiteres mit denen der Gesellschaft (heute einer globalen) und denen künftiger Generationen abzustimmen. Und zwingen lassen wir uns dazu nicht; wir müssen überzeugt werden. Dafür leisten die Gesinnungsethiker gewiss einen wichtigen Beitrag.

Die unsere Lebenswelt bestimmenden Entscheidungen jedoch werden von Politikern, Unternehmern und Gewerkschaftsführern getroffen. Ihre Aufgaben sind der ständige Ausgleich gegenläufiger Rechte verschiedener Gruppen, die Kosten/Nutzen-Analyse zu treffender Maßnahmen, ihre internationalen Auswirkungen sowie die Gewichtung der zu erwartenden kurz-, mittel- und langfristigen Folgen.

Wollen wir, um Krieg zu vermeiden, unbegrenzt zusehen, wie ein Regime seine Bürger knebelt, hungern, foltern und erschießen lässt, ohne im Geringsten auf internationale Vorhaltungen und wirtschaftliche Sanktionen zu reagieren? Oder ist ein solches Regime zu eliminieren? Soll ein starrköpfig aggressives Land unbehelligt fortfahren, seine Nachbarn öffentlich zu bedrohen, Terroristen zu unterstützen und zu beherbergen, die überall in der Welt grausame Anschläge mit hunderten unschuldiger Opfer begehen? Ist es gerechtfertigt, um solches zu unterbinden oder zu bestrafen, ohne Kriegserklärung durch unbemannte, ferngesteuerte Flugkörper mutmaßliche Terroristen zu töten mit dem Risiko, Unschuldige zu treffen?

Sind die Vorteile eines Mindestlohns (oder eines “Bürgergehalts”, wie es etwa in der Schweiz propagiert wird) ausreichend, um das Risiko einzugehen, dass die Arbeitslosigkeit steigt (oder es plötzlich niemanden mehr gibt, der einfache Arbeiten verrichten will)? Droht Europa durch die Flüchtlingsströme über das Mittelmeer und den Balkan Überfremdung, steigende Kriminalität und soziale Verarmung oder sind diese meist jungen, belastbaren Menschen mit Initiative und Mut eine willkommene Lösung für unseren Geburtenrückgang? Erfordert die Eindämmung unseres CO2-Ausstoßes einen sofortigen Ersatz der Atom-(und Kohle)kraftwerke durch “weiche” Energie, mit den hierfür erforderlichen enormen Investitionen und Tariferhöhungen, oder ist es vorzuziehen, den Übergang zu strecken und schrittweise vorzunehmen?

Ist – in Argentinien – die massive Verteilung von Subsidien und Geschenken der richtige Weg zur Bekämpfung von Armut oder erfordert dies eine grundlegende Erneuerung des Erziehungs- und Sozialsystems mit Mitteln, die nur durch Rückkehr zum Rechtsstaat und Entzerrung der Wirtschaft beschafft werden können – einem langfristigen Prozess, der auf mittlere Frist bedeutet, den Gürtel enger zu schnallen?

Verantwortliche Intellektuelle und wohlgesinnte Macher sind gefragt.

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Ist es gerechtfertigt, ohne Kriegserklärung durch unbemannte, ferngesteuerte Flugkörper mutmaßliche Terroristen zu töten mit dem Risiko, Unschuldige zu treffen?

SOY: programa que acompaña y estimula a los creadores chaqueños

SOY Chaqueño y Contemporáneo – 3ª edición de una propuesta que busca discutir las maneras de entender el arte

Por Patricia Hakim

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SOY chaqueño contemporáneo es una iniciativa de la Casa de las Culturas para fortalecer las producciones colectivas chaqueñas desarrolladas en el campo de las artes visuales, culinarias, musicales, corporales, editoriales y de diseño. Desde la comprensión que el arte contemporáneo no se concentra sólo en lo que se entiende por una obra sino en el alcance que puede dar el arte en la constitución de la persona artista y su escena, este programa se trata de cuatro exposiciones simultáneas y convergentes, que se experimentan a través de un circuito por medio de un transporte colectivo. De este modo por intermedio del “colectivo de los colectivos” se configura la “simultaneidad” de escenas funcionando en paralelo en Chaco.

Con este nuevo programa se busca acompañar y estimular a los creadores chaqueños implementando al menos dos estrategias:

  • La integración del trabajo autogestionado, alternativo y colectivo con lo institucional, demarcando de esta manera un diagrama de contexto de circuitos culturales – educativos – locales. Desde esta lógica se entiende que la capacidad del hacer chaqueño se multiplica por su escala manejable combinada con la alta capacidad creadora.
  • El apoyo a los diversos espacios donde se produce y sociabiliza el arte.

A través de una selección de algunos creadores y espacios colectivos, nos proponemos reconocer ciertas nociones de sentido acerca de la identidad cultural chaqueña. Una cuestión que merece la pena resaltar es la particularidad que adquiere la capital del Chaco. Resistencia es una ciudad en la cual se da la particular situación de convivencia entre sus habitantes y sus casi 600 esculturas emplazadas en su espacio público. La curiosa idea de “invadir con arte” a esta ciudad deviene de un grupo de personas que hicieron el El Fogón de los Arrieros.

Por otra parte, Resistencia es emblemática desde 1988, por la realización de la Bienal Internacional de Escultura gestionada por la Fundación Urunday, evento que reúne a más de 300.000 personas. También podemos reconocer en el moderno edificio de la Casa de las Culturas una nueva usina creativa dada por su programación y por los diferentes elencos estables.

SOY chaqueño contemporáneo se presenta como la 3ª edición de una propuesta que busca discutir las maneras de entender el arte. La primera edición: “SOY: Simultaneidades y Otras Yerbas” se tuvo el ánimo de destacar aquellos abordajes artísticos del noreste argentino (Chaco, Corrientes, Misiones y Formosa) y del paraguayo, que proporcionan ciertas nociones de localidad y pertenencia activadas no en forma cerrada, sino como dispositivo de lectura de lo socio-cultural y cotidiano bajo nociones de inserción de lo local en lo global y viceversa.

En “SOY guarango sin glamour”, la segunda edición, se destacó al guaraní como lengua recuperada y reconocida. Se buscó potenciar las facultades del arte a través de su capacidad generativa y multiforme de renovar y conformar contextos. Se propuso realizar un proyecto activador que fortaleciera líneas de manifestación y conexión interzonal basadas en la experiencia del arte. Se planteó la revalorización de lo propio dado por la convivencia y fusión de lo originario con lo contemporáneo Proponiendo el diálogo con y entre los integrantes de la región del Gran Chaco (Chaco, Formosa, Tucumán, Santiago del Estero, Salta, Santa Fe, Paraguay y Bolivia).

En ambos “SOY”, partimos del lugar de repensar el concepto de frontera y de región, no sólo poniendo a Chaco como centro de la escena, como usina de producción y generador de itinerarios, sino también por fortalecer la comunicación regional trazando así nuevas líneas de trabajo con provincias y países cercanos.

Además de trabajar en la provincia, en Simultaneidades y Otras Yerbas profundizamos el trabajo con Paraguay y Corrientes. Nuestra posición fue el de anfitriones de los vecinos provinciales y de países fronterizos, para luego pasar a ser coproductores del programa/exposición en Corrientes y en Asunción. Asumimos los desafíos de llevar la producción propia fuera del país y de recibirla del exterior (Paraguay y Bolivia). Buscamos integrar las artes visuales con otras artes potenciando así las diferentes poéticas locales.

Ambas ediciones establecieron pautas de trabajo inéditos para la producción y gestión local del arte con la organización de:

  • viajes y residencias de los protagonistas para incentivar el reconocimiento territorial y cultural regional
  • traslados que promovieron intercambios y nuevos emprendimientos
  • talleres y foros
  • producción editorial (web, libros, trípticos, etc) y de obra (artes visuales, culinarias, musicales, performance)
  • itinerancia nacional e internacional

Con el SOY chaqueño y contemporáneo, la trilogía de SOY continúa siendo un espacio sensible de reflexión, encuentros, producción y exposición de obras, impulsado por la Casa de las Culturas de Chaco para conocernos mejor a nosotros mismos y para quien quiera conocernos, para generar un lugar propio de debate y pensamiento, para incentivar nuevas alianzas, para pensarnos y sentirnos geopolíticamente como comunidad abriendo líneas de comunicación al exterior.

Colectivos participantes

  • 1. ISPEABA Santiago Pértile
  • 2. Esto no es una Academia
  • 3. CE.CU.BA
  • 4. Manchando al tigre, Artistas en claustro
  • 5. Taller de Fotografía Visto y Nuestro
  • 6. Eve Reyero y grupo de teatro
  • 7. Alternativo espacio de arte+diseño
  • 8. Literatura Tropical
  • 9. Alejandra Muñoz y Arturo Fabiani
  • 10. Medialab Chaco
  • 11. Sustentate che!

Las actividades y talleres se realizan en Resistencia durante noviembre y diciembre de 2013.

Vollgas

Wie lange noch?

Von Friedbert W. Böhm

lehman-brothers11Als ich noch jung und in solchen Dingen unerfahren war, schickte mich mein Arbeitgeber auf eine lange Dienstreise in einem alten, mir unbekannten Wagen der unteren Mittelklasse. Ich hatte Eile, fuhr meistens Vollgas – das waren damals beinahe hundert Stundenkilometer.

Nach einiger Zeit leuchtete am Armaturenbrett ein rotes Licht auf, an einer von mehreren Stellen, an denen rote Lichter aufleuchten können. Ich registrierte schon irgend ein Risiko, hielt es jedoch für gering genug, um mit seiner Beseitigung bis zur nächsten Werkstatt warten zu können. Diese war etwa eine halbe Stunde entfernt.

Es focht mich zunächst nicht an, dass der Wagen trotz Vollgas nur noch achtzig lief. Als er zu stottern anfing, konnte ich ihn auf nicht mehr als sechzig beschleunigen. Dann vierzig. Dann blieb er stehen.

In der Werkstatt, wohin ich hatte abgeschleppt werden müssen, sagte man mir, dass der Motor wegen permanenten Ölmangels zusammengeschmolzen war – ein Kolbenfresser. Meine Dienstreise war für eine halbe Woche unterbrochen, bis die nötigen Ersatzteile herbeigeschafft und eingebaut waren.

2008 fuhren die Weltfinanzen weit schneller als die hundert Stundenkilometer meines damaligen Autos. Dann leuchtete das rote Lehmanlicht auf und das System begann zu stottern.

Das Gas der Finanzwirtschaft heißt Geld. Genau wie ich unbedachter, risikoblinder Autofahrer geben die Zentralbanken seither mit ihrer Geldpolitik Vollgas. 85 Milliarden Dollar Gas emittiert die Zentralbank der USA monatlich. Wie der alte, gilt auch ihre neue Präsidentin als Freundin des Gasgebens. Die Zentralbank der Eurozone hat schon zwei Billionen Eurogas in die Banken gepumpt und verkündet, mit dem Gasgeben, falls nötig, nicht aufhören zu wollen, bis das System wieder richtig läuft. Das von den Fachleuten ersehnte und in der Politik viel besprochene Öl einer Bankenregulierung tröpfelt inzwischen nur.

Noch läuft der Motor anscheinend achtzig. Wie lange wird er das Vollgas der Zentralbanken noch vertragen?

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Als 2008 das rote Lehmanlicht aufleuchtete, begann das System zu stottern.

Neue Dimensionen des Überlebens

“Fase.05” beleuchtete die Beziehung von Mensch und Natur im technologisierten Alltag

Von Janina Knobbe

vasen mexico
Unter dem Motto “Metáforas de la superviviencia” – Metaphern des Überlebens zeigten nationale und internationale Künstler in der Zeit vom 8. bis zum 11. November ihre Installationen, Projekte und Performances im Centro Cultural Recoleta. Das Motto des jährlich stattfindenden Events “Fase” machte auf die Intervention von neuen Technologien in unserem alltäglichen Leben aufmerksam und verdeutlichte an Hand der gezeigten Projekte, wie diese unseren Umgang mit globalen Problemen wie Umweltschutz, Klimawandel, Krise und Dekadenz beeinflussen. Beim Durchwandern der Ausstellungsräume wurde dem Besucher rasch eine kritische Haltung gegenüber aktuellen gesellschaftlichen und politischen Diskursen vermittelt.

Die Installation eines Künstlerkollektivs bestehend aus neun Studentinnen der Universidad Museo Social Argentino trat besonders hervor. Unter dem Titel “Refugio” zeigten die Künstlerinnen einen quadratischen Raum, der aus wiederverwertbaren Materialien bestand, wobei es sich um grüne Plastiktüten sowie Tetrabrik handelte. Der Innenraum des Quadrats war mit aneinander geklebten Plastiktüten ausgekleidet, wobei ein Foto von einem Wald in Misiones als Vorlage gedient hatte. Besucher konnten den Raum barfuß betreten und dabei einen aus zerschnittenen Plastiktüten bestehenden Rasen unter ihren Füßen spüren. Hinzu kamen die Geräusche von Lastwagen, die Müll abladen, welche gespickt waren mit Vogelgezwitscher, um dem Besucher die Metamorphose unserer Natur zu verdeutlichen.

Laut den Künstlerinnen entstand die Idee durch das Nachsinnen über den modernen Menschen in der Natur, welche laut Melisa Schmitz nicht mehr real ist, da die Natur allgegenwärtig durch den Menschen beeinflusst wird. Dennoch fühlt sich der Mensch zur Natur hingezogen, was die Künstlerinnen dazu veranlasste, eine artifizielle Natur aus nicht kommerziellen und recycelbaren Materialien zu konstruieren, um unsere “zeitgenössische Natur” zu veranschaulichen sowie der Notwendigkeit des Recycelns Nachdruck zu verleihen. Die Installation wurde begleitet von einem Video, das den sechsmonatigen Entstehungsprozess des “Naturquadrats” zeigte.

Das Intermezzo von Natur und Technologie wurde auch durch das Ausstellungsobjekt der mexikanischen Botschaft unter dem Titel “Perejil buscando el sol” charakterisiert. Hierbei handelte es sich um zwei kleine Roboter in Form von Miniaturvasen, die, mit Solarzellen ausgestattet, jeweils ein Petersilienpflänzchen beherbergten. Unter einem Scheinwerfer bewegten sich die mit kleinen Rädern ausgestatteten Vasen nach dem künstlichen Sonnenlicht. Das Projekt verwies somit auf die Problematik urbaner Lebensräume, die den Menschen und auch Flora und Fauna neue Strategien des Überlebens abverlangt.

Viele weitere Projekte zeigten ebenfalls die Entfremdung des Menschen von der Natur sowie den Wandel der Natur durch die Intervention von neuen Technologien. Aber auch zwischenmenschliche Themen wie häusliche Gewalt oder die Überwachung des Menschen durch den Menschen mittels technischer Werkzeuge wie Kameras und Alarmanlagen wurden an Hand weiterer Ausstellungsobjekte thematisiert und auf künstlerischer Ebene veranschaulicht.

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Die solarangetriebene Petersilie.
(Foto: Janina Knobbe)

Sprache und Kultur des Jiddischen lebendig erhalten

Robert Neumann und Dr. Ulrike Kiefer vom Förderverein für jiddische Sprache und Kultur stellten in Buenos Aires das EYDES-Projekt vor

Von Janina Knobbe

neumann_kieferDie jiddische Sprache und Kultur ist nicht jedem alltäglich gegenwärtig, und vielen ist nicht mehr bewusst, dass sie nicht nur Bestandteil der europäischen Kultur, sondern durch Migrationsströme während sowie nach dem zweiten Weltkrieg auch auf anderen Teilen der Welt präsent ist. Dass die jiddische Sprache auch heute noch auf dem lateinamerikanischen Kontinent in einigen Gemeinden als Muttersprache erlernt wird, ist den wenigsten bekannt.

Damit weder die Sprache noch die Kultur des Jiddischen in Vergessenheit geraten, wurde in Argentinien, ein Land, welches während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und Europa viele Flüchtlinge jüdischer Abstammung aufnahm, bereits im Jahr 1928 die Stiftung IWO (Instituto Judío de Investigaciones) mit Sitz in Buenos Aires gegründet. Die Stiftung hat sich die wissenschaftliche Untersuchung, den Erhalt und die Verbreitung der jiddischen Kultur zum Ziel gemacht.

Dieselben Ziele verfolgt der deutsche Förderverein für jiddische Sprache und Kultur, der seit 1991 existiert, seinen Sitz in Düsseldorf hat und vierzehn freie Mitarbeiter zählt, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Der Förderverein hat sich besonders eines in New York liegenden Archivs mit Interviewmaterial in jiddischer Sprache angenommen.

Vergangene Woche ist eine Delegation, bestehend aus dem Vorsitzenden des Vereins Robert Neumann sowie Dr. Ulrike Kiefer, langjähriges Mitglied des Vereins, nach Sao Paulo und Buenos Aires gereist, um das Projekt EYDES (Evidence of Yiddish in European Societies) vorzustellen. Hierbei handelt es sich um ein fünftausendstündiges Archiv mit Tonbandaufnahmen, welche in Form von Interviews die linguistischen Variationen der jiddischen Sprache innerhalb sowie außerhalb Europas dokumentiert.

Dieses Projekt wurde in den 1950er und 1960er Jahren von dem Linguisten Uriel Weinreich in den USA durchgeführt und liegt heute dank der Hilfe und Mitarbeit von freiwilligen Wissenschaftlern und Freunden der jiddischen Sprache in digitalisierter Form vor und ist für jeden frei zugänglich. Kiefer, Spezialistin für jiddische Sprache und Kultur, sowie Neumann, Linguist und Softwarehersteller für Sprachtechnologie, stellten das EYDES-Archiv am 21. und 22. Oktober in den Räumen des IWO in Buenos Aires im Rahmen einer Konferenz vor.

Laut Neumann besteht die Besonderheit dieses Archivs darin, dass es aus Tonbandaufnahmen besteht, da die Dokumentation von gesprochener Sprache im Normalfall lediglich in Papierform vorliegt. Das Archiv dient heute hauptsächlich zu Forschungszwecken, kann aber auch als Unterrichtsmaterial zum Erlernen des Jiddischen gebraucht oder als “Museum” für die sprachlichen Variationen des Jiddischen in der Welt betrachtet werden.

Über die Präsentation des Projekts hinaus lag die Intention ihrer Reise darin, einen direkten Austausch mit anderen Organisationen und Stiftungen anzuregen und die Begründung zukünftiger Partnerschaften zu initialisieren. Der Konsens des IWO und des Fördervereins liegt in der internationalen und transnationalen Verbreitung und Förderung des öffentlichen Bewusstseins für die jiddische Sprache und Kultur vor und nach 1945, jedoch vor allem auch in der internationalen Verbreitung von Informationen über das digitale Archiv, welches laut Kiefer und Neumann als ein gemeinsames Produkt aller Institutionen, die den Erhalt und die Förderung des Jiddischen in der Welt unterstützen, angesehen werden soll.

Hierbei soll auch der eurozentristischen Ausrichtung der Wissenschaftsproduktion zu dieser Thematik entgegengewirkt werden. Neumann und Kiefer zeigten sich zufrieden mit den bisherigen Resultaten ihrer Auslandsreise und hoffen auf die weitere Entwicklung internationaler Kooperationen sowie ein international ausgerichtetes Interesse an dem EYDES-Projekt, welches weiterhin durch die Mitarbeit von Freiwilligen existiert. Zukünftig steht die Transkription des Interviewmaterials aus, welche zur Erweiterung des wissenschaftlichen Umgangs mit dem Archiv beitragen soll.

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Robert Neumann und Dr. Ulrike Kiefer von Förderverein für jiddische Sprache und Kultur e.V.
(Foto: Janina Knobbe)

“Liebe Kollegen”

Eine mögliche Rede des Papstes

Von Friedbert W. Böhm

In wenigen Tagen wird Papst Franziskus sich mit acht repräsentativen Kardinälen aus den fünf Kontinenten zusammensetzen, um die Situation der Katholischen Kirche zu besprechen. Das folgende könnte ein Manuskript für seine Eingangsrede sein.

“Liebe Kollegen,

ich habe euch heute hierher gebeten, um ein Thema zu ergründen, dessen erschöpfende Bearbeitung das so zahlreiche Gesamtgremium aller Kardinäle überfordern würde. Es geht um eine Neuausrichtung unserer Kirche.

Der geht es nämlich gar nicht gut. Die illustrierten Gläubigen laufen uns weg. Und wir haben immer größere Schwierigkeiten, Nachwuchs für unsere Priester zu erlangen.

Ich wäre nicht Papst geworden, wenn ich nicht von der Notwendigkeit unserer Organisation als einem wichtigen Medium für größeren Frieden in der Welt überzeugt wäre. Wir sind uns ja einig, dass die seit einigen tausend Jahren von bärtigen Alten für die Bibel erzählten Geschichten nur der Bemäntelung unserer Kernaussage für einfache Menschen dienen.

Das Eigentliche, Wesentliche unser Mission, das, was wir allen anderen Religionen und Ideologien voraus haben, ist doch das christliche Mandat LIEBE DEINEN NÄCHSTEN. Richtig interpretiert, ist dies eine Kampfansage an die natürliche Aggressivität aller Lebewesen, im Falle von uns Menschen die tiefe Ursache für Kriege, Rassismus, Fanatismus und körperliche oder wirtschaftliche Ausbeutung.

Wie ich ja schon durch manche Aussagen und gegebene Interviews angedeutet habe, halte ich es für wünschenswert, dass die Kirche Anstrengungen unternimmt, diese Kernaussage auf eine Weise zu verdeutlichen, die auch den illustrierten Teil der Menschheit wieder von ihrer spirituellen Kraft und ihrem guten Glauben überzeugt. Dies wird eine mähliche Angleichung unserer Traditionen, Regeln und Riten an die heutige Lebenswelt erfordern.

Hierzu erbitte ich eure Vorschläge.”

Wem die Diktion als zu einfach und geradlinig für einen Papst erscheint, der möge sich an folgende Begebenheit erinnern: Als Franziskus noch im Gästehaus des Vatikans logierte, traf er im Fahrstuhl unvermittelt mit einem der jüngsten Kardinäle zusammen, der, noch im Pulli, auf dem Weg zum Frühstück war. “Oh, Heiliger Vater”, sagte der Kardinal überrascht. Und der Pabst antwortete: “Na, Heiliger Sohn”.

“Bewusster Umgang mit Wasser” – 3. Ausgabe von ECOSuiza

Schweizer Botschaft organisiert Vorträge und Workshops in Neuquén, Mendoza, Buenos Aires und La Plata

Von Marcus Christoph


Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen der Menschheit. Es ausreichend und in
guter Qualität zu haben, ist absolut lebensnotwendig. Von daher wundert es nicht, dass die Vereinten Nationen (UNO) 2013 zum Weltwasserjahr erklärt haben. Davon ließ sich auch die Schweizer Botschaft inspirieren. “Der bewusste Umgang mit Wasser” lautet der Titel der Konferenz-und Workshop-Reihe, die die hiesige Vertretung des Alpenlands in den kommenden Tagen veranstaltet.

In Neuquén, Mendoza, Buenos Aires und La Plata sind unter der Schirmherrschaft des Schweizer Botschafters Johannes Matyassy verschiedene Seminare und Veranstaltungen geplant. “Im Fokus steht dabei die Frage, wie man Wasser bewusster und effektiver nutzen kann”, erläuterte Matyassy bei der Vorstellung am Donnerstag in der Schweizer Botschaft. Dabei war es den Eidgenossen ein Anliegen, auch Städte des Landesinneren mit einzubeziehen. “Argentinien ist mehr als Buenos Aires”, so Matyassy.

Der Botschafter selbst hat sich ein umfangreiches Programm vorgenommen und will an allen vier Orten präsent sein. Am Montag, den 16. September, wird er die erste Veranstaltung in der Universitätsbibliothek von Neuquén eröffnen. Im Anschluss gibt es mehrere Vorträge von Experten, die Lösungswege aus der globalen Wasserkrise aufzeichnen wollen. Für den Nachmittag ist ein Workshop zum “Bewussten Umgang mit Wasser” geplant. Die grundsätzliche Idee ist, dass sich Unternehmer, Experten und Wissenschaftler treffen und austauschen können. Im Idealfall sollen am Ende konkrete Vereinbarungen zur Zusammenarbeit stehen.

Ähnlich sind auch die weiteren Veranstaltungen konzipiert. In Mendoza wird als zusätzliches Highlight – erstmals in Argentinien – der Film “Planet Ocean” gezeigt (Dienstag, 19 Uhr, Cine Universidad), ehe am Mittwoch das Seminarprogramm im Raum für Wissenschaft und Technik (ECT) beginnt. In Buenos Aires findet am Freitag in den Räumen der Schweizer Handelskammer ein Workshop statt. La Plata stellt am darauffolgenden Montag (23. September) schließlich die letzte Station der Veranstaltungsreihe dar.

Wie Matyassy und sein Stellvertreter, der Gesandte Dieter Cavalleri, erläuterten, verfügt die Schweiz selbst bereits über einen reichen Erfahrungsschatz, wie man mit der Ressource Wasser vernünftig umgeht. Die Schweiz, in der sich sechs Prozent der Wassermenge Europas befinden, setze dabei zum einen auf gesetzliche Regelungen. Zum anderen aber auch darauf, Anreize zu schaffen und frühzeitig mit einer Erziehung zum vernünftig Umgang mit Wasser zu beginnen. Letzteres sei eine Aufgabe, die sich über Generationen hinweg ziehen könne, so Matyassy.

Cavalleri hob hervor, dass das globale Thema Wasser eigentlich bei jedem selbst beginne. Beispielsweise, wenn man darauf achte, während des Zähneputzens das Wasser nicht unnütz laufen zu lassen. “Guter Umgang muss früh gelernt werden”, so Cavalleri. Das Thema Wasser sei “keine Besessenheit, sondern eine Notwendigkeit”, um die Zukunft der Menschheit zu sichern. Dies sei Grundüberzeugung der Schweiz wie Argentiniens.

Das aktuelle Engagement der Schweizer Botschaft ist im Gesamtzusammenhang des Projekts “ECOSuiza” zu sehen, das auf zehn Jahre angelegt ist. Seit 2011 organisiert die eidgenössische Auslandsvertretung in Argentinien jedes Jahr Veranstaltungen, die die Nachhaltigkeit fördern sollen. Zum Auftakt ging es um Tunnelbau. Im vergangenen Jahr stand das Thema “Architektur und Nachhaltigkeit” im Mittelpunkt.

Interessenten können sich für die Veranstaltungen (außer La Plata) unter ecosuiza@fundacioneisa.org.ar anmelden.

Foto:
Präsentation des “ECO Suiza”-Projekts mit dem Schweizer Botschafter Johannes Matyassy (2.v.l.).
(Foto: Marcus Christoph)

Katharsis und Neubeginn

Das Hinaufsteigen oder Hinunterlaufen von Treppen

Von Friedbert W. Böhm

Wenn man ein Alter erreicht hat, das vor nicht viel mehr als fünfzig Jahren noch als das der senilen Greise galt, heute jedoch häufig als später Ausgang der Jugend bezeichnet – und von nicht Wenigen auch so gelebt – wird, darf man Meinungen äußern, die von der einen Hälfte der Leserschaft als unrettbar abgedroschen und von der anderen als naiv empfunden werden. Meinungen betreffend, möchte ich im Übrigen beide Hälften einladen: Haben Sie keine, nehmen Sie meine. (Diesen Spruch habe ich bei FAKTuell abgekupfert, der ersten Onlinezeitung Deutschlands.)

Meine heutige Meinung bezieht sich auf die gesellschaftliche Entwicklung in zwei so verschiedenen Ländern wie Deutschland und Argentinien, an deren Schnittstellen ich seit einem halben Jahrhundert lebe. Dass ich weder Soziologe noch Historiker noch Journalist bin, wird der Leser an der Abwesenheit hochtönender Vokabeln und Phrasen erkennen. Und am Inhalt, der nicht einem Laboratorium oder Studierzimmer oder einer Redaktion entstammt, sondern dem nahen Umgang mit Hunderten von Personen und Unternehmen aller Schichten und Branchen, mit Behörden und Institutionen beiderseits des Atlantiks, das alles mit offenen Augen und Ohren und dem redlichen Bemühen um Objektivität.

In beiden Gesellschaften leben Menschen mit sehr ähnlichen allgemeinen Anlagen. Von Vorneherein unterstreiche ich meine immer wieder bestätigt gefundene Erkenntnis, dass rassische Eigenarten, falls es sie geben sollte, gesellschaftlich höchst irrelevant sind. Die schlimmsten südamerikanischen Schlitzohren, die mir untergekommen sind, waren groß, blond und blauäugig, und ich kenne etliche Schwarzhaarige mit Indianergesichtern, deren Fleiß, Gründlichkeit und Pflichtbewusstsein man in Deutschland nicht mehr alle Tage antrifft. Gesellschaftliche Eigenarten sind nicht Resultat der Genetik ihrer Mitglieder. Sie entstehen durch Traditionen. Traditionen sind die Gene der Gesellschaften. Ihre Entstehung verdanken sie dem nachhaltigen Beispiel oder dem Druck Kritischer Massen von Bürgern, die in prioritären Dingen gleichgesinnt sind.

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