Fußballhauptstadt Buenos Aires

Porträt der Leidenschaft der Porteños

Von Marcus Christoph

wdr
“Ekstase und Schock – Die Fußballhauptstadt Buenos Aires” lautet der Titel einer aktuellen Dokumentation, die derzeit in der Mediathek des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zu sehen ist. Die Autoren Jan-Henrik Gruszecki und Marc Mauricius Quambusch zeigen die Fußballbegeisterung der Porteños: ihre Leidenschaft, aber auch die Probleme durch die Gewaltbereitschaft der Barras Bravas.

Neben einem großen Traditionsverein wie Racing wird in der 45-minütigen Doku auch der viertklassige Club San Telmo porträtiert, der im Problembezirk Isla Maciel beheimatet ist. Ein weiterer Schwerpunkt der Sendung ist der Kampf der Anhänger des Clubs San Lorenzo um die Rückkehr ihrer Spielstätte in den Stadtteil Boedo.

Den Link zur Dokumentation finden Sie hier.

Wegweisende Musiktheaterschöpfung

Helmut Lachenmanns “Das Mädchen mit den Schwefelhölzern” im Colón

Von Susanne Franz

opera vendedora de fosforos11Mit der Unterstützung des Goethe-Instituts Buenos Aires wird im Hauptsaal des Teatro Colón (Libertad 621) am 15. März um 20.30 Uhr und am 16. März um 17 Uhr Helmut Lachenmanns “Das Mädchen mit den Schwefelhölzern” (span. Titel: “La Vendedora de Fósforos”) gezeigt. Der 1935 geborene Lachenmann nennt seine moderne Oper nach Texten von Hans Christian Andersen, Gudrun Ensslin und Leonardo da Vinci “Musik mit Bildern”. Seit seiner Uraufführung 1997 in Hamburg gilt das Werk als die wegweisende Musiktheaterschöpfung des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

Ins Colón kommt nun die lateinamerikanische Uraufführung unter der Leitung des Schweizers Baldur Brönnimann. Als Erzähler fungiert Lachenmann, Miwirkende sind neben dem Orchester des Colón die Sopanistinnen Elizabeth Keusch (USA) und Yuko Kakuta (Japan), Mayumi Miyata (Japan) am Musikinstrument Shô sowie Yukiko Sugawara und Tomoko Hemmi (beide Japan) am Klavier. Eintrittskarten gibt es an der Theaterkasse oder bei tuentrada.com.

Weitere Informationen (auf Spanisch) hier.

Heraus aus der Unsichtbarkeit

Das unbekannte Afroargentinien in der “FotoGalería” des San Martín-Theaters

Von Philipp Boos

cirio11Dem argentinischen Selbstverständnis muss unterstellt werden, dass es sich von seiner afrikanischen Geschichte stets abgewandt hat. Der demographische Rückgang der schwarzen Bevölkerung sowie ein dominantes hegemoniales Selbstverständnis als europäisches Einwandererland sind Gründe dafür. Umso mehr überrascht die unauffällige Fotografieausstellung “Los Afroargentinos. Fotografías entre 1860-1960” in der “FotoGalería” des San Martín-Theaters, an der stets belebten Avenida Corrientes. Die Exposition stellt einen Versuch dar, am Fundament dieser Selbstwahrnehmung zu rütteln und mit der populären Verklärung zu brechen. Denn eine Nation ist doch immer auch das Produkt seiner eigenen Geschichte.

Aus sieben Privatsammlungen zusammengetragen, zeigen die Zeitzeugnisse einmalige Einblicke in eine in Vergessenheit geratene argentinische Gesellschaft. In der Vielzahl der Fotografien präsentiert sich dem Betrachter ein ebenbürtiges Miteinander schwarzer und weißer Einwanderer und ihrer Nachfahren. Spätestens in den 1950er Jahren kann von einer kompletten Assimilierung der schwarzen Bevölkerung am Río de la Plata gesprochen werden, die Bemühungen um eine gleichwertige Partizipation erleben ihre Blütezeit. Vor allem im Bereich der Kunst, sowie im Sport, wird dies sehr deutlich.

Für dieses “Ankommen” stand vor allem die über die Landesgrenzen hinaus bekannte afroargentinische Schauspielerin und Sängerin Rita Lucía Montero, auf einem Foto 1957 an der Seite Louis Armstrongs zu sehen. Auf der gesellschaftlich-institutionellen Ebene manifestierten sich die Assimilationsbemühungen in Organisationsformen wie den “cofradías” (Bruderschaften), den “sociedades africanas”, den karnevalistischen “comparsas” oder den “candombes”, was die Fotos dokumentieren.

Die Ausstellung fragt nicht nach den Wurzeln der Ignoranz gegenüber den Afroargentiniern. Vielmehr wird diese Frage beim Besucher automatisch aufkommen. Schließlich wird hier die argentinische Identität in ein neues Licht gerückt. Die nationale Identität ist in einem ständigen Wandel und bedarf einer kontinuierlichen Synchronisierung. Man kann auch einen Schritt zurückgehen und die indigene Kultur mit einbinden, oder aktuell auf die Immigration aus anderen südamerikanischen Ländern verweisen, um vor Augen zu führen, dass sich das Land mit einer geistigen Öffnung hinsichtlich seiner Selbstwahrnehmung nach wie vor schwer tut.

Die Fotografien können bis einschließlich 28. Februar im Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530) besichtigt werden. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag ab 12 Uhr, Samstag und Sonntag ab 14 Uhr, bis zum Ende der Aktivitäten im Theater. Der Eintritt ist frei.

Herr der Giganten und Zwerge

Skulpturen von Ron Mueck in der Fundación Proa

Von Susanne Franz

mueck_skulptur
Die spannendste Ausstellung in Buenos Aires ist zur Zeit die Schau der hyperrealistischen Skulpturen des Künstlers Ron Mueck in der Fundación Proa, die am 16. November 2013 eröffnet wurde und noch bis zum 23. Februar läuft. Es ist die erste Exposition des Australiers in Lateinamerika. Das Publikumsinteresse ist gewaltig: Am 30. Januar meldete die Kunstgalerie im Stadtteil La Boca den 100.000. Besucher.

Für den eher kleinen Kunsttempel Proa ist es nicht einfach, die Massen unter Kontrolle zu halten; besonders an den Wochenenden bilden sich lange Schlangen auf der Explanade vor der Galerie. Drinnen herrscht dann großes Gedränge rund um die wenigen Skulpturen des Meisters Mueck, und im Auditorium, wo ein Dokumentarfilm über die Arbeitsweise des Künstlers gezeigt wird, findet man kaum ein Plätzchen und es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Es empfiehlt sich, bevor man den Film anschaut, zunächst einmal durch die Ausstellung zu gehen. Wenn man hereinkommt und das alte Paar am Strand unter dem Sonnenschirm sieht – beide im Riesenformat -, erinnert man sich urplötzlich, wie man sich als kleines Kind in der Gegenwart der riesigen Erwachsenen fühlte. Auch wenn dieser Effekt nur eine Sekunde anhält, ist es doch eine starke Bewusstseinsverschiebung, die man in gewisser Weise auch bei den anderen Menschenskulpturen Muecks – im Mini- oder “mittleren” Format – empfindet, oder angesichts eines überdimensionalen, an den Beinen von der Decke hängenden Hahn-Kadavers, oder beim Betrachten einer blau gestrichenen Wand, an der eine Luftmatratze hängt, auf der ein kleiner Mann in Badehose und mit Sonnenbrille liegt. Schaut man aus einer bestimmten Entfernung auf diese Wand, hat man das Gefühl, in der Luft zu schweben und den Mann von oben zu betrachten, während man gleichzeitig die Füße auf dem Boden spürt.

Das ist nur ein Beispiel dafür, dass bei Ron Mueck jeder Millimeter stimmt, wenn es um die ins Riesenformat oder ins Kleinformat übersetzten Dimensionen seiner Skulpturen geht, deshalb fühlt man sich durch seine Kunst auch nicht getäuscht, sondern eher überrascht, und man ist geneigt, seine eigene Sicherheit über den jedem “zustehenden” Platz in Raum und Zeit zu überdenken.

Der Film im Auditorium der Fundación Proa zeigt den Entstehensprozess einiger der Figuren in der Ausstellung – deshalb ist es interessant, auch nachher, mit dem neuen “Wissen”, noch einmal kurz durch die Ausstellungsräume zu gehen. Der Film ist in vielfacher Hinsicht faszinierend, nicht nur, weil man diesem wortkargen, konzentrierten, obsessiven Künstler und seinen Assistenten bei der Arbeit zusehen kann, sondern auch, weil sie in der relativ kleinen Werkstatt von äußerst realistisch aussehenden Körperteilen – Mini-Babyköpfen und -händchen, riesigen Oberkörpern etc. – umgeben sind, was dem Ganzen den Anstrich einer Art Horrorkabinett gibt. Erklärende Worte würden da nur stören, deshalb ist der Film von Gautier Deblonde, in dem kaum gesprochen wird, ein kleines Meisterwerk in sich.

Die Dokumentation heißt treffend “Still Life: Ron Mueck at work”. Deblonde, Fotograf und Filmemacher, hat dafür über 18 Monate hinweg jeden Tag Ron Mueck bei der Arbeit in seiner Werkstatt gefilmt, während Mueck für die Ausstellung in der Fondation Cartier in Paris die drei Werke “Young couple”, “Couple under umbrella” und “Woman with shopping” schuf. Schweigsam arbeitet Mueck mit zwei, manchmal drei Assistenten, mit unendlicher Geduld und Konzentration entwickelt er jedes Stadium bis zur Vollendung seiner Skulpturen. “Es ist eigentlich ein Film über die Zeit”, sagt Deblonde. “Über die Zeit und darüber, wie sehr Ron Mueck in seine Arbeit verwickelt ist.” Der Film dauert 48 Minuten und wird in Endlosschleife gezeigt.

Ron Mueck wurde 1958 als Kind deutscher Einwanderer in Melbourne geboren. Seit 1983 lebt er in London. 2003 sagte der Künstler dem “Kunstmagazin”: “Ich wollte etwas machen, dem ein Foto nicht gerecht werden würde. […] Obwohl ich viel Zeit mit der Oberfläche verbringe, ist es doch das Innenleben, das ich einfangen möchte. […] Meine Arbeiten sind mein Statement.”

Die Ausstellung wurde von der Fondation Cartier in Paris organisiert und letztes Jahr auch in der französischen Hauptstadt gezeigt. Kuratiert vom Direktor der Fondation Cartier, Hervé Chandès, sowie Grazia Quaroni, wandert die Schau nach ihrem Stopp in Buenos Aires weiter nach Brasilien ins “Museo de Arte Moderno” von Rio de Janeiro, wo sie von März bis Juni 2014 zu sehen sein wird.

  • Ron Mueck, Skulpturen.
  • Fundación Proa, Pedro de Mendoza 1929, La Boca, Buenos Aires.
  • Geöffnet dienstags bis sonntags 11-19 Uhr, montags geschlossen.
  • Eintritt 15 Pesos, Rentner 10 Pesos, Studenten 5 Pesos; dienstags gratis für Studenten.
  • 16.11.2013-23.2.2014.
  • Webseite.

Foto:
Ron Mueck (ganz links) mit einem Assistenten beim Aufbau von “Couple under umbrella”.

Aufgearbeitete Familiengeschichte

Der Dokumentarfilm “Huellas” von Miguel Colombo

Von Philipp Boos

huellas
In “Huellas” dokumentiert Miguel Colombo seine Familiengeschichte und rekonstruiert das Leben seines Großvaters Ludovico. Wie so viele Italiener hatte dieser im zweiten Weltkrieg gedient und war, von dieser Erfahrung gezeichnet, nach Argentinien ausgewandert. Der Enkel verfolgt seine Spuren, sucht u.a. den Geburtsort seines Großvaters auf und findet sich dabei selbst.

Teilweise ist die Geschichte mit sehr einfachen filmischen Mitteln dokumentiert, was den Action-gewöhnten Zuschauer eingangs irritiert. Colombo nutzt Archivmaterial in Schwarz und Weiß, Dias und Interviews, um das Leben seines Großvaters zu rekonstruieren. Doch schon bald lässt einen diese sehr persönliche Geschichte nicht mehr los. Colombo reist nach Norditalien, so wie er die argentinische Wüste besucht, in der er auf unbekannte Geheimnisse stößt. Nach seiner Rückkehr und neuen Erkentnissen sucht er das Gespräch mit seiner Mutter.

“Huellas” kommt ohne Schnörkel aus, der Ich-Erzähler beschränkt sich auf das Wesentliche und nimmt sich dabei Zeit für die Menschen und Ereignisse. “Huellas” ist die Geschichte einer Familie und die jeder Familie inhärenten Strukturen und Beziehungen. Colombo fragt nach, sucht das Gespräch, und gelangt dadurch – im Kontext der Familiengeschichte – zu einem tieferen Verständnis seiner selbst. Denn nichts ist selbstverständlich. Was führt zu Entscheidungen? Wer bin ich? Und wie sehr hängt meine eigene Identität mit den Vorfahren oder von den Entscheidungen dritter ab? “Huellas” ist Puzzle-Arbeit und eine Ermutigung zum tieferen Verstehen.

“Huellas” ist ab 13 Jahren freigegeben und läuft täglich um 16.45 Uhr und 22.50 Uhr im Espacio INCAA Gaumont, Av. Rivadavia 1635, Buenos Aires. Eintritt: 8 Pesos.

Die Macht der Musik

Soledad Villamil erobert das Tasso

Von Philipp Boos

SOLEDAD VILLAMIL
Am Eingang des Centro Cultural Torquato Tasso fragen mich drei italienische Touristen, ob hier heute mit einer Tango-Vorführung zu rechnen sei. Die Vorstellung beginnt gleich, das Eis, was ich mir gerade noch an der Straßenecke gekauft habe, droht von der Hand auf meinen Unterarm zu laufen. Zudem bin ich jetzt an der Reihe, der hochgewachsene Mann mit Schnurrbart und im Anzug fragt nach meiner Eintrittskarte.

Es bleibt also keine Zeit, die freundlichen Italiener darüber aufzuklären, dass sich Soledad Villamil heute Abend die Ehre geben wird. Und nach dem Konzert werde ich mir denken, welch glückliche Überraschung für die drei “Verlorenen”, die argentinische Sängerin und Schauspielerin eher zufällig entdeckt zu haben.

Das Tasso ist voll besetzt, Villamil “ausverkauft”. Auf den Tischen gefüllte Rotweingläser und appetitlich anmutende Speisen, darüber angeregte Unterhaltungen. Bevor der selbstbewusste und mit Eigenlob nicht geizende Ansager die Stimme erhebt und dem hohen Geräuschpegel Einhalt gebietet, ist der Vergleich mit einem Hühnerstall durchaus angebracht. Schließlich ist es soweit, der ausschweifenden und erheiternden Ankündigung, in welch manigfaltiger Gestalt uns täglich das Glück begegnet – so z.B., wenn der mit Dulce de Leche bestrichene Frühstückstoast vom Teller fällt und nicht mit der beschmierten Seite auf dem Boden landet -, darf das Publikum nun wieder zum alten Geräuschpegel zurückkehren und klatscht kräftig in die Hände. Denn heute, so die Ankündigung, haben wir alle das Glück, hier sein zu dürfen.

Von nun an ist alles einfach und heiter. Soledad Villamil zeigt sich von ihrer natürlichsten Seite, scherzt mit dem Publikum, kokettiert, sieht wie immer umwerfend aus und unterhält charmant zwischen den einzelnen Stücken. Eine echte Porteña eben. Den Großteil der Lieder entnimmt sie ihrem 2012 veröffentlichten Album “Canción de Viaje”, was den Abend abwechslungsreich gestaltet, da die Musik unterschiedlichste Klassiker Lateinamerikas ergründet. Mit der Villamil eigenen und charakteristischen Färbung. Ihre Stimme ist sanft und stets kontrolliert. Jeder Ton ist gewollt, und so gelingt es ihr, live jede noch so gute Studioaufnahme in den Schatten zu stellen.

Wie mächtig Musik sein kann, wird hier trotz des kleinen Rahmens deutlich. Nach großer Euphorie werden die Klänge bedächtiger. Hatte ich mich gerade noch mit Salsa und Bossanova-Rhythmen an kolumbianischen Stränden gewähnt und war mit “Volver, Volver” von Fernando Maldonado bis nach Mexiko vorgedrungen, hatte mit “O Sambo e o Tango” sogar am Zuckerhut gastiert, treten wir im letzten Drittel der Vorstellung die Heimreise an. Mit “Los Poetas de Montevideo” ist Argentinien nicht mehr weit und die Stimmung von schwerer, aber schöner Melancholie. So, als würde man aus einem ereignisreichen Sommerurlaub zurückkehren, in dem Wissen, dass einen bald schon wieder der Alltag im Griff hat.

Doch zum Schluss die unerwartete Wende. Kurz vor unserer Ankunft in der Heimat ein plötzlicher Kurswechsel. Da war ich dem alten Kontinent so weit wie lange nicht entkommen, da nimmt mich Soledad an die Hand und wir flanieren über die Boulevards von Paris. “Les Champs Elysées”. Die Italiener klatschen euphorisch in die Hände, denn jetzt ist es nicht mehr weit bis nach Hause. Die Gläser sind leer. Das Publikum erhebt sich, die Sängerin und Schauspielerin muss jetzt auf ihrem Weg zur Garderobe die vielen Hände schütteln und überschwängliche Lobpreisungen entgegennehmen. Was sie mit Leichtigkeit meistert. Schließlich lag ihr das Publikum schon bei der ersten Strophe zu Füßen.

Soledad Villamil ist jeden Freitag und Samstag jeweils 22 Uhr im Torquato Tasso, Defensa 1575, in San Telmo zu sehen. Vorverkauf: 130 Pesos, Abendkasse: 160 Pesos. Das Vorbestellen wird empfohlen. Kontakt: 4307-6506.

Gastspiel aus Frankreich

Ionescos “Nashörner” im Teatro San Martín

Von Susanne Franz

rhino
Es wurde bereits in London, Moskau, Barcelona, New York und Santiago de Chile gezeigt: Nun beginnt das Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530) seine Spielzeit 2014 fulminant mit “Rhinocéros” der Pariser Theatergruppe “Ensemble Artistique Théâtre de la Ville”. Am morgigen Samstag um 21 Uhr und am Sonntag um 17 und 21 Uhr bringen die Franzosen Eugène Ionescos berühmtes Werk auf die Bühne des Martín Coronado-Saals, übertitelt mit der spanischen Übersetzung von Daniel Zamorano.

Inszeniert wurde das absurde Theaterstück aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts vom hochdekorierten französischen Theatermacher Emmanuel Demarcy-Mota. Die Truppe setzt sich aus Charles Roger Bour, Jauris Casanova, Valérie Dashwood, Philippe Demarle, Sandra Faure, Gaëlle Guillou, Sarah Karbasnikoff, Stéphane Krähenbühl, Serge Maggiani, Gérald Maillet, Walter N’Gguyen, Hugues Quester und Pascal Vuillemot zusammen. Regieassistenz leistete Christophe Lemaire, für den Ton ist Jefferson Lembeye verantwortlich, die Kostüme stammen von Corinne Baudelot, Bühnenbild und Lichtdesign von Yves Collet.

Das Stück dauert 120 Minuten; der Eintritt kostet 140 bzw. 100 Pesos. Weitere Informationen erhält man auf der Webseite des Theaters
.

Kultursommer der Stadt Buenos Aires

Mehr als 100 Gratis-Veranstaltungen geplant

Von Susanne Franz

verano
Vom 11. Januar bis zum 16. Februar 2014 heißt es einmal wieder: “Verano en la Ciudad” – (Kultur)Sommer in der Stadt. Wie jedes Jahr organisiert das Kultursekretariat von Buenos Aires ein reichhaltiges Programm für die Daheimgebliebenen – alles bei freiem Eintritt und meist unter freiem Himmel.

Über 100 Veranstaltungen sind geplant, angefangen beim beliebten Autokino-Programm im Palermo-Park über ein Angebot von Kinderfilmen aus der Reihe “Baficito” – der Kinderfilmsektion des hauptstädtischen Independent-Kinofestivals Bafici – über Tango- und Zirkus-Shows, Klassik-, Folklore- und Rockkonzerte sowie Theater- und Tanzvorführungen, bis hin zum zauberhaften “Poesía y Música”-Zyklus, der an der Schnittstelle von Lyrik- und Liedermacher-Repertoires dem neugierigen Zuschauer und -hörer unvergessliche Abende beschert.

Das Sommerprogramm ist demokratisch auf viele verschiedene Stadtviertel verteilt, die Theaterstücke etwa finden auf einigen der beliebten “Plazas” von Buenos Aires statt.

Das komplette Programm und weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von “Festivales BA”. Hier kann man auch an einer Verlosung von zwei Fahrrädern teilnehmen, die ihren neuen Besitzern Ende Februar überrreicht werden sollen.

PAZ / Frieden

PAZ para Buenos Aires / Frieden für Buenos Aires

PAZ
El 18 de diciembre se inauguró “PAZ”, intervención urbana del artista argentino Martín Bonadeo, basada en “Hope”, intervención realizada por el artista en el 2004 en San Francisco y luego en Denver, EE.UU. El video de la vela consumiéndose es parte de la programación de la pantalla de LED en la Plaza del Vaticano, al lado del Teatro Colón, Viamonte entre 9 de Julio y Libertad, Buenos Aires. El 31 de diciembre a las 12 de la noche, cuando el cirio ya esté prácticamente consumido, una mano entra en escena y ubica una nueva vela.

Am 18. Dezember startete “PAZ” (Frieden), eine Intervention im urbanen Raum des argentinischen Künstlers Martín Bonadeo, die auf der Installation “Hope” (Hoffnung) basiert, die der Künstler 2004 in San Francisco und Denver, USA, realisierte. Das Video einer herabbrennenden Kerze ist Teil des Projektionen-Programms auf der riesigen LED-Leinwand auf der Plaza del Vaticano neben dem Teatro Colón, Viamonte zwischen 9 de Julio und Libertad, Buenos Aires. Am 31. Dezember um Mitternacht, wenn die Kerze praktisch heruntergebrannt ist, erscheint eine Hand auf der Leinwand und stellt eine neue Kerze auf.

Wochenende voller Kultur

Gratis-Jahresabschlussfest des Complejo Teatral de Buenos Aires

Von Susanne Franz

ctba
Wie jedes Jahr feiert der Complejo Teatral de Buenos Aires (CTBA) das Saisonende mit Gratisvorstellungen aller seiner Theaterstücke, Filme und anderer Events. So findet am heutigen Freitag, 13.12., um 20.30 Uhr im Martín-Coronado-Saal des San Martín-Theaters (Av. Corrientes 1530) die letzte Vorstellung des “Ballet Contemporáneo” bei freiem Eintritt statt. Am Samstag, 14.12., und am Sonntag, 15.12., geht das Fest weiter, danach geht der Theaterkomplex bis Mitte Januar in die Sommerpause.

Karten zu den Gratis-Vorführungen kann man an den jeweiligen Theaterkassen des CTBA, immer zwei Stunden vor Beginn des jeweiligen Stückes, abholen (zwei pro Person).

Im Casacuberta-Saal des San Martín-Theaters läuft am 14.12. um 21 Uhr und am 15.12. um 20 Uhr “Los áspides de Cleopatra” von Francisco de Rojas Zorrilla. Adaptation, Inszenierung und Bühne des 100 Minuten dauernden Stücks stammen von Guillermo Heras. “Los áspides de Cleopatra” ist eine Zusammenarbeit des CTBA mit der spanischen Compañía Nacional de Teatro Clásico.

Im Cunill-Cabanellas-Saal des San Martín-Theaters ist am 14.12. um 21 Uhr und am 15.12. um 20 Uhr Griselda Gambaros “Querido Ibsen: soy Nora” zu sehen, für das Renata Schussheim das Design und die Kostüme entwarf. Regie führt Silvio Lang.

Im Martín Coronado-Saal geht die 3. Flamenco-Biennale “Enrique Morente” über die Bühne. Am 14.12. wird um 20.30 Uhr ein Programm mit Gesang, Tanz und Musik von Maribel Herrera, Arcángel, Patricia Guerrero, Dani de Morón und Agustín Diassera geboten. Am 15.12. um 20.30 Uhr präsentiert Mayte Martin “Por los muertos del cante” mit Mayte Martin, José Luis Montón, Juan Ramón Caro und Chico Fargas.

Im Zyklus “Música en el Hall” treten in der Eingangshalle “Carlos Morel” des San Martín-Theaters am 14.12. um 19 Uhr Gerardo Chendo und die “Pájaros Tronantes” auf. Sie präsentieren auf humorvolle Art und Weise argentinische Beat-Klassiker der 60er und 70er Jahre.

Im Leopoldo Lugones-Saal des San Martín-Theaters werden zum Jahresabschluss am Samstag und Sonntag drei restaurierte argentinische Filmklassiker gezeigt. Am Samstag um 17 Uhr kann man die einzige Vorführung des Stummfilms “Expedición Argentina Stoessel” sehen, die von Live-Musik begleitet wird. Diese wird von “Rimas de Alto Calibre” dargeboten, einem Ensemble, das aus einem Workshop an der Universidad Nacional de San Martín (UNSAM) hervorging und aus Musikern der Universität sowie Sträflingen und Ex-Häftlingen der Strafvollzugsanstalt “Unidad 48” von San Martín besteht.

“Expedición Argentina Stoessel” gilt als erstes lateinamerikanisches Roadmovie. Es erzählt die Geschichte der Brüder Adán und Andrés Stoessel, die im Jahr 1928 in einem 1928er Chevrolet mit zwei Mechanikern, Ernesto Tontini und Carlos Díaz, von ihrem Heimatort Arroyo Corto in der Provinz Buenos Aires bis nach New York fuhren und dabei zahllose Abenteuer erlebten.

Am Sonntag läuft um 17 und 22 Uhr “Así cantaba Carlos Gardel” (35 Min.) von 1935, in dem 10 der 15 Kurzfilme vereinigt sind, die Gardel 1930 unter der Regie von Eduardo Morera im Studio des Filmpioniers Federico Valle drehte. Abgesehen von seinem enormen historischen Wert bietet dieser Film Musikliebhabern Darbietungen Gardels von unsterblichen Tangos wie “Mano a mano”, “Yira, yira”, “Tengo miedo”, “Padrino pelao”, “Canchero” und “Enfundá la mandolina”.

Um 14.30 Uhr und 19.30 Uhr wird “Dos basuras” (75 Min.) von 1958 gezeigt, gedreht vom Exil-Österreicher Kurt Land, der als “erster neorealistischer Film der argentinischen Kinogeschichte” bezeichnet wird und dem seinerzeit nicht viel Erfolg beschieden war, obwohl Amelia Bence in der Hauptrolle glänzte und die Original-Filmmusik von Astor Piazzolla stammt. Der Film erzählt die Geschichte eines Hilfsarbeiters, der eine Prostituierte in einem Conventillo in La Boca in seinem Zimmer wohnen lässt. Als eine Frau aus der Vergangenheit auftaucht, werden deren Träume von einem besseren Leben zerstört.

Ebenfalls im Teatro San Martín kann man noch an diesem Wochenende zwei Fotografie-Ausstellungen bewundern: Die Gemeinschaftsausstellung historischer Fotografien “Los afro-argentinos. Fotografías 1860-1960” hängt in der “FotoGalería” des Theaters; die Ausstellung “La noche” von Julián Rodríguez und Martín González an den Wänden im ersten Stock der Eingangshalle “Carlos Morel”. Beide Ausstellungen sind nach der Sommerpause wieder vom 21. Januar bis zum 2. März 2014 zu sehen.

Das Teatro Regio (Av. Córdoba 6056) bietet am 14.12. um 20.30 Uhr und am 15.12. um 19.30 Uhr “Triste golondrina macho” von Manuel Puig in einer Inszenierung von Guillermo Arengo und Blas Arrese Igor. Das Stück “Póstumos”, das in der zweiten Jahreshälfte 2013 seine zweite Spielzeit im “Teatro de la Ribera” hatte, musste wegen der Krankheit eines Darstellers leider abgesagt werden.

Weitere Informationen findet man auf der Webseite des Complejo Teatral de Buenos Aires.

Kunstwoche des Jahres

Kirsten Mosel auf International Art Fair SCOPE Miami/USA

mosel_scope11Am 3.12.2013 hat in Miami die Kunstwoche des Jahres begonnen: neben der Muttermesse der Kunst, der Art Basel Miami, zeigen weitere 19 Messen internationale zeitgenössische Kunst und machen Miami im Dezember zu einem MUST-GO. Kuratoren, Museumsleute, Sammler, Kritiker und Kunstinteressierte nutzen den letzen Mega-Kunst-Event des Jahres, um sich über den neusten Stand der Dinge zu informieren und Kunst zu erwerben.

Die sehr erfolgreich agierende Messe SCOPE, die neben Miami auch an Kunstorten wie New York und Basel tätig ist, zeigt in diesem Jahr einhundert internationale Galerien, davon sind fünf aus Argentinien. Eine davon ist die Galerie C-Arte aus Buenos Aires, die den Fokus auf abstrakte Malerei legt: sie zeigt die Argentinier Alejandro Scasso und Milagro Torreblanca, die in Israel lebende Künstlerin Claudia Vivero, die Schweizerin Cristina Hauk und die in Buenos Aires lebende deutsche Künstlerin Kirsten Mosel.

Kirsten Mosel, die in diesem Jahr in Buenos Aires an wichtigen Kunstorten und Galerien sowie im Museo de Arte Moderno ihre Arbeit vorstellte, ist in SCOPE mit einer Serie kontrastreicher Arbeiten auf Acryl vertreten. Die Serie (Titel “Fieltro”) mit körperhaften organischen Formen aus rotem und schwarzem Filz changiert zwischen Abstraktion und Narration.

Da die SCOPE strategisch günstig in unmittelbarer Nähe zur Art Basel liegt, war der Besucherandrang des Fachpublikums zu den Previews und Eröffnungen besonders stark und die Stimmung unter den ausstellenden Galeristen aus Argentinien exzellent.
(KM)

Foto:
Kirsten Mosel bei C-Arte in SCOPE.
(Foto: A. Laurenzi)