Aus der eigenen Geschichte lernen

Die “Casa del Bicentenario” will eine Schnittstelle von historischer Aufarbeitung und Kulturvermittlung sein

Von Valerie Thurner

Casa11.jpgAm vergangenen 16. März wurde die mit Spannung erwartete “Casa del Bicentenario” eröffnet. Das Angebot klingt vielversprechend, die programmatischen Ziele, angesiedelt an der Schnittstelle von historischer Aufarbeitung und Kulturvermittlung, ehrgeizig. Man darf annehmen, dass es sich um eines der gelungensten neuen Kulturprojekte im Zusammenhang mit der 200-Jahr-Feier Argentiniens handelt. Die Regierung knausert nicht, wenn es darum geht, prestigeträchtige Häuser in der Hauptstadt termingerecht in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Die beiden Bauten aus dem Jahr 1913 in der Straße Riobamba 985 wurden durch eine sanfte Renovierung in einen typischen Museumsbau des heutigen globalen Standards verwandelt. Ein White Cube, wo sich Ausstellungsräume, Büros und Recherche-Bereiche auf die vier Stockwerke verteilen; durch Glas wird eine Transparenz zwischen Besucherbereich und Backoffice gewährt.

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Die Literatur in Zeiten der Globalisierung

Die erste argentinisch-deutsche Schriftstellerkonferenz nimmt in Berlin grundsätzliche Fragen ins Visier

Von Maria Exner

Zange11.jpgDen ganz großen Auftritt wird der argentinische Kultur- und vor allem Literaturbetrieb erst im Herbst auf der Frankfurter Buchmesse haben, zu der Argentinien in diesem Jahr als Gastland geladen ist. Um dem deutschen Publikum vorab schon mal die Gelegenheit zu geben, einen Einblick in das Schaffen argentinischer Autoren zu bekommen, präsentierten sich fünf von ihnen vergangene Woche auf der Leipziger Buchmesse. Und kamen anschließend nach Berlin. Denn hier wurde am Dienstag in den Räumen des Instituto Cervantes die erste Konferenz deutscher und argentinischer Schriftsteller eröffnet.

“Botenstoffe”, so der Titel der Veranstaltung, können Bücher aus fremden Ländern sein – Türöffner in eine bislang ungekannte Welt. Dem literaturinteressierten Berliner Publikum hätte die Betrachtung der argentinischen Werke unter diesem Aspekt vielleicht schon gereicht. Aber die zwei Veranstalter der vom Hauptstadt Kulturfonds geförderten Konferenz – Tom Bresemann vom Literaturhaus Lettrétage und Timo Berger vom Südamerika-Festival Latinale – haben sich und den eingeladenen Autoren drei große Themenkomplexe auf die Agenda gesetzt: Wie anschlussfähig ist die Literatur aus verschiedenen Ländern im Kontext globalisierter Kultur? Welche Rolle spielt das Politische in der Literatur nach dem Ende der Utopien? Wo liegt die Grenze zwischen Adaption und Plagiat?

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Das schlimmstmögliche Szenario

Wie würde die Welt nach einer Katastrophe aussehen?

Von Friedbert W. Böhm

katastrophe11.jpgIn meinen bald 70 Jahren habe ich kaum ein eindrucksvolleres Buch gelesen als den Weltbestseller “Arm und Reich” (“Guns, Germs, and Steel”, 1997) von Jared Diamond. Er beschreibt hier überzeugend die Schicksale menschlicher Gesellschaften seit 13.000 Jahren. Jared Diamond ist ein Universalgelehrter wie es sie kaum noch gibt: Arzt, Historiker, Geograph, Evolutionsbiologe, Anthropologe, Paläontologe, außerdem, soweit ich es beurteilen kann, ein ausgeglichener und humorvoller Mann.

Auf die Frage, wie die Erde nach einer Klimakatastrophe aussehen könnte, antwortete er unlängst: “Stellen Sie sich vor, die ganze Welt wäre heute wie Somalia oder Haiti. Dann haben Sie das schlimmstmögliche Szenario. Leider ist es alles andere als unwahrscheinlich. Wenn wir so weitermachen, kommen wir in 30 Jahren dahin.”

Hoppla! Wie es in Haiti zugeht, wissen wir seit einigen Wochen ziemlich genau.

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Oscar für Argentinien

“El secreto de sus ojos” gewann den Auslandsoscar

Von Susanne Franz

secreto111.jpgDer spanische Kult-Regisseur Pedro Almodóvar war der Überbringer der Glücksbotschaft: Der argentinische Film “El secreto de sus ojos” hat am Sonntagabend bei der 82. Oscarverleihung den Preis für den besten nicht-englischsprachigen Film gewonnen. Regisseur Juan José Campanella nahm die Statue aus den Händen von Almodóvar und Quentin Tarantino entgegen.

Der Film war am 12. August 2009 in Buenos Aires angelaufen und heimste auf dem Weg zum Oscar bereits viele Preise ein, darunter einen spanischen Goya sowie Auszeichnungen in Cannes, Berlin und Havanna.

“El secreto de sus ojos” gewann gegen den peruanischen Streifen “La teta asustada” von Claudia Llosa, Michael Hanekes hoch favorisierten Schwarz-Weiß-Film “Das weiße Band” (Deutschland), “Un Prophete” von Jacques Audiard (Frankreich) und “Ajami” von Scandar Copti und Yaron Shani (Israel).

Es ist der zweite Auslandsoscar für einen argentinischer Film nach “La historia oficial” (1985).

Lesen Sie im Anschluss Max Neufeinds Filmkritik…

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Una noche y tres días a puro diseño local

La BAFWeek otoño/invierno 2010 se realizó en la Rural los días 24, 25 y 26 de febrero

Por Paula Bonnet

moda11.jpgEl diseño de autor local y la moda de shopping se nuclean todas las temporadas en la Buenos Aires Fashion Week (BAF). La edición otoño invierno 2010 se realizó en la Rural los días 24, 25 y 26 de febrero.

La apertura se llevó a cabo en la noche del martes, con el desfile de Tramando, en el estacionamiento del Paseo Alcorta. La marca del innovador Martín Churba jugó con textiles, texturas y colores sobre vestidos cortos y ajustados. La pasarela se llenó también de grises, metalizados y manchas de pintura.

Lucinda Walmsley y Catalina Ichaso fueron las elegidas entre cientos de estudiantes de la carrera de Diseño de Indumentaria de la UBA para mostrar sus prototipos en el Semillero de la BAF. Predominaron las asimetrías, el estilo masculino, los colores apagados, el volumen y, como accesorios, las botas de caña alta y los barbijos negros.

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“Ich träume von einem kleinen Malba”

Santiago Ceresetto startete sein Theater/Kulturzentrum “Inboccalupo” in Belgrano mit einem deutschen Kinozyklus

Von Susanne Franz

IBLL11.jpgZentral und doch fast idyllisch abgelegen, ist das Haus nur einen Block von der vielbefahrenen Avenida Cabildo entfernt, nur zwei von der U-Bahnstation José Hernández der Linie D. Verkehrstechnisch ideal angebunden, ist die Ecke Virrey Arredondo/Ciudad de la Paz im Stadtviertel Belgrano dennoch ruhig, hier donnern keine Busse vorbei. Die Zahl der Hochhäuser hält sich in Grenzen, ein wenig hat sich der Viertel-Charakter früherer, ruhigerer Zeiten erhalten.

Das kleine Theater fast an der Ecke heißt “Inboccalupo”, vom italienischen “In bocca al lupo”, mit dem sich Schauspieler vor einem Auftritt Glück wünschen. Hier werden bald Theater, Tanz, Kino, Musik, Kunst und Unterricht in einen lebendigen Dialog mit den Nachbarn und anderen Kulturhungrigen treten. Top-Qualität ist garantiert, denn für die Koordination jedes Bereichs ist ein Experte oder eine Expertin des jeweiligen Fachs zuständig.

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Freigeist der Musik

Zum Tode von Ariel Ramírez

Von Valerie Thurner

Ramirez11.jpgAriel Ramírez, einer der bedeutendsten Komponisten und Pianisten Argentiniens, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hinterließ ein umfangreiches Lebenswerk; musikalische Zeugnisse eines inspirierten und neugierigen Geistes, der nicht in wertenden Kategorien von Hoch- und Populärkultur dachte.

Ariel Ramírez hatte klassische Musik studiert und sich bereits in jungen Jahren für lateinamerikanische Folklore interessiert. Während seine Zeitgenossen den Tango zelebrierten, reiste er in den Nordwesten, um sich indianischer und kreolischer Volksmusik zuzuwenden. Er gilt als der Wegbereiter, das Klavier als Instrument der Folklore zu etablieren. Sein Schaffen beinhaltet Vokalwerke und Kantanten, viele davon auf Texte des bedeutenden Dichters Félix Luna bezogen, folkloristische Kompositionen, aber auch liturgische Werke, die ihn vor allem in Europa berühmt und beliebt machten.

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Kämpfer für Pressefreiheit

Trauer um Eduardo Kimel

Von Marcus Christoph

kimel11.jpgVor wenigen Tagen starb der politische Journalist Eduardo Kimel im Alter von 57 Jahren nach langer Krankheit in Buenos Aires. Kimel, der in den letzten Jahren als Chefredakteur des spanischsprachigen Dienstes der Deutschen Presse Agentur dpa fungierte, wurde vor allem bekannt durch sein Buch “Das Massaker von San Patricio”. Darin arbeitet er die Ermordung von drei Pallottiner-Priestern sowie zweier Seminaristen durch eine Schlägertruppe während der Militärherrschaft im Jahre 1976 auf. Dabei kommt Kimel zu dem Schluss, dass die Befehle zu dieser Tat aus dem Zentrum der Diktatur kamen und dass deswegen eine ausreichende juristische Aufarbeitung unterblieben sei.

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Ohrenbetäubendes Landleben

“Mucho ruido y pocas nueces” im San Martín-Theater

Von Valerie Thurner

laerm11.jpgIn seinem 50. Jubiläumsjahr wagt sich das Theater San Martín an die Adaptation von William Shakespeares romanesker Komödie “Viel Lärm um nichts” (Mucho ruido y pocas nueces/Much Ado About Nothing) – im Stil eines Volkstheaters mit hiesigem Lokalkolorit. Regie führt der Argentinier Oscar Barney Finn; er versetzte die Handlung ins ländliche Argentinien im 19. Jahrhundert, mit dem Ziel, der Komödie um Liebe und Intrigen einen neuen Aspekt abzugewinnen. Die Protagonisten werden an den hiesigen kulturellen und historischen Kontext angepasst, was ein paar Verschiebungen in Namen und Funktion der Rollen mit sich bringt. So ersetzt Don Leandro Lagos (Salo Pasik), der Gutsherr, den Don Leonato, der Gerichtsvollzieher Dogberry wird durch den seltsamen Kommissar Robles (Daniel Miglioranza) ersetzt und die Truppen Aragoniens werden hier von ein paar Offizieren um den Kommandanten Pedro Gauna (Fernando Margenet) repräsentiert.

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Argentinischer Film punktet bei Sundance-Festival

“El hombre de al lado” ausgezeichnet

Von Valerie Thurner

hombredeallado11.jpgDer Spielfilm “El hombre de al lado” des argentinischen Regiegespanns Mariano Cohn und Gastón Duprat hat beim bedeutendsten Festival für Independentkino in Park City den Preis für Dramatische Filmkunst gewonnen. Der Streifen stach seine 10 Mitstreiter in der Kategorie International Competition aus und wurde von der Fachpresse aufs Höchste gelobt. Der Film sticht in ein Thema, das globaler und alltagsbezogener kaum sein könnte: Nachbarschaft, Welten, die an der Scheidemauer aufeinanderprallen. Gedreht wurde in La Plata, im einzigen Gebäude des visionären Architekten Le Corbusier in Argentinien.

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Schweizer Doku “Space Tourists” bei Sundance-Festival geehrt

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Einmal im Leben die Erde vom All sehen

Von Valerie Thurner

spacetourist11.jpgDie Amerikanerin Anousheh Ansari will als erste Frau der Welt ins All und lässt für diesen Kindheitswunsch glatt 20 Millionen Dollar springen. Der Schweizer Dokumentarfilmer Christian Frei erzählt in “Space Tourists” den alten Menschheitstraum vom Flug ins All in einem mehrdimensionalen und dichten Film. Uraufgeführt wurde das soeben beim Sundance-Filmfestival für die beste Regie einer ausländischen Dokumentation ausgezeichnete Werk beim Zurich Film Festival im vergangenen September, wo Frei mit Standing Ovations honoriert wurde.

Irgendwo in der kasachischen Steppe liegt die ehemals sowietische und heute Internationale Raumstation “Star City”. Die Zeiten der erfolgreichen Sputnik-Expeditionen liegen mehr als 50 Jahre zurück, und heute muss die russische Raumfahrtbehörde mit Weltalltourismus den finanziellen Etat aufbessern. Die Raumstation dient als Übungs- und Forschungszentrum für Kosmonauten und Weltalltouristen.

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