Eintauchen in die Geschichte der argentinischen Kunst
Alberto Passolini im Zyklus Zeitgenössischer Kunst im Malba
Von Vanessa Bersis

Im Untergeschoss des Malba werden Werke des argentinischen Künstlers Alberto Passolini gezeigt. Seine Arbeit kann als eine Art Eintauchen in die Geschichte der argentinischen Kunst gesehen werden. Er beschäftigt sich tiefgründig mit dem Gemälde “La vuelta del malón”, das bereits 1892 vom argentinischen Maler Angel Della Valle gemalt wurde. Dieses Werk gilt als das erste argentinische Kunstwerk, welches sowohl für ein in- als auch ausländisches Publikum geschaffen wurde. Das Gemälde von Angel Della Valle bezieht sich auf das literarische Werk “La cautiva” von Esteban Echeverría.
Der Inhalt des Gemäldes ist auch ohne jegliches Vorwissen oder Hintergründe auf Anhieb zu verstehen. Indianische Männer verschleppen eine weiße Frau. Alberto Passolini hat versucht, in seiner Arbeit das Werk von Angel Della Valle zu parodieren und den Umkehrschluss daraus zu ziehen, indem er eine Horde indianischer Frauen darstellt, die einen weißen Mann entführen.
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León Ferrari ließ sich seine eigene Ausstellungseröffnung “Re(in)sistencia con palabras ajenas” im Centro Cultural de la Cooperación nicht entgehen und erschien trotz seines hohen Alters persönlich, um den Anwesenden die Ehre zu erweisen. In Begleitung seiner Frau und mit zittriger Stimme schien er gerührt, dass ihm erneut Anerkennung und Raum für seine Kunst geboten wurde. León Ferrari hat sich längst über die Grenzen Argentiniens einen Namen gemacht und ist kein unbeschriebenes Blatt in der Kunstszene. Stets geleitet durch sein starkes Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl gegenüber der Welt und ihrem Geschehen, zeichnet er sich durch sein großes politisches Engagement aus, dem er immer wieder durch seine Kunst Ausdruck verleiht. Dabei versucht er, die Beziehungen zwischen Kunst und Gesellschaft, Politik und Wissenschaft darzustellen und Prozesse der Transformation einzuleiten.
Im Programmkino Leopoldo Lugones (Av. Corrientes 1530) beginnt heute der vom Complejo Teatral de Buenos Aires, der australischen Botschaft und der Fundación Cinemateca Argentina organisierte Filmzyklus “Nuevo encuentro con el cine australiano”. Bis zum 19. Mai werden 12 Streifen (7 Lang- und 5 Kurzfilme) gezeigt, von denen die meisten bisher in Argentinien unveröffentlicht sind.
Das Centro Cultural Recoleta stellt in Zusammenarbeit mit der mexikanischen Botschaft 36 Schwarz-Weiß-Fotografien von einem der wohl wichtigsten Künstlerpaare Lateinamerikas aus. Dabei geht es um einen Einblick in das Leben von Frida Kahlo und Diego Rivera, ihr künstlerisches Schaffen, aber auch ihr politisches Engagement, das sie als Paar einerseits näher brachte, aber zugleich auch auseinanderriss. Die Komplexität, Ambivalenz und Liebe ihrer Beziehung ist nur schwer ergründbar. Am besten spiegelt sich diese in den Werken der beiden Künstler wider. Ein Hin und Her zwischen verlorener und gefundener Liebe, positiven und negativen Gefühlen. Liebe und Zerstörung geleitet durch beidseitige Abhängigkeit voneinander.
Nur noch bis Sonntag einschließlich werden Werke von Alfredo Sábat unter dem Ausstellungstitel “Figuras y Figuritas” im Centro Cultural Recoleta gezeigt. Ein Besuch lohnt sich jedoch alle Mal. Ob in Zeitungen, Magazinen oder auf Plakaten, immer wieder begegnet man im argentinischen Alltag den satirischen Werken Alfredo Sábats. Er zählt längst zu den bedeutendsten zeitgenössischen Karikaturisten Argentiniens.
Mit seiner zweiten Ausstellung, “Paraconstrucción”, stellt der erst vor wenigen Wochen eröffnete “Espacio Itaú Cultural” seinen Mut unter Beweis, ganz jungen Künstlern mit nicht leicht zugänglichen Werken Raum zu bieten. Luciana Lamothe, Diego Figueroa, Andrea Cavagnaro und Jorge Tirner sind dabei keine ganz Unbekannten, sondern vielversprechende aufstrebende Talente: So stellte Diego Figueroa im vergangenen Jahr zusammen mit der Pop-Ikone Edgardo Giménez im CCEBA aus, und Luciana Lamothe hat sich neben Einzelausstellungen u.a. bei Alberto Sendrós in Buenos Aires auch international einen Namen gemacht.
Der österreichische Filmemacher Michael Haneke zählt zu denjenigen, deren Ehrung von seiten Hollywoods längst überfällig gewesen wäre, doch er musste die Auszeichnung für den besten ausländischen Film Juan José Campanellas “El secreto de sus ojos” überlassen. Während der US-amerikanische Schauspieler Jeff Bridges Anfang März endlich mit einem längst verdienten Oscar für seine chronisch unterschätzte Präzisionsarbeit ausgezeichnet wurde, so ist auch Michael Haneke ein Künstler der Feinarbeit und des Understatements, bekannt für seine unbequemen und verstörenden Spielfilme (“Funny Games”, “Die Klavierspielerin”, “Cache”). Sein beklemmendes Drama “Das weiße Band” beweist wie die Schauspielkunst eines Jeff Bridges, dass weniger oft mehr ist.
Es ist wieder soweit: die internationale Buchmesse steht vor der Tür. Vom 22. April bis zum 10. Mai können sich nicht nur Leseratten und Bücherwürmer über Neuerscheinungen und herausragende Literaturschmöker freuen. Ganz unter dem Zeichen des Bicentenario lautet das diesjährige Motto der Messe “Mit Büchern 200 Jahre Geschichte feiern”.
Zum ersten Mal stellen die beiden Fotografen Dino Bruzzone und Esteban Pastorino ihre Werke Seite an Seite aus und bilden trotz ihrer unterschiedlichen Arbeitsweisen eine außergewöhnlich harmonische Einheit. Während Dino Bruzzone Gegenstände und Orte modellhaft nachbaut, um sie in Folge durch die fotografische Darstellung so erscheinen zu lassen, als wären dies reale Abbilder einer real existierenden Landschaft, fertigt hingegen Esteban Pastorino Kameras an und lichtet reale Orte und Objekte ab, jedoch mit dem Anschein, als handle es sich bloß um fiktive Modellkonstruktionen. 


