Gratis-Kunst-Festival “Mirá”

Heute abend wird die neue Kunstmesse Mirá im Centro Cultural Recoleta eröffnet

Von Susanne Franz

miraEin Fest soll es werden, eine Begegnung, eine Zelebration, ganz im Sinne des deutschen Philosophen Hans-Georg Gadamer, der sich in seinen Schriften gegen eine Einteilung in hohe und niedere Kunst wehrte und stattdessen die Kunst als etwas feierte, das das eigentliche Menschsein ausmacht. “Man muss feiern können!”, sagte Julio Sapollnik bei der Ankündigung der ersten Kunstmesse Mirá, die heute abend um 18 Uhr eröffnet wird und dann vier Tage lang, vom 24. bis 27. April, im Centro Cultural Recoleta stattfinden wird. Fast das gesamte untere Stockwerk des beliebtesten Kunsttempels der Stadt Buenos Aires soll mit dem Gratis-Event belegt werden; Ausnahme ist der Cronopios-Saal, in dem kurz nach der Messe eine große Rómulo Macció-Schau startet.

Sapollnik ist Kunstexperte und gemeinsam mit Patricia Altmark Produzent der Kunst- und Kultur-TV-Sendung “Cultura al Día”. Altmark ist eine der drei Organisatorinnen von Mirá. Die anderen beiden sind Graciela Smith, Herausgeberin der Zeitschrift “Magenta”, und Susana Araujo, die Herausgeberin von “Qué Hacemos”.

“Eine Kunstmesse zu organisieren, ist gefährlich!”, sagt Sapollnik und spielt damit vielleicht darauf an, dass man von allen Seiten bekniet wird, ob man teilnehmen dürfe. “Wenn man es trotzdem wagen sollte, dann mit diesen drei Mädels!” Die drei strahlen und bedanken sich vor der versammelten Presse.

Mirá ist nicht wie die anderen Messen. Sie ist zwar eine Verkaufsmesse, aber es gibt keine “Stands”. “Mirá hat ein offenes Format”, beschreibt es Graciela Smith. Auf diese Weise sei der Kontakt zwischen Künstlern und Publikum direkt und ohne “Vermittler”. Banco Ciudad heißt der große Unterstützer der Messe, der auch die beiden Zeitschriften und das TV-Programm sponsert. Im Rahmen der Messe fördert Banco Ciudad zudem den jungen Künstler Iván Enquín (geb. 1987) mit einer Sonderausstellung.

Auf der Kunstmesse Mirá werden eine Vielzahl junger, bislang wenig bekannter Künstler ihr Talent unter Beweis stellen, es stehen aber auch renommierte Namen wie Milo Lockett, Juan Doffo, Alejandro Raineri oder Raquel Bigio auf der Liste der 170 teilnehmenden Künstler.

Zum Nebenprogramm gehört u.a. ein Vortrag von Marino Santa María über öffentliche Kunst am Samstag, den 26. April, um 17 Uhr.

Mirá ist Donnerstag und Freitag von 13 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

“Mirá” heißt frei übersetzt “Schau her”! Auf den mit viel Enthusiasmus organisierten Kulturevent kann man wirklich gespannt sein.

Weitere Infos auf der Webseite der Messe und auf Facebook.

40. Internationale Buchmesse mit Nina Jäckle

Die deutsche Autorin ist zu Gast bei dem Mega-Kulturevent, der am 24. April eröffnet wird

Von Susanne Franz

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Kaum ist das Filmfestival BAFICI zu Ende, steht auch schon das nächste kulturelle Großereignis in der argentinischen Hauptstadt vor der Tür: Am Donnerstag, dem 24. April, wird die 40. Internationale Buchmesse von Buenos Aires eröffnet. Kein Geringerer als Quino aka Joaquín Lavado, der berühmte Vater der Comicfigur Mafalda, die dieses jahr ihren 50. Geburtstag feiert, wird die diesjährige Messe eröffnen.

Auch Deutschland ist wieder mit einem interessanten Gast vertreten: das Goethe-Institut lud die Schriftstellerin Nina Jäckle ein, mit der am Samstag, dem 10. Mai, um 18.30 Uhr, im Bioy Casares-Saal die Veranstaltung “Erzählung und Wahn” stattfinden wird.

Die Internationale Buchmesse hat im Messezentrum “La Rural” an der Plaza Italia 45.000 Quadratmeter Fläche gemietet. Erfahrungsgemäß kommen in den drei Wochen Laufzeit des meistbesuchten Kulturevents des Kontinents etwa eine Million Besucher; dazu 10.000 Fachbesucher.

Rund 1500 Aussteller aus 40 Ländern präsentieren ihr Angebot, und es werden weit über 1000 kulturelle Veranstaltungen geboten, darunter Seminare, Vorträge, Buchvorstellungen, Workshops, Rundtischgespräche, ein Poesie-Festival, ein Erzählertreffen und eine Tagung über “Mikrofiktion”.

Vom 24. April bis 12. Mai ist die Messe jeden Tag, inklusive an den Feiertagen, geöffnet, montags bis freitags von 14 bis 22 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 13 bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet montags bis donnerstags 25 Pesos, freitags, an den Wochenenden und an Feiertagen 40 Pesos. Unter 12-Jährige in Begleitung eines Erwachsenen haben freien Eintritt, ebenso Behinderte und Schulklassen, die ihr Kommen vorher angemeldet haben. Montags bis freitags (mit Ausnahme der Feiertage) ist außerdem freier Einlass für Rentner, Lehrer aller Bildungsstufen und Studenten. Ein entsprechender Ausweis muss vorgelegt werden.

Weitere Infos auf der Webseite der Buchmesse.

Nina Jäckle im Gespräch

Auf Einladung des Goethe-Instituts, der Frankfurter Buchmesse und des Verlags Serapis wird die deutsche Autorin Nina Jäckle die spanische Übersetzung ihres Buches “Zielinski” im Gespräch mit dem argentinischen Autor Ariel Magnus vorstellen. Mit ihrem Buch geht die Autorin der Spur nach, wie es ist, ein System, eine Fremdherrschaft gewähren zu lassen. Dabei geht es um das Vermögen des Menschen, sich an alles zu gewöhnen, bis die Empörung über etwas Ungeheuerliches der Gewohnheitsmäßigkeit weicht.

Der Gedanke daran ist ein Albtraum: langsam wahnsinnig zu werden und sich selbst dabei zu beobachten; zu bemerken, wie sich pathologische Ticks einschleichen, die bis dahin als wunderliche Angewohnheiten durchgingen, die sich in den Gehirngängen einnisten, zu Obsessionen und Zwangshandlungen werden. Es ist Zielinski, der da aus dem Nichts heraus Einzug in die Wohnung eines allein lebenden Mannes hält. Zielinski, der gepflegte, höfliche Fremde, lebt fortan in einer mit blauem Samt ausgeschlagenen Holzkiste, im größten Zimmer des erzählenden Protagonisten. Es riecht nach Holz. Riecht es wirklich nach Holz? Zielinskis Stimme ist schön. Spricht Zielinski wirklich? Dieser Roman stellt auf eine raffinierte, absurd witzige und mitreißende Weise dar, wie Phantasien und Systeme greifen, wie es funktioniert, sich selbst voll und ganz in eine verheerende Idee zu verstricken, sich sogar in sie zu verlieben.

Nina Jäckle wurde 1966 in Schwenningen geboren, wuchs in Stuttgart auf, besuchte Sprachschulen in der französischen Schweiz und in Paris, wollte eigentlich Übersetzerin werden, beschloss aber mit 25 Jahren, lieber selbst zu schreiben, erst Hörspiele, dann Erzählungen, dann Romane. Ihre ersten Bücher erschienen im Berlin Verlag: “Es gibt solche”, “Noll”, “Gleich nebenan” und “Sevilla”. Bei Klöpfer & Meyer erschienen 2010 mit großem Erfolg ihre Erzählung “Nai oder was wie so ist” sowie 2011 ihr Roman “Zielinski” und 2014 “Der lange Atem”.

Sie erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, z.B. den Karlsruher Hörspielpreis, das große Stipendium des Landes Baden-Württemberg sowie das Heinrich-Heine-Stipendium und das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds. Nina Jäckle ist Mitglied im VS Baden-Württemberg und im deutschen P.E.N.

Bei der Veranstaltung “Erzählung und Wahn” auf der Buchmesse am Samstag, den 10. Mai, um 18.30 Uhr, werden Nina Jäckles Übersetzerin Carolina Previderé und die Lektorin Carolina Lieber ebenfalls anwesend sein. DieVeranstaltung ist auf Deutsch mit Simultanübersetzung.

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Die deutsche Schriftstellerin Nina Jäckle.

Vom verregneten Teppich

Anekdoten zum Filmfestival BAFICI

Von Philipp Boos

La Salada
Ein bisher abwechslungsreiches BAFICI läutete die kulturelle Jahreszeit in Buenos Aires ein. Pünktlich zum Herbstanfang erschwerten monsungleiche Regengüsse die Anreise für die Festivalbesucher, so wie goldene Herbsttage lichtscheue Kinogänger nach den Vorstellungen warm in Empfang nahmen.

Manchmal ist nicht ganz klar, wo sich hier Filmreifes abspielt, ob auf oder vor der Leinwand. Die edel gekleidete Anwältin in ihren 60er Jahren, ein kräftiger roter Lippenstift bringt ihren Mund zum Leuchten, sitzt mit mir in jeder zweiten Vorführung. Die Frage, ob sie derzeit keine Fälle zu lösen habe, von mir nicht ganz ernst gemeint, tut sie mit dieser typischen „nooo por favor“-Geste ab. Sie nehme sich die Zeit, für die Filme. Sie erzählt mir von ihren Reisen nach Deutschland, die Märchenstraße habe sie zuletzt abgefahren. Und unter anderem die Bronzestatue der Bremer Stadtmusikanten in der gleichnamigen Hansestadt gesehen und berührt. Sie kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Fünf Minuten später weiß ich dann auch, dass sie einen Geliebten in München hat.

Die Kinogängerin vor mir ist sichtlich irritiert, immer wieder zuckt sie zusammen, wenn die laute und selbstbewusste Dame, die immer gleich alle um sie stehenden Menschen adressiert, den Mund aufmacht. Die Schlangen von wartenden Kinobesuchern vor dem Kinokomplex Village Recoleta sind ein guter Ort für Beobachtungen, sicherlich auch für den ein oder anderen Drehbuchautor.

Den Kinobesucher gibt es im BAFICI nicht. Da ist der Hipster in Röhrenjeans, der auch im Kinosaal nicht seine Sonnenbrille absetzt; Cineasten im höheren Alter, unter dem Arm den Festivalkatalog geklemmt, als wäre er in die Achselhöhle geklebt, Brille mit dicken Gläsern und in sich gekehrt, Kontaktaufnahme nur im Notfall. Modisch gekleidete Menschen aus dem angrenzenden Palermo und Recoleta, die die Warteschlange auch schon mal mit dem roten Teppich in Cannes verwechseln, aber auch Familien sind zugegen. Ein schöner, unterhaltsamer “bunter Haufen” also.

Seit Festivalbeginn am 2. April herrscht um das Centro Cultural Recoleta, wo sich das Festival-Hauptquartier befindet, sowie im Village Recoleta, wo zehn Kinosäle dem Festival gewidmet sind, reges Treiben. Das Festival ist größer als letztes Jahr, 50 Filme mehr werden gezeigt. Ob man trotz des launigen Wetters die Besucherzahl von 370.000 im Vorjahr zu überschreiten vermag, ist nach Auskunft der Organisatoren jedoch fraglich.

“La Salada” sei ganz toll gewesen, werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Rote Lippen brennen sich auf meiner Netzhaut ein. Der Einlass beginnt, und einer folgt nun dem anderen. Das hat schon fast Zeremoniecharakter. Auch die Kritik ist von dem Beitrag aus Taiwan mit argentinischem Einschlag, der im internationalen Wettbewerb konkurriert, begeistert. Und der Erfolg gibt dem in Argentinien groß gewordenen und ausgebildeten Regisseur Juan Martín Hsu recht. Etliche Preise, auch auf unterschiedlichen europäischen Festivals, hat er bisher abgeräumt.

“La Salada” beschäftigt sich mit Argentiniens neuen Immigranten und gibt ihnen ein Gesicht. Der Film ist als Mosaik angelegt, drei unterschiedliche Schicksale treffen auf dem riesigen, illegalen Markt “La Salada” aufeinander. Aus Südkorea, Bolivien und Taiwan kommen die Protagonisten. Erzählt wird eine Augen öffnende Geschichte von Entfremdung und Einsamkeit in der neuen Heimat.

Ebenfalls im internationalen Wettbewerb zu sehen ist der mutige Dokumentarfilm “Iranian” des in Paris lebenden iranischen Architekten und Filmemachers Mehran Tamadon. Dieser reist in den Iran, da es ihm nach langer Suche gelungen ist, vier treue Regimeunterstützer unter einem Dach zusammenzubringen. Diskutiert werden Demokratie, der Schleier, die Rollen von Mann und Frau sowie die Bürde, die eine Minderheit in einer seit mehr als 30 Jahren bestehenden, gewählten islamischen Republik zu tragen hat. Ob es dem Liebhaber aus dem fernen München geschuldet ist, man weiß es nicht, aber die Dame mit dem Lippenstift und der großzügigen Perlenkette verlässt die Veranstaltung schon zur Halbzeit.

Wer es auch an diesem letzten Wochenende nicht zum Festival schafft, dem sei ein Blick auf die Webpräsenz des BAFICI empfohlen. Man bekommt einen guten Überblick über die Wettbewerbe und die darin enthaltenen Filme und kann sich die dazugehörigen Trailer ansehen. Für ein paar Anregungen lohnt es sich ganz bestimmt.

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“La Salada” von Juan Martín Hsu, der im internationalen Wettbewerb konkurriert, wurde von der Kritik und dem Publikum begeistert aufgenommen.
(Foto: BAFICI)

Kunst als ein Fest

Ende April findet die neue Kunstmesse Mirá im Centro Cultural Recoleta statt

Von Susanne Franz

miraEin Fest soll es werden, eine Begegnung, eine Zelebration, ganz im Sinne des deutschen Philosophen Hans-Georg Gadamer, der sich in seinen Schriften gegen eine Einteilung in hohe und niedere Kunst wehrte und stattdessen die Kunst als etwas feierte, das das eigentliche Menschsein ausmacht. “Man muss feiern können!”, sagte Julio Sapollnik bei der Ankündigung der Kunstmesse Mirá, die vom 24. bis 27. April zum ersten Mal im Centro Cultural Recoleta stattfinden wird. Das gesamte untere Stockwerk des beliebtesten Kunsttempels der Stadt Buenos Aires soll mit dem Gratis-Event belegt werden, einzige Ausnahme ist der Cronopios-Saal, in dem kurz nach der Messe eine große Rómulo Macció-Schau startet.

Sapollnik ist Kunstexperte und gemeinsam mit Patricia Altmark Produzent der Kunst- und Kultur-TV-Sendung “Cultura al Día”. Altmark ist eine der drei Organisatorinnen von Mirá. Die anderen beiden sind Graciela Smith, Herausgeberin der Zeitschrift “Magenta”, und Susana Araujo, die Herausgeberin von “Qué Hacemos”.

“Eine Kunstmesse zu organisieren, ist gefährlich!”, sagt Sapollnik und spielt damit vielleicht darauf an, dass man von allen Seiten bekniet wird, ob man teilnehmen dürfe. “Wenn man es trotzdem wagen sollte, dann mit diesen drei Mädels!” Die drei strahlen und bedanken sich vor der versammelten Presse.

Mirá ist nicht wie die anderen Messen. Sie ist zwar eine Verkaufsmesse, aber es gibt keine “Stands”. “Mirá hat ein offenes Format”, beschreibt es Graciela Smith. Auf diese Weise sei der Kontakt zwischen Künstlern und Publikum direkt und ohne “Makler”. Banco Ciudad heißt der große Unterstützer der Messe, der auch die beiden Zeitschriften und das TV-Programm sponsert. Im Rahmen der Messe fördert Banco Ciudad zudem den jungen Künstler Iván Enquín (geb. 1987) mit einer Sonderausstellung.

Auf der Kunstmesse Mirá werden eine Vielzahl junger, bislang wenig bekannter Künstler ihr Talent unter Beweis stellen, es stehen aber auch renommierte Namen wie Milo Lockett, Juan Doffo, Alejandro Raineri oder Raquel Bigio auf der Liste der 170 teilnehmenden Künstler.

Zum Nebenprogramm gehört u.a. ein Vortrag von Marino Santa María über öffentliche Kunst am Samstag, den 26. April, um 17 Uhr.

Mirá wird am 23. April um 18 Uhr eröffnet und ist Donnerstag und Freitag von 13 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

“Mirá” heißt frei übersetzt “Schau her”! Auf den mit viel Enthusiasmus organisierten Kulturevent kann man wirklich gespannt sein.

Weitere Infos auf der Webseite der Messe und auf Facebook.

Film ab fürs BAFICI

Sechzehntes Festival des Unabhängigen Films in Buenos Aires hat begonnen

Von Philipp Boos

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Am Mittwochabend wurde erfolgreich das 16. “Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente” (BAFICI) eingeläutet. “The Congress” des israelischen Filmemachers Ari Folman, eine Mischung aus Real- und Animationsfilm, bildete den Auftakt. Im Mittelpunkt von “The Congress” (Foto), der an den Science-Fiction-Roman des polnischen Autors Stanislaw Lem angelehnt ist, steht die alternde und auftragslose US-Schauspielerin Robin Wright, die sich selber spielt und von der Produktionsfirma Miramount Studio das Angebot erhält, sich einscannen zu Lassen, um ihr Computerabbild für zukünftige Filme nutzen zu können, was einer Konservierung gleichkommt.

Unentgeltlich, unter freiem Himmel und ohne Regen wurde der Eröffnungsfilm im Amphitheater des Parque Centenario aufgeführt. Der Andrang war groß: Schon Stunden vor Aufführungsbeginn hatten sich vor dem Theater lange Schlangen gebildet. Am Ende waren es 1600 Menschen, die die Beliebtheit des BAFICI durch ihre Anwesenheit unterstreichen sollten.

Das BAFICI, mit seinem Epizentrum im Village Recoleta, wo zehn Kinosäle eigens für das noch bis zum 13. April laufende Festival reserviert sind, wartet mit mehr als 400 Filmen auf. Israel ist Gastland. Es werden Filme eine Chance bekommen, die es in kommerziellen Kinos schwer hätten, so hatte es Festivalchef Marcelo Panozzo eingangs verkündet. Womit die Veranstalter unabhängigen Filmemachern schon wie in den Jahren zuvor Rückendeckung geben.

Der internationale Wettbewerb zählt 18 Filme, darunter aus Argentinien “La Salada” von Juan Martín Hsu, “Algunas chicas” von Santiago Palavecino und “Mauro” von Hernán Rosselli, aus Ecuador “Carlitos”, aus Brasilien “Castanha”, und aus dem Nachbarland Chile “Naomi Campbell: no es fácil convertirse en otra persona” sowie “Volantín cortao”.

Infos und Programm hier.

Plädoyer für aktive Gedenkarbeit

Klaus Wowereit eröffnet Ausstellung “250 Jahre Jüdisches Krankenhaus Berlin”

Von Marcus Christoph

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Um die Zukunft zu meistern, bedarf es einer aktiven Gedenkarbeit. Dieses Credo formulierte Klaus Wowereit anlässlich der Ausstellungseröffnung “250 Jahre Jüdisches Krankenhaus Berlin”, die seit Dienstag im Jüdischen Museum von Buenos Aires (Libertad 769) zu besichtigen ist. Der Regierende Bürgermeister der Spreemetropole weilte in der argentinischen Hauptstadt, um das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen beiden Städten zu feiern. Diese werde getragen von den Bürgern zweier Städte, die beide von wechselvoller Geschichte geprägt seien, so Wowereit.

Der Regierende Bürgermeister hob das Jüdische Krankenhaus (JKB) im Ortsteil Gesundbrunnen als einen Ort hervor, der beispielhaft die Veränderungen und Verwerfungen der Geschichte zeige: Wie Menschen friedlich miteinander gelebt haben, aber auch, wie Menschen verfolgt und schließlich ermordet wurden. Erinnerung daran sei man den Opfern der NS-Terrorherrschaft schuldig. Wowereit würdigte, dass Argentinien mehr als andere Länder Juden aufgenommen habe. Rund 30.000 vom Holocaust bedrohte Menschen hätten sich damals vor dem Regime der Nationalsozialisten hierher retten können.

Der Bürgermeister erinnerte an das einstmals blühende jüdische Leben in Berlin, das durch den Holocaust zerstört worden sei. Heute kehre jüdisches Leben zurück in die deutsche Hauptstadt. Dies müsse jedoch beschützt werden, da es immer noch Menschen gebe, die nichts aus der Geschichte gelernt hätten, so die Einschätzung des Bürgermeisters, der vor diesem Hintergrund ermahnte: “Demokratie muss jeden Tag neu gelebt werden.”

Wowereit unterstrich die Vorbildfunktion, die Metropolen wie Berlin und Buenos Aires für das Zusammenleben von Menschen insgesamt zukäme. Dabei habe die Geschichte beider Städte gezeigt, dass man immer dann erfolgreich war, wenn ein Klima der Offenheit und des Respekts vor den Menschenrechten geherrscht habe.

Für die Stadt Buenos Aires sprach Kulturminister Hernán Lombardi, der die Städtepartnerschaft als “fruchtbare Beziehung” charakterisierte. Buenos Aires und Berlin, die beide in der Geschichte viel gelitten hätten, stünden heute für Pluralismus, Jugend und für Kultur als Lebensform.

Besonders auf die Geschichte des Hospitals ging Dr. Jochen Palenker, der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung JKB, ein. Seit 200 Jahren stehe das Krankenhaus Menschen aller Konfessionen offen. Menschlichkeit sei schließlich nicht teilbar. In Berlin weise nur die Universitätsklinik “Charité” eine längere Geschichte auf. Bedeutende Ärzte wie Dr. James Israel, der Wegbereiter der modernen urologischen Chirurgie, sowie Bernhard von Langenbeck, der Gründer der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, hätten im JKB gewirkt. Gemeinsam mit der “Charité” sei das JKB “Motor des medizinischen Fortschritts” gewesen.

Prof. Dr. Julius Schoeps, der Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums der Uni Potsdam, beschrieb das Jüdische Krankenhaus als “ein Stück berlinisch-jüdischer, aber auch deutsch-jüdischer Geschichte”. Schoeps‘ Institut hatte die Ausstellung 2006 konzipiert, die bereits in Berlin, Jerusalem, Haifa und New York zu sehen war.

Für die DAIA, den Dachverband der jüdischen Organisationen in Argentinien, sprach deren Vizepräsident Waldo Wolff. Er machte die Wichtigkeit, Geschichte zu vermitteln, am Beispiel eines Geschichtslehrers deutlich, den er bei einem Besuch in Deutschland kennengelernt hatte. Dieser begründete seine Lehrmotivation damit, dass er von seinem demokratisch gesinnten Großvater das Vermächtnis übernommen habe, die Erinnerung an das während der NS-Zeit Geschehene wachzuhalten.

Der deutsche Botschafter Bernhard Graf von Waldersee sieht in der aktuellen Ausstellung einen “Brückenschlag zum jüdischen Leben in Berlin”. Die Geschichtsschau stärke die Beziehungen nicht nicht nur zwischen Berlin und Buenos Aires sowie Deutschland und Argentinien insgesamt, sondern auch die Verbindungen zwischen der hiesigen deutschen Botschaft und den jüdischen Vereinigungen vor Ort.

Als Gastgeber des Abends sprach Museumsdirektor und Rabbiner Dr. Simón Moguilevsky von einer “großen Ehre und Genugtuung”, die Berliner Ausstellung in Buenos Aires zeigen zu können. Die Bezeichnung Hospital stamme vom lateinischen Wort für beherbergen, erinnerte Moguilevsky. Seien in früheren Zeiten Menschen in ihren Häusern kuriert worden, entwickelten sich heutzutage Krankenhäuser zu Einrichtungen, in denen die Patienten nicht nur operiert, sondern sich auch länger zu Genesungszwecken aufhalten könnten. Die Ausstellung spiegele auch die Entwicklung zum modernen Hospital wider.

Die Geschichte des JKB begann im Jahr 1756 mit der Schaffung eines Hospitals an der Oranienburger Straße durch die jüdische Gemeinde. 1914 erfolgte der Umzug aus Berlins Mitte in den Wedding/Ortsteil Gesundbrunnen. Als einzige jüdische Institution in ganz Deutschland überstand das JKB den Naziterror. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde das Krankenhaus als Sammellager und Zwischenstation für die Transporte der Juden in die Konzentrationslager missbraucht. Es wurde Ghetto, aber auch Zufluchtsstätte für Untergetauchte.

Nach dem Holocaust konnten die wenigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde das Krankenhaus finanziell nicht mehr tragen. 1963 wurde es in eine Stiftung des bürgerlichen Rechts umgewandelt.

Die Sonderausstellung im Jüdischen Museum von Buenos Aires (Libertad 769) ist bis zum 27. Juni zu besichtigen. Öffnungszeiten sind dienstags bis donnerstags von 11 bis 18 Uhr sowie freitags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Am Montag hatte Klaus Wowereit im Rahmen einer Veranstaltung zur Städtepartnerschaft Berlin-Buenos Aires eine Ausstellung im Design-Zentrum CMD eingeweiht.

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Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (re.) in Buenos Aires.
(Foto: Marcus Christoph)

“Berlin ist ein bisschen neidisch”

Klaus Wowereit eröffnet Veranstaltung zur Feier der 20 Jahre Städtepartnerschaft Berlin und Buenos Aires

Von Philipp Boos

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Berlin und Buenos Aires feiern dieses Jahr 20 Jahre Städtepartnerschaft. Am Montag wurde zu den offiziellen Feierlichkeiten im “Centro Metropolitano de Diseño” (CMD) in Barracas geladen, dort wurde Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit erwartet.

Ab 16 Uhr öffnete das Programm im hochmodernen und neuen Auditorium. Es gab unterschiedliche, an der Oberfläche kratzende Vorträge über das Erfolgsmodell Berlin. Mitarbeiter der Tourismusagentur “visitBerlin” erklärten, warum Deutschlands Hauptstadt in den letzten zehn Jahren zum Mekka und zur Heimat von Kreativen und Start-Ups aus der ganzen Welt geworden ist. Alle 12 Minuten, so die Verantwortliche für das Hauptstadtmarketing Christine Carboni in ihrem Vortrag, werde in Berlin ein Start-Up gegründet, bedingt unter anderem durch den noch erschwinglichen Wohnraum, im Vergleich mit London und San Francisco.

Kein Wort zum Wohnraummangel und der Gentrifizierung in den Stadtteilen Kreuzberg und Neukölln. So brüstet man sich mit der Freifläche des stillgelegten Flughafens Tempelhof, verschweigt aber auch hier eventuelle Bauvorhaben. Klar, es geht um die Außendarstellung, aber Fakt ist, dass auch Berlin immer teurer wird.

Berlin ist eine junge Stadt, das Durchschnittsalter liegt unter 35 Jahren. Die Stadt an der Spree, die niemals schläft, und in der täglich aus bis zu 1500 Veranstaltungen gewählt werden kann. “Deswegen schläft auch keiner”, wird gescherzt und gelacht. Die Stunden plätschern angenehm dahin.

Gegen 19 Uhr trifft Berlins Bürgermeister ein, u.a. in Begleitung des Ministers für wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Buenos Aires, Francisco Cabrera, des Deutschen Botschafters Bernhard Graf von Waldersee und des Geschäftsführers von visitBerlin, Burkhard Kieker. Dazu ein nicht genau zu definierender Mitarbeiterstab und ein Tross kurzhaariger Bodybuilder im Smoking – seine Bodyguards. Wie niedrig fliegende Schwalben vor dem vermeintlichen Regenschauer warnen, kündigen die aufgescheuchten Hühnern gleichenden, kreuz und quer umherlaufenden Fotografen Wowereits nahende Ankunft an.

Klaus Wowereit wirkt inmitten des Blitzlichtgewitters wie ein Fels in der Brandung – man möchte es ihm gleichtun und über den Dingen stehen. An einer großen Wandkarte lässt er sich den Stadtteil Barracas und dessen kreative Zentren erläutern und wird durch die Ausstellung der von Berliner Designern entworfenen Berlin-Souvenirs geführt.

Am Ende der ehemaligen Markthalle befindet sich die Bühne. Zu blöd, dass die Tanzgruppe davor auf dem Pflasterstein ein Medley aus Breakdance und Tangoschritten vorführt, und nur die in der ersten Reihe wirklich “live” dabeisein können. Der Applaus ist aber durchaus gerechtfertigt.

Francisco Cabrera betritt nun die Bühne, zeigt sich erfreut über den Austausch zwischen den Städten und bittet schließlich den Berliner Bürgermeister, das Wort zu ergreifen. Der gibt sich gewohnt entspannt – so wie Berlin ist auch er nicht mit dem Rest Deutschlands zu vergleichen. Als Zeichen der guten Zusammenarbeit überreicht ihm Cabrera den Schlüssel des “Distrito de Diseño”, in einem 3D-Drucker gepresst.

“Herzlichen Glückwunsch zu diesem wunderbaren Design-Zentrum, zur Gestaltung dieser außergewöhnlichen Halle für das wunderbare Thema Design”, beginnt Wowereit seine Rede und erntet seinen zweiten Beifall. Berlin sei neidisch auf so eine Einrichtung für die kreativen Industrien, die sich weltweit sehen lassen könnte, umschmeichelt er seinen argentinischen Gastgeber und das Publikum. Desweiteren betont er, dass diese Partnerschaft nicht bloß eine Formalie auf dem Papier sei oder darin bestünde, dass sich zwei Bürgermeister alle Jubeljahre mal die Hände schüttelten. Vor allem würden die Menschen der Partnerstädte miteinander kommunizieren. Diese Ziel habe man erreicht.

Wowereit führt aus, wie die kreativen Industrien sich verlassener Industriebrachen annehmen und diese wiederbeleben würden. Daher sei es die Pflicht der Städte, Arbeitsplätze in den kreativen Bereichen zu fördern: “Die kreativen Industrien sind nicht nur etwas für verrückte Designer, sondern sie schaffen in der Tat Arbeitsplätze, in Berlin sind das Zehntausende von Arbeitsplätzen, und deshalb ist es so wichtig für die Weiterentwicklung einer Stadt, die kreativen Industrien zu unterstützen.”

Im persönlichen Gespräch erklärt der Regierende Bürgermeister, dass die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Buenos Aires noch weiter ausgebaut werden wird. Von der Unesco sind beide Städte als kreative Städte ausgezeichnet wurden. Habe man in der Vergangenheit “Die lange Nacht der Museen” nach Buenos Aires exportieren können, möchte man in Zukunft noch mehr miteinander kommunizieren. Trotz der Unterschiedlichkeit beider Städte gäbe es auch viele Gemeinsamkeiten, so Wowereit.

“Ich denke, dass beide Städte erkannt haben, dass die Kultur ganz wichtig ist, dass die Förderung der Kreativen eine super Chance ist, die Städte zu entwickeln. Was aus meiner Sicht ganz entscheidend ist in der Situation von großen Metropolen.” Doch das alles könne nur geschehen, wenn Metropolen wie Berlin und Buenos Aires ihre innere Liberalität bewahren, wo sich die Bürger wohlfühlen und die Leute aus der ganzen Welt hinkommen. Ausgrenzung und Diskriminierung, in beiden Städten sicherlich ähnlich präsente Probleme, bedrohten eine solche Freiheit.

“Das ist ein täglicher Kampf, das muss gelebt werden, das kann man nicht anordnen”, schließt er das Gespräch. Ich muss ihn ziehen lassen, die Kollegen vom Fernsehen sind jetzt an der Reihe. Ich bewundere noch ein wenig das Lichtspektakel der mitgereisten Berliner LiCHTPiRATEN, bekannt für ihre Licht- und Klanginstallationen, und trete die Heimreise an.

Hier im südlichsten Barracas ist an jeder zweiten Straßenecke ein Ordnungshüter in orangefarbener Weste anzutreffen. An ihnen orientiere ich mich, um zu den belebteren Hauptstraßen zu gelangen. Berlin und Buenos Aires, wo, wenn nicht in Barracas werden Gemeinsamkeiten und Widersprüche besser deutlich?

Die Ausstellung “Berlín en Vivo en Buenos Aires” ist noch bis zum 10. April im CMD (Algarrobo 1041) zu sehen. Auf Facebook können Texte, Videos und Fotos angesehen werden.

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Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (li.) und der Minister für wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Buenos Aires Francisco Cabrera gemeinsam in Barracas.

Der Countdown läuft

Die Veranstalter des BAFICI freuen sich über die hohe Nachfrage beim Vorverkauf für das Filmfestival

Von Philipp Boos

Adán Jones
Am Mittwoch landete die Pressemitteilung im elektronischen Postfach: Die Veranstalter des 16. “Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente” (BAFICI) ließen verlauten, dass der Vorverkauf für das Filmfest erfolgreich angelaufen sei. In den ersten zwei Tagen habe man mehr als 42.000 Tickets an den Filmliebhaber bringen können.

Am kommenden Mittwoch geht es dann endlich los, und nicht nur vor den Vorverkaufsstellen ist die Konkurrenz groß!

Den Auftakt des BAFICI bildet der Real- und Animationsfilm “The Congress” des israelischen Filmemachers Ari Folman, der am 2. April um 20 Uhr im Amphitheater des Parque Centenario ausgestrahlt wird. Der Eintritt ist frei.

Mehr als 400 Filme werden gezeigt, darunter auch deutsche Produktionen. Unter anderem läuft in der Rubrik “Panorama” der Dokumentarfilm “Los colonos del Caudillo” (Die Siedler Francos) von Lucía Palacios und Dietmar Post. Post wird nach Buenos Aires kommen und spricht nach den Vorführungen mit dem Publikum. Die Produktion aus dem Jahre 2012 porträtiert die Bewohner des gleichnamigen Dorfes in der Mancha in Spanien und die unterschiedlichsten Auffassungen seiner Bewohner bezüglich der Militärdiktatur. Augenöffnend und sehenswert!

Das BAFICI findet vom 2.-13. April an neun unterschiedlichen Schauplätzen statt, wobei das Village Recoleta seinen Dreh- und Angelpunkt bildet. Vorverkauf entweder über die Webpräsenz oder persönlich an den folgenden Vorverkaufsstellen: Village Recoleta, Vicente López Ecke Junín, täglich 10-20 Uhr, und Casa de la Cultura, Av. de Mayo 575, Montag bis Freitag 10-20 Uhr.

Eintritt: 26 Pesos oder 20 Pesos für Studenten und Rentner.

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Cineasten unter Gleichen: Vergangenen Montag begann der Vorverkauf.
(Foto: BAFICI)

Tango auf Reisen

Das Sexteto Mayor feiert Jubiläum im Torquato Tasso

Von Philipp Boos

sexteto
Das weitgereiste Tango-Orchester Sexteto Mayor feiert im Centro Cultural Torquato Tasso am Lezama-Park sein 40-jähriges Bestehen. Soeben von einer Tour durch Deutschland, Lettland, Russland und Schweden heimgekehrt, spielen sie nun vor heimischem Publikum. Denn keiner applaudiert empathischer als die Porteños.

Vor dem Eingang eine Menschenschlange, die Plätze nahe der Bühne sind begehrt. Man kann den Künstlern auf die Finger schauen und die Hinterköpfe anderer Besucher sind rar bis gar nicht vorhanden, so nah reicht die Bestuhlung an den Ort des Geschehens.

Zwei ältere Herren am Tisch hinter mir schlürfen voller Vorfreude ihre Pasta. Immer wieder geraten euphorisch ihre Gläser aneinander, alteingesessene Tango-Fans, die den Abend begießen und deren Kommentare mich in den nächsten Stunden begleiten werden. Das Publikum im Tasso ist mehrheitlich aus Buenos Aires, was einen Besuch umso erstrebenswerter macht. Und das Verhältnis von kahlen und dicht behaarten Köpfen hält sich die Waage, jung und alt kommen zusammen, Tango verbindet.

Zwar verirren sich auch Touristen hierher, aber das Tasso ist vor allem einheimisch, was spätestens bei der Kommunikation zwischen Künstlern und Publikum hör- und auch sichtbar wird.

Das Sexteto Mayor wurde 2003 für ihr Werk “Homenaje a Piazzolla” in der Rubrik „bestes Tango Album“ mit dem lateinamerikanischen Grammy ausgezeichnet. Von den Bandoneonspielern José “Pepe” Libertella und Luis Stazo am 23. April 1973 gegründet, gastierte das Orchester bis dato in mehr als 700 Städten weltweit. 1981 waren sie bei der Eröffnung der Tanguería “Trottoirs de Buenos Aires” in Paris, neben Julio Cortazár und Paloma Picasso wichtigste Protagonisten.

Nach dem Tode Libertellas im Jahr 2004 und dem Ausscheiden Stazos, nahm sich Juan Libertella des Erbes seines Vaters an und zieht seitdem die Fäden im Hintergrund. Der auch heute Abend mitwirkende 87-jährige Violinist Mario Abramovich, seit Gründung des Sextetts dabei, lehnte die Leitung des Orchesters ab. Mit der Begründung, dass er seit jeher nur spielen wolle. 2005 beauftragte Libertella den Bandoneonisten Horacio Romo mit der musikalischen Leitung. So spielen heuer drei Generationen herausragender Solisten zusammen im Torquato Tasso: Fulvio Giraudo am Piano, Enrique Guerra am Kontrabass und Luciano Sciarretta neben dem besagten Romo am Bandoneón. Sowie der zweite “Oldtimer” neben Abramovich an der Violine, Eduardo Walzack.

Die zwei “Alten” erklimmen die Bühne schweren Schrittes – schon jetzt sind sie die Publikumslieblinge – umso überraschender ihre nach wie vor virtuose Fingerfertigkeit auf den Violinenstegen. Hinter mir klirren immer wieder die Gläser, zwischen den Klassikern und modernen Tango-Stücken klatscht das Publikum frenetisch Beifall. “Impresionante” beschreibt die Kraft des Orchesters wohl treffend, als würde eine Dampflok unaufhörlich ihre Runden durch den Lezama-Park drehen. Ein aufwühlendes Spektakel und faszinierend mitanzusehen, wie die vier Instrumente zusammenwirken und gewaltige Klangwelten schaffen.

Das Sextett orientiert sich in seinem Stil an der in den 1920er Jahren von Julio De Caro initiierten Erneuerung des Tangos, bestehend aus zwei Bandoneons, zwei Violinen, Piano und Kontrabass. Ein Besuch ist jedem nur ans Herz zu legen. Bevor es sie wieder in die weite Welt verschlägt, ist das Sextett am Samstagabend, den 29. März, noch einmal für 120 Pesos (Abendkasse) im Torquato Tasso zu sehen. Das Vorbestellen von Karten ist zu empfehlen. Die Türen öffnen 20.45 Uhr, zwei Vorbands sind geladen, und eine Stunde später kommt dann der Orchesterzug ins Rollen.

(Torquato Tasso, Defensa 1575, San Telmo, Buenos Aires, Tel.: (011) 4307-6506.)

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Ein aufwühlendes Konzerterlebnis: Sexteto Mayor.

Berlin LIVE in Buenos Aires

Klaus Wowereit und Mauricio Macri feiern 20 Jahre Städtepartnerschaft

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In diesem Jahr jährt sich die Städtepartnerschaft Buenos Aires – Berlin zum 20. Mal. Feierlicher Anlass für den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, nach Buenos Aires zu reisen. Gemeinsam mit der Stadtregierung von Buenos Aires, der Hauptstadtkampagne be Berlin, visitBerlin und ausgewählten Akteuren aus Berlin und Buenos Aires wird Wowereit am 31. März um 20 Uhr im Centro Metropolitano de Diseño CMD, dem städtischen Designzentrum, eine Jubiläumsveranstaltung unter dem Motto “Berlin LIVE: Berlin meets Buenos Aires” eröffnen.

Vom 31. März bis 9. April werden im CMD Ausstellungen und Präsentationen aus Berlin sowie Kooperationsprojekte zwischen Berlin und Buenos Aires geboten. U.a. präsentieren sich die IDBerlin mit einer Kunstausstellung zum Thema “Ikone und Symbole kultureller Identität. Buenos Aires-Berlin”, die Markthalle Neun aus Berlin Kreuzberg mit einem außergewöhnlichen Konzept zur Lebensmittelproduktion und Stadtentwicklung, das Internationale Designfestival Berlin DMY mit einer Ausstellung zu Designobjekten “made in Berlin” sowie vielen anderen Projekten. Am Abend des 31. März, ab 20.20 Uhr, lassen die LiCHTPiRATEN mit einer Licht- und Soundinszenierung zusammen mit argentinischen Tangokünstlern die alte Fischmarkthalle im CMD in einem neuen Licht erleuchten.

Alle Berlin-Interessierten in Buenos Aires sind am 31. März herzlich eingeladen, bei diesem Auftakt-Event dabeizusein und im Rahmen von “Berlin LIVE: Berlin meets Buenos Aires” 20 Jahre erfolgreiche Kooperationsgeschichte zu erleben und zu feiern.

Ab 16 Uhr können sich besonders Interessierte im Auditorium Vorträge zu verschiedenen Themen rund um Berlin anhören. (Ort: Centro Metropolitano de Diseño, Algarrobo 1041, Buenos Aires)

Ein Festival für Entdecker

Das 16. Internationale Filmfestival BAFICI wurde angekündigt

Von Philipp Boos

bafici22Am Donnerstagvormittag luden die Veranstalter des “Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente” (BAFICI) zur Pressekonferenz. Die 16. Ausgabe des beliebten Filmfestivals wird vom 2. bis 13. April an mehr als sieben verschiedenen Veranstaltungsorten stattfinden.

Der Leitende Direktor des Festivals, Marcelo Panozzo, und der Kulturminister der Stadt, Hernán Lombardi, erwarteten die Journalisten auf der sonnigen Terrasse des Centro Cultural Recoleta. Darf man den beiden Glauben schenken, so wird mit dem Kinospektakel der kulturelle Herbst eingelâutet. Vorbei der Sommer, was sich für die schwitzenden Journalisten zu diesem Zeitpunkt anders anfühlte.

Das Kulturoberhaupt der Stadt brüstet sich zwar nach eigenen Aussagen nicht mit der Quantität von Filmen, dennoch werde man dieses Jahr mehr als 400 Filme an den verschiedenen Veranstaltungsorten der Stadt ansehen können. Das sei beachtlich. Dreh- und Angelpunkt ist das Village Recoleta, in dem zehn Kinosäle parallel bespielt werden. “Trotz der Krise haben wir die Quantität und Qualität des Filmfestivals beibehalten können”, berichtet Lombardi, so wie man die eintrittsfreien Veranstaltungen gerade deswegen auch erweitert habe.

Marcelo Panozzo bot einen Überblick über die Programmhöhepunkte: “Dieses Jahr haben wir Israel eingeladen und in der Eröffnungsveranstaltung werden wir einen großartigen Film zeigen: “The Congress” von Air Folma, der auch in Cannes gelaufen ist.” Desweiteren lege das BAFICI Wert auf Entdeckungen, betonte Panozzo. Regisseure, die bisher nur Eingefleischten bekannt seien, wie der israelische Filmemacher Uri Zohar, sollten so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Im internationalen Wettbewerbsprogramm finden sich 19 Filme aus 14 verschiedenen Ländern. Hier ist u.a. auch eine französisch-schweizerische und eine französisch-österreichische Produktion präsent. Österreich ist mit insgesamt zehn Produktionen im Programm vertreten, Deutschland mit neun und die Schweiz mit fünf Vorführungen.

Ab 24. März beginnt der Vorverkauf. Karten bekommt man entweder über die Webpräsenz des Festivals oder persönlich an den folgenden Vorverkaufsstellen: Village Recoleta, Vicente López Ecke Junín, täglich 10 bis 20 Uhr, oder Casa de la Cultura, Av. de Mayo 575, Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr, ab 25. März. Eintritt: 26 Pesos oder 20 Pesos für Studenten und Rentner.

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Der Leitende Direktor des Festivals, Marcelo Panozzo, links, und der Kulturminister der Stadt Buenos Aires, Hernán Lombardi,
(Foto: BAFICI)