Die Welt der Lyrik in Buenos Aires

VIII. Internationales Poesiefestival im Rahmen der Buchmesse

Von Jessica Steglich

Am gestrigen Freitag wurde im Rahmen der 39. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires zum achten Mal das Internationale Poesiefestival eingeläutet. Auch dieses Jahr werden Gäste aus aller Welt willkommen geheißen; Poeten aus Argentinien, Chile, Dänemark, Ecuador, Frankreich, Indien, Kanada, Kolumbien, Kuba, den Niederlanden, Palästina, der Schweiz, Spanien und der Türkei stellen ihre Werke vor und diskutieren in kleiner Runde über neue und vergangene Entwicklungen in der Poesie. Am Samstag und Sonntag dieses Wochenendes kann man jeweils ab 18.00 Uhr Gesprächsrunden mit den geladenen Dichtern besuchen.

Das Festival empfängt auch zwei Autoren aus Holland, denn die Stadt Amsterdam ist in diesem Jahr Ehrengast der Buchmesse. So fand am gestrigen Freitag eine Gesprächsrunde mit dem international renommierten Schriftsteller, Journalisten und Lyriker Cees Nooteboom statt, der bereits für den Literaturnobelpreis nominiert worden ist. Sein Werk umfasst sowohl Bücher zum Thema Reisen als auch Essays und Romane und zeichnet sich durch seine Leidenschaft für die visuelle Welt und die Kunst aus.

Am heutigen Samstagabend um 20.30 Uhr wird im “Salón de Poesía 8” eine weitere Autorin aus Holland zu Gast sein: die Dichterin, Prosa-Autorin und Dramaturgin Anne Vegter. Ihr Debüt gab die 54-Jährige im Jahr 1989 mit dem Kinderbuch “De dame en de neushoorn” (Die Dame und das Nashorn). Im Januar diesen Jahres wurde sie unter anderem aufgrund ihrer offenen Sichtweise, der Eindringlichkeit ihrer Sprache und ihrer Fähigkeit, auch Kinder in ihren Bann zu ziehen, für den Titel “Ausgezeichnete Lyrikerin der Niederlande” nominiert. Ihre Anthologie “50 Dichter aus Amsterdam”, mit Übersetzungen der Werke ins Spanische, wird im Rahmen der Buchmesse in Buenos Aires vorgestellt.

Aus dem deutschsprachigen Raum ist die fränkische Lyrikerin und Performancekünstlerin Nora Gomringer am Sonntag um 18.00 Uhr im “Salón de Poesía 9” zu Gast. Die Deutsch-Schweizerin veröffentlichte bisher sechs Gedichtsammlungen, darunter “Monster Poems”. Im Jahr 2011 wurde sie mit dem “Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache” ausgezeichnet. Ein Jahr später erhielt sie dann den “Joachim-Ringelnatz-Preis” für Poesie. Sie lebt in Bamberg und leitet dort seit 2010 das “Internationale Künstlerhaus Villa Concordia”. Sie ist außerdem Mitglied des PEN-Schriftstellerverbandes Deutschland.

Am Sonntag, den 5. Mai, um 20.00 Uhr, endet der offizielle Programmteil; das Festival öffnet sich für die Straßen und Bars von Buenos Aires. Das Programm dieses zweiten Teils findet man hier.

Neben diesem allgemeinen Programm bietet die vor einem Jahr eröffnete “Schule der Poesie” außerdem kostenlose Lyrik-Kurse an, die während des Festival an verschiedenen Orten stattfinden. Am heutigen Samstag kann man beispielsweise den Kurs “Poesía y Memoria” (Poesie und Erinnerung) im Museo Larreta (Juramento 2291) besuchen. Weitere Informationen zu den Themen und Zeitpunkten der Kurse findet man hier.

Die komplette Agenda des Poesiefestivals ist hier einsehbar.

Foto:
Innovativ: Die fränkische Lyrikerin und Performancekünstlerin Nora Gomringer ist am Sonntag auf der Buchmesse zu Gast.
(Foto: N. Gomringer)

Deutscher Besuch auf der Buchmesse

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Raul Zelik auf der 39. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires

Der deutsche Schriftsteller und Sozialwissenschaftler Raul Zelik wird auf der 39. Internationalen Buchmesse in Buenos Aires zu Gast sein. Auf Einladung des Goethe-Instituts und der Frankfurter Buchmesse wird Zelik mit der argentinischen Autorin und Sozialwissenschaftlerin Maristella Svampa über politische Aspekte in ihren literarischen Texten und über die Fiktion, die die Literatur aus dringenden Konflikten der Gegenwart macht, diskutieren. Das von Gabriela Massuh moderierte Gespräch findet in spanischer Sprache am Sonntag, dem 28. April, um 17.30 Uhr, im Adolfo Bioy Casares-Saal des “Pabellón Blanco” des Messegeländes “Rural” statt. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. (Informationen zu den Eintrittskarten zur Buchmesse hier.)

Am Donnerstag, dem 2. Mai, um 17.30 Uhr, nimmt Raul Zelik an der Gesprächsrunde “La filosofía como herramienta, acá y allá” (Philosophie als Werkzeug, hier und dort) teil, diesmal im Domingo Faustino Sarmiento-Saal auf dem Messeglände.

Außerhalb der Messe stellt Raul Zelik am Dienstag, dem 30. April, um 19.30 Uhr die argentinische Ausgabe seines Buches “Berliner Verhältnisse” (Situaciones berlinesas, Cruce Casa Editora) im Dialog mit dem Schriftsteller Ariel Magnus vor. Die Veranstaltung findet im Café Varela Varelita, Scalabrini Ortiz, Ecke Paraguay statt; der Eintritt ist frei.

Die argentinische Autorin Svampa und Raul Zelik haben gemeinsam, dass sie beide als Vertreter des fortschrittlichsten sozialpolitischen Denkens der Gegenwart gelten, jenes Denkens, das auf rhetorische Formeln verzichtet, um sich aktiv sozial und politisch zu engagieren. Beide schreiben außerdem Bücher, die sie als Autoren politischer Romane auszeichnen, in der Gegenwartsliteratur zurzeit eher etwas Seltenes.

Raul Zelik (München, 1968, Schriftsteller, Übersetzer und Sozialwissenschaftler) ist einer der wenigen deutschen Autoren, die in ihren Romanen politische Themen reflektieren. Der Konflikt im Baskenland, Hausbesetzungen und Supermarktplünderungen Anfang der 80er Jahre in Deutschland, rumänische Immigration in Berlin oder die Verfolgung von politischen Flüchtlingen, die Asyl suchen, sind nur einige der Themen, die in seinen Romanen wiederzufinden sind. Fließend bewegt sich sein Diskurs zwischen Literatur und Sozialwissenschaften. Er schlägt Brücken zwischen Europa und Lateinamerika und schafft auf diese Weise Verbindungen zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten.

Als Lateinamerika-Experte beobachtet und analysiert Zelik seit Jahren die politischen Entwicklungen auf dem südamerikanischen Kontinent. In seinen Arbeiten untersucht er die Gültigkeit und Anwendbarkeit verschiedener europäisch geprägter Theorien auf bestimmte dortige Phänomene und kommt dabei immer wieder zu überraschenden Schlüssen. Unter anderem befasste er sich mit der Analyse und den Widersprüchen von Begriffen wie dem “Sozialismus des 21. Jahrhunderts”. Weitere Ergebnisse seiner Lateinamerikareisen sind z.B. sein politisch-literarisches Tagebuch “made in venezuela. notizen über die bolivarianische revolution” (2004) und der Roman “La Negra” (2000). Sein Roman “Berliner Verhältnisse” (2005) wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert und “Der bewaffnete Freund” (2007) erfuhr ebenfalls eine sehr positive Resonanz.

Sein letzter Roman “Der Eindringling” (Suhrkamp 2012), der noch nicht ins Spanische übersetzt wurde, nimmt den gleichen Titel des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy als Ausganspunkt, um die Auseinandersetzung eines Sohnes mit der Geschichte seines Vaters zu erzählen. Fil, der Vater, verließ die Familie, um sich seinem Dasein als radikaler Politaktivist zu widmen. Daniel, der Sohn, wuchs bei der Mutter und ihrem späteren Freund auf und kennt seinen leiblichen Vater eher als Gerücht. Als der unbekannte Vater wegen einer schweren Lungenfibrose künstlich ins Koma versetzt wird und auf eine Transplantation wartet, nähert sich Daniel ihm zwangsläufig an.

Seit 2010 ist Raul Zelik Professor für Politik an der Nationaluniversität Kolumbiens. Besonders nennenswerte Sachbücher Zeliks sind “Die Vermessung der Utopie” (2009), “Ein Gespräch mit Elmar Altvater über die Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft” sowie “Nach dem Kapitalismus? Perspektiven der Empanzipation oder: Das Projekt Communismus anders denken” (2011). Weitere Informationen hier.

  • Veranstaltung: 39. Internationale Buchmesse von Buenos Aires
  • Dauer: 25. April bis 13. Mai 2013
  • Öffnungzeiten: Mo-Do 14-21, Fr 14-22, Sa 13-22, So 13-21 Uhr
  • Ausnahme: 1.5., 13-21 Uhr
  • Eintritt: Mo-Do 20 Pesos; Fr, Sa, So, feiertags 30 Pesos
  • Gratis: Kinder unter 12, Behinderte, Schulklassen (nach Anmeldung)
  • Gratis Mo-Fr (außer 1.5.): Rentner, Dozenten
  • Adresse: Messegelände La Rural, Plaza Italia, Palermo, Buenos Aires
  • Internet

Visita de Alemania en la Feria del Libro

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Charlas con el escritor e investigador alemán Raul Zelik

El escritor e investigador alemán Raul Zelik estará presente en la 39ª Feria Internacional del Libro de Buenos Aires invitado por el Goethe-Institut y la Feria del Libro de Frankfurt. En una charla moderada por Gabriela Massuh, Zelik dialogará con la autora e investigadora argentina Maristella Svampa sobre la impronta política en sus respectivas escrituras y sobre la ficción que hace literatura con los conflictos urgentes del presente.
(En castellano. Hoy, Domingo 28 de abril, a las 17.30 horas. Sala Adolfo Bioy Casares, Pabellón Blanco. Actividad gratuita. Sólo deberá abonarse el ingreso a la Feria del Libro.)

Además, Raul Zelik participará de la charla “La filosofía como herramienta, acá y allá” el jueves 2 de mayo a las 17.30 horas en la sala DFS Sarmiento del predio ferial.

Fuera de la Feria del Libro, Zelik presentará la edición argentina de su novela Situaciones berlinesas (Cruce Casa Editora 2013, trad. Florencia Martin) en diálogo con el escritor Ariel Magnus.
(Martes 30 de abril a las 19.30 horas en el café Varela Varelita, Av. Scalabrini Ortiz 2100, esquina Paraguay, con entrada libre.)

El conflicto vasco, la ocupación de viviendas y el saqueo de supermercados en la Alemania de los 80, la inmigración rumana en Berlín, la persecución de asilados políticos: son sólo algunos de los temas que atraviesan las novelas de Raul Zelik (Munich, 1968). Escritor, traductor e investigador social, Zelik es uno de los pocos autores alemanes que reflexionan sobre temas políticos en su literatura de ficción. Estudioso empedernido de América Latina y figura central en el debate europeo-latinoamericano sobre las crisis de este siglo, los trabajos teóricos de Zelik indagan posibles estrategias de transformación poscapitalista y la aplicabilidad de la teoría política contemporánea a los procesos sociopolíticos de nuestro continente.

Entre otros temas, se ha ocupado de precisar conceptos como el llamado socialismo del siglo XXI, sus contradicciones con los movimientos indígenas y sociales, la distinción entre gobiernos de izquierda y política emancipatoria. Fruto de sus viajes a América Latina son, por ejemplo, sus crónicas político-literarias reunidas en el diario Venezuela más allá de Chávez (2004) y la novela La negra (2000). Su novela Situaciones berlinesas (Txalaparta, 2009 / cruce casa editora, 2013) estuvo nominada al Premio del Libro Alemán, el máximo galardón en lengua alemana, y también El amigo armado (2010) fue de lo más elogiada.

Su última novela Der Eindringling (El intruso, edition suhrkamp 2012, inédita en castellano) toma como punto de partida e inspiración el libro homónimo del filósofo francés Jean-Luc Nancy para narrar la atrapante historia de un hijo que busca reencontrarse con su padre ausente: un viejo activista político que ahora espera en coma un trasplante de corazón y pulmón.

Desde 2010, Zelik es Profesor de Ciencia Política en la Universidad Nacional de Colombia en Medellín; entre sus libros de ensayo se destacan Die Vermessung der Utopie (La medida de la utopía), un diálogo con Elmar Altvater sobre los mitos del capitalismo y la sociedad que viene; Nach dem Kapitalismus? Perspektiven der Emanzipation oder: Das Projekt Communismus anders denken (¿Después del capitalismo? Perspectivas de la emancipación o: repensar el proyecto Comunismo, 2011), y la compilación ¿Otros Mundos Posibles? Crisis, gobiernos progresistas, alternativas de sociedad (Creative Common License). Más aquí.

  • Evento: 39ª Feria Internacional del Libro de Buenos Aires
  • Duración: 25/04/2013 al 13/05/2013
  • Horarios: Lun-Jue 14-21, Vie 14-22, Sáb 13-22, Dom 13-21 hs
  • Excepción: 01/05/2013, 13-21 hs
  • Entrada: Lun-Jue $20; Vie, Sáb, Dom, feriados $30
  • Gratis para chicos menores de 12 años, acompañados por un adulto, y discapacitados
  • Gratis Lun-Vie (excepto 01/05) para jubilados y docentes
  • Dirección: La Rural, Plaza Italia, Palermo, Buenos Aires
  • Internet

US-Tanz in der Welt – auch in Argentinien

Gastspiel von Doug Varone and Dancers im Martín Coronado-Saal des San Martín-Theaters

Von Susanne Franz


Das US-Kulturministerium will mit seinem Programm “DanceMotion USAsm” den US-amerikanischen modernen Tanz in der ganzen Welt bekannt machen. Wie besser als mit Gastspielen, die auch noch gratis sind? Also wurden vier Tanzensembles von Februar bis Mai 2013 auf Tour geschickt: “Spectrum Dance Theater” stellt sein Können in Bangladesch, Nepal und Sri Lanka unter Beweis, “Hubbard Street Dance Chicago” tanzt in Algerien, Marokko und Spanien, “Illstyle & Peace Productions” treten in Weißrussland, Russland und der Ukraine auf, und “Doug Varone and Dancers” sind in Argentinien, Paraguay und Peru unterwegs.

In Buenos Aires kann man im Rahmen der Gastspielsaison 2013 des San Martín-Theaters am 19. und 20. April jeweils um 20 Uhr im Martín Coronado-Saal (Av. Corrientes 1530) bei freiem Eintritt drei Choreographien von Doug Varone und seinen Tänzern erleben. Karten (2 pro Person) gibt es zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn. Weitere Informationen hier.

Sehr viel Wasser, göttliche Mütter und erschossene Kameras

Ein Streifzug durch die Sektionen des 15. Filmfestivals BAFICI

Von Jana Münkel


Noch ist es wuselig im “Village Cines” in Recoleta. Seit einer Woche verraten die langen Schlangen vor den Kinos, dass das 15. BAFICI in vollem Gange ist. Zeit für eine Zwischenbilanz! Es ist gar nicht so leicht, sich durch den Kinodschungel zu schlängeln und aus den mehr als 400 Filmen ein paar herauszupicken.

Der erste Langfilm der uruguayischen Regisseurinnen Ana Guevara und Leticia Jorge war bereits auf der Berlinale ein voller Erfolg. In Buenos Aires läuft er im internationalen Wettbewerb und auch hier kommt er an: alle drei Vorstellungen sind komplett ausverkauft. Es wird keine riesig aufgebauschte Geschichte erzählt, im Gegenteil. Trotzdem wird man hineingesogen in diesen Film mit dem vielen Wasser. Ein geschiedener Vater holt seine ihm fremdgewordenen Kinder bei der Mutter ab, um eine Urlaubswoche in einer Apartmentanlage zu verbringen. Die pubertierende Lucía (grandios in ihrer Mischung aus Unsicherheit und der Lust, was auszuprobieren: Malú Chouza) und ihr kleiner Bruder sind mäßig begeistert und dann regnet es auch noch unaufhörlich Sturzbäche. “Tanta Agua” ist koproduziert von “Komplizen Film”, einer Berliner Produktionsfirma, die von Maren Ade mitgegründet wurde. Ein bisschen scheint diese Handschrift durch; die Erzählweise der beiden Regisseurinnen erinnert sehr an Ades “Alle anderen”, das 2009 den Großen Preis der Berlinale-Jury gewann. Ohne viel Aufhebens wird man Zeuge eines Familienurlaubs, der sich erst zaghaft zu einem solchen entwickeln muss. Die hilflosen Annäherungsversuche des Vaters (Nestor Guzzini) an seine Kinder oder Lucías erste Flirts, Enttäuschungen und Alkoholeskapaden – das alles driftet nie ins Klischeehafte ab. Neben urkomischen Szenen, die viele Lacher im Kinosaal provozieren, wirken die Dialoge, in denen vieles unausgesprochen bleibt, authentisch und unkonstruiert. Es könnte sich um Szenen aus dem eigenen Urlaub handeln.

Auch zahlreiche sehenswerte Dokumentationen lassen sich auf dem BAFICI entdecken. Trotz der frühen Stunde ist die Pressevorführung des mit Spannung erwarteten “Bloody Daughter” (Außer Konkurrenz) gut gefüllt. Regisseurin Stéphanie Argerich ist die Tochter der weltberühmten argentinischen Pianistin Martha Argerich. “Ich bin die Tochter einer Göttin”, sagt sie selbst in leicht sarkastischem Ton und zeichnet das Porträt einer virtuosen Frau, die Chopin als die Liebe ihres Lebens bezeichnet, drei Töchter mit drei verschiedenen Männern hat und die Balance zwischen tourender Künstlerexistenz und Muttersein nicht immer zu halten vermochte. Herausgekommen ist ein sehr persönlicher Film, der gekonnt Bilder aus verschiedenen Zeiten integriert. Stéphanie filmte eher zufällig seit früher Kindheit. Das ist ein Glücksfall, denn so entstanden wertvolle Szenen, die die wunderschöne Martha Argerich mit dem feingliedrigen Gesicht in Jung, Alt, im Schlafanzug im Kreis der Familie und in Konzertkleidung zeigen. Gekonnt kommentiert und reflektiert Stéphanie, die der jungen Martha wie aus dem Gesicht geschnitten ist, aus dem Off, thematisiert ihre Kindheit und die Mutter-Tochter-Beziehung mit zuweilen unbequemen Fragen. Auch ihre Schwestern und ihr Vater kommen zu Wort. Man hat den Eindruck, die lebendige Künstlerfamlie aus erster Hand kennenzulernen.

Eine andersartige Dokumentation läuft im Panorama: “5 Broken Cameras” von Emad Burnat und Guy Davidi zeigt schockierende Bilder aus dem Kern des Nahostkonflikts. Emad Burnat filmte für die preisgekrönte und Oscar-nominierte palästinensisch-israelisch-französische Koproduktion seinen Alltag in Bil’in, einem kleinen Dorf, das besonders von der israelischen Besiedlung betroffen ist. Die Bewohner protestieren gegen Häuser- und Mauerbau, man ist dabei, wenn israelische Granaten einschlagen, die das Handkamerabild erschüttern, und kann sich der Wut nicht erwehren, wenn der Sohn eines Dorfbewohners von einer Kugel getroffen wird und nicht mehr aufsteht. Zu wissen, dass das “real life” sei, sei heftig, sagt die deutsche Austauschstudentin und Festivalbesucherin Leonie Riek. Fünf von Burnats Kameras werden “erschossen”, doch er filmt immer weiter. Die Bilder, kurz bevor die Kameras kaputtgehen, werden erst pixelig, dann schwarz und hinterlassen ein flaues Gefühl im Magen.

Eher enttäuschend ist “Butoh”, eine Dokumentation von Constanza Sanz Palacios über Marielouise Alemann. Sie ist die zweite Frau von Ernesto Alemann, dem Vater der beiden Herausgeber des Argentinischen Tageblatts, und schrieb früher selbst für diese Zeitung. Die gebürtige Deutsche wuchs in Argentinien auf und experimentierte viel mit Happenings und dem Kino. In der Dokumentation ist interessantes Material ihrer Arbeit integriert, allerdings bleiben viele Fragen offen. Die Bilder wirken teilweise unzusammenhängend und werden der beeindruckenden Persönlichkeit dieser außergewöhnlichen Frau nicht gerecht. Ein durchdachteres Porträt wäre wünschenswert gewesen.

Positiv zum BAFICI und insbesondere zum interessierten Publikum äußerten sich zwei angereiste deutsche Regisseure. Zu lebendigen Publikumsdiskussionen gehören aber selbstverständlich auch spannende Filme. Sebastian Mez’ Dokumentation “Metamorphosen” aus dem internationalen Wettbewerb thematisiert eine Gegend im Südural, die durch den weitgehend unbekannten, weltweit drittgrößten Atomunfall radioaktiv verseucht ist. Mit einer besonderen Schwarz-Weiß-Ästhetik und Filmkorn als Stilmittel gelingt es ihm, eine eigentlich wunderschöne Landschaft verfremdet und bedrohlich wirken zu lassen.

Christoph Hochhäuslers Bankerdrama “Unter dir die Stadt” von 2010 läuft in der Sektion “Panorama” und verstört mit seiner Handlung, die auf wirklich geführten Interviews mit Bankern basiert. Die Chefetage einer Investmentbank als frostiges Milieu mit kalten Farben, starren Formen und Scheinfreundlichkeiten enthüllt ein unmenschliches Spiel um Macht, Sex und Geld. Ein unvorstellbarer Voyeurismus entwickelt sich innerhalb der Handlung, aber auch durch die Kamera, die jedes Detail genau verfolgt und mit kühl-analysierender Nüchternheit freilegt.

Ein BAFICI-Besuch, ganz gleich in welcher Sektion, lohnt sich also allemal.

Infos hier.

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5 zerstörte Kameras – Emad filmt trotzdem weiter.

Schwedisch-argentinisches Theaterprojekt “Pascua”

Strindbergs “Pascua” im Teatro Sarmiento in Buenos Aires

Von Susanne Franz

In der zweiten Aprilhälfte wird im Teatro Sarmiento (Av. Sarmiento 2715, neben dem Zoo von Buenos Aires) “Pascua” von August Strindberg aufgeführt, eine schwedisch-argentinische Theaterproduktion unter der Regie des argentinischen Regisseurs Luciano Suardi. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Todestag Strindbergs erarbeitete Suardi das Stück mit einer zweisprachigen Schauspielertruppe aus lateinamerikanischen und spanischen Exilanten der zweiten Generation in Schweden. Am 22. März wurde das Stück in Stockholm im “alias TEATERN” uraufgeführt. In Buenos Aires wird das Werk in der Adaption und Übersetzung von Anna Maria Padilla gezeigt. Die Gemeinschaftsproduktion des schwedischen “alias TEATERN” und des “Complejo Teatral de Buenos Aires” läuft vom 19. bis 28. April einschließlich donnerstags bis samstags um 21 Uhr, sonntags um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 60 Pesos. Weitere Informationen hier.

Mit Werbetricks gegen die Unterdrückung

“¡No!” von Pablo Larraín eröffnet das 15. BAFICI

Von Jana Münkel


In und um die Recoleta Mall, dem cineastischen Brennpunkt von Buenos Aires, ist am frühen Mittwochabend alles merklich für das BAFICI herausgeputzt. Während immer mal wieder ein wichtig aussehender Wagen anrollt, liegt ein erwartungsvolles Flirren in der Luft. Das gleiche Flirren, das man so nur auf Festivals erleben kann, ist wenig später im Anfiteatro Centenario zu spüren. Das riesige Open-Air-Theater ist bis zum letzten Platz besetzt; 1600 junge und alte Zuschauer warten gespannt auf den Beginn des 15. BAFICI (Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente). Paola ist mit zwei Freundinnen gekommen. Sie sei sehr gespannt auf den Film, erzählt sie zwischen zwei Mateschlucken. Pünktlich zum Filmstart an diesem lauen Spätsommerabend beginnt es ein wenig zu tröpfeln, doch das tut der guten Stimmung keinen Abbruch.

Gastland des diesjährigen Festivals ist Chile und so verwundert es nicht, dass der Eröffnungsfilm von eben dort kommt. Der Oscar-nominierte “¡No!” von Pablo Larraín hat sogar Argentinien-Premiere und handelt von Chiles besonderem Weg zum Sturz der Militärdiktatur im Jahr 1988. Für diesen Umbruch ist die Rolle der Medien außerordentlich wichtig. Das Fernsehen im Chile der 80er Jahre ist quasi das heutige Facebook im arabischen Frühling: gebeutelt von Zensur oder Verbot und dennoch wirkungsvoller Kommunikationskanal, um viele zu erreichen. Die 15 Minuten Sendezeit, die der Opposition von der Militärdiktatur im Vorfeld der Wahl zugebilligt wurden, betragen einen Bruchteil von Pinochets propagandistischer Medienpräsenz. Damit ist eigentlich nicht viel anzufangen, doch wenn man sie clever nutzt, können sie ein ganzes Land umstülpen.

Gael García Bernal spielt den fiktiven und meist grimmig dreinschauenden Werbeexperten René Saavedra. Als talentierter und gänzlich unpolitischer Werbefuzzi, der eindrucksvolle, aber leere Worthülsen von sich gibt, wird er für die ¡No!-Kampagne angeworben. Mit seinem produktorientierten Denken stößt er auch in den eigenen Reihen zunächst auf Widerstand. Schließlich wird er zur Schlüsselfigur des No-Erfolgs, stellt die Freude als Ziel in den Mittelpunkt und mausert sich zum engagierten Bürger, dem die Zukunft seines Landes am Herzen liegt. Diese Entwicklung nimmt man ihm ohne zu Zögern ab, García Bernals darstellerischer Leistung gebührt höchster Respekt.

Ein Drittel der Bilder bestehen aus Originalmaterial von 1988 und geben einen Einblick in die regenbogenbunte Kampagne. Neben witzigen, spöttischen und sarkastischen Spots stechen die Bilder von Verschleppung, Gewalt und Ungerechtigkeit umso stärker hervor und verfehlen ihre beklemmende Wirkung auch heute nicht. Die Stimmung im Open-Air-Kino schlägt denn auch, wie im Film, minütlich um zwischen der Euphorie, die die Kampagne durch Kreativität, Musik und Farben versprüht und dem bitteren Ernst, wenn die Militärs nachts bedrohlich auflauern oder ihre Schlagstöcke einsetzen. Jeder hat im Hinterkopf, dass das in Wirklichkeit so geschehen ist.

Der Film wird mit seinen 117 Minuten niemals langatmig, und auch ein kurzer Regenschauer kann die Blicke im Anfiteatro nicht von der Leinwand ablenken. Am Ende gibt es viel zu Feiern und zu Lachen (eigentlich schade, dass der Ausgang, historischen Fakten geschuldet, von vornherein klar ist) – und sogar über García Bernals Gesicht huscht endlich ein Lächeln. Mit diesem tollen Einstieg darf man sich auf ein lebendiges und buntes Festival freuen. Der Kartenverkauf läuft weiterhin und es gibt viel zu entdecken. Dieses Jahr scheinen sich die Festivalbesucher besonders für Filme mit historischem Hintergrund zu interessieren: Alle drei Vorstellungen des deutschen Beitrags “Hannah Arendt”, der vom Eichmann-Prozess in Israel erzählt, sind beispielsweise schon ausverkauft.

Doch zurück ins Open-Air-Kino: Nach einem langen Schlussapplaus machen sich Paola und ihre Freundinnen auf den Heimweg. Sie und die anderen BAFICI-Besucher singen und summen auch nach dem Abspann den Jingle der Kampagne weiter: “Chile, la alegría ya viene” – “Chile, die Freude kommt bald”. Ein echter Ohrwurm. Vielleicht ist Pablo Larraín ja selbst heimlicher Werbeexperte? Opposition, Freiheit und Demokratie werden in “¡No!” zum Produkt, das beworben werden will. Und ob man persönlich diesen materiellen Gedanken nun unterstützt oder nicht – man beißt als Zuschauer freiwillig an und wird nur allzu gerne Kunde von der Idee eines demokratischen Chile.

Das 15. BAFICI läuft bis zum 21. April. Informationen und Programm hier.

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Gute Stimmung herrschte bei der Eröffnung des Independent-Festivals BAFICI am Mittwochabend im Freilichtkino des Parque Centenario.
(Foto: BAFICI)

Deutsches Kino auf dem Vormarsch

Auf dem BAFICI laufen dieses Jahr wieder exzellente deutsche Beiträge

Von Jana Münkel


Da behaupte noch einmal jemand, der deutsche Film sei international nicht gefragt: Auf dem 15. BAFICI (Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente, 10.-21.4.) gehen zahlreiche sehenswerte Produktionen ins Rennen um die Auszeichnungen des wichtigsten Filmfestivals in Lateinamerika. Mit Unterstützung des Goethe-Instituts werden gleich drei deutsche Trilogien und eine Dokumentation gezeigt. Jeder der drei Teile “Glaube”, “Liebe”, “Hoffnung” von Ulrich Seidls “Paradies”-Reihe hatte bereits Premiere auf einem internationalen Filmfestival. Auf dem BAFICI ist die deutsch-französisch-österreichische Koproduktion, die die Einsamkeit intensiv und fast dokumentarisch thematisiert, vollständig zu sehen.

Mit “Eolomea”, “Der schweigende Stern” und “Im Staub der Sterne”, einer Science-Fiction-Trilogie der DEFA (Deutsche Film-AG), kommt auch das DDR-Kino der 60er und 70er nicht zu kurz. Die empfehlenswerte Dokumentation “Metamorphosen” von Sebastian Mez handelt von einer radioaktiv belasteten Gegend im Südural und läuft im internationalen Wettbewerb.

“Dreileben” ist eine Trilogie, zu der drei deutsche Regisseure jeweils einen Film beigesteuert haben; sie läuft in der Sektion Panorama. Dominik Graf, Christian Petzold und Christoph Hochhäusler werden der vielbeachteten Berliner Schule zugerechnet. Mit Unterstützung des Goethe-Instituts konnte Hochhäusler sogar für das BAFICI gewonnen werden und kommt erstmalig nach Argentinien, um unter anderem in Rahmen des Talent Campus mit jungen Filmemachern zu arbeiten. Er zeigt mit “Eine Minute dunkel” seinen Teil der Trilogie, darüber hinaus läuft sein preisgekröntes Investmentbankerdrama “Unter dir die Stadt” aus dem Jahr 2010.

Auf Fans des deutschen und lateinamerikanischen Kinos wartet aber noch ein besonderes Ereignis: Im Rahmen des Festivals präsentiert Hochhäusler am 12. April um 15 Uhr im Centro Cultural Recoleta die Erstausgabe von “las naves”, einer zweisprachigen Filmzeitung. Diese erscheint in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift “Revolver”, deren Mitbegründer und Autor Christoph Hochhäusler ist.

Desweiteren laufen “Gold” von Thomas Arslan mit Nina Hoss in der Hauptrolle, Margarethe von Trottas “Hannah Arendt” und das Künstlerporträt “Gerhard Richter Painting” von Corinna Belz.

Erwähnenswerte Koproduktionen mit deutscher Beteiligung sind “Post Tenebras Lux” von Carlos Reygadas und “Tanta Agua” von Ana Guevara und Leticia Jorge, das bereits auf der Berlinale vertreten war.

Für Freunde des Elektro ist in der Musiksektion “Peaches Does Herself” von der kanadischen und in Deutschland lebenden Künstlerin Peaches zu sehen.

“A Little Suicide” von Ana Lily Amirpour, die Bienen-Dokumentation “More than Honey” von Markus Imhoof und Viviane Blumenscheins “Mitsommernachtstango” sowie “Küf” von Ali Aydin und “Il futuro” von Alicia Scherson sind weitere Panorama-Beiträge mit deutscher Beteiligung. Zum Schluss schließlich noch ein Tipp für die Kleinsten: Stephan Scherschs “Der Mondmann” ist der einzige deutsche “Baficito2-Beitrag.

Weitere Informationen und das komplette Programm finden Sie auf der Webseite des Independent-Festivals. Der Vorverkauf läuft seit dem 2. April.

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Klimmzüge im Diätcamp: In Ulrich Seidls “PARADIES: Hoffnung” wird jedes Kilo zuviel unter die Lupe genommen.

Preguntas a Kirsten Mosel

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Entrevista con la artista alemana Kirsten Mosel, radicada en Argentina, acerca de su trabajo en el MAMba, matafuegos y “hotspots” museales

Por Susanne Franz


“Su representación del mapa urbano de Buenos Aires no refleja fielmente la imagen de la capital argentina con su forma de tablero de ajedrez. ¿Usted está creando quizás un “mapa urbano interior”?”

“Sí, se trata de una vista autobiográfica individual de la ciudad, a través de alguien que no es argentino. En mis recorridos por la capital, me di cuenta que la mayoría de los nombres de las calles tienen que ver con presidentes, militares, batallas, provincias e importantes acontecimientos históricos de Argentina. La historia y la geografía en los nombres de las calles juegan un papel central en la construcción de la identidad del país. En 2012 comencé a entender mi trabajo con los mapas de la ciudad como un proyecto artístico y de investigación. Elijo un detalle de la ciudad, dibujo el barrio a vista de pájaro, lo amplifico y lo proyecto. Ampliando el dibujo de las individuales “cuadras”, se vuelve único y personal. Luego está la letra, la cual utilizo tanto como cita -de un libro de referencia acerca del origen de los nombres callejeros de Buenos Aires- y por otra parte como elemento gráfico.

En diciembre de 2012, este proyecto fue invitado a participar en la exposición “Site Specific dibujo” en el Museo de Arte Moderno de Buenos Aires. Tres artistas muestran obras grandes en la pared. Cada artista expone por tres meses, nueve artistas por año. Al curador Santiago Bengolea y a la directora del museo, Laura Buccellato, les interesaba precisamente la visión de una artista no argentina. El trabajo es una fusión de mis dibujos del mapa urbano con mis trabajos abstractos con hoja plástica adhesiva. Las “cuadras” que puse en la pared son formas no significativas de distintos colores. Los nombres de las calles escribí a mano con pasteles al óleo. Y es así, como usted dice: al parecer, el tablero de ajedrez se suspende debido a una elección y composición del detalle que no van paralelos al suelo. La línea grande y brillante que asciende, tiene que ver con la autopista 25 de mayo, que en realidad corre directamente al lado del MAMba. El mapa urbano en forma de tablero de ajedrez, por así decirlo, cayó de la imagen… ”

“¿Qué significa exactamente “site specific” en su trabajo en la pared? ¿Y cómo es la reacción de los visitantes del museo? Porque subiendo la rampa de entrada al primer piso, uno nota su trabajo enseguida.”

“Para mí, “site specific” en el sentido más verdadero de la palabra, está relacionado con el lugar. El trabajo “Calles de Buenos Aires” en el MAMba retrata, por medio del lenguaje artístico de la abstracción urbana, el barrio San Telmo, donde está ubicado el museo. Y hay otra referencia: los matafuegos y la cámara de seguridad ya estaban en la pared. Me tuve de ocupar de estos “muebles” porque ambos son elementos que literalmente se encuentran en cada esquina en el espacio urbano. Ellos son elementos urbanos a otro nivel.

Los visitantes locales se sienten menudo algo confundidos y se preguntan si el trabajo es un “verdadero” mapa de la ciudad. Buscan una manera de donde mirar y luego sintonizan su estructura interna de la ciudad con la del mural. Muchos “encuentran” entonces el lugar donde podría estar ubicado el museo.”

“¿Cómo evalúa usted la trascendencia del Museo de Arte Moderno de Buenos Aires? Transmite, en su opinión, una vista representativa de la vibrante escena artística contemporánea en Argentina?”

“El MAMba tiene una excelente colección de arte abstracto que me inspira cada vez de nuevo. Tengo en mente imágenes de Ricardo Laham, Juan Melé, Roger Margariños y las obras en acrílico de Rogelio Polesello que también en retrospectiva son altamente actuales. El enfoque de la colección es más sobre el arte de los años 50 a los años 80. El museo expone el arte contemporáneo arriba en el piso superior o en el espacio de las artes digitales (actualmente Lux Lindner), o en el contexto del proyecto “Site Specific dibujo” con sus obras cambiantes. Junto conmigo exponen sus trabajos dos jóvenes artistas argentinos, Matías Ercole y Juan Malka.

Gracias al curador Santiago Bengolea quien concibió y seleccionó las posiciones artística actuales para el MAMba, la casa, con su arquitectura ideal y luminosa, recibió un nuevo impulso. Además, la nueva cercanía del MAMba con el MACBA tiene ciertamente una sinergia, pero también un efecto positivo sobre la competencia. Para mí personalmente, es un desafío saber que mi trabajo está prácticamente junto a una obra importante de la artista Sarah Morris -en el MACBA-, que a su manera se ocupa de la abstracción urbana de Los Angeles.”

“Ya hace un tiempo están de moda intervenciones artísticas en Buenos Aires. ¿Cómo las ve usted en el contexto internacional?”

“En los últimos dos años las intervenciones acá en Buenos Aires han permitido a los artistas el acceso a museos importantes. Y así, ellos pueden mostrar su enfoque de trabajo temporalmente limitado por ejemplo en la Fundación Proa, en el MAMba o en el Museo de Bellas Artes. En éstos espacios son vistos por un público más amplio, y los museos suman, además de sus colecciones permanentes, con los actuales “hotspots”. Comúnmente las intervenciones acá se limitan a los espacios interiores. Una excepción es la de Lang/Baumann, bajo el puente entre Bellas Artes y la Facultad de Derecho. Otro ejemplo es el trabajo recién realizado por Diego Mur sobre las persianas cerradas de la Galería Praxis, que se ve solamente por las noches.

En Europa se entiende por intervención artística, más que nada, arte público. Es decir, en un contexto urbano, social y arquitectónico, con un modo de proceder a veces participativo o performativo. Piense usted en la última Documenta 13 cuyo lema era colapso y reconstrucción. Gran parte de los trabajos fueron creados específicamente para la muestra en Kassel que se ocuparon de temas socio-políticos actuales. El mero hecho que la ciudad de Kabul actuó como lugar del acto paralelo de la Documenta es ejemplo y extensión.”

  • “Site Specific dibujo”, obras de Matías Ercole, Juan Malka y Kirsten Mosel
  • Curador: Santiago Bengolea
  • Museo de Arte Moderno de Buenos Aires (MAMba), San Juan 350, Buenos Aires
  • Martes a viernes de 11 a 19 hs; sábados, domingos y feriados de 11 a 20 hs, lunes cerrado (excepto feriados)
  • Entrada 2 Pesos, martes gratis
  • 18.12.-30.4.

Fotos, de arriba hacia abajo:

Kirsten Mosel, “Calles de Buenos Aires”, 2012/13. Hoja plástica y pasteles al óleo en pared, Museo de Arte Moderno Buenos Aires. SITE SPECIFIC dibujo. Curador: Santiago Bengolea.
(Foto: Kirsten Mosel)

Detalle del trabajo “Calles de Buenos Aires”.
(Foto: Kirsten Mosel)

Detalle.
(Foto: Kirsten Mosel)

Kirsten Mosel montando su trabajo en el MAMba.

Ciclo de cine “Saludos desde Freedonia”

Vuelven los hermanos Marx a la Lugones


El Complejo Teatral de Buenos Aires y la Fundación Cinemateca Argentina han organizado un ciclo denominado “Saludos desde Freedonia”: vuelven los hermanos Marx a la Lugones, que se llevará a cabo del sábado 30 de marzo al martes 9 de abril en la Sala Leopoldo Lugones del Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530, Buenos Aires). El ciclo está integrado por ocho de los films más importantes realizados por los inmortales Groucho, Harpo, Chico y Zeppo.

“Estaba paseando por State Street de Chicago cuando una pareja de mediana edad se acercó y empezó a dar vueltas a mi alrededor. Pasaron ante mi dos o tres veces examinándome como si yo fuese un ser ultraterreno. Finalmente, la señora, vacilante, se acercó y me preguntó:”Es usted, ¿verdad? ¿Es usted Groucho?” Asentí con la cabeza. Entonces ella me tocó tímidamente en el brazo y dijo: “Por favor, no se muera. Siga viviendo siempre.” ¿Quién podría pedir algo más?”
Groucho Marx en Groucho y yo (1959)

La agenda completa del ciclo es la siguiente:

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Synergie zwischen Kunst und Pädagogik

Heute wird die “Casa Daros” in Rio de Janeiro eröffnet

Von Chiara Kettmeir


In den letzten Jahren gewann Brasilien zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Einst führend in der ungleichen Reichtumsverteilung, floriert Brasilien nun immer mehr als Mittelschichtland. Der Fokus verschiebt sich anwachsend weg von der Hunger- und Armutsbekämpfung hin zur Modernisierung unter anderem von Kultur und Bildung. Auch der politische und kulturelle Austausch mit anderen Ländern außerhalb Lateinamerikas nahm verstärkt zu, im internationalen Kunstgeschehen genießen insbesondere Sao Paulo und Rio de Janeiro größere Aufmerksamkeit jenseits ihrer Landesgrenzen.

Nicht zuletzt trägt die Sammlung von Daros Latinamerica AG mit Sitz in Zürich einen großen Beitrag dazu bei. Sie gilt als das reichhaltigste Konvolut zeitgenössischer lateinamerikanischer Kunst, ihre heutigen Besitzer Stephan und Ruth Schmidheiny verfolgen schon seit längerer Zeit verschiedene Kunstprojekte in Südamerika. Ihr jüngstes Projekt feiert am heutigen Samstag in Rio de Janeiro seine Eröffnungsschau “Cantos Cuentos Colombianos” und führt eine repräsentative Werkauswahl zeitgenössischer Kunst von 10 kolumbianischen Künstlern (Doris Salcedo, Fernando Arias, José Alejandro Restrepo, Juan Manuel Echavarría, María Fernanda Cardoso, Miguel Angel Rojas, Nadín Ospina, Oscar Muñoz, Oswaldo Maciá und Rosemberg Sandoval) vor.

Mit dem Namen “Casa Daros” wird das prächtige, neoklassizistische Gebäude Kunst aus allen Ländern Lateinamerikas, das aus der Kollektion von rund 1100 Arbeiten von 116 latinamerikanischen Künstlern stammt, ausstellen. Das 1866 von Francisco Joaquim Bethencourt de Silva (1831-1912) erbaute Anwesen – ein ehemaliges Waisenhaus für Mädchen, das ungefähr 11.000m2 umfasst – wurde 2006 von Daros gekauft und über sieben Jahre hinweg sorgfältig und umfassend renoviert. Es handelt sich um ein Kulturerbe der Stadt, weshalb sich die Umbauten am Prinzip der Reversibilität orientierten, so dass historische Bausubstanz erhalten bleiben konnte.

Zwei Ausstellungen pro Jahr sollen in der “Casa Daros” gezeigt werden, begleitet von verschiedenen Workshops, Seminaren und Vortragsszyklen. Ferner bietet das im zentralen Stadtteil Botofago gelegene Haus eine Bibliothek sowie Künstlerstudios, Auditorien, ein Restaurant, ein Café und einen Shop.

Dem Direktor der “Casa Daros”, dem Deutschen Hans-Michael Herzog, geht es dabei nicht nur um eine Zurschaustellung lateinamerikanischer Gegenwartskunst. Vielmehr soll die “Casa” Treffpunkt für Künstler sein, ein Ort des Austausches und der kulturellen Erziehung. Der Betrachter soll seinen gewohnten Standpunkt überdenken, ein neues Terrain betreten, das Interesse an anderen südamerikanischen Ländern soll gefördert werden. Dieser didaktische Ansatz hinter der erhofften Kunstvermittlung findet sein Ziel darin, Kunst als einen Forschungs- und Lernprozess zu betrachten. Einerseits soll auf die soziokulturellen Milieus aus den unterschiedlichsten Breitengraden Südamerikas aufmerksam gemacht werden. Andererseits soll Kunst als Hypothese betrachtet werden, die nicht von Kuratoren oder Kritikern vordeterminiert wurde, sondern den subjektiven Blickwinkel und die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen herausfordert.

Diese Synergie zwischen Kunst und Pädagogik hört sich nach einem vielversprechenden Ansatz an. Es bleibt abzuwarten, welche neuen Verbindungen und Dialoge sich für die Gegenwartskunst in Südamerika daraus ergeben.

Foto:
“Casa Daros” in Rio de Janeiro – ein Ort, wo Kunst, Bildung und Kommunikation als Konzept und Programm formuliert werden.